Tuesday, 30. August 2016
09.02.2014
 
 

Steuern »Kakerlaken« die Washingtoner Kriegspolitik?

F. William Engdahl

Der Titel könnte sarkastisch wirken, ist aber alles andere als das. Es gibt nämlich ein Netzwerk aus US-Kongressabgeordneten, pensionierten Militärs, CIA und anderen Gespenstern, Rüstungslobbyisten und ausgewählten Medien, die sich regelmäßig treffen, um politische Initiativen zu entwerfen. Sie nennen ihre Gruppe »The Cockroaches« – die Kakerlaken.

In meinem kürzlich verfassten Artikel »Übt Netanjahu mit den Bombenanschlägen von Wolgograd Rache an Putin?« über die Hintergründe der Selbstmordattentate im Kaukasus im Zusammenhang mit Doku Umarow, dem selbsternannten »Emir des nördlichen Kaukasus«, habe ich über Anzeichen dafür berichtet, dass eine wenig bekannte Denkfabrik in Washington die Terroranschläge des »Emirs« vom Nordkaukasus steuert. Diesen Berichten zufolge trägt diese

Denkfabrik den Namen »Potomac Institute for Policy Studies«.

 

 

Die »Cockroaches«

 

Weitere Nachforschungen über das wenig bekannte Potomac Institute haben zu einer wichtigen Entdeckung geführt. Wie bereits berichtet, hängt die Potomac-Gruppe angeblich mit der einflussreichen Washingtoner israelischen Likud-Lobby zusammen, die sowohl zu Netanjahu als auch zum saudi-arabischen Geheimdienstchef Prinz Bandar Beziehungen unterhält. Wegen der engen Verbindungen zur Bush-Familie während seiner Amtszeit als Botschafter Saudi-Arabiens in Washington trägt Prinz Bandar den Spitznamen »Bandar Bush«. Wie sich jetzt herausstellt, steuert ein ehemals hoher Beamter der Bush-Regierung aus dem Potomac Institute heraus eine höchst geheime und sehr einflussreiche Gruppe.

 

Die Gruppe nennt sich selbst »The Cockroaches« (die Kakerlaken). Den Namen haben sie bewusst gewählt, denn angeblich gehören die Kakerlaken zu den wenigen Lebewesen, die einen Atomschlag überleben würden. Die Gruppe betrachtet sich als eine Art dauerhafte Institution, die jede Änderung der Regierung, sei sie demokratisch oder republikanisch, überlebt. Tatsächlich scheinen sie eine Art von »Staat-im-Staat«-Netzwerk zu sein, dessen Loyalität offenbar von Amerikas wahren Interessen weit entfernt ist. Ein paar Hundert aktive und ehemalige Angehörige von Militär und Geheimdiensten, Vertragsfirmen aus dem Privatsektor, Lobbyisten, Kongressmitarbeiter und Abgeordnete treffen sich alle zwei Monate zu einem informellen privaten Dinner, das organisiert wird vom … Potomac Institute.

 

Private Dinners zu organisieren, das will nicht so recht passen zu einer Denkfabrik, die internationale Studien erstellt. Aber dann erfahren wir, dass Michael Swetnam der Chef der »Kakerlaken«-Operation ist. Swetnam war in der Amtszeit von George H. W. Bush (Bush senior) im Weißen Haus tätig. Er ist auch Vorsitzender und Direktor des »gemeinnützigen« Potomac Institute, zu dessen Gründungsmitgliedern er zählt. Auf der Website des Instituts ist zu lesen: »1990 bis 1992 war Swetnam Sonderberater des Presidential Foreign Intelligence Advisory Board (PFIAB) [Beratergruppe des Präsidenten über Auslandsaufklärung], er steuerte fachlichen Rat zu Fragen der Auslandsaufklärung bei…«

 

Das PFIAB gehört zu den wichtigsten Beratergremien des Präsidenten in Fragen der Verteidigungs- und Geheimdienstpolitik. Vergessen wir nicht, dass Bush senior in den 1970er Jahren CIA-Direktor war. Nach Ansicht verschiedener Forscher brachte Bush während seiner Zeit als Präsident ein Netzwerk seiner »Old Boys« aus der CIA in die Regierung, was die US-Innen- und Außenpolitik nachhaltig veränderte. Nicht zum Besseren, wohlgemerkt.

 

Swetnam, ehemals bei der CIA, nimmt in Washington in Fragen von Verteidigung und Terrorismus eine wichtige Stellung ein. Er sitzt im United States Senate Special Select Committee [Sonderausschuss für Geheimdienste des US-Senats]. Zuvor war er Mitglied der Arbeitsgruppe für den Kampf gegen den Terrorismus und der Arbeitsgruppe über Geheimdienste im Defense Science Board [ein Ausschuss ziviler Experten, der das US-Verteidigungsministerium in wissenschaftlichen und technischen Fragen berät].


