Saturday, 28. May 2016
15.09.2014
 
 

Russland verhandelt mit China über neues SWIFT-Abkommen

F. William Engdahl

Russland und China, die beiden strategisch wichtigen Länder Eurasiens, sind offenbar dabei, sich endgültig aus dem Würgegriff des Dollars zu befreien. Am 10. September führten beide Seiten Gespräche über die Einrichtung eines Interbank-Clearing-Systems unabhängig vom US-kontrollierten Zahlungssystem SWIFT. Wenn es tatsächlich dazu kommt, wäre dies für Russland und China eine wichtige Maßnahme zum Schutz ihrer Volkswirtschaften vor Washingtons neu entwickelter Waffe der Finanzkriegsführung gegen ein Land, das sich nicht nach dem Willen bestimmter mächtiger Kreise verhält.

 

Am 10. September traf Russlands erster Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow in Peking mit seinem chinesischen Amtskollegen zu Gesprächen über die Errichtung eines Clearing-Systems für internationale Interbanken-Finanztransaktionen zusammen. Es könnte oder würde im Fall weiterer Sanktionen durch USA und EU den SWIFT-Interbanken-Zahlungsmechanismus ablösen. Nach seinen Gesprächen in Peking bestätigte Schuwalow vor der Presse: »Ja, wir haben diskutiert und befürworten diese Idee.«

Russland reagiert damit auf Washingtons eskalierende finanzielle Kriegsführung von Wirtschaftssanktionen gegen führende russische Persönlichkeiten. Washington beabsichtigt, die Spannungen und Konfrontationen aus der Zeit des Kalten Krieges wieder aufleben zu lassen, um einen blutigen Keil zwischen die Länder der EU, insbesondere Deutschland und Russland zu treiben. Im März dieses Jahres beschloss die EU unter dem Druck Washingtons einstimmig eine Reihe von Sanktionen gegen wichtige russische Persönlichkeiten aus Präsident Putins Umfeld. Die Sanktionen waren die Antwort auf das Referendum über die Unabhängigkeit der Krim, bei der sich die überwältigende Mehrheit der Wähler – 93 Prozent – für die Mitgliedschaft in der Russischen Föderation und für eine Abspaltung von der Ukraine aussprach.

 

Die Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunications, abgekürzt SWIFT, stellt eine der wichtigsten Verbindungen Russlands zum internationalen Finanzsystem dar. Wie Bloomberg berichtete, brachte die britische Regierung von Premierminister David Cameron am 30. August – ironischerweise unmittelbar nachdem Russland in Minsk Bedingungen für einen Waffenstillstand zwischen der Regierung in Kiew und den Rebellen in der Ostukraine vorgeschlagen hatte – ins Gespräch, die EU-Sanktionen gegen Russland eskalieren zu lassen und russische Banken vom SWIFT abzuklemmen.

 

Wenn es dazu käme, gliche es der Erklärung eines vollen Wirtschaftskrieges zwischen der EU und Russland. Die Folgen für die EU wären eindeutig verheerend, worüber man sich in Washington oder in führenden Kreisen der Wall Street ohne jeden Zweifel ins Fäustchen lachen würde. Schon jetzt treffen die von den USA verfügten EU-Sanktionen gegen Russland die deutsche Wirtschaft ganz erheblich.

 

Russland vom SWIFT-System abzuklemmen, wäre ein sehr ernster Schritt, der harte Gegenmaßnahmen aus Russland nach sich zöge. Der Ausschluss Russlands vom SWIFT würde Probleme im grenzüberschreitenden Bankenverkehr schaffen, die den Handel lahmlegen würden.

 

Die jüngsten Gespräche in Peking zeigen, dass Moskau nicht naiv über die Absicht bestimmter Washingtoner Kreise denkt, die den Druck gegen Russland bis zu einem neuen Kalten oder sogar heißen Krieg eskalieren lassen wollen. Darüber hinaus sind China und Russland im Gespräch über die Schaffung einer neuen internationalen Kreditrating-Agentur, unabhängig von den politisch manipulierten US-Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poors.

