Tuesday, 26. July 2016
02.12.2015
 
 

Russlands neuer, größerer Schritt in Richtung Ausstieg aus dem Dollar

F. William Engdahl

Seit einiger Zeit haben China und die Russische Föderation wie auch andere Nationen verstanden, dass die Rolle des US-Dollar als weltweit wichtigste Reservewährung für sie eine wirtschaftliche Achillesferse darstellt. Solange Washington und die Wall Street den Dollar kontrollieren und solange der größte Teil des Welthandels den Dollar zur Abrechnung verlangt, sind Zentralbanken wie diejenigen von Russland und China gezwungen, Dollar in Form von »sicheren« US-Staatsanleihen als Währungsreserven zu halten. Sie müssen ihre Volkswirtschaften vor der Art von Währungskrieg schützen, den Russland Ende 2014 erlebt hat.

 

 

 

 

Damals warf das US-Schatzamt, das zutreffend als Schatzamt des Terrorismus, der Finanzspionage und der Wall Street bezeichnet wurde, Rubel auf den Markt. Das geschah inmitten einer Absprache zwischen den USA und Saudi-Arabien, um weltweit die Ölpreise einbrechen zu lassen. Jetzt bewegen sich Russland und China in Ruhe auf die Tür zum Ausstieg aus dem Dollar zu.


Russlands Staatshaushalt hängt stark von Dollar-Einkünften aus dem Export von Erdöl ab. Ironischerweise sind die Zentralbanken von China, Russland, Brasilien und anderen Ländern, die im diametralen Gegensatz zur US-Außenpolitik stehen, wegen der Rolle des Dollars gezwungen, US-Staatsanleihen in Dollar zu kaufen. Doch damit finanzieren sie praktisch die Kriege Washingtons, die darauf abzielen, sie zu schädigen.

 

Das wird sich nun unauffällig ändern. Im Jahr 2014 haben Russland und China Verträge über russische Gaslieferungen an China in zwei Mammut-Verträgen über 30 Jahre unterzeichnet. Die Verträge schrieben fest, dass der Austausch in Renminbi und russischen Rubeln und nicht in US-Dollar abgerechnet werden soll. Das war der Beginn eines sich beschleunigenden Vorgangs der De-Dollarisierung, der heute im Gange ist.

 

Renminbi in russischen Geldreserven

 

Am 27. November kündigte Russlands Zentralbank an, sie werde zum ersten Mal den chinesischen Renminbi in die offiziellen Währungsreserven der Zentralbank aufnehmen. Zum 31. Dezember 2014 setzten sich die offiziellen Zentralbankreserven Russlands zu 44 Prozent aus US-Dollar, zu 42 Prozent aus Euro und zu etwas mehr als neun Prozent aus Britischen Pfund zusammen. Die Entscheidung, Renminbi oder Yuan in Russlands Währungsreserven aufzunehmen, wird die Verwendung des Yuan auf den russischen Finanzmärkten zu Lasten des Dollars erhöhen.

 

Der Yuan wurde zum ersten Mal im Jahr 2010, selbst als er noch nicht ganz frei in andere Währungen konvertierbar war, an der Moskauer Börse gehandelt. Seitdem hat das Handelsvolumen zwischen Yuan und Rubel enorm zugenommen. Im August 2015 kauften russische Devisenhändler und Firmen eine Rekordmenge von 18 Milliarden Yuan, etwa drei Milliarden US-Dollar entsprechend. Das war ein Anstieg um 400 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

 

Der goldene Rubel ist im Kommen

 

Doch die Maßnahmen Russlands und Chinas, den Dollar als Zwischenwährung in ihrem bilateralen Handel zu ersetzen – einem Handel, dessen Volumen seit den US- und EU-Sanktionen vom März 2014 bedeutend zugenommen hat –, sind damit noch nicht das Ende vom Lied.

