Saturday, 30. July 2016
10.06.2014
 
 

Russland und China auf dem Weg, sich vom Dollar-System zu befreien

F. William Engdahl

Der US-gestützte Putsch in der Ukraine und die seit vergangenem Jahr eskalierenden Sanktionen gegen Russland plus die von den USA unterstützten Provokationen vonseiten Vietnams, Japans und der Philippinen verändern die Beziehungen zwischen den beiden eurasischen Großmächten Russland und China.

Beide Länder haben nicht nur endlich ein Mammut-Energiegeschäft über die Lieferung russischen Erdgases an China, Vereinbarungen über die gemeinsame Produktion von Militärflugzeugen und eine engere militärische Kooperation vereinbart, sondern beide sind jetzt auf dem Weg, sich von der Dominanz des Dollar-Systems zu befreien. Wenn sie damit Erfolg haben, bedeutet es den

Todesstoß für die globale Vormachtstellung Amerikas, das berühmte »Amerikanische Jahrhundert«.

 

Erste wichtige Schritte

 

Am 3. Juni kündigte der russische Finanzminister Anton Siluanow die ersten Schritte beider Länder in Richtung einer Kooperation in der Geldpolitik an. Bei einem Treffen mit der Führung der chinesischen Zentralbank unterzeichnete Siluanow eine Kooperationsvereinbarung über eine engere Zusammenarbeit zwischen den Finanzministerien Russlands und Chinas.

 

Siluanows Chinabesuch folgte auf Präsident Putins Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping im Mai in Schanghai. Dort hatten beide ein größeres Finanzabkommen unterzeichnet – ein Hinweis auf engere Beziehungen Russlands mit China, und zwar auf allen Ebenen.

 

Anders als in der Stalin-Ära, als China noch zu den rückständigsten Ländern der Welt gehörte, ist China heute ein wirtschaftlicher Gigant, so dass sich der Dialog völlig anders gestaltet als in den 1950er und 1960er Jahren. Damals manipulierte der Westen Spannungen, die 1969 zum russisch-chinesischen Bruch führten, dem 1971 unter Nixon und Kissinger die Öffnung der USA nach China folgte.

 

Weder China noch Russland haben die Einzelheiten des kürzlich vereinbarten 400-Milliarden-Dollar-Gasgeschäfts bekannt gegeben, aber alles deutet darauf hin, dass das Geschäft insgesamt, zumindest aber in großen Teilen, über bilaterale Währungsvereinbarungen unabhängig vom Dollar abgewickelt wird.

 

Da beide Länder schon jetzt Renminbi-Rubel-Arrangements nutzen, um der Gefahr zu entgehen, dem Dollar zu stark ausgesetzt zu sein, könnte das Gasgeschäft eine wesentliche Veränderung für die Rolle des Dollars als Weltreservewährung bedeuten.

 

Die US-Regierung konnte nur deshalb 40 Jahre lang mit Handelsdefiziten und Haushaltsdefiziten operieren, weil die übrige Welt so gehorsam wie töricht den Dollar als stabile und sichere Währung betrachtet und mit ihren Handelsüberschüssen US-Staatsanleihen aufkauft. Es ist auch einer der Gründe dafür, dass Washington in der Lage war, von Irak bis Afghanistan mit »geliehenem Geld« Krieg zu führen.

 

China ist diese verdrehte Realität mittlerweile klar geworden, wie ich dort unlängst bei Gesprächen mit führenden Akademikern bestätigen konnte. Heute ist China der größte Halter amerikanischer Staatsanleihen und anderen in US-Dollar ausgewiesenen Papieren. Das Land besitzt insgesamt rund 3,8 Billionen Dollar an Reserven, davon circa 60 Prozent in US-Staatspapieren. Die Stärke des Euro in letzter Zeit ist darauf zurückzuführen, dass China Euros aufkauft. Gleichzeitig kauft die chinesische Zentralbank seit einiger Zeit auf den internationalen Märkten in großem Stil Gold, um die Goldreserven aufzustocken.

