Thursday, 17. May 2012
02.07.2009
 

USA stellen Vernichtung des Opiums in Afghanistan ein

F. William Engdahl

Jetzt ist es offiziell. Die amerikanische Regierung versucht nicht einmal mehr, den Anschein zu erwecken, massiv gegen die die weltweitgrößte Opium-Produktion in Afghanistan vorzugehen. Mit dem Argument, ein solches Vorgehen könnte die lokale Stabilität der kleinbäuerlichen Wirtschaft stören, kündigte der amerikanische Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan Richard Holbrooke an, die USA stellten die Vernichtung von Mohnanbauflächen ein. Man kann sich vorstellen, dass diese Nachricht in den Vorstandsetagen der Citigroup und anderer Wall-Street-Institutionen, die Berichten zufolge in der Geldwäsche der internationalen Einkünfte bekannter Drogenbarone verwickelt sind, Zufriedenheit ausgelöst hat. Den Opfern und deren Familien im von Russland bis zur EU von Drogen überschwemmten Europa ist sicherlich nicht nach Feiern zumute.

Nach der Invasion und der Besetzung Afghanistans 2001 hat die Opiumproduktion in Afghanistan, die dort die Haupteinnahmequelle der Bauern ausmacht, immer wieder neue Rekordhöhen erreicht. Nach Schätzungen der UN liefert das besetzte Gebiet derzeit an die 90 Prozent der Weltschlafmohnerzeugung.

Einige Kritiker verweisen auf Zahlen, nach denen der Anbau von Mohn unter der strengen Herrschaft der Taliban vor der amerikanischen Besetzung 2001 fast völlig verschwunden war und unter strenger Strafe stand. Sobald die amerikanischen Truppen die vorher wichtigsten Anbauregionen in Afghanistan »gesichert« hatten, gedieh der Opiumanbau von neuem.

Auf einer Pressekonferenz im Rahmen der jüngsten G-8-Konferenz zu Afghanistan verdeutlichte Holbrooke die Politik Obamas: »Die westliche Politik gegenüber dem Opiumanbau, dem Schlafmohnanbau, ist gescheitert. Sie schadete den Taliban in keiner Weise, nahm aber den Bauern ihre Arbeitsmöglichkeiten. Wir werden die Vernichtung von Mohn nicht weiter vorantreiben, sondern sie stufenweise auslaufen lassen.«

Holbrooke behauptete, die neue amerikanische Strategie werde sich darauf konzentrieren, die für die Verwandlung von Opium in Heroin erforderlichen Chemikalien abzufangen. Darüber hinaus würden die Soldaten gegen die einflussreichsten Drogenbarone vorzugehen versuchen. Das allerdings gehörte schon seit der Invasion zur erklärten Drogenbekämpfungsstrategie.

Die Regierung Obama benutzt das fragwürdige Argument, jede Störung des Drogenhandels wirke sich massiv auf die wirtschaftliche und  politische Stabilität Afghanistans aus, wie es in einer Pressemeldung heißt. »Auch wenn sein [des Drogenhandels] relativer Anteil in der Gesamtwirtschaft in den letzten Jahren zurückgegangen ist und dafür andere Bereiche zugelegt haben, hat die Rauschgift-Industrie immer noch ein Volumen von 2,6 Mrd. Dollar pro Jahr und macht mehr als ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes aus. Die Bauern, die Mohn anbauen, erhalten nur einen kleinen prozentualen Anteil an den Gewinnen, aber amerikanische Regierungsvertreter schätzen, dass der Mohnanbau immer noch ein zwölfmal höheres Einkommen liefert als herkömmliche Landwirtschaft. Daher gibt es heftigen lokalen Widerstand gegen die Vernichtung [der Anbauflächen]«, hieß es in der Meldung weiter.

Nach Schätzungen des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODOC) hat sich die Opiumproduktion in Afghanistan seit 2005 verdoppelt und macht derzeit fast 93 Prozent des weltweiten Angebots aus. »Diese Ergebnisse sind sehr schlimm, erschreckend  
schlimm, denn der Anbau ist um 17 Prozent auf einen historischen Höchststand geklettert«, erklärte der geschäftsführende UNODOC-Direktor Antonio Maria Costa. In keinem anderen Land mit Ausnahme Chinas im 19. Jahrhundert werde eine so große Landfläche für kriminelle Aktivitäten genutzt.

Costa sagte weiter, die Bemühungen der USA um eine Vernichtung der Anbauflächen seien ein »schlechter Scherz« und eine Verschwendung von Menschenleben. Bisher seien lediglich schätzungsweise drei Prozent des Produktionsvolumens des ganzen Landes vernichtet worden. Amerikanische Regierungsvertreter meinen, sie setzten mehr darauf, alternative Anbaupflanzen zu fördern und weniger auf aggressive Vernichtungsmaßnahmen, die die Afghanen verärgern könnten.War es nun die Bevölkerung oder waren es doch eher die Drogenbarone, die amerikanische Geheimdienste 2001 bestachen, als Washington das Land praktisch kampflos besetzte?

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