Dienstag, 27. Juni 2017
01.06.2016
 
 

Washingtons Militärplaner sind jetzt völlig durchgeknallt

F. William Engdahl

Die westlichen Mainstreammedien wollen uns weismachen, der starke, böse russische Bär, mit Wladimir Putin an der Spitze, fuchtele wild mit seinen Pranken, in denen er eine Handvoll atomarer Sprengköpfe hält, und bedrohe den Westen auf kaum vorstellbare Art und Weise. Wir sollen überzeugt werden, dass Russland mit Schaum vor dem Mund ständig provoziert und droht, in die baltischen Staaten und dann vielleicht auch in ganz Westeuropa einzumarschieren. Und unter dem Eindruck dieser unmittelbaren Bedrohung hielten wir es dann auch für gerechtfertigt, wenn Washington, natürlich nur zum Schutz der amerikanischen Verbündeten in Europa vor einem russischen Überraschungsangriff, so behauptet zumindest die transatlantische Propaganda, Russland mit Raketenabwehrsystemen einkreist.

 

Als Bürgerinnen und Bürger der westlichen NATO-Länder blieb uns wenig Möglichkeit zur Reaktion, als vor einigen Tagen die Meldung vom Weißen Haus unter Präsident Obama zu lesen war, man habe die erste Phase eines amerikanischen Raketenabwehrsystems, das unter der Bezeichnung Aegis bekannt ist, auf dem Luftwaffenstützpunkt im rumänischen Deveselu in Betrieb genommen. Als nächstes soll nun in Polen ein entsprechendes Aegis-System seine Arbeit aufnehmen.

 

Das landgestützte Aegis Ashore-System wurde nach einer Bauzeit von etwas weniger als drei Jahren offiziell in Rumänien in Betrieb genommen und kann damit ab jetzt SM-3-Abfangraketen abfeuern. Ein einzelnes System umfasst 24 Flugabwehrraketen vom Typ SM-3. Darüber hinaus will das Pentagon Raketenabwehrsysteme auch in Japan und Südkorea und falls möglich, auch in Australien stationieren. Diese Abwehrsysteme richten sich gegen China. Die amerikanische Sicht der weltweiten Realität wird vorrangig von dem geprägt, was die Bevölkerung in den Leitmedien, wie der New York Times, dem Wall Street Journal oder den großen Fernsehsendern CNN oder der britischen BBC vorgesetzt bekommt. Ähnliches gilt entsprechend für die europäischen Medien und ihre Beeinflussung der Bevölkerung. Die gegenwärtige Berichterstattung vermittelt uns den Eindruck, wir könnten erleichtert sein, weil unsere Welt nun etwas sicherer geworden sei. Aber nichts ist weiter von der Realität entfernt. Und eine solche Einstellung wäre eine schwerwiegende Fehleinschätzung.

 

Bereits am 13. Mai kündigte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zusammen mit offiziellen Vertretern der USA und europäischer NATO-Mitgliedsländer die Inbetriebnahme eines neuen Raketenabwehrsystems an, das in Rumänien stationiert sei: »Das amerikanische Aegis Ashore-System ist fertiggestellt und überprüft und kann seine Arbeit aufnehmen.«

 

Dieses neue Raketenabwehrsystem wurde auf dem rumänischen Luftwaffenstützpunkt Deveselu stationiert. Parallel dazu begannen die USA am gleichen Tag, an dem das rumänische Raketenabwehrsystem seine Arbeit aufnahm, mit dem Bau einer weiteren amerikanischen Raketenabwehrbasis in der Nähe der Ortschaft Redzikowo im polnischen Hinterpommern. Beide Anlagen unterstehen dem direkten Kommando des amerikanischen Verteidigungsministeriums.

