Wednesday, 25. May 2016
20.05.2014
 
 

Vietnamesen brennen chinesische Fabriken nieder?

F. William Engdahl

Anfang Mai brachte die staatliche chinesische Ölgesellschaft China National Offshore Oil Corp. (CNOOC) ihre neueste hochmoderne Ölplattform, die eine Milliarde Dollar teure Bohrinsel Hai Yang Shi You 981, in den Gewässern der Xisha-Inseln in Stellung. Diese Inseln beansprucht China gemäß dem Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) der Vereinten Nationen als chinesisches Hoheitsgebiet. Vietnam und die USA nennen die Inselgruppe die »Paracel-Inseln«. Wie vorauszusehen war, löste das chinesische Vorgehen eine umgehende Reaktion Vietnams aus, das die Souveränität über die praktisch unbewohnten Inseln für sich beansprucht. Ebenso vorhersehbar hat sich Washington auf die vietnamesische Seite gegen die chinesischen Souveränitätsansprüche geschlagen.

Natürlich geht es bei dem Konflikt auch um die Erdölvorkommen – Schätzungen sprechen von mehreren Milliarden Barrel –, doch wichtiger ist der 2012 von Obama verfügte »Asien-Schwenk«, d.h. die militärische Umorientierung der US-Streitkräfte auf Eindämmung und letztendlich Provokation Chinas, nach dem Muster, wie es die USA mithilfe der Ukraine gegenüber Russland durchexerziert haben.

In den 1960er Jahren erregten erste Hinweise auf potenziell bedeutende Erdöl- und Erdgasvorkommen am Festlandsockel im Ostchinesischen Meer, in dem die Inseln liegen, das Interesse Japans. Japan trieb daraufhin die Verhandlungen mit den USA über die Rückgabe der Okinawa-Inseln voran. Zehn Jahre später erhoben die Philippinen aus demselben Grund Anspruch auf die Souveränität über die Insel Huangyan.

 

Da Chinas Bedarf an importiertem Erdöl in den letzten zehn Jahren explosionsartig gestiegen ist, sind die Ansprüche auf die verschiedenen umstrittenen Inseln im Südchinesischen Meer nahe Vietnam, Taiwan und den Philippinen zum großen Streitpunkt geworden. 2012 machte China die Stadt Sansha in der Provinz Hainan zur Verwaltungszentrale der Xisha- (alias Paracel-) Inseln, deren Bevölkerung bis heute überwiegend aus Schildkröten und Seevögeln besteht, die Nester und Guano-Ablagerungen hinterlassen. Außer Militärangehörigen und Fischern leben dort keine Menschen.

 

Die Antwort der Regierung in Hanoi auf die Errichtung der chinesischen Erdölplattform fiel äußerst scharf aus. Die Regierung fühlt sich offensichtlich bestärkt durch den jüngsten Besuch von US-Präsident Obama und Erklärungen des US-Außenministers Kerry, der China wegen »provokativen« Vorgehens gerügt hatte – womit die USA de facto Vietnams Ansprüche in der komplizierten Frage anerkannten.

 

Nach Kerrys Erklärung entsandte die vietnamesische Regierung 36 Schiffe, darunter auch Kriegsschiffe unter Waffen, zu den Inseln, um die Bohrung zu verhindern. Berichten zufolge wurden dabei bis zu 171 Mal chinesische Boote gerammt. Chinas Ansprüche auf Xisha beruhen auf mehreren Punkten. Da ist zum einen die Nähe der Inselgruppe zu den territorialen Gewässern vor Chinas südlichster Provinz Hainan, die selbst eine große, China vorgelagerte Insel ist. Der Rest ist historisch bedingt.

 

Im Rahmen von Obamas jüngster Asienreise, bei der China bewusst ausgelassen wurde, unterzeichneten die USA ein neues Verteidigungsabkommen mit den Philippinen, die ebenfalls von Washington ermuntert wurden, Anspruch auf die vor der Küste gelegenen Spratly-Inseln zu erheben, die historisch von China beansprucht werden. Darüber hinaus versorgen die USA Vietnam mit wichtigem neuen militärischen Gerät.

 

Aufstände gegen chinesische Firmen?

 

Jetzt gibt es in westlichen Medien Berichte über Proteste wütender Vietnamesen gegen »chinesische« Fabriken in Vietnam, bei denen Todesopfer zu beklagen waren. In mehreren Fällen wurden die Fabriken von Arbeitern bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die Medien stellten dies als nationalistische Wut gegen die Errichtung der chinesischen Bohrinsel dar.

 

Die Regierung in Hanoi hat hinterrücks gewalttätige antichinesische Proteste ermuntert. Am 15. Mai, nachdem Arbeiter zwei chinesische Fabrikbesitzer getötet und 100 Menschen verletzt hatten, bezeichnete der Sprecher des vietnamesischen Außenministeriums Le Hai Binh die Aufstände als Ausdruck des Patriotismus und der Entschlossenheit, »die nationale Souveränität zu schützen«, und das sei »legitim und natürlich«.

 

Doch die Wirklichkeit scheint komplizierter. Nach Angaben von BBC-Journalisten in Vietnam sind die meisten »chinesischen« Fabriken, die verwüstet werden, in Wirklichkeit gar nicht chinesisch. Viele der niedergebrannten oder beschädigten Firmen sind Eigentum von Unternehmen aus Südkorea, Singapur oder Taiwan; die Arbeiter nutzten den Streit zwischen China und der Regierung in Hanoi als willkommenen Vorwand, gegen die unmenschlichen oder unzureichenden Arbeitsbedingungen in vielen ausländischen Fabriken zu protestieren. Solche Fabriken wurden im Rahmen des vietnamesischen Wirtschaftsbooms in jüngster Zeit reihenweise eröffnet.

 

Diesen Berichten zufolge wurde der Aufstand der Fabrikarbeiter in ganz Vietnam anfänglich durch offiziell sanktionierte Proteste ausgelöst, die dann aus dem Ruder liefen. Laut anderen Berichten spielte auch eine in Amerika ansässige Organisation antikommunistischer Exilvietnamesen namens Viet Tan eine Rolle. Ihr Ziel ist eine Konfrontation zwischen Vietnam und China, um das nominell noch immer kommunistische Regime in Hanoi zu diskreditieren. Die Verbindungen der Regierung zu Karl Marx sind heute ungefähr so eng wie die der höchst pragmatischen Chinesischen Kommunistischen Partei, nämlich kaum noch sichtbar.

 

Beunruhigender ist die ständige Präsenz der amerikanischen Streitkräfte in Vietnam, auf den Philippinen, in Japan und Australien im Rahmen ihrer neuen Strategie der Einkreisung und der Eskalation militärischen und wirtschaftlichen Drucks auf China, wie ich in meinem neuen Buch China in Gefahr detailliert beschreibe.

 

 

 


 

 

 

 

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