Thursday, 17. May 2012
25.02.2008
 

Washingtons nuklearer Poker provoziert russische Reaktion

F. William Engdahl

Bei seiner letzten jährlichen Pressekonferenz als russischer Präsident sagte Wladimir Putin, dass er bereit wäre, Raketen auf ehemalige Länder des Warschauer Paktes zu richten, einschließlich der benachbarten Ukraine, falls sie sich der NATO anschließen oder militärische Anlagen des Westens in ihrem Land stationieren würden …

Russland »wäre gezwungen, Raketen auf jene Objekte zu richten, von denen wir glauben, dass sie unsere nationale Sicherheit bedrohen«. Die Ukraine hat sich um die Mitgliedschaft in der NATO beworben. Gleichzeitig hat Washington starken Druck auf die NATO-Länder Polen und die Tschechische Republik ausgeübt, damit diese die Stationierung von US-Raketen und Radarinstallationen in ihren Ländern akzeptieren, die nur Minuten von ihren potentiellen Zielen, den russischen Nuklearsilos, entfernt stehen sollen.

Putins Pressekonferenz erfolgte vor der Wahl am 2. März, bei der der Erste Stellvertretende Ministerpräsident Dimitri Medwedew mit Sicherheit gegen seine drei schwachen Konkurrenten gewinnen wird. Westliche Kommentatoren, die den russischen Übergang als »undemokratisch« verurteilen, übersehen, dass die seit dem Ende des Kalten Krieges Anfang der 1990er-Jahre betriebene Politik von NATO und Washington sich extrem gegen die nationale Sicherheit Russlands richtet. Was jetzt tatsächlich stattfindet, ist die Bildung einer Regierung des nationalen Notstands, um eine politische Kontinuität und angemessene Maßnahmen zu gewährleisten, um der wachsenden Bedrohung durch die USA entgegenzutreten.

Wie ich in meinem Buch Apokalypse jetzt! bereits detailliert dargelegt habe, ist Washingtons Raketen»verteidigung« in keinster Weise defensiv und durchaus nicht gegen eine nicht existierende iranische Raketenbedrohung gerichtet. Es ist vielmehr der letzte Schritt, um Washington das zu geben, was Strategen des Pentagon als »Nuclear Primacy«, nukleare Überlegenheit, bezeichnen. Damit wäre  Washington zum ersten Mal seit den 1950er-Jahren in der Lage, einen Atomkrieg gegen Russland anzufangen und zu gewinnen. Putin hat das verstanden, und auch der russische Generalstab. Die Bevölkerung im Westen hat nicht die geringste Ahnung, was hier auf dem Spiel steht. Wir treten in eine geschichtliche Periode ein, die weit gefährlicher ist als jede andere seit der Kuba-Krise von 1962. Westeuropa, einschließlich Deutschland, wird wieder einmal zum wahrscheinlichen Schlachtfeld in einem ost-westlichen nuklearen Kräftemessen.

 

Ukraine in Gefahr

Bei seiner Rede warnte Putin die Ukraine, dass er Nuklearraketen auf das Land richten wird, falls es der NATO beitritt und einen Anti-Raketenschirm der USA auf seinem Territorium stationiert. Das sind seine bisher deutlichsten Worte in Bezug auf die Bemühungen Kiews, der westlichen Allianz beizutreten. Putins Bemerkungen folgten nach einem vierstündigen Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Viktor Juschchenko im Kreml. Hier trugen die beiden einen Streit über die Gasrechnungen der Ukraine aus – nur Minuten bevor ein von Moskau festgesetzter Termin ablief, zu dem Kiew die Rechnungen bezahlen oder Liefereinschränkungen in Kauf nehmen musste. Putin warnte dann die Ukraine, dass ihre Bestrebungen, der NATO beizutreten, »ernsthafte Konsequenzen haben würde – die Basen, der Raketenschirm, von denen wir glauben, dass er zur Neutralisierung unserer nukleare Raketenverteidigung dienen soll, und die Russland dazu zwingen werden, Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen«. Putin fügte hinzu: »Es ist beängstigend, nicht nur darüber zu reden, sondern auch nur daran zu denken, dass Russland als Reaktion auf eine solche Stationierung, die Möglichkeit einer solchen Stationierung, gezwungen wäre, seine Nuklearsprengköpfe auf ukrainisches Territorium zu richten.« Juschchenko erwiderte, dass die Ukraine das Recht hätte, ihre eigene Außen- und Sicherheitspolitik zu bestimmen und bemerkte, dass die ukrainische Verfassung eine Stationierung ausländischer Basen auf ihrem Territorium nicht zulassen würde.

 

Russischer Bomber greift US-Flugzeugträger an

Das Pentagon spielte einen kürzlichen Zwischenfall herunter, bei dem ein russischer Bomber in der Nähe von Japan im Tiefflug über den Flugzeugträger USS Nimitz jagte. Die US-Marine schickte sofort vier F-18-Kampfflugzeuge in die Luft, um die Tupolew 95, einen propellerbetriebenen strategischen Bomber, aus dem Gebiet heraus zu eskortieren. Das Pentagon sah den Vorfall zwar nicht als provokativ an, erklärte aber, dass es »die Folgen dieser Rückkehr einer Mentalität des Kalten Krieges« abwägen würde. Der russische Bomber flog zweimal über den nuklear betriebenen amerikanischen Flugzeugträger. Es war die bisher deutlichste Warnung von Seiten des Kreml.

Die Nimitz und ihre Kampfgruppe, einschließlich des Raketenlenkkreuzers USS Princeton, näherten sich der Küste Japans für einen von langer Hand geplanten Besuch. In den frühen Morgenstunden des Samstag starteten die Russen vier mit Raketen ausgerüstete Tupolew-95-Bomber von der Militärbasis in Ukrainka. Zwei der Bomber flogen entlang der japanischen Küste in Richtung Süden, wobei sie japanischen Luftraum verletzten. Die anderen beiden flogen direkt auf die Nimitz zu.

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