Mittwoch, 7. Dezember 2016
08.04.2014
 
 

Weißes Haus belügt die EU über Erdgaslieferung aus den USA

F. William Engdahl

Das Weiße Haus und das State Department in Washington belügen die Regierungen der EU ganz unverfroren, wenn sie so tun, als könnten die USA mehr als genug Erdgas liefern, um die russischen Gaslieferungen zu ersetzen. Neuere Erklärungen von Präsident Obama und Außenminister Kerry sind so offenkundig falsch, dass es für eine unglaubliche Verzweiflung in Washington über die Lage in der Ukraine und den Konflikt mit Moskau spricht. Oder sollte man in Washington den Bezug zur Realität dermaßen verloren haben, dass man sich einfach nicht mehr darum schert, was man sagt? Wie auch immer, Washington offenbart sich als unzuverlässiger diplomatischer Partner für die EU.

Nach seinem jüngsten Treffen mit EU-Regierungschefs veröffentlichte Obama die schier unglaubliche Erklärung, durch das Transatlantische Freihandelsabkommen (»TTIP« nach dem Englischen »Transatlantic Trade and Investment Partnership«), über das von den großen privaten multinationalen Konzernen hinter verschlossenen Türen verhandelt wird, würde es für die Vereinigten Staaten leichter, Erdgas nach Europa zu exportieren und dadurch die Abhängigkeit

der EU von russischen Lieferungen zu reduzieren: »Sobald wir ein Handelsabkommen etabliert haben, wird die Vergabe von Exportlizenzen zur Lieferung von Flüssiggas in Richtung Europa sehr viel einfacher, was im heutigen geopolitischen Umfeld offensichtlich relevant ist«, erklärte Obama.

 

 

Doch dieser von politischem Opportunismus getriebene Versuch, die festgefahrenen TTIP-Gespräche wieder in Gang zu bringen, indem man auf Ängsten der EU vor dem Ausfall der russischen Gaslieferungen nach dem von den USA inszenierten Putsch in der Ukraine spielt, lässt eines außer Acht: Das Problem, amerikanisches Schiefergas in die EU zu schicken, liegt nicht in den Lizenzverfahren für Flüssiggas in den USA und der EU.

 

In anderen neueren Erklärungen über den Boom beim unkonventionellen amerikanischen Schiefergas haben sowohl Obama als auch Außenminister Kerry erklärt, die USA könnten die russischen Gaslieferungen in die EU mehr als ersetzen – eine glatte Lüge angesichts der physikalischen Realitäten. Bei dem Brüsseler Treffen riet Obama den Regierungschefs der EU zum Import von Schiefergas aus den USA als Ersatz für russisches Erdgas. Aber dabei gibt es ein riesiges Problem.

 

Die Schiefergasrevolution ist ein Schwindel

 

Zum einen war die »Schiefergasrevolution« in den USA ein Fehlschlag. Die drastisch gestiegene US-Erdgasförderung durch das »Fracking« aus Schiefergesteinsformationen wird von den größten Energiekonzernen wie Shell und BP bereits als unwirtschaftlich wieder aufgegeben. Shell hat gerade eine dramatische Kürzung der Investitionen in die Schiefergasförderung in den USA angekündigt. Shell verkauft die Pachtverträge über circa 280 000 Hektar Land in den wichtigsten Schiefergasgebieten in Texas, Pennsylvania, Colorado und Kansas und kündigt an, eventuell mehr zu verkaufen, um die Verluste beim Schiefergas zu stoppen. Shell-Chef van Beurden: »Die finanzielle Performance ist offen gesagt nicht hinnehmbar … einige unserer Erkundungs-Wetten haben einfach nichts gebracht.«

 

