Samstag, 3. Dezember 2016
02.01.2014
 
 

Russland schaltet sich in die Erdöl-Bonanza im östlichen Mittelmeer ein

F. William Engdahl

Die Kriege um die Herrschaft in Syrien – es sind zurzeit mehr als nur einer im Gange – haben ihren Hintergrund in einem nicht erklärten Krieg über die riesigen neu entdeckten Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Region. Wir haben bereits darüber berichtet. Russland hatte es zunächst in brillanter Manier geschafft, US-Präsident Obama die Möglichkeit zu geben, ohne Gesichtsverlust aus einem nicht gewünschten militärischen Krieg in Syrien auszusteigen, indem es gelang, Syriens Präsident Baschar al-Assad dazu zu bewegen, das Chemiewaffenarsenal seines Landes abzubauen. Als nächsten Schritt sichert sich Russland jetzt einen großen Vertrag mit der syrischen Regierung – unabhängig davon, ob Assad Präsident bleibt oder nicht – über die Rechte zur Erkundung und Entwicklung von Erdöl- und Erdgasvorkommen in Gewässern vor der syrischen Küste.

Am 25. Dezember unterzeichnete Syriens Ölminister Suleiman Abbas im Namen der syrischen Regierung einen 25-Jahres-Vertrag mit dem russischen SojusNefteGas-Konzern zur Erkundung von Erdöl in den territorialen Gewässern vor der Küste im östlichen Mittelmeer. Chef von SojusNefteGas ist der ehemalige russische Energieminister Juri Schafranik, Hauptaktionär ist die

russische Zentralbank. Der Konzern wurde im Jahr 2000 in der Absicht gegründet, »die wirtschaftliche Kooperation mit ehemaligen Sowjetstaaten, dem Nahen/Mittleren Osten und Nordafrika zu verbessern«, wie es bei der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti hieß. Der Konzern betreibt auch Projekte im Irak und Usbekistan.

 

Mit anderen Worten: Der Syrien-Deal ist Teil von Putins langfristiger Strategie in der Region.

 

Das neue Abkommen umfasst ein circa 2200 Quadratkilometer großes Gebiet, das sich von der von Regierungstruppen gehaltenen Stadt Tartus, in der Russland auch die einzige Marinebasis im Mittelmeer unterhält, bis nach Banias erstreckt und 70 Kilometer weit ins Mittelmeer in die syrische Ausschließliche Wirtschaftszone hineinreicht. Das russische Unternehmen ist seit Jahren an Projekten auf dem syrischen Festland beteiligt.

 

Energie-Gerangel im Mittelmeer

 

Mit dem Schritt, die syrischen Offshore-Energievorkommen zu entwickeln, mischt sich Russland in das heiße Gerangel um Erdöl- und Erdgasreserven ein, die Schätzungen zufolge einem, wenn nicht gar zwei, neuen Saudi-Arabien entsprechen. Ein Blick auf die Offshore-Karte der Region ist aufschlussreich.

 

 

Wie wir kürzlich berichteten, ist Israel nach der Entdeckung großer Erdgasvorkommen in eigenen Gewässern im Jahr 2010 zu einem großen Player bei der Entwicklung von Erdöl und Erdgas im östlichen Mittelmeerraum geworden. Unter anderem in Zypern, das große eigene Erdgasfelder bestätigt hat. Die Erkundung vor der Küste des Libanon wurde (möglicherweise einigen Rivalen durchaus genehm) durch den Krieg in Syrien unterbrochen, genauso wie die Erkundung nach Erdöl und Erdgas in Syrien selbst.

 

2009 reiste der Emir von Katar nach Damaskus, um mit Präsident Baschar al-Assad ein Abkommen über den Bau einer katarischen Erdgaspipeline vom riesigen Offshore-Feld North Dome auszuhandeln. Das North-Dome-Feld grenzt an das iranische South-Pars-Feld im Persischen Golf, der die beiden Länder trennt. Das South-Pars/North-Dome-Feld ist das größte Erdgasfeld der Welt, aufgeteilt zwischen dem Iran und Katar. Katar, bereits jetzt der weltgrößte Produzent von Flüssiggas (LNG), das hauptsächlich nach Asien exportiert wird, ist dringend an einem direkten Zugang zum boomenden Gasmarkt in der EU interessiert. Deshalb schlug Katar Assad den Bau einer Gaspipeline vor, über die katarisches Erdgas durch Syrien in die Türkei, einen engen Verbündeten Katars, transportiert werden könnte. Assad weigerte sich unter Hinweis auf die engen Energie-Verbindungen mit Russland.

 

Im März 2011 unterzeichnete Assad ein weiteres Abkommen über eine Erdgaspipeline, dieses Mal mit Katars erbittertem Gegner Iran. Katar ist fundamentalistisch-sunnitisch geprägt und Heimstatt der radikalen Moslembruderschaft. Der Iran ist fundamentalistisch-schiitisch geprägt und der Irak wird von einem schiitischen Ministerpräsidenten regiert. Sowohl der Iran als auch der Irak unterstützen Assad im derzeitigen Krieg um die Herrschaft in Syrien. Die iranische Erdgaspipeline würde von dem Feld am Persischen Golf durch den Irak und Syrien verlaufen. Die Tinte unter dem Vertrag über den Bau der Iran-Irak-Syrien-Pipeline war noch nicht getrocknet, da brach in ganz Syrien ein Terrorkrieg aus, finanziert mit Milliarden von Dollar aus Katar.

 

Jetzt tritt Russland auf den Plan, nachdem es Katar, den Saudis und der Türkei nicht gelungen ist, die Assad-Regierung zu stürzen und entweder durch ein fundamentalistisch-wahhabitisches saudisches Regime oder ein fundamentalistisch-salafistisches Moslembruderschafts-Regime zu ersetzen, das nicht mit Russland, sondern mit Katar oder Saudi-Arabien Geschäfte machen würde.

 

 

 


 

 

 

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