 

Diese Initiativen der beiden führenden Länder nicht nur im eurasischen Schanghaier Rat für Zusammenarbeit, sondern auch unter den BRICS-Staaten – Brasilien, Russland, China, Indien, Südafrika – sind ein nächster Schritt, nachdem die BRICS-Staaten im vergangenen Juli in Brasilien einmütig die Gründung einer Alternative zu den von Washington beherrschten Institutionen IWF und Weltbank beschlossen hatten. Geplant sind der Aufbau einer BRICS-Infrastrukturbank und ein Währungsfonds.

 

Parallel zu dem Schritt, sich aus dem Würgegriff des Dollar-Systems zu befreien, verhandeln Russland und China über ein Abkommen, den Energiehandel zwischen beiden Ländern in den eigenen Währungen abzuwickeln und nicht mehr, wie seit der Gründung des Bretton-Woods-Systems 1944 üblich, über den US-Dollar. Seit August 1971, als US-Präsident Nixon entschied, die Bindung des US-Dollars an das Gold aufzuheben, beruht die Macht der USA auf einem System, bei dem alle Länder unabhängig von steigendem oder fallendem Dollarkurs gezwungen waren, den US-Dollar für den Handel mit Erdöl, Rohstoffen und anderen Waren einzusetzen.

 

Als der Euro nach der Finanzkrise von 2008 erstmals zu einer Herausforderung für die Rolle des Dollars als »Reservewährung« wurde, koordinierte man in Washington eilig die spätere »Griechenland-Krise«. Beteiligt waren die Wall Street und die Abteilung für Wirtschaftskriegsführung in der Obama-Regierung, die Working Group on Financial Markets (Arbeitsgruppe über Finanzmärkte), in Washington auch bekannt als »Plunge Protection Team« (Absturzverhütungsteam) unter Vorsitz der Chefs von Federal Reserve, der Bankenaufsicht SEC und der Commodity Futures Trading Commission [die die Future- und Optionsmärkte in den USA reguliert].

 

De facto war die »Griechenlandkrise« eine volle Finanzkriegsoffensive Washingtons und der Weltbank gegen die Stabilität des Euro. Unter Beteiligung der Federal Reserve, Rating-Agenturen, von der Wall Street finanzierten Hedgefonds-Spekulanten und des US-Finanzministeriums wurde die Euro-Krise geschaffen. Infolgedessen stieg der Dollar drastisch, die Volkswirtschaften in Euroland sind seither deutlich geschwächt.

 

Eindeutig haben China und Russland sowie andere Regierungen von Schwellenländern Washingtons neue Finanzkriegswaffe verstanden, die durch nach dem 11. September 2001 verhängte Maßnahmen verfeinert wurde. Letztere richteten sich angeblich gegen Geldwäsche durch internationale Terroristen, lassen sich aber heute ganz klar auf alle Banken der Welt anwenden. Wirtschaftlich und finanziell betrachtet nähert sich die Welt dem »Umkipppunkt«; mit der Schaffung einer gemeinsamen russisch-chinesischen Alternative zum SWIFT würde ein weiterer dicker Nagel in den Sarg für den Dollar geschlagen. Es steht jedoch nicht zu erwarten, dass Washington und die Wall Street diesen Nagel widerstandslos hinnehmen. Seit dem US-finanzierten Putsch in der Ukraine vom Februar 2014 befinden wir uns in einer neuen Ära weltweiter Kriegsführung.

 

 

 

.

Leser-Kommentare (21) zu diesem Artikel

16.09.2014 | 14:57

zdago

SWIFT - wo liegt das Problem ?An der Stelle von Putin würde ich für die Gas- und Öl-Rechnungen als Bank eine boykottierte Bank angeben und es dem US-Imperium und seinen Handlangern überlassen, ob sie noch einen Tropfen ÖL/Gas haben wollen. Dann könnte Merkel (als Kanzler wäre ich beim Angriff auf den Irak dabei) selbst entscheiden, wie sie zu der Sache steht und es gegenüber Deutschland vertreten !China und auch andere Staaten sind da bestimmt gerne dabei, als Kunden den Westen...

SWIFT - wo liegt das Problem ?