 

Das Pentagon beharrt darauf, beide Raketenabwehranlagen seien dazu gedacht, Europa vor Angriffen aus dem Iran (sic!) zu schützen. Handelt es sich hier möglicherweise um einen ziemlich jämmerlichen Propagandaversuch Washingtons? Ich denke schon. Diese beiden Systeme und andere richten sich direkt gegen Russland. Und die »defensiven« Aegis-Raketen können durchaus auch mit atomaren Sprengköpfen ausgerüstet werden. Und die Raketenwerfer sind in der Lage, Marschflugkörper vom Typ Tomahawk für Angriffe auf Landziele abzufeuern.

 

Der Raketenstützpunkt in Rumänien ist weniger als 650 Kilometer vom strategisch wichtigen russischen Schwarzmeer-Marinestützpunkt Sewastopol auf der Krim entfernt. Aegis kann sowohl Kurzstrecken-, als auch Langstreckenraketen abfeuern. Was den Einsatzbefehl angeht, so haben weder Rumänien, noch Polen ein Mitspracherecht, obwohl ihr Territorium und insbesondere die Region, in der sich diese Raketenbasen befinden, Ziel einer möglichen präventiven russischen Antwort sein würde.

 

In einem Kommentar zu der Inbetriebnahme räumte die New York Times offen ein: »Diese Startanlage verstößt gegen den 1987 abgeschlossenen INF-Vertrag, der die Stationierung landgestützter Raketen und Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 480 – 6500 Kilometern verbot.« Mit dem INF-Vertrag sollte das Wettrüsten zwischen den Supermächten im Bereich Mittelstreckenraketen gestoppt werden. Die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa hätte die Vorwarnzeit im Falle eines Angriffs auf wenige Minuten verkürzt, was die Gefahr eines »versehentlichen« Gegenschlags erhöhte.

 

Die USA und die NATO beharren darauf, dass Aegis zur Abwehr von Angriffen seitens des Irans und anderer kleinerer Staaten diene, die Washington als sogenannte »Schurkenstaaten« bezeichnet, und keineswegs als Bedrohung Russlands oder Chinas gedacht sei – die Absurdität dieser Behauptung ist offensichtlich.

 

Dass Russland das eigentliche Ziel des rumänischen Aegis-Systems ist, zeigte sich u.a. deutlich an Bemerkungen des rumänischen Präsidenten Klaus Ioannis, der deutlich machte, diese neue Raketenanlage sei Teil umfassenderer Planungen, sein Land zur Aufmarschregion für NATO-Aktivitäten in ganz Osteuropa und dem Schwarzen Meer zu machen.

 

Das Schwarze Meer ist das Operationsgebiet der russischen Schwarzmeerflotte, die in Sewastopol auf der Krim stationiert ist. Ioannis räumte indirekt ein, dass die Russische Föderation das eigentliche Ziel der neuen Raketenbasis sei, als er die NATO-Führung aufforderte, als Teil des »Aufbaus einer glaubwürdigen und vorhersehbaren Präsenz verbündeter Streitkräfte« an der Ostflanke [der NATO] im Schwarzen Meer eine »ständige Marinepräsenz« zu entfalten. Ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass es sich bei dem einzigen Anrainerstaat des Schwarzen Meeres, der nicht zur NATO gehört oder von NATO-freundlichen Regimen beherrscht wird, um die Russische Föderation handelt.

 

Im Rahmen seiner Amtseinführung wenige Tage vor der Inbetriebnahme der Aegis-Raketenbasis warnte der neue Oberbefehlshaber für Operationen des NATO-Bündnisses (SACEUR), Armeegeneral Curtis M. Scaparrotti, Russland »strebt danach, sich als Weltmacht zu präsentieren«. Die amerikanischen Streitkräfte in Europa müssten ihr »Bereitschaftsniveau und ihre #Beweglichkeit verstärken, um in der Lage zu sein, heute Nacht zu kämpfen, sollte die Abschreckung versagen«.

