Saturday, 27. August 2016
08.07.2010
 
 

Wurde US-General in Afghanistan wegen einer Indiskretion über Geheimdienstaktivitäten gefeuert?

F. William Engdahl

Als US-Präsident Obama im vergangenen Monat den kommandierenden General für Afghanistan, Stanley McChrystal, gefeuert hat, geschah dies nicht wegen eines indiskreten Interviews McChrystals mit der Zeitschrift Rolling Stone, in dem er Obama und die Regierung wegen ihrer Afghanistan-Politik scharf kritisiert hatte. Zuverlässigen Berichten zufolge lag der wahre Grund darin, dass der General geheime Verbindungen der USA zu einem führenden Drogen-Warlord preisgegeben hatte. Wenn die Berichte zutreffen, so bedeutet dies, dass Washington einen weit schlimmeren Hintergrund vertuscht.

US-General McChrystal greift wie Petraeus zu Methoden der Aufstandsbekämpfung oder der Kriegsführung niedriger Intensität zur Ausweitung des Afghanistan-Konflikts

Nach Angaben von Journalisten bei Press TV in Kabul wurde der General gefeuert, weil er Informationen über die geheime Zusammenarbeit des Pentagon mit einem Führer der in Pakistan beheimateten Terrorgruppe Jundallah, Abdolmalek Rigi, preisgegeben hatte. Der von Washington benannte offizielle Grund, nämlich fehlender Respekt für den Präsidenten, der in besagtem Interview zum Ausdruck gekommen sei, stelle nur lediglich eine Vertuschung der weit ernsthafteren Beweggründe dar.

Laut dem Bericht hatte McChrystal den afghanischen Präsidenten Karzai über den Plan, Taliban-Kämpfer im ganzen Land zu mobilisieren, sowie über die britische Waffen- und Drogenschmuggelroute von Afghanistan nach Zentralasien unterrichtet. Die UN hat die britischen Truppen mit der Drogenbekämpfung in Afghanistan beauftragt. Unter ihrem Schutz ist der Opiumanbau für die Herstellung von Heroin im Verlauf der letzten acht Jahre jedoch auf das Achtfache gestiegen.

Wie ich in einer Artikelserie auf dieser Website, Warum Afghanistan, Teil III: Washingtons Kriegsstrategie in Zentralasien darlege, war ein geheimes Treffen von Obamas Sondergesandtem für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, mit dem Drogen-Warlord Rigi auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Manas, Kirgisistan, geplant, bei dem darüber gesprochen werden sollte, Rigis Drogenbande einzusetzen, um einen Aufstand im Iran zu entfachen.

In einem Fernseh-Interview erklärte Rigi, er habe sich zuvor in Dubai mit CIA-Vertretern getroffen, die ihm uneingeschränkte Unterstützung, einschließlich von Waffen, Ausbildung und der Nutzung einer Militärbasis im pakistanisch-iranischen Grenzgebiet zugesichert hätten. Bei dem Treffen mit Holbrooke in Manas – kurz vor dem Sturz des von den USA gestützten kirgisischen Diktators Bakijew – sollten angeblich die Einzelheiten über die Vereinbarung mit Jundallah-Führer Rigi besprochen werden.