An der Stelle von Putin würde ich für die Gas- und Öl-Rechnungen als Bank eine boykottierte Bank angeben und es dem US-Imperium und seinen Handlangern überlassen, ob sie noch einen Tropfen ÖL/Gas haben wollen.
Dann könnte Merkel (als Kanzler wäre ich beim Angriff auf den Irak dabei) selbst entscheiden, wie sie zu der Sache steht und es gegenüber Deutschland vertreten !

China und auch andere Staaten sind da bestimmt gerne dabei, als Kunden den Westen zu ersetzen !
Und das ganze ohne SWIFT !

Dann können alle Staaten völlig demokratisch entscheiden, ob sie lieber US-Drogen aus Afghanistan oder russisches Gas/Öl einführen wollen !
mfg zdago


16.09.2014 | 14:24

Juergen

Die USA verzettelt sich immer mehr. Sie versuchen ein Loch nach dem anderen zu stopfen aber reisen immer mehr Löcher auf. Vielleicht denken die auch das nur ein Krieg helfen kann, da si hoffen dass dann die Wirtschaft wieder angekurpelt wird. Wann wird Rom 2.0 kommen. Viellleicht bald? Vielleicht hat Obama den Friedensnobelprei bekommen damit wir endlich Frieden haben von der USA haben. ;-) Die BRICS haben am 15. Juli die Vereinbarung zur Gründung der New Development Bank...

Die USA verzettelt sich immer mehr. Sie versuchen ein Loch nach dem anderen zu stopfen aber reisen immer mehr Löcher auf. Vielleicht denken die auch das nur ein Krieg helfen kann, da si hoffen dass dann die Wirtschaft wieder angekurpelt wird. Wann wird Rom 2.0 kommen. Viellleicht bald? Vielleicht hat Obama den Friedensnobelprei bekommen damit wir endlich Frieden haben von der USA haben. ;-) Die BRICS haben am 15. Juli die Vereinbarung zur Gründung der New Development Bank unterzeichnet. Zwei Tage danach war der Abschuss von MH17. Zufall?


16.09.2014 | 10:30

Michel

Was für einen Standard oder was für einen Richtwert haben dann die beiden Währungen? Oder auch, was für einen Richtwert haben andere Währungen gegenüber dem chinesischen Klimbimbi, was ja überall geschrieben steht, daß auch andere Länder ihre Geschäfte außerhalb des Dollar tätigen wollen, z.B. mit China?Das muß doch irgendwie ständig festgelegt werden. Am einfachsten wäre es doch, wenn man sich auf den Goldstandard einigen würde, was bei den aktuellen Verwerfungen durch den...

Was für einen Standard oder was für einen Richtwert haben dann die beiden Währungen? Oder auch, was für einen Richtwert haben andere Währungen gegenüber dem chinesischen Klimbimbi, was ja überall geschrieben steht, daß auch andere Länder ihre Geschäfte außerhalb des Dollar tätigen wollen, z.B. mit China?
Das muß doch irgendwie ständig festgelegt werden. Am einfachsten wäre es doch, wenn man sich auf den Goldstandard einigen würde, was bei den aktuellen Verwerfungen durch den Papiergoldhandel aber nicht so einfach wäre. Vielleicht könntet Ihr mal Experten befragen, oder liege ich ganz falsch?


16.09.2014 | 10:10

Alfons

Es wird eng für Ami-Land und seine Vasallen. Der Dollar hat den Wert von bedrucktem Klopapier und die sog. "EU" wird auf das Niveau afrikanischer Entwicklungsländer fallen. Dann sind selbst US-Raub- und Beutezüge wie TTIP, TISA, CETA usw. unergiebig und Ami-Land muss andere Staaten in seine Sklaverei zwingen -das wird noch richtig blutig.


16.09.2014 | 09:51

rehse

Neues Swift-Abkommen? Es wird höchste Zeit, dass sich da etwas ändern. Es ist China und Russland zu gönnen, dass sie ein vergleichbares Abkommen, ohne Dollar, hinbekommen werden. Der Pleitestaat USA sollte aber vorher mindestens einen Teil seiner immensen Schulden an China bezahlen.