 

Russland seinerseits ließ keine Zweifel daran, dass es die Stationierung des Aegis-Systems keinesfalls so einfach hinnehmen werde. Gegenüber Journalisten erklärte Präsident Putin: »Dies ist kein Verteidigungssystem. Hier wird ein Teil des strategischen Nuklearpotentials der USA an die Peripherie verlegt. In diesem Fall handelt es sich bei dieser Peripherie um Osteuropa … Diejenigen, die solche Entscheidungen treffen, sollten wissen, dass sie bisher in Ruhe, in relativem Wohlstand und in Sicherheit gelebt haben. Wenn jetzt dort diese Elemente einer Raketenabwehr stationiert sind, sind wir gezwungen, darüber nachzudenken, wie wir diese sich abzeichnenden Bedrohungen der Russischen Föderation eindämmen können.«

 

Der russische Kommentator Konstatin Bogdanow erklärte gegenüber der New York Times: »Die Raketenabwehranlagen in Osteuropa könnten in einer Krisensituation sogar die bedrohliche Entwicklung zu einem Atomkrieg beschleunigen. Im Fall eines Atomkrieges würden sie unvermeidlich zu vorrangigen Zielen und möglicherweise sogar zu Zielen für präventive Angriffe … Länder wie Rumänien, auf deren Territorien amerikanische Raketenabwehrsysteme stationiert sind, wären möglicherweise die einzigen Opfer, wohingegen sich die USA dann mit Russland ›über den rauchenden Ruinen der osteuropäischen Teile des [amerikanischen] Raketenabwehrsystems wieder versöhnen würden‹.«

 

Mögliche russische Gegenmaßnahmen


Viele »Denkfabriken-Generäle« in Washington, neokonservative akademische »Falken« und sogar hochrangige Generäle des Pentagons, die mehr mit der Lobbyarbeit für einen höheren Verteidigungshaushalt beschäftigt sind, scheinen überzeugt zu sein, die USA seien unverwundbar und ihre schrittweise Eskalation gegen Russland und auch gegen China in den letzten Jahren werde dazu beitragen, den derzeit bröckelnden Status der USA als einziger Supermacht mit weltweitem Vormachtanspruch wiederherzustellen. Dies wird sicherlich nicht geschehen, und am Ende könnte sogar die Auslöschung der USA und auch Europas stehen, selbst wenn Russland ebenfalls teuer dafür bezahlen würde.

 

Ein angesehener Militärveteran aus der Zeit des Kalten Krieges, der ursprünglich aus der Sowjetunion stammte und dann für den französischen Geheimdienst tätig war, schreibt unter dem Pseudonym The Saker. Vor kurzem schilderte er ausführlich, mit welchen Reaktionen die USA und die NATO seitens Russlands zu rechnen hätten, sollte Washington damit fortfahren, idiotischerweise amerikanische Soldaten im Baltikum an der Grenze zu Russland zu stationieren und weitere Stützpunkte seines Raketenabwehrsystems in Betrieb zu nehmen, die, nebenbei bemerkt, nach Ansicht Putins auch in der Lage sind, für Atomsprengköpfe umgerüstet zu werden.

 

The Saker verweist zu Recht darauf, dass Washingtons Aegis-Systeme zur kinetischen Raketenabwehr keine direkte Bedrohung der russischen Verteidigungsfähigkeiten darstellen. Es ist die Eskalation, die Moskau alarmiert; und dies gilt insbesondere seit dem von Washington gesteuerten Putsch vom Februar 2014 in der Ukraine sowie angesichts des strikten Kadaver-Gehorsams jedes europäischen Regierungschefs gegenüber den Anweisungen aus Washington, selbst wenn dies wirtschaftliche Nachteile mit sich bringt.