Eine nützliche Zusammenfassung der Illusionen über Schiefergas stammt aus einer neueren Analyse der tatsächlichen Ergebnisse mehrerer Jahre Schiefergasförderung in den USA durch den altgedienten Energieanalysten David Hughes: »Die Schiefergasproduktion ist explosionsartig auf fast 40 Prozent der US-amerikanischen Erdgasförderung gestiegen. Trotzdem hat die Förderung seit Dezember 2011 ein Plateau erreicht, 80 Prozent des geförderten Schiefergases stammen aus fünf Vorkommen, bei mehreren schwinden die Reserven bereits. Das schnelle Versiegen der Erdgasbrunnen verlangt kontinuierlichen Kapitaleinsatz – geschätzt auf 42 Milliarden Dollar jährlich für die Bohrung von über 7000 Brunnen – um die Förderung aufrecht zu erhalten. Zum Vergleich: Der Wert des geförderten Schiefergases lag 2012 nur bei 32,5 Milliarden Dollar.« Obama wird also entweder von seinen Beratern über den wahren Status der US-Schiefergasvorkommen belogen, oder er selbst lügt bewusst. Ersteres ist wahrscheinlich.

 

Das zweite Problem bei dem »Angebot« der USA, der EU Erdgas als Ersatz für russisches Gas zu liefern, liegt darin, dass es eine enorm teure Infrastruktur in Form des Baus neuer Großterminals für Flüssiggas (LNG, nach dem Englischen »Liquified Natural Gas«) verlangt, an denen die riesigen LNG-Tanker beladen werden können, um das Gas dann zu ähnlichen LNG-Terminals in der EU zu verschiffen.

 

Das Problem besteht darin, dass es aufgrund verschiedener US-amerikanischer Gesetze über Export und Lieferung heimischer Energie in den USA keine bestehenden Terminals zur LNG-Verflüssigung gibt. Zurzeit ist nur das Sabine-Pass-LNG-Empfangsterminal in Cameron Parish im Bundesstaat Louisiana im Bau. Es gehört der Firma Cheniere Energy, in deren Vorstand Ex-CIA-Chef John Deutch sitzt. Doch der größte Teil des über das Sabine-Pass-LNG-Terminal verschifften Gases wird laut bestehenden Verträgen an koreanische, indische und andere asiatische LNG-Kunden geliefert, nicht an die EU.

 

Und selbst wenn riesige Hafenkapazitäten aufgebaut würden, um den Gasbedarf der EU zu decken und die russischen Lieferungen zu ersetzen, würde dadurch der Erdgaspreis in die Höhe getrieben und der von billigem, in großer Menge vorhandenem Schiefergas angetriebene Mini-Produktionsboom gleich wieder durchkreuzt. Die europäischen Verbraucher müssten für das LNG-Gas aus den USA weit mehr zahlen als zurzeit für das russische Gas, das über die Ostseepipeline oder über die Ukraine verschickt wird. Außerdem gibt es keine speziellen Supertanker für die Lieferung auf den EU-Markt. All das braucht Jahre, eingerechnet anfallende Umweltgutachten, die Bauzeit etc. – unter den günstigsten Umständen vielleicht sieben Jahre.

 

Die EU bezieht heute 30 Prozent ihres Erdgases – die schnellstwachsende Energiequelle – aus Russland. 2007 lieferte die russische Gazprom 14 Prozent des Bedarfs an Frankreich, 27 Prozent an Italien, 36 Prozent an Deutschland, während Finnland und die baltischen Staaten bis zu 100 Prozent ihrer Gasimporte aus Russland beziehen.

 

Die EU hat keine realistische Alternative zum russischen Gas. Deutschland, die größte Volkswirtschaft, hat törichterweise beschlossen, aus der Kernenergie auszusteigen, die »alternative Energie« – Windkraft und Solarenergie – ist ein wirtschaftliches und politisches Desaster:

 

Die Strompreise für die Verbraucher schießen in die Höhe, obwohl die Alternativen nur einen winzigen Marktanteil einnehmen.

 

Kurz: Die Schimäre, das russisches Gas abzustellen und stattdessen Gas aus den USA zu beziehen, ist wirtschaftlicher, energiepolitischer und politischer Unsinn.

 

 

 

 


 

 

 

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