 

Das ist vermutlich die Vorbereitung zur Sicherung der Vermögenswerte angesichts eines unvermeidlichen Wertverfalls des Dollars durch nicht aufrecht zu erhaltende US-Haushaltsdefizite und das Schuldenwachstum. Die US-Staatsverschuldung hat gerade die alarmierende Marke von 103 Prozent des BIP durchstoßen und nähert sich Werten wie Griechenland oder Italien.

 

Das alles gibt einen starken Anreiz, wo immer möglich Alternativen zum Dollar zu nutzen. Schließlich ist es ziemlich dumm, wenn auch nur indirekt die Regierung zu finanzieren, deren Kriege in aller Welt darauf abzielen, Chinas Handlungsspielraum in der Welt einzugrenzen.

 

Ein eigene Ratingagentur

 

Wenn die EU-Regierungen noch immer im Sumpf der Euro-Schuldenkrise stecken, so ist das zum Teil darauf zurückzuführen, dass die rund zehn privaten Großbanken – von der Deutschen Bank über HSBC, BNP-Paribas, UBS, Société Générale, Crédit Agricole bis zur Royal Bank of Scotland mit Vermögenswerten, die höher sind als das BIP der meisten Länder – gemeinsam mit den sechs Wall-Street-Großbanken buchstäblich ein Banker-Kartell bilden, das die »Spielregeln« diktiert.

 

Da die US-Ratingagenturen tief in die Korruption der Top-Banken eingebunden sind, werden Ratings als Waffe eingesetzt, um potenzielle Rivalen zu schwächen. Die EU-Regierungen haben eine sinnvolle Alternative vorgeschlagen: eine neutrale, unabhängige europäische Ratingagentur. Washington und die Großbanken-Lobby haben den Plan gekillt, das Nachsehen hat die EU.

 

China und Russland sind sich der politischen Verbindungen der New Yorker Ratingagenturen Moody‘s und Standard & Poor‘s vollkommen bewusst. Im Rahmen seiner Gespräche in Peking einigte sich Siluanow mit der chinesischen Seite auf die Einrichtung einer gemeinsamen russisch-chinesischen Ratingagentur, die zu einer international akzeptierten Alternative zu den allzu oft falschen Ratings der US-Agenturen werden könnte.

 

Gegenüber der Presse erklärte der Minister in Peking: »Im Anfang wird die Agentur russisch-chinesische Investitionsprojekte bewerten, und zwar im Hinblick darauf, Investoren aus asiatischen Ländern anzuziehen. Wir glauben, dass die Agentur bei weiterem Fortschritt und wachsender Autorität schrittweise ein Niveau erreichen wird, wo ihre Bewertungen andere Länder anziehen.« Die neue gemeinsame Ratingagentur wird Berichten zufolge die bereits bestehende chinesische Dagong und eine staatlich unterstützte Institution aus Russland einbeziehen.

 

Zur gleichen Zeit hat die VTB, Russlands größte Bank, einen Vertrag mit der Bank of China unterzeichnet, der auch eine Vereinbarung darüber enthält, gegenseitig in eigener Währung zu bezahlen, den Dollar also zu umgehen. Gleichzeitig sprach Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew im russischen Fernsehen davon, wegen der von der EU und den USA verhängten Sanktionen werde Russland den Rubel für den Handel nutzen und ihn irgendwann von einer »konvertiblen Währung zu einer Reservewährung« machen.

 

Für die Strategen der wirtschaftlichen Kriegsführung in US-Finanzministerium und im Weißen Haus könnten sich die Wirtschaftssanktionen gegen Russland und Obamas „Asien-Schwenk“ – den die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice und Neokonservative im State Department wie Victoria Nuland entworfen haben – als eines der dümmsten politischen Manöver der jüngeren US-Geschichte erweisen. Und zwar mit der nicht beabsichtigten Konsequenz, dass sich China und Russland nicht nur beschleunigt auf eine Währungspolitik, sondern auf eine strategische Politik auf allen Ebenen einigen. Hoppla!

 

 

 

 


 

 


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