Auf seiner Website erwähnt das Potomac Institute die »Cockroaches« nur ein einziges Mal:

»Am 11. Februar 2009 war das Potomac Institute for Policy Studies Ausrichter eines privaten Dinners in Washington D.C., bei dem General James E. Cartwright, stellvertretender Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff [Vereinigte Generalstabschefs], die Hauptrede hielt. General Cartwright, Mitglied der Joint Chiefs of Staff und der zweithöchste Militär des Landes, sprach vor den 150 Gästen über die Bedeutung der Cybersicherheit für die Bemühungen um die Sicherheit unseres Landes. Die Veranstaltung war eine von sechs, die das Potomac Institute im Laufe des Jahres als Teil der »Cockroaches«-Dinner für geladene Gäste aus Militär und Geheimdiensten ausrichtete.«

Doch Swetnam und das Institut steuern die Cockroaches-Gruppe. Und sie sind äußerst verschwiegen – die Veranstaltungen werden nicht öffentlich angekündigt, sie sind informell und niemand will über die Beteiligung an der Gruppe sprechen.

 

Ein Mitglied der »Cockroaches«, das bereit war, sich vage über die Gruppe zu äußern, ist der Kongressabgeordnete Dutch Ruppersberger, Vorsitzender des Unterausschusses über technische und taktische Geheimdienstarbeit. Er versuchte, sie als harmlos darzustellen. Gegenüber dem Washingtoner Online-Magazin Roll Call erklärte er, die Gruppe gebe »vielen Vertretern der Intelligence Community, die in Behörden tätig waren oder jetzt im Privatsektor arbeiten, die Möglichkeit, sich zu treffen und sich in einer quasi-geselligen Atmosphäre auszutauschen«.

 

Chef der National Intelligence ist ein Cockroach

 

Laut Roll Call zählt James R. Clapper zu den Cockroaches. Clapper ist gegenwärtig Chef der National Intelligence [Nationale Nachrichtendienste]. Vorher war er im Verteidigungsminister Ressortleiter für die Geheimdienste und 1992 bis 1995 unter Präsident Clinton Leiter der Defense Intelligence Agency [Militärischer Nachrichtendienst].

 

Auch Clappers Vergangenheit ist fragwürdig. Ihm wurde Falschaussage vorgeworfen, weil er vor einem Kongressausschuss ausgesagt hatte, die NSA sammele keine Daten über Millionen von Amerikanern. Und nach der Irakinvasion von 2003, als die Regierung Bush darauf beharrte, der Irak unter Saddam Hussein baue gefährliche Massenvernichtungswaffen, die eine US-Invasion nötig machten, versuchte Clapper, damals Chef der National Geospatial-Intelligence Agency [Behörde für weltraumbezogene Aufklärung], die fehlenden Beweise für Massenvernichtungswaffen wegzudiskutieren. Vor Medienvertretern behauptete er, das irakische Waffenmaterial sei »ohne jeden Zweifel« unmittelbar vor der US-Invasion aus dem Irak nach Syrien und in andere Länder verbracht worden. Es war eine »persönliche Einschätzung«, für die Clappers damaliger Behördenleiter David Burpee »keine Beweise zur Untermauerung vorbringen konnte«.

 

Später versuchte der US-Geheimdienstchef, die ägyptische Moslembruderschaft als makellos darzustellen. Sie war im vergangenen Jahr vom Militär des Amtes enthoben und verboten worden, weil sie versuchte, einen islamischen Gottesstaat aufzubauen. Damals erklärte Clapper vor dem US-Kongress: »Der Begriff ›Moslembruderschaft‹ … ist ein Oberbegriff für verschiedene Organisationen; im Fall von Ägypten eine heterogene, überwiegend säkulare Gruppe, die Gewalt ablehnt …« Darüber hinaus behauptete er, die Bruderschaft, die Mutter von al-Qaida und praktisch allen radikal-salafistisch-dschihadistischen Gruppen einschließlich der afghanischen Mudschahedin, verfolge »gesellschaftliche Ziele« und strebe eine »Verbesserung der politischen Ordnung« an, während er gleichzeitig versuchte, ihren religiösen Unterbau herunterzuspielen.

 

Es wäre hilfreich, den großen Stein, unter dem sich diese »Kakerlaken« verstecken, beiseite zu rollen und mehr über ihre wirklichen Absichten zu erfahren.

 

 

 

 


 

 

 

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