Sunday, 26. June 2016
03.05.2014
 
 

Stellt die NATO für Putin eine »Teerbaby-Falle«?

F. William Engdahl

Die US-Regierung und die EU haben neue Wirtschaftssanktionen gegen führende Vertreter aus dem engeren Kreis um Russlands Präsidenten Wladimir Putin verhängt. Das verbale Säbelrasseln begleitet uns, seit Russland am 16. März einwilligte, dem ausdrücklichen Wunsch von 97 Prozent der Wähler (83 Prozent der Wahlberechtigten) zu folgen.

Das Putschregime in Kiew hat eine Militäraktion angekündigt, um die Städte und Gemeinden der Ostukraine von oppositionellen Demonstranten zu säubern. Der erste Versuch nahm einen so absurden Verlauf, dass Kiew weltweit zum Gespött wurde: Ein »Bataillon« ukrainischer pro-russischer Babuschkas stellte sich Panzern der Kiewer Armee in den Weg, die geschickt

worden waren, um die Proteste zu beenden. Viele YouTube-Amateurvideos zeigen, dass sich die ukrainischen Soldaten solidarisch mit ihren ethnisch russischen Brüdern zeigten und viele sogar ihre Panzer übergaben und sich auf die Seite der Opposition gegen Kiew schlugen.

 

Der Prawyj Sektor

 

Nach den Vierparteiengesprächen in Genf einigten sich das Putschregime aus Kiew und die russische Regierung zusammen mit der EU und den USA darauf, dass sowohl die Besetzer der Ostukraine als auch die illegalen Neonazi-Milizen des Prawyj Sektor (Rechter Sektor) offiziell entwaffnet werden sollten. Der Prawyj Sektor, eine Sammlung von vielleicht 10 000 Mann, darunter Schläger und Psychopathen, hat während der Proteste Waffen aus einem Waffenlager des ukrainischen Innenministeriums erbeutet und terrorisiert heute Bürger, die dem Putsch kritisch gegenüberstehen, wie mir ukrainische Augenzeugen berichten. Der Prawyj Sektor weigert sich, die Waffen abzugeben, obwohl das ukrainische Parlament mit überwältigender Mehrheit dafür gestimmt hatte.

 

Insbesondere seit dem Genfer Abkommen vom 17. April überzieht Washington Russland mit einem ständigen Schwall von Attacken, weil die ethnisch russischen Demonstranten in der Ostukraine nicht entwaffnet würden. US-Außenminister John Kerry forderte von Putin, die ukrainischen Demonstranten zu zwingen, ihre Waffen abzugeben. Putin antwortete, dies stehe nicht in seiner Macht. Während eines Besuchs in Kiew erklärte Kerry: »Russland hat hart daran gearbeitet, einen Vorwand für eine weitergehende Invasion zu schaffen.« Und fünf Tage nach der Unterzeichnung des Genfer Abkommens traf sich US-Vizepräsident Joe Biden in Kiew mit der Putschregierung und forderte Putin ebenfalls auf, die Krise einseitig zu lösen, andernfalls drohten weitere Sanktionen. Weder Biden noch Kerry verloren ein Wort über den Prawyj Sektor.

 

Riskiert Putin, in eine »Teerbaby-Falle« zu geraten?

 

In den vergangenen Tagen, inmitten wachsender Spannungen über die Ostukraine, haben das Kiewer Putschregime, aber auch die russischen Streitkräfte Zehntausende von Soldaten nahe der östlichen russisch-ukrainischen Grenze zusammengezogen.

 

In dieser Lage hat Putin seine Bereitschaft bekundet, militärisch einzugreifen, um ethnische Russen vor Übergriffen und Gewalt zu schützen. Er erklärte: »Wenn wir sehen, wie sich Verbrechen ungehemmt auf die östlichen Regionen des Landes ausbreiten, und wenn uns die Menschen um Hilfe bitten und uns bereits die offizielle Anfrage des legitimen Präsidenten (des gestürzten, aber demokratisch gewählten Wiktor Janukowytsch – W.E.) vorliegt, behalten wir uns das Recht vor, alle zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um diese Menschen zu schützen. Wir betrachten dies als absolut legitim.« Er zitierte die Anfrage, die er von dem gestürzten ukrainischen Präsidenten Janukowytsch erhalten hatte, als Begründung für das mögliche Recht zu intervenieren und erklärte, wenn Russland entscheide, die russischen Streitkräfte einzusetzen, sei dies rechtlich begründet. Russland hat einen Brief des gestürzten Präsidenten veröffentlicht, in dem dieser um militärische Hilfe bittet, um den Aufstand niederzuschlagen.