 

Gold steht, seit Washington im August 1971 einseitig den Vertrag von Bretton Woods gebrochen hat, zum ersten Mal wieder im Begriff, seine dramatische Rückkehr auf die Bühne der Weltfinanzen einzuleiten. Damals hatte Präsident Nixon auf Anraten des persönlichen Vertreters DavidRockefellers im Schatzamt, Paul Volcker, angekündigt, Washington werde sich weigern, seinen vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen, um die US-Dollar, die das Ausland anstelle von US-Zentralbankgold hielt, einzulösen.

 

Seit dieser Zeit gehen beharrlich Gerüchte um, dass die Goldtresore im Fort Knox tatsächlich leer seien, eine Tatsache, die, wenn sie sich als wahr erweisen sollte, den Vorhang über den Dollar als Reservewährung fallen lassen würde.

 

Washington hält hartnäckig an der Vorgabe fest, wonach die Federal Reserve Bank (Fed) auf Reserven von 8133 Tonnen Gold sitzt. Wenn das stimmen würde, wären das weit mehr als die zweitgrößten Reserven, die von Deutschland, dessen offizielle Goldbestände vom IWF mit 3381 Tonnen angegeben werden.

 

Doch 2014 wurde ein bizarres Ereignis bekannt, das die Zweifel an der offiziellen US-Goldstatistik weiter nährte. Im Jahr 2012 hatte die deutsche Bundesregierung die Fed gebeten, das Gold derdeutschen Zentralbank, das die Fed für die Bundesbank »in Verwahrung« hält, zurückzugeben. Als ein Schock für die Welt weigerte sich die US-Notenbank, und zwar mit dem fadenscheinigen Vorwand, die Federal Reserve »könne nicht deutsche Goldbarren von denen der USA unterscheiden...« Vielleicht sollten wir glauben, die Revisionsstelle der US-Notenbank habe das Gold in den US-Haushaltskürzungen abgelegt?

 

Es war ein weiterer Skandal, als die USA im Jahr 2013 schlappe fünf Tonnen des deutschen Goldes nach Frankfurt auslieferten und ankündigten, sie benötigten bis zum Jahr 2020, um die angeforderten 300 Tonnen vollständig zurückzugeben. Das Misstrauen gegenüber der US-Notenbank nahm zu. Andere europäische Zentralbanken begannen, ihr Gold von der Fed zurückzuholen.

 

Im Zuge dieser Dynamik hat die Zentralbank der Russischen Föderation ihre offiziellen Goldreserven in den letzten Jahren auf dramatische Weise aufgestockt. Nachdem die Feindseligkeiten mit Washington zugenommen hatten, hat sie das Tempo der Aufstockung noch beschleunigt.

 

Von Januar 2013 bis zum 30. September 2015 haben Russlands offizielle Goldreserven um 129 Prozent auf 1352 Tonnen zugenommen. Im Jahr 2000, gegen Ende der von den USA unterstützten jahrzehntelangen Plünderung der Russischen Föderation während der finsteren Regierungszeit Jelzins in den 1990er Jahren, lagen die Goldreserven Russlands bei rund 343 Tonnen.

 

Die Tresore der russischen Zentralbank, die zum Zeitpunkt des Untergangs der Sowjetunion im Jahr 1991 rund 2000 Tonnen an offiziellem Gold enthielten, sind während der umstrittenen Amtszeit von Wiktor Geraschenko als Chef der Gosbank geleert worden. Dieser berichtete dann einer erschrockenen Duma, er könne über den Verbleib der russischen Goldbestände keine Auskunft geben.

 

Heute herrscht mit Sicherheit eine andere Zeit. Russland hat mit Abstand Südafrika als das Land mit der weltweit drittgrößten Goldförderung abgelöst. China wurde zur Nummer eins.

 

Westliche Medien haben die Tatsache groß aufgebauscht, dass die Dollar-Reserven der Russischen Zentralbank seit den unter Führung der USA verhängten finanziellen Sanktionen deutlich abgenommen haben. Sie erwähnten nicht, dass die russische Zentralbank zur gleichen Zeit Gold in großen Mengen gekauft hat.