 

Als Folge hat Russland damit begonnen, sich auf das »Undenkbare« vorzubereiten. Man darf nie vergessen, dass Russen Krieg verabscheuen, nachdem sie in den 1940er Jahren möglicherweise bis zu 30 Millionen Menschen verloren haben, nur um dann miterleben zu müssen, wie sich die 1944 erst spät in den Krieg eingetretenen Amerikaner als »Sieger« betrachteten und feiern ließen, nachdem die Russen die Hauptlast der Kämpfe gegen Nazi-Deutschland auf sich genommen hatten. Aber wie die ganze russische Geschichte bis zurück zum »Morgenländischen Schisma« von 1054 n.Chr. zeigt, sind die Russen in der Lage, sich gegen alle Widrigkeiten zu verteidigen, wenn sie sich in einer existenziellen Krise befinden.

 

The Saker beschreibt dann weiter die gegenwärtige russische Antwortstrategie, die bereits in aller Stille seit 2007 in Vorbereitung ist, seit damals die Cheney-Bush-Regierung ihre Absicht erklärte, in Polen und der Tschechischen Republik Raketenabwehrsysteme zu stationieren:

 

»Die russischen Bemühungen sind enorm und komplex, und umfassen beinahe jeden Aspekt der russischen Truppenplanung, aber es gibt vier Beispiele, die meiner Meinung nach am besten die russische Entschlossenheit illustrieren, keinen zweiten 22. Juni 1941 geschehen zu lassen:

  • Die Wiederaufstellung der 1. Garde-Panzerarmee (in Arbeit)
  • Die Stationierung des operationell-taktischen Raketensystems Iskander-M (erledigt)
  • Die Stationierung der [superschweren] Interkontinentalraketen vom Typ Sarmat (in Arbeit)
  • Die Stationierung der strategischen Torpedos vom Typ Status-6 (in Arbeit)«

Drei der vier genannten Vorhaben verdienen es, genauer erörtert zu werden. The Saker beschreibt das Iskander-M-System so: »Das neue operationell-taktische Raketensystem Iskander-M ist … extrem treffgenau, hat hochentwickelte Fähigkeiten zur Abwehr ballistischer Raketen, fliegt mit Überschallgeschwindigkeit und ist am Boden praktisch nicht zu entdecken. Diese Rakete hat die Aufgabe, alle Einheiten und die gesamte Ausrüstung zu zerstören, die die USA und die NATO in Osteuropa nach vorne verlegt haben …«.

 

Auch auf die Interkontinentalraketen (ICBM) vom Typ Sarmat, an dem noch gearbeitet wird, geht er ein. Zunächst weist er darauf hin, dass die SS-18, die bisher stärkste jemals entwickelte ICBM, schon angsteinflößend genug gewesen sei. Aber »die RS-28 Sarmat (oder SS-X-30 nach NATO-Klassifikation) hebt den Schrecken auf ein völlig neues Niveau.

 

Die Sarmat … wird in der Lage sein, 10-15 MIRV Sprengköpfe zu tragen, die in einer sogenannten ›deprimierten‹ (suborbitalen) Flugbahn abgesetzt werden und die bei Überschallgeschwindigkeit manövrierfähig bleiben. Die Rakete muss nicht die typische Flugbahn über den Nordpol nutzen, sondern kann jedes Ziel irgendwo auf dem Planeten auf jeder denkbaren Flugbahn erreichen. All diese Elemente zusammengenommen werden es unmöglich machen, die Sarmat selbst und ihre Sprengköpfe abzufangen.«

 

Und dann ist da noch der strategische Torpedo Status-6. Dieser Torpedo wird von einem »autonomen Unterwasser-Fahrzeug« abgesetzt, »das fortgeschrittene Navigationsfähigkeiten besitzt, aber ebenfalls durch ein spezialisiertes Kommandomodul ferngesteuert werden kann. Dieses Fahrzeug kann tausend Meter tief tauchen, erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 185 km/h, und besitzt eine Reichweite von bis zu 10 000 km …

 