 

Indem er sein Recht beansprucht, in der Ostukraine militärisch zu intervenieren, hat sich Putin weit vorgewagt. Paradoxerweise riskiert er, in dieselbe Falle zu tappen, aus der er US-Präsident Obama im letzten August in Syrien heraus half. Wie sich der Leser erinnert, beschuldigten damals saudi-arabische und andere Medien die syrische Regierung, Chemiewaffen wie das tödliche Gas Sarin gegen die eigene Zivilbevölkerung einzusetzen. Obama stand unter enormem Druck vonseiten rechter Republikaner im US-Kongress, sein früheres törichtes Versprechen einzulösen, sollte Assad in Syrien Chemiewaffen einsetzen, wäre damit eine rote Linie überschritten, was ein direktes militärisches Eingreifen der USA nach sich ziehen werde. Die eigene militärische Führung war damals vehement dagegen.

 

Erst als Putin Obama einen Ausweg anbot, bei dem dieser sein Gesicht wahren konnte, und die Abrüstung der Chemiewaffen der syrischen Regierung vermittelte, konnte Obama einen drohenden katastrophalen Krieg abwenden. Jetzt schafft dieselbe Kriegsfraktion innerhalb der Obama-Regierung – Sicherheitsberaterin Susan Rice, UN-Botschafterin Samantha Power, CIA-Direktor John Brennan und andere – das Klima für einen neuen Krieg über die Ukraine.

 

Die Gefahr besteht, dass Putin mit der offenen Erklärung seiner Bereitschaft, notfalls militärisch in der Ostukraine einzugreifen, sich in derselben Falle wiederfindet wie Obama. Ich nenne das »Tar-Baby«-Falle, zu Deutsch: »Teerbaby«-Falle. Das Bild des Teerbabys (»Tar Baby«) stammt aus den »Onkel-Remus-Geschichten«, die in den 1880er Jahren und danach in Amerika sehr beliebt waren. Autor war Joel Chandler Harris, ein Schriftsteller aus Atlanta, Georgia. Das Teerbaby war eine Puppe aus Teer und Terpentin, das der schlaue »Bruder Fuchs« benutzte, um »Bruder Kaninchen« zu umgarnen und ihn damit schließlich aus dem Weg zu räumen. Die US-geführte NATO setzt offenbar zunehmend auf eine Version des Szenarios der Teerbaby-Falle, indem sie sich angesichts der Entwicklungen in der Ukraine und einem möglichen russischen Einschreiten impotent gibt.

 

Diese scheinbare Impotenz der NATO macht Putin offenbar übermütig und kühner. Man betrachte nur seine Erklärungen in seiner kürzlich ausgestrahlten jährlichen Frage- und Antwortstunde im Fernsehen, wo er zugab, russische Sondereinheiten ohne Uniform auf die Krim zu schicken, um Kiew vor dem Referendum daran zu hindern, Gewalt auszuüben. Ein übermütiger Putin riskiert, enorme Fehleinschätzungen zu treffen. Und genau darauf könnten bestimmte Kreise in Washington insgeheim hoffen.

 

Wenn Putin also ganz offen sein Recht verteidigt, zum Schutz der Russen in der Ukraine einzugreifen, würde die Bühne bereitet für jemanden wie CIA-Chef Brennan, der gerade zu Geheimgesprächen in Kiew weilte, um anzuregen, Kiew sollte es Banden des neonazistischen Rechten Sektors »erlauben«, in die Ostukraine zu reisen und ethnische Russen zu terrorisieren und zu töten; möglicherweise wurde Kiew als Gegenleistung eine direkte NATO-Intervention angeboten.

 

Dem Prawyj Sektor, deren Mitglieder seit den Tagen des Zweiten Weltkriegs und der Stalin-Ära einen tiefen Hass gegen Russland hegen, würde diese terrorisierende Rolle eindeutig gefallen. Das macht die US-Unterstützung für den Prawyj Sektor so wahnsinnig gefährlich für den Weltfrieden. Dumme Menschen in Washington versuchen gar nicht erst, sich die volle Dimension dessen, was sie da schaffen, auszumalen.

 

Terrorakte des Prawyj Sektor gegen ethnische Russen in der Ukraine würden dem Putschregime in Kiew Raum verschaffen, ihre Unschuld und die Unfähigkeit zu erklären, die gesetzlosen Neonazis unter Kontrolle zu halten. Washington könnte seine Abscheu gegenüber den Gewalttaten erklären und nichts tun, bis … Putin eine russische Militärintervention anordnete.

 

Dann würden der US-amerikanische militärisch-industrielle Komplex und die einflussreichen Superreichen hinter diesem militärischen Komplex endlich den Weltkrieg haben, den sie offenbar für nötig halten, um den Verlust ihrer globalen Macht und ihres Einflusses zu stoppen. Seit der Kubakrise von 1962 war die Welt einem Weltkrieg nicht mehr so nahe wie heute. Frau Merkel, Herr Steinmeier, was denken Sie über diese Möglichkeit, wenn Sie Washington mit ihrer einseitigen Verurteilung Russlands gnädig stimmen? Präsident Obama, ist es zu spät, sich von der Klippe zurückzuziehen, an die Sie ihre verräterischen Berater gedrückt haben, und ein echter Friedenspräsident zu werden?

 

 

 


 

 

 

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