Tuesday, 27. September 2016
05.03.2014
 
 

Uigurischer Terroranschlag in Kunming: Islamistische Gruppe nimmt China ins Visier

F. William Engdahl

Am 1. März richteten Terroristen eine tödliche Attacke auf unschuldige Bürger in Kunming, der Hauptstadt der südwestlichen chinesischen Provinz Yúnnán. Die chinesische Polizei identifizierte die Terroristen als Mitglieder der verbotenen Islamischen Bewegung Ost-Turkestan (ETIM, nach dem Englischen »East Turkestan Islamic Movement«). Für die chinesische Regierung ist beunruhigend, dass der Anschlag weit entfernt von der Provinz Xinjiang stattfand, in der acht Millionen ethnische Uiguren leben, die der sunnitischen Strömung des Islam angehören.

Ein näherer Blick auf die Hintergründe des ETIM enthüllt eine lauernde Bedrohung für China, nicht weit dahinter stehen die NATO und eine Fraktion in Washington, die aktiv dabei ist, ganze Länder zu destabilisieren, von der Ukraine über Venezuela bis zur Zentralafrikanischen Republik.

 

Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldet, drang am 1. März eine Bande von mehr als zehn messerwetzenden Angreifern in den Bahnhof von Kunming ein, tötete mindestens 29 unschuldige Menschen und verletzte 130 weitere. Fünf der Angreifer wurden von der Polizei getötet, die anderen entkamen. »Am Tatort sichergestellte Beweismaterialien zeigen, dass der Terroranschlag auf den Bahnhof von Kunming das Werk separatistischer Kräfte aus Xinjiang war«, zitierte Xinhua örtliche offizielle Vertreter.

 

Das ETIM ist im westchinesischen autonomen uigurischen Gebiet Xinjiang beheimatet, das innerhalb Chinas an Tibet und im äußersten Südwesten an Pakistan grenzt. Die UNO stuft das ETIM als terroristische Vereinigung ähnlich der al-Qaida ein. Hintergrundinformationen erhellen, wie westliche Geheimdienste den islamischen Fundamentalismus zur Destabilisierung von Regimen einsetzen, die einem bestimmten Drehbuch nicht folgen wollen.

 

China und der islamistische Aufstand der Uiguren in Xinjiang

Im Jahr 1998, lange nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, gab Zbigniew Brzeziński, ein Berater des US-Präsidenten, der französischen Wochenzeitung Le Nouvel Observateur ein aufschlussreiches Interview. Erstmals erklärte er öffentlich, er habe Präsident Carter davon überzeugt, eine geheime Executive Order [Anordnung des Präsidenten] zu unterzeichnen, mit der ein CIA-Programm, die so genannte »Operation Cyclone«, zur Ausbildung saudi-arabischer und anderer fanatischer Muslime in Pakistan gestartet wurde. Diese sollten einen Dschihad, einen heiligen Krieg, gegen sowjetkommunistische Soldaten führen. Das Interview wurde in der amerikanischen Ausgabe des Nouvel Observateur gestrichen.

 

Wie Brzeziński aussagte, startete die Geheimoperation bereits sechs Monate BEVOR Moskau zu einer Invasion Afghanistans provoziert wurde. Kurz gesagt enthüllte Brzeziński selbst, dass er bewusst eine sowjetische Invasion provoziert hatte, um der Sowjetunion »ihr Vietnam« zu bescheren. Als ein schockierter französischer Journalist fragte, ob er es bedauere, zukünftige islamistische Terroristen bewaffnet und ausgebildet zu haben, schnauzte er zurück: »Was ist wichtiger für die Geschichte der Welt? … Ein paar aufgebrachte Moslems oder die Befreiung Zentraleuropas...?« Die Verbindung Mudschahedin-CIA war auch die Geburtsstunde von Osama bin Laden und der heutigen globalen Welle islamistischen Terrors.

 

Graham Fuller von der CIA

 

Einer der wichtigsten Architekten von Brzezińskis Strategie eines islamischen Krisenbogens seit 1979 war ein hoher CIA-Spezialist für den Nahen und Mittleren Osten namens Graham E. Fuller, Experte für »islamischen Extremismus«, auch bekannt als »islamischer Dschihad«. In einem 1999 für die RAND Corporation, eine Denkfabrik mit guten Verbindungen zum Pentagon, verfassten Papier, erklärte Fuller:

»Die Politik, die Evolution des Islam zu steuern und sie gegen unsere Gegner zu unterstützen, hat in Afghanistan gegen die Russen wunderbar funktioniert. Dieselbe Doktrin kann auch heute noch eingesetzt werden, um die verbleibende russische Macht zu destabilisieren und insbesondere dem chinesischen Einfluss in Zentralasien zu begegnen (Hervorhebung durch W.E.).«i

 

Fullers Vorschlag wurde Ende der 1990er Jahre zur grundlegenden US-Geheimpolitik. Washington bildete eifrig radikale Islamisten aus, »machte sie zu Waffen« und etablierte Tausende radikal-islamischer Schulen und Koranschulen im gesamten Nahen und Mittleren Osten, in Afrika und Zentralasien – komplett mit von der CIA übersetzten radikalen Schulbüchern und Koranauslegungen, die den Hass gegen »Ungläubige« oder nicht-sunnitische Moslems schürten. Die Waffe sollte gegen den entstehenden wirtschaftlichen Koloss China und auch gegen den damals schwächeren Feind Russland eingesetzt werden.