Das Status-6-System kann eingesetzt werden, um Flugzeugträgerkampfgruppen und US-Marinebasen (insbesondere Stützpunkte für U-Boote mit Nuklearraketen) anzugreifen, und es kann, in seiner beängstigendsten Konfiguration, eingesetzt werden, um hochradioaktive Kobaltbomben abzusetzen, die große Landstriche verwüsten können. Das Trägersystem Status-6 wäre … in der Lage, einen Sprengkopf von 100 Megatonnen abzusetzen, was es zweimal so stark machen würde wie den mächtigsten Sprengkopf, der je detoniert ist, die sowjetische Zar-Bombe (57 Megatonnen). Die Bombe von Hiroshima verfügte nur über 15 Kilotonnen.

 

Vergessen Sie nicht, dass die meisten Städte und Industriezentren der USA entlang der Küste liegen, was sie extrem verwundbar für Angriffe durch Torpedos macht… [Die Tiefe] und die Geschwindigkeit des Status 6-Torpedos [würden] es jeder Abfangmöglichkeit gegenüber unverwundbar machen.«

 

The Saker weist darauf hin, dass es auch noch andere, ähnlich ernstzunehmende mögliche russische Reaktionen auf potenzielle existenzielle Gefährdungen des »Mutterlandes« (Rodina, wie es im Russischen heißt) gibt.

 

Die Vorrangstellung der Atomwaffen


Das derzeit laufende Raketenabwehr-Programm begann in der Amtszeit Präsident Ronald Reagans. Der 1972 zwischen Moskau und Washington abgeschlossene ABM-Vertrag schränkte die Entwicklung und Stationierung von Raketenabwehrsystemen deutlich ein, verhinderte aber nicht, dass beide Seiten erhebliche Forschungsanstrengungen in diesem Bereich unternahmen. Dann kündigte Präsident Ronald Reagan im März 1983 die »Strategische Verteidigungsinitiative» (»Strategic Defense Initiative, SDI) an, die von den Medien schon bald als »Krieg der Sterne« bezeichnet wurde. Als der Kalte Krieg 1990 mit dem Untergang der Sowjetunion endete, stellte Washington für einige Zeit die Arbeiten an ihrem Raketenabwehrsystem zurück. Aber das änderte sich, als 2001 die Cheney-Bush-Regierung an die Macht kam.

 

Raketenabwehrsysteme sind der letzte Baustein, der einen amerikanischen atomaren Erstschlag zu einer realen Möglichkeit machen würde. Sie haben die Aufgabe, jede russische Atomrakete abzufangen, die nach einem amerikanischen Erstschlag vielleicht doch noch abgefeuert werden würde. [1]

 

Wie der schon verstorbene Oberstleutnant Robert Bowman, der frühere Leiter der damals strenggeheimen SDI-Forschungen Präsident Carters, erklärte, bildete die Raketenabwehr auch 2009 noch das letzte »fehlende Glied einer Erstschlagsfähigkeit«. [2]

 

Bereits zu Beginn des völkerrechtswidrigen amerikanischen Einmarsches in den Irak 2003 ließ die sogenannte Nuclear Posture Review (NPR, eine immer wiederkehrende Neubewertung der amerikanischen Atomwaffendoktrin) des Pentagons aus dem Jahr 2003 keinen Zweifel daran, dass ein Verzicht auf Atomwaffen nicht beabsichtigt sei. Aber die Strategie hinter den Atomwaffen änderte sich in der Ära des »Falken«-Cheney-Bush-Regimes grundlegend: Die Abschreckungsdoktrin des »Gleichgewicht des Schreckens« und die Sichtweise auf Atomwaffen als Waffen, die man nur in allergrößter Gefahr einsetzten würde, wurde aufgegeben. Atomwaffen wurden zu einer zentralen, einsatzfähigen Komponente des amerikanischen Militärarsenals. Washington erwog das Undenkbare.