16.09.2014 | 00:28

Ulrich

Artus@, ganz Ihrer Meinung, es tut sich was, da kommen gute Ansätze von diesen Parteien. Ich habe mir jetzt einmal das Programm der AFD angeschaut und die Wahlergebnisse im Osten, und kann nur sagen, Links oder Rechts ist egal, "Populisten" sind erwünscht, Hauptsache es denkt jemand einmal an die Interessen der Menschen, speziell hier der Ureinwohner! Marine le Pen hat mir bisher auch imponiert, und auch Gysi.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Bringt der Konflikt mit Russland das wackelnde globale Finanz-Kartenhaus endgültig zum Einsturz?

Markus Gärtner

Die neuen Sanktionen des Westens gegen Russland schüren auf beiden Seiten zusätzlich die Furcht vor einer Eskalation zu einem Krieg. Kaum jemand glaubt daran, dass die jüngste Waffenruhe in der Ostukraine in einen dauerhaften Frieden mündet. Scharfmacher im US-Senat drängen zudem vehement darauf, das ukrainische Militär umfangreich mit Waffen für  mehr …

Der erste Sargnagel für den Petrodollar: Gazprom akzeptiert Yuan und Rubel als Zahlungsmittel für Erdöllieferungen

Tyler Durden

Als Russland und China im Mai dieses Jahres den seit Langem erwarteten Vertrag über umfangreiche Erdgaslieferungen unterzeichneten, waren einige enttäuscht, dass trotz der hohen symbolischen Bedeutung dieses Abkommens, das den Anfang vom Ende der weltweiten Vorherrschaft des Petrodollars markierte, weder Russland noch China erklärten, die  mehr …

Wodka in Havanna: Putin und Castro wandeln auf alten Pfaden

Henning Lindhoff

Im vergangenen Juli traf Russlands Präsident Wladimir Putin zu Gesprächen in Havanna ein. Wie die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS berichtete, hat die Duma bereits am 4. Juli 2014 ein Abkommen ratifiziert, nach dem der kubanischen Regierung unter Raul Castro, Schulden in Höhe von 32 Milliarden US-Dollar erlassen werden. Die verbleibenden 3,2  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Öl als Waffe – Die USA drehen den Spieß um

Markus Gärtner

Die USA setzen verstärkt den Ölpreis als Waffe gegen Russland, den Iran und die OPEC ein. Die Notierungen für das schwarze Gold sind nur einer von vielen Hebeln, mit denen die Supermacht ihren Gegnern rund um den Globus die Daumenschrauben ansetzt und dem Westen hilft. Weil der Fracking-Boom in den USA derzeit über 90 Prozent zur gesamten  mehr …

Mysteriöse Todesfälle unter Virologen – ermordet oder »geselbstmordet«

J. D. Heyes

Seit 2004 sind zahlreiche Wissenschaftler gestorben, viele von ihnen unter mysteriösen Umständen – und in alternativen Medien fragt man sich mittlerweile bei manchen Fällen, warum.  mehr …

Weltwirtschaft zeigt Parallelen zu 1937

Tyler Durden

1929 kam es zu einem Börsencrash, der eine Wirtschaftsdepression auslöste. Diese verschlimmerte sich acht Jahre später, eine Erholung trat erst mit dem gewaltigen Schub ein, den der Zweite Weltkrieg der Wirtschaft verpasste – ein Konflikt, der mehr als 60 Millionen Menschen das Leben kostete. Als sich die Wirtschaft endlich erholt hatte, lagen  mehr …

Landtagswahlen in Brandenburg und Thüringen: Deutliche Absage an die Politik

Torben Grombery

Die vorläufigen amtlichen Endergebnisse der Landtagswahlen im Bundesland Brandenburg und im Freistaat Thüringen stehen nun fest – die traurige Bilanz: Die Menschen haben der Politik insgesamt eine deutliche Absage erteilt! Mit einer Wahlbeteiligung von 47,9 Prozent (minus 19,1) in Brandenburg und 52,7 Prozent (minus 3,5) in Thüringen muss die  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.