Beim UN-Welternährungsgipfel in Rom, die den offiziellen Titel »Konferenz auf hoher Ebene über weltweite Nahrungsmittelsicherheit« trug, behauptete US-Landwirtschaftsminister Edward Shafer, genetisch veränderte Pflanzen, die er als »Biotechnologie« bezeichnete, seien die Antwort auf die Nahrungsmittelkrise der Welt; von hohem Nutzen seien etwa flutresistenter Reis in Bangladesch oder höhere Baumwollerträge in Burkina Faso. Er nannte »Biotechnologie eines der vielversprechendsten Instrumente zu Verbesserung der Produktivität in der Landwirtschaft und zur Steigerung der Einkommen der armen Landbevölkerungen«.
Fälschlich behauptete Shafer, genetisch veränderte Organismen (GVOs) könnten helfen, mehr Nahrungsmittel zu produzieren, weil sie die Erntemenge erhöhten und in den Entwicklungsländern die Ernten vor Pflanzenkrankheiten schützten.
Der Landwirtschaftsminister von Burkina Faso, Laurent Sedogo, hatte mit dem amerikanischen Chemie- und GVO-Riesen Monsanto zusammengearbeitet, um genverändertes Saatgut zu entwickeln, das gegen Pflanzenkrankheiten resistent ist, die sonst die Baumwollernten vernichten. Wie ich in meinem Buch Saat der Zerstörung gezeigt habe, brauchen GVO-Pflanzen nach der ersten Ernte mehr Unkrautvernichtungsmittel und Schädlingsbekämpfungsmittel als herkömmliches Saatgut. Außerdem hat sich entgegen den Anpreisungen von Monsanto und den führenden GVO-Saatgutherstellern gezeigt, dass der Ernteertrag längerfristig keinesfalls steigt, sondern vielmehr fällt, wenn die speziell entwickelten chemischen Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden, gegen die patentierte Saaten resistent sind. Außerdem haben unabhängige Tests ergeben, dass das heute meistverwendete GVO-Unkrautvernichtungsmittel, das von Monsanto hergestellte glyphosphathaltige Roundup, schädlich für das Grundwasser ist und das Trinkwasser mit gefährlichen Konzentrationen von Karzinogenen und Toxinen belastet.
Der Gipfel in Rom: das Fiasko war vorhersehbar
Der UN-Gipfel in Rom endete in einem vorhersehbaren Fiasko, denn die führenden Industrienationen, die USA und die EU, weigern sich, die Biokraftstoffprogramme aufzugeben, die zu einer dramatischen Getreideknappheit geführt haben und halten an ihrer Forderung fest, die Subventionen für die Nahrungsmittelversorgung in den Entwicklungsländern aufzugeben.
Die 40 am Gipfel teilnehmenden Staatschefs waren sich in frommer Manier darin einig, der Kampf gegen die weltweite Ernährungskrise sei eine Überlebensfrage. Aber der Aufruf von Jacques Diouf, dem Chef der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, 30 Milliarden Dollar für die Ernährung der 862 Millionen Hungernden auf der Welt bereitzustellen, verhallte ungehört. Diouf betonte, 30 Milliarden Dollar seien »nur 10 Prozent von dem, was die ›Erste Welt‹ an Subventionen für die Landwirtschaft ausgebe«.
Dioufs Kommentar, der Westen überfüttere fettleibige Menschen, wurde von Ed Shafter, dem US-Landwirtschaftsminister, kritisiert. Man hat den explosiven Anstieg der Fettleibigkeit unter den Amerikanern mit der immer mehr um sich greifenden Ernährung mit industriell hergestellten Fertiggerichten und dem Verbrauch von GVO-Produkten und Zusätzen wie Maisgluten zur Geschmacksverbesserung und Erzeugung von Abhängigkeit in Verbindung gebracht. Der künstliche Süßstoff Aspartam, ein Monsanto-Produkt, das längst von der US Food and Drug Administration (Behörde für Nahrungs- und Arzneimittel) als gefährliche Substanz hätte verboten werden sollen, ist in den meisten alkoholfreien Getränken enthalten, die in den USA konsumiert werden. Der amerikanische Minister, dem die Beweise zweifellos bekannt sind, konterte dennoch und erklärte: »Ich weiß nicht, warum er [Diouf] die an Fettleibigkeit leidenden Menschen beschuldigt hat, anderen Menschen das Essen wegzunehmen. Ich meine, das hätte man ruhiger und netter handhaben können.«

FAO-Chef Diouf vermied bewusst die realen Probleme und schob die Ernährungskrise darauf, dass die »Fettleibigen« auf der Welt zu viel äßen!
China wies Anschuldigungen zurück, wonach der steigende Konsum von Fleisch und Milch seiner 1,3 Milliarden Menschen zur Krise beigetragen hätte. Der chinesische Landwirtschaftsminister Zhengcai Sun wies mit Recht darauf hin, dass China bei Getreide Selbstversorger und Nettoexporteur ist.
Das in Rom besiegelte Fiasko unterstreicht, dass einige der mächtigsten Nationen, besonders aber Washington und die EU-Kommission in Brüssel, kein allzu großes Interesse zeigen, zur Lösung der gegenwärtigen Ernährungskrise beizutragen. Unseren sehr gut informierten Quellen zufolge hat Papst Benedikt XVI. sich dem massiven Druck widersetzt, offiziell die GVOs als Lösung für die Welthungerkrise zu unterstützen. Der Papst bleibt im Gegenteil bei seiner kritischen Haltung gegenüber der Patentierung von Saatgut und hat die GVO nicht unterstützt, was für Monsanto und die einflussreiche Agrarindustrie-Lobby einen herben Rückschlag bedeutet.

Der Papst unterstützte beim Welternährungsgipfel in Rom nicht die GVO als Lösung – ein Rückschlag für Monsanto und die GVO-Lobby.
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