 

Im September 2015 erklärte das Pentagon, Washington habe beschlossen, auch gegen den Widerstand führender, aber saft- und kraftloser deutscher Politiker im Fliegerhorst Büchel im Bundesland Rheinland-Pfalz 20 Atombomben vom Typ B61-12 zu stationieren. Beim Typ B61-12 handelt es sich um eine hochmoderne Atomwaffe mit deutlich erweiterten Fähigkeiten und das bisher teuerste Atombombenprojekt überhaupt.

 

Damals schrieb ich in einem Artikel, die Stationierung neuer Atomwaffen in Deutschland »ist keine unbedeutende Angelegenheit, denn sie erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges zwischen den USA und Russland durch Fehleinschätzungen und macht Deutschland zu einem vorrangigen Angriffsziel in einer solchen Eskalation.«

 

Wenn ich auf der Straße spazieren gehe und über meine eigenen Angelegenheiten nachdenke und dann einen Psychopathen beobachte, der mit einem gezogenen Messer auf mich zuspringt und mich offensichtlich töten will, habe ich das moralische Recht, mich mit allen gebotenen Mitteln zu verteidigen. Seit der Bekanntgabe der Pläne im Jahr 2007, ein Raketenabwehrsystem in Westeuropa zu stationieren, verfolgen die Strategen im Kreml das Vorgehen des amerikanischen Militärs und Außenministeriums genau. Sie haben natürlich auch nicht vergessen, dass die Cheney-Bush-Regierung den INF-Vertrag einseitig aufkündigte, um freie Hand für die Stationierung ihres Raketenabwehrsystems zu bekommen. Und angesichts der gegenwärtigen Verstärkung der Präsenz von Streitkräften und Panzern der USA und der NATO an der russischen Peripherie sowie um China herum, nehmen beide Länder die Bedrohung ihrer Existenz durch einen »undenkbaren« amerikanischen atomaren Erstschlag todernst.

 

Eine interessante Randbemerkung: In ihrer Ausgabe vom 29. Mai 2016 berichtete die staatliche chinesische Zeitung China Times, China werde zum ersten Mal ein mit Atomraketen bestücktes U-Boot in den Pazifik entsenden. Die Zeitung lieferte damit eine offizielle Antwort der Regierung in Peking auf die amerikanische militärische »Schwerpunktverlagerung in Richtung Asien« und bemerkte, China verfolge mit einer sehr viel geringeren Anzahl atomarer Sprengköpfe als die der Westmächte eine Strategie der »wirksamen atomare Abschreckung«. Darüber hinaus ist China die einzige Atommacht, die eine strikte Politik des Verzichts auf einen Erstschlag verfolgt. Das bedeutet, »Chinas Möglichkeit zur Abschreckung liegt in seiner Zweitschlagskapazität begründet … Angesichts der wachsenden Spannungen zwischen China und den USA muss China seine Fähigkeit zur atomaren Vergeltung erhöhen. Dies wird dazu beitragen, in der Großregion Asien-Pazifik ein Gleichgewicht herzustellen, und die Bereitschaft der USA fördern, Frieden mit China zu suchen«.

 

Es ist von großer Bedeutung, dass diejenigen unter uns, die sich noch ihre Vernunft bewahrt haben, klar erkennen, wie absolut verrückt die amerikanische Strategie einer Raketenabwehr und der ständigen Provokationen Russlands der letzten 20 Jahre und insbesondere der beiden letzten Jahre ist. Anders als der amerikanische Verteidigungsminister Ash Carter bin ich nicht bereit, in einem thermonuklearen Aschenhaufen zu enden.

 

 

 

 


Anmerkungen:

 

[1] Michio Kaku und Daniel Axelrod, »To Win A Nuclear War: The Pentagon’s Secret War Plans«, Boston, 1987, S. 207.

[2] F. William Engdahl, »Full Spectrum Dominance: Totalitarian Democracy in the New World Order«, Wiesbaden, 2009, Kapitel 10.

 


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