Unterläuft China die furchterregende Pentagon-Strategie?
F. William Engdahl
Laut dem jüngsten »China Military Report 2009« des amerikanischen Pentagon an den US-Kongress sieht sich die größte Militärmacht der Erde, in den Worten des Pentagons der Meister der sogenannten »Full Spectrum Dominance«, plötzlich mit der unerwarteten Konkurrenz der chinesischen Militärtechnologie konfrontiert. Das könnte für die USA in Zukunft peinliche Folgen haben.
Die jüngste Bewertung des Pentagons über das militärische Profil Chinas bereitet manchem Abgeordneten im US-Kongress schlaflose Nächte. In dieser Bewertung heißt es: »Tempo und Umfang des militärischen Fortschritts in China haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Vornehmlich aufgrund der Beschaffung hochentwickelter strategischer Waffen aus dem Ausland sowie durch unverändert massive Investitionen in die heimische Rüstungstechnologie und -industrie und die Erweiterung der dazu erforderlichen wissenschaftlichen Kenntnisse, durch weitreichende organisatorische Reformen innerhalb der Streitkräfte und eine Änderung der militärstrategischen Ausrichtung ... entwickeln sich die chinesischen Streitkräfte weiter und stellen Militärtechnologien mit hoher Zerstörungskraft in Dienst. Darunter auch moderne Defensiv- und Abstandswaffen sowie Atom- und Weltraumwaffen sowie Mittel der Informationstechnologie zur Kriegsführung im virtuellen Raum (»Cyberwar«) – die alle das Kräftegleichgewicht in einer Region verschieben können. Das hat in diesem Fall nicht nur Auswirkungen auf den asiatisch-pazifischen Raum, sondern weit darüber hinaus.«
Das Pentagon ist also darüber beunruhigt, dass die Chinesen neue Technologien und Waffen entwickeln wollen, mit denen sie die traditionelle Vormachtstellung der amerikanischen Streitkräfte herausfordern können. Dabei geht es auch um Waffen, mit denen China die bisher überlegene Schlagkraft des amerikanischen Militärapparats zu Wasser und in der Luft schwächen kann – zumindest in der Nähe des chinesischen Territoriums.
China hat im vergangenen Oktober als Reaktion auf die Entscheidung der Bush-Regierung, an Taiwan Rüstungsgüter in rekordverdächtiger Höhe von 6,5 Milliarden Dollar zu liefern, die Kontakte auf hoher Ebene zum Pentagon ausgesetzt. Die Beziehungen haben sich zwar in letzter Zeit anscheinend wieder etwas verbessert, aber nach wie vor misstraut man in China den Motiven Washingtons. Im vergangenen Monat stand die Wiederaufnahme bilateraler Militärgespräche auf dem Spiel, nachdem die chinesische Marine ein amerikanisches Aufklärungsschiff im Südchinesischen Meer verfolgt und bedrängt hatte.

Das Pentagon ist überrascht über die jüngsten Fortschritte Chinas auf dem Gebiet der hochentwickelten Raumfahrt- und Cybertechnologie.
In der Pentagon-Studie heißt es, China sei frühestens 2015 in der Lage, selbst kleine Militäreinheiten weit von den eigenen Grenzen entfernt einzusetzen und zu versorgen. Darüber hinaus könne China bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein keine größeren Truppeneinheiten in weit entfernten Kampfgebieten unterhalten.
Doch in Wirklichkeit scheint die chinesische Militärführung entschlossen, ein Modernisierungsprogramm zu verfolgen, das China in die Lage versetzt, mit neuen Waffen in kurzandauernde Konflikten in seiner unmittelbaren Umgebung einzugreifen und diese auch zu gewinnen.
Um die Vereinigten Staaten ihrer traditionellen Vorteile zu berauben, hat China in neue Technologien für die Cyber- und Weltraumkriegsführung investiert. Zusätzlich pflege und erweitere China seine Atomstreitkräfte, so heißt es in dem Bericht. Außerdem erweitert und modernisiert China laut diesem Bericht seine U-Boot-Flotte und beabsichtige, eine ganze Anzahl neuer Flugzeugträger zu bauen.
Im Zeitraum zwischen 2003 und 2007 hat China international konventionelle Waffen im Wert von beinahe sieben Milliarden Dollar verkauft; der größte Teil dieser Waffen ist nach Angaben des Berichts an Pakistan gegangen.
Der demokratische Kongressabgeordnete Ike Skelton aus Missouri, der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des US-Repräsentantenhauses, hat am vergangenen Mittwoch eine Erklärung veröffentlicht. Darin zeigt er sich besorgt über »einige andauernde Trends und Unklarheiten in Bezug auf die militärische Modernisierung Chinas, einschließlich der Raketenstationierung gegenüber der taiwanesischen Küste sowie über die ständig steigende Reichweite der chinesischen Raketensysteme«.
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