Thursday, 29. September 2016
13.08.2013
 
 

Saudis versuchen vergeblich, Putin in der Syrienfrage zu bestechen

F. William Engdahl

Allmählich sickern Einzelheiten über ein Treffen zwischen einem hohen Vertreter der saudischen Königsfamilie und Russlands Präsident Wladimir Putin durch. Das Gespräch, das kürzlich in Moskau stattfand, kam dem Vernehmen nach auf Wunsch der Saudis zustande. Es war der offene Versuch, die russische Seite zu bestechen, die Unterstützung für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aufzugeben. Angeblich hat Putin nur gelacht – ein Hinweis darauf, wie verzweifelt Washington und die Staatsführer der sunnitisch geprägten Golfstaaten bemüht sind, Assad zu stürzen.

Laut Berichten russischer und westlicher Medien fand das außergewöhnliche Treffen am 31. Juli in Moskau statt, unmittelbar nachdem der saudische Prinz Bandar bin Sultan bin Abdul Aziz, Geheimdienstchef und Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats von Saudi-Arabien, mit nicht namentlich genannten US-Vertretern zu Gesprächen über Syrien zusammengekommen war.

Bandar war angeblich bevollmächtigt, Russland als Gegenleistung für die Zusicherung, Assad fallenzulassen, verlockende Angebote zu unterbreiten. Dazu gehörte die Aussicht, Rüstungsgüter im Wert von über elf Milliarden Dollar von Moskau zu kaufen, sowie weitere wirtschaftliche und politische Zugeständnisse. Bandar bat Putin, in Zukunft im UN-Sicherheitsrat nicht mehr gegen Syrien-Resolutionen zu stimmen. Damit wäre China als einzige Vetomacht des UN-Sicherheitsrats übrig geblieben, die sich einem militärischen Eingreifen der USA gegen Assad widersetzt.

 

Die angebotenen elf Milliarden Dollar für russische Waffen sind kein kleiner Betrag. Sie sind das Doppelte des Jahresumsatzes des staatlichen russischen Waffenexporteurs Rosoboronexport.

 

Die Energiekriege kommen ins Bild

 

Weiterhin soll Bandar Putin zugesichert haben, die Golfstaaten würden Russlands beherrschende Position auf dem europäischen Gasmarkt nicht anfechten. Zudem habe er versprochen, extremistische islamische Kräfte – die in dem Konflikt eine prominente Stellung einnehmen – würden nicht versuchen, in einem zukünftigen Staat Syrien die alleinige Macht an sich zu reißen.

Nach Angaben einer diplomatischen Quelle in Beirut hat Bandar Putin erklärt, Riad sei bereit, Moskau dabei zu helfen, eine größere Rolle im Nahen und Mittleren Osten zu spielen, wenn die Vereinigten Staaten ihr Engagement in der Region zukünftig zurückfahren. Bandar habe Putin versichert, welche Regierung auch immer nach Assad kommen werde, sie werde vollständig in saudischer Hand sein und kein Abkommen unterzeichnen, wonach irgendein Golfstaat sein Gas über syrisches Gebiet nach Europa transportieren und Russland Konkurrenz machen werde.

 

Bedeutsamerweise liegt ein wesentlicher Beweggrund für den Westen und die sunnitisch geprägten Golfstaaten, die Regierung Assad zu stürzen und durch eine de facto vom Westen – vor allem von Saudi-Arabien – beherrschte Muslimbruderschafts-Regierung zu ersetzen, in der Energie-Geopolitik. 2009 hatte Assad die Unterzeichnung eines Abkommens mit Katar zum Bau einer Überland-Pipeline von Katar über Syrien nach Europa abgelehnt. Katar und der Iran besitzen ein riesiges Gasfeld am Persischen Golf, das sich über die Ausschließliche Wirtschaftszone beider Länder erstreckt. Assad hatte die Pipeline aus Katar abgelehnt, um die Interessen des langjährigen Verbündeten Russland zu schützen, das der wichtigste Erdgaslieferant für Europa ist. Als Assad im März 2011 mit dem Iran und dem Irak ein Abkommen über eine alternative Pipeline unterzeichnete, begannen der Westen und besonders Saudi-Arabien, Milliarden von Dollar in die Aufrüstung von Söldnertruppen zu stecken, darunter Al-Qaida-Dschihadisten, die nach Syrien geschickt wurden, um das Land ins Chaos zu stürzen und Assad abzusetzen.

Ein arabischer Diplomat mit guten Kontakten in Moskau sagte: »Präsident Putin hörte seinem Gesprächspartner höflich zu und gab ihm zu verstehen, dass sein Land seine Strategie nicht ändern werde. Bandar bin Sultan ließ dann die russische Seite wissen, die einzig verbleibende Option in Syrien sei ein militärisches Eingreifen, Genf könne man vergessen, da die Opposition nicht teilnehmen werde

 

Bandars Initiative war eindeutig mit Obamas Weißem Haus koordiniert. Bandar war 22 Jahre lang saudi-arabischer Botschafter in Washington und stand der Familie Bush, besonders Ex-CIA-Direktor George H. W. Bush so nahe, dass George W. Bush ihn scherzhaft »Bandar Bush« nannte. Angesichts der jüngsten Einzelheiten über die russisch-saudischen Gespräche und Putins klarer Zurückweisung von Bandars Angebot sowie der Tatsache, dass das Treffen zwischen Bandar und Putin mit den USA koordiniert war, scheint es immer wahrscheinlicher, dass diese Zurückweisung des letzten Versuchs der Saudis, Russland in Syrien zu neutralisieren, der wirkliche Grund für Obamas Absage seines für September geplanten Treffens mit Putin war und nicht die Snowden-NSA-Affäre. Jetzt ist ein neuerlicher Vorstoß Washingtons und der sunnitischen Länder im Nahen Osten zu erwarten, die nunmehr voll auf ein militärisches Vorgehen gegen Assad setzen, bevor er Aleppo zurückerobert und die terroristisch-dschihadistischen Aufständischen de facto besiegt.

 

 

 


 

 

 

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