 

Das uigurische autonome Gebiet Xinjiang ist eine für die chinesische Energiewirtschaft strategisch wichtige Provinz, dort kreuzen sich lebenswichtige Energie-Pipelines aus Kasachstan und bald auch aus Pakistan. Darüber hinaus ist sie die viertgrößte Konzentration ethnisch turkischer muslimischer Volksgruppen mit ungefähr acht Millionen Uiguren, Kasachen und Kirgisen.

 

Das macht Xinjiang zu einem Hauptziel der geplanten Aktivierung einer pan-turkischen Destabilisierungsstrategie, die vom CIA-Mann Fuller und anderen in Washington entwickelt wurde. Ihr Ziel ist es, die Idee eines neuen Osmanischen (Turkischen) Kalifats oder einer neuen Theokratie zu befördern, die an das repressive Osmanische Kalifat vor dem Ersten Weltkrieg erinnert. Die CIA hat dabei die turkischen Länder und Provinzen im Visier, neben Xinjiang und der Türkei die Aserbaidschaner im Iran sowie Aserbaidschan, Usbekistan, Kasachstan, Turkmenistan und Kirgistan.

 

CIA-Hand in der Türkei

 

Chinas uigurische Bevölkerung ist ihrer ethnischen Herkunft nach turkisch, was die CIA eifrig nutzt, um über das ETIM Unruhen innerhalb Chinas anzuzetteln. Ein wichtiger Player für die CIA ist der türkische »Imam« Fetullah Gülen, den Ministerpräsident Erdoğan beschuldigt, hinter den jüngsten gegen ihn gerichteten Korruptionsskandalen zu stehen. Die Gülen-Bewegung zählt übrigens auch zu den einflussreichsten islamischen politischen Bewegungen in Deutschland.

 

Fetullah Gülen lebt heute in einem ländlichen geschützten Anwesen in Pennsylvania. Das verdankt er niemand anderem als dem »pensionierten« hohen CIA-Beamten Graham E. Fuller. Gülen und seine Bewegung sind durch und durch CIA. Beide nutzen einander für ihre jeweiligen Ziele. Das uigurische ETIM ist ein Joint Venture Gülens und der CIA. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Uiguren in China bis 1990 eine fromme apolitische Spielart des Islam praktiziert hatten. Das änderte sich allmählich, als Gülens Kader nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in das islamisch geprägte Zentralasien ausschwärmten.

 

In den 1990er Jahren gründete die Gülen-Bewegung besonders in den jetzt unabhängigen turkischen Republiken Zentralasiens und Russlands Koranschulen. Die zentralasiatischen Koranschulen wurden als Ausbildungszentren für al-Qaida genutzt und dienten als Alibi für verdeckte Agenten von CIA und US State Department [Außenministerium], die in der Region tätig waren. Einer der wichtigsten Schützlinge Gülens war Anwar Yusuf Turani, der aus seinem Exil in Washington D.C. heraus die Unabhängigkeitsbewegung Ost-Turkestan in Gang setzte. Gülen selbst lebte im Exil in Saylorsburg in Pennsylvania. 2004 gründete Turani die »Exilregierung Ost-Turkestan«, er wurde zum »Ministerpräsidenten« gewählt. Wer genau Turani »gewählt« hatte, blieb unklar. Washington gibt ihm anscheinend gern eine Plattform für seine Peking-feindlichen Aktivitäten in Xingjiang.

 

Laut einem Bericht in dem türkischen Enthüllungsmagazin Turk Pulse beruhen die Aktivitäten von Turanis Organisation für die Exilregierung auf einem Bericht mit dem Titel »The Xinjiang Project«. Er wurde 1998 von Graham Fuller für die RAND Corporation verfasst und erschien 2003 in überarbeiteter Form unter dem Titel »The Xinjiang Problem«.ii 2008 verhalf Fuller Gülen zu einer Aufenthaltsgenehmigung in den USA.

 

Anwar Yusuf Turani behauptete 1999 in einem Interview, er erhalte finanzielle Unterstützung von reichen Gönnern in Saudi-Arabien, der Heimat der ultrakonservativen wahhabitisch-sunnitischen Spielart des Islam, aus der die Kerntruppe von Osama bin Ladens Terrorguerilla der Mudschahedin stammte, die in den 1980er Jahren in Afghanistan kämpfte.iii Bei jener globalen Dschihad-Operation arbeitete der saudi-arabische Geheimdienst mit der CIA zusammen. Jetzt, wo China eine Front mit Putins Russland gegen den NATO-Putsch in der Ukraine sowie in Syrien und anderen Ländern unterstützt, erhöhen die NATO und die neokonservativen Kriegstreiber in Washington den Druck gegen China. Dabei bereitet Peking kein Ort mehr Sorgen als Xinjiang und seine uigurischen Muslime.

 


Fußnoten:

 

i Richard Labeviere, Dollars for Terror: The United States and Islam, Algora Publishing, 2000, S.6.

ii Gillian Norman (Jilinda), op. cit.

iii Dru C.Gladney und S. Frederick Starr, Xinjiang: China's Muslim Borderland, Armonk, New York, 2004, Central Asia-Caucasus Institute, S. 388 f.

 

 

 

 


 

 

 

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