Saturday, 1. October 2016
16.03.2014
 
 

Steckt Putin in einer NATO-Bärenfalle?

F. William Engdahl

Hat die NATO den russischen Präsidenten Putin in eine Bärenfalle gelockt? Wenn ja, welche Optionen bestehen dann, Russlands Souveränität zu erhalten? Nur selten hat es die Welt erlebt, dass so viele Krisenherde gleichzeitig explodierten. In Venezuela ist eine US-unterstützte Farbenrevolution im Gang, mit der die sozialistische Regierung zugunsten eines freimarktwirtschaftlich orientierten US-Stellvertreterregimes gestürzt werden soll. Nigeria, die Zentralafrikanische Republik und Mali sind in Aufruhr. China ist mit einer US-unterstützten japanischen Kampfansage über ein paar strategisch wichtige Inseln konfrontiert. Doch das zentrale Ziel bei all diesen Entwicklungen ist Putins Russland, die einzige Macht der Welt, die der US-Nuklearstreitmacht etwas entgegensetzen kann. Jetzt steht Russland vor dem größten Albtraum – ein Zweifrontenkrieg, ähnlich wie Deutschland 1914.

Dass der US-Angriff auf die Ukraine einen direkten strategischen Angriff auf die Sicherheit Russlands darstellt, ist gut dokumentiert. Die Tatsache, dass Washington unverhüllt und direkt an dem Putsch gegen den demokratisch gewählten ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch zugunsten handverlesener Marionetten einschließlich Neonazi-Schlägern des Rechten Sektors

beteiligt war, ist ebenfalls gut dokumentiert. Am 15. März werden die Bürger der Autonomen Republik Krim in einem Referendum über die Zukunft der Krim abstimmen. Die Insel ist der heutigen Ukraine angegliedert, war aber bis 1954 ungefähr 250 Jahre lang ein integraler Teil Russlands und ist heute Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte.

 

 

Für den Fall, dass das Referendum zugunsten Russlands ausfällt, haben die USA und Europa ernste Konsequenzen angekündigt. Bisher sind dazu auffallend wenige Einzelheiten bekannt gegeben worden. Eine gehackte E-Mail des stellvertretenden US-Militärattachés in Kiew deutet darauf hin, dass die Kriegsfraktion in Pentagon und CIA eine »Operation unter falscher Flagge« auf ukrainische Militäranlagen in der Ostukraine plant, um diese Russland in die Schuhe schieben zu können und die NATO zu militärischer Hilfe aufzurufen. Was immer in den nächsten Tagen geschieht, klar ist, dass Wladimir Putin und seine führenden Berater auf die sich zuspitzende Lage in der Ukraine und kaum etwas anderes fixiert sind.

 

Die Ukraine als Ablenkungsmanöver?

 

Unterdessen gibt es wachsende Beweise dafür, dass dieselbe Kriegsfalken-Fraktion im Pentagon einen neuen massiven Angriff auf Damaskus plant, um Baschar al-Assad, einen engen Verbündeten Putins, zu stürzen und durch den von Saudi-Arabien erkorenen Führer Ahmad al-Dscharba von der Nationalen Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte zu ersetzen. Al-Dscharba ist Führer des einflussreichen Schammar-Stammes, dessen Zweige bis nach Irak und Saudi-Arabien reichen.

 

Wie der erfahrene Washington-Post-Autor David Ignatius berichtet, kam es Mitte Februar in Washington zu einem Geheimtreffen der Geheimdienstchefs Saudi-Arabiens, Jordaniens, der Türkei, Katars und anderer regionaler Schlüsselländer. Anwesend war auch Susan Rice, Obamas Beraterin für nationale Sicherheit.

 

Ignatius bestätigte frühere israelische Gerüchte, wonach der umstrittene saudi-arabische Prinz Bandar gefeuert wurde. Bandar wird vorgeworfen, im August letzten Jahres Al-Qaida-Terroristen in Syrien chemische Waffen für eine weitere Operation unter falscher Flagge gegeben zu haben, mit der es beinahe gelungen wäre, Obama zu einer militärischen Invasion in Syrien zu veranlassen. Prinz Mohammed bin Naif, der Innenminister Saudi-Arabiens, wird jetzt als neuer Geheimdienstchef die Aufsicht über die führende Rolle des Königreichs bei dem verdeckten Syrien-Programm übernehmen.

 

Am 18. Februar, nur wenige Tage nach dem Geheimtreffen Washington-Saudi-Arabien deutete Präsident Obama bei einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. an, er sei bereit, »mehr Druck« auf Assad auszuüben, einschließlich der Lieferung schlagkräftigerer Waffen wie Flugabwehrraketen an die Rebellen. Auch Luftangriffe seien möglich, aber noch nicht beschlossen. Seit 2012 nutzen die USA Camps in Jordanien und der Türkei zur Ausbildung regierungsfeindlicher syrischer Kämpfer. Bedeutsam ist auch, dass Washington nach einem Beinahe-Abbruch der amerikanisch-saudi-arabischen Beziehungen wegen Obamas in letzter Minute getroffener Entscheidung gegen ein militärisches Eingreifen in Syrien und für einen diplomatischen Dialog mit dem Iran die enge Zusammenarbeit wieder aufgenommen hat. Das beweist auch die Entlassung Prinz Bandars.

 

Wie die israelische Zeitung Haaretz in ihrer Ausgabe vom 24. Februar berichtete, unterstützen die USA, Saudi-Arabien und Jordanien die Anti-Assad-Rebellen bei der Planung einer neuen Attacke auf Syrien, die im Süden beginnen und sich bis Damaskus ausdehnen soll. Nach Angaben derselben Quellen plant Israel, sich an der geplanten neuen Attacke zu beteiligen.

 

Wenn diese Berichte zutreffen, droht die Gefahr, dass Washington und seine Stellvertreter im Nahen und Mittleren Osten die Attacke gegen Assad massiv eskalieren, während Putin und das russische Militär vollständig auf eine eskalierende Krise in der Ukraine an der eigenen Grenze konzentriert sind. Würde Russland die Marinebasis Tarsus in Syrien und den Stützpunkt der Schwarzmeerflotte auf der Krim an US-gestützte neue Regime verlieren, wäre dies ein verheerender strategischer Verlust. Alles deutet darauf hin, dass die nächsten Monate weltweit kritisch werden, in der Frage, ob Russland-Iran und China in der Lage sein werden, eine vereinte Opposition gegen die Supermacht-Dominanz eines von neo-konservativen Kriegsfalken geführten Washingtons zu stabilisieren oder nicht.

 

 

 

 


 

 

 

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