 

Die gesamten Dollar-Reserven Russlands sind im Rahmen der Sanktionen von rund 140 Mrd. US-Dollar im Jahr 2014 parallel zum 50-prozentigen Einbruch der Dollar-Preise für Öl gefallen.Aber dieangegebenen Goldbestände sind seit 2014 um 30 Prozent gestiegen. Russland besitzt jetzt genau so viele Unzen Gold wie die mit Gold handelnden Fonds (ETFs). Allein im Juni hat das Land laut seekingalpha.com Gold im Gegenwert von zwölf Prozent der weltweiten Jahresproduktion aufgenommen.

 

Würde die russische Regierung den sehr vernünftigen Vorschlag des russischen Ökonomen und Berater Putins, Sergei Glasjew, aufgreifen und jede einzelne Unze des in Russland abgebauten Goldes zu einem garantierten, attraktiven Rubel-Preis aufkaufen, um die staatlichen Bestände zu erhöhen, dann würde das die Zentralbank noch mehr von der Notwendigkeit entlasten, ihr Gold auf den internationalen Märkten gegen Dollar zu kaufen.

 

Ein bankrotter Hegemon

 

Gegen Ende der 1980er Jahre, als die Europäer eine größere US-Bankenkrise in Verbindung mit einem deutlichen Rückgang der Rolle der Vereinigten Staaten als weltweit führender Industrienation in der Nachkriegszeit erkannten, weil die multinationalen Unternehmen in den USA ihre Produktion in Niedriglohnländer wie Mexiko und später China ausgelagert hatten, begannen sie eine neue Währung zu konzipieren. Der Dollar sollte als Reservewährung ersetzt werden, um die Vereinigten Staaten von Europa als Rivalen der US-Hegemonie zu schaffen.

 

Die europäische Antwort erfolgte zu Beginn der 1990er Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands mit dem Abschluss des Vertrags von Maastricht. Das Ergebnis waren die Europäische Zentralbank und später der Euro, ein recht fehlerhaftes, von oben nach unten durchgesetztes Gebilde.

 

Mit einer verdächtig erfolgreichen Wette im Umfang von Milliarden Dollar gegen die Bank of England und die Parität des Pfund gelang es dem New Yorker Hedgefonds-Spekulanten George Soros im Jahr 1992, das Vereinigte Königreich und die City of London aus der aufstrebenden EU-Alternative zum Dollar hinauszuwerfen.

 

Einigen gleichgearteten Hedgefonds fiel es sehr leicht, den Euro im Jahr 2010 durch einen Angriff auf seine Achillesferse, auf Griechenland, und später auf Portugal, Irland, Italien, Spanien an den Nähten aufzureißen. Seitdem hat die EU, die sich fest an Washington und die NATO gebunden hat, die amerikanische Hegemonie wenig in Bedrängnis gebracht.

 

Jedoch hat Washington seit 2010 zunehmend versucht, die »Dominanz auf ganzer Breite« (Full Spectrum Dominance) des Pentagon über die Welt zu verhängen. Das geschah in Form der als »Arabischer Frühling« betriebenen Regimewechsel von Libyen über Tunesien bis hin nach Ägypten und jetzt mit geringem Erfolg in Syrien. Das hat China und Russland einander in die Arme getrieben.

 

Eine Alternative Russlands und Chinas zum Dollar in Form eines goldgestützten Rubels und eines goldgedeckten Renminbi oder Yuan könnte eine Ausstiegslawine aus dem US-Dollar in Gangsetzen und damit einen ernsthaften Rückgang der Fähigkeit Amerikas, die Rolle des Dollars alsReservewährung zu benutzen, um seine Kriege mit dem Geld anderer Leute zu finanzieren.

 

Das könnte gerade denjenigen, die an einer Welt im Frieden interessiert sind, einen großen Vorteil gegenüber jenem absteigenden Hegemon, den Kriege anstoßenden Vereinigten Staaten, verschaffen.

 

 

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