Wednesday, 25. May 2016
20.11.2013
 
 

Russland wendet sich gen Asien, um ein Gegengewicht zur Einkreisung durch die USA zu schaffen

F. William Engdahl

Nachdem Präsident Wladimir Putin zunächst Schritte unternommen hat, Russland vor der Bedrohung eines amerikanischen Raketenangriffs vom Westen her – aus Polen, der Tschechischen Republik, der Türkei und Bulgarien – zu schützen, richtet er jetzt seine Aufmerksamkeit in Richtung Japan und Indien. Beide Länder wurden vom US-Pentagon mit dem Angebot einer eigenen Raketenabwehr und militärischer Zusammenarbeit umworben, die sich nicht nur gegen China, sondern auch gegen Russlands Fernen Osten richtet, dem Standort wichtiger Raketenstützpunkte.

Anfang November weilten Russlands Außenminister Sergei Lawrow und Verteidigungsminister Sergei Schoigu vier Tage in Tokio zu Gesprächen mit ihren japanischen Amtskollegen, Außenminister Fumio Kishida und Verteidigungsminister Itsunori Onodera. Auf der Tagesordnung standen gemeinsame Marinemanöver. Diese Initiative beider Seiten löst in Washington mit

Sicherheit keine Begeisterung aus, denn schließlich hat man Japan jahrelang als »Vasallenstaat« der USA betrachtet, wie es Zbigniew Brzeziński einst formulierte.

Beide Länder unterzeichneten eine Vereinbarung, wonach Russlands Marine und die japanischen »Selbstverteidigungskräfte zur See« gemeinsame Manöver zum Vorgehen gegen Piraterie und zur Terrorismusabwehr durchführen werden. »Wir brauchen eine Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit, um die Beziehungen zwischen Japan und Russland insgesamt zu stärken«, erklärte der japanische Außenminister Fumio Kishida vor Reportern.

 

Die enge militärische Zusammenarbeit ist auch über den militärischen Bereich hinaus von Bedeutung. Sie ist Teil des Versuchs Russlands, einen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs schwelenden Konflikt über zwei Inseln beizulegen, der bisher die Unterzeichnung eines Friedensvertrags zwischen beiden Ländern verhindert hat. Die russisch-japanischen Beziehungen wurden durch den von beiden Seiten erhobenen Anspruch auf eine Inselgruppe nördlich von Hokkaido belastet. Die Inseln, die in Japan »Nördliche Territorien« und in Russland »Südliche Kurilen« genannt werden, wurden in den letzten Kriegstagen von der damaligen Sowjetunion besetzt. Die beiden Außenminister einigten sich auf weitere Verhandlungen über einen Friedensvertrag, die im Januar oder Februar stattfinden sollen.

 

Japans Ministerpräsident Shinzō Abe hat seit seiner Amtsübernahme im Dezember vergangenen Jahres ebenfalls eindeutige Schritte unternommen, um die Verbindung zum russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verbessern. Beide trafen im Verlauf der letzten sechs Monate vier Mal zu bilateralen Gesprächen zusammen. Im gleichen Zeitraum fanden zwischen Japan und China oder Nordkorea, mit denen ebenfalls Gebietsstreitigkeiten bestehen, keine Gespräche statt. Im April dieses Jahres reiste Japans Ministerpräsident zu einem Besuch nach Russland, es war die erste derartige Reise eines japanischen Regierungschefs seit zehn Jahren. Im Zusammenhang mit der engeren militärischen und diplomatischen Kooperation unterstrich Lawrow die Bedenken Russlands hinsichtlich der Vereinbarung zwischen Japan und Washington über die Errichtung von zwei amerikanischen Raketenabwehrstationen auf japanischem Gebiet, die entweder gegen China oder gegen Russland gerichtet seien.

 

Gleichzeitig ist Russland bemüht, die jüngsten Offerten der USA für engere militärische Verbindungen zu Indien zu neutralisieren. Diese Zusammenarbeit soll als Keil gegen China und potenziell auch gegen Russland genutzt werden. Russlands Vize-Außenminister Dmitri Rogosin hat soeben den Vorschlag unterbreitet, die russischen Kamow-Hubschrauber, deren Produktion von einem indisch-russischen Joint Venture betrieben wird, in Indien zu produzieren. Die Vereinbarung war das Ergebnis von Gesprächen zwischen dem indischen Premierminister Manmohan Singh und Präsident Wladimir Putin im Oktober. »Wir sind bereit, einen solchen Vorschlag bezüglich der Kamow-Hubschrauber zu unterbreiten«, erlärte Rogosin.

 

Zur gleichen Zeit hat Russland der indischen Marine endlich einen umgerüsteten russischen Flugzeugträger geliefert. Am 16. November wurde der Flugzeugträger, der jetzt den Namen »INS Vikramaditya« trägt, in Empfang genommen. Die Übergabe hatte sich um fünf Jahre verzögert, nachdem der frühere russische Präsident Medwedew durch enorme Zugeständnisse an Washington einen »Reset« in den amerikanisch-russischen Beziehungen versucht hatte. Putin ist viel mehr politischer Realist, der weiteren Zugeständnissen gegenüber den USA wenig abgewinnen kann, dafür aber die Gefahr einer Einkreisung durch Atomraketen sieht.

 

Im Übrigen betreibt Russland ein Joint Venture mit dem indischen Unternehmen Hindustan Aeronautics Limited (HAL) zum Bau des Fifth Generation Fighter Aircraft (FGFA) in Indien, eines Kampfjets auf der Grundlage des russischen Suchoi T-50.


Während des Kalten Krieges, als Indien der Bewegung der Blockfreien Länder angehörte, unterhielt das Land enge Verbindungen zur damaligen Sowjetunion, um von dort Rüstungsgüter zu beziehen. In letzter Zeit versucht Washington, Moskau aus dieser Rolle zu verdrängen – mit mäßigem Erfolg, um es höflich zu formulieren. Indien ist zurzeit der größte Waffenimporteur, russische Rüstungsgüter machen etwa 70 Prozent von Indiens Waffenkäufen aus. Durch die angebotene Produktion in Indien rückt Russland noch näher an Indien heran, so dass die Pro-USA-Fraktion im indischen politischen Establishment potenziell ins Abseits gedrängt werden kann. Noch vor zehn Jahren wären solche Schritte für Indien undenkbar gewesen, doch da Macht und wirtschaftliche Stärke der USA nach der Finanzkrise von 2008 rapide schwinden, eröffnet sich die Chance für einen vielfältigeren Dialog zwischen Russland und anderen Ländern, mit dem die militärische Einkreisung durch die NATO neutralisiert werden kann.

 

 

 


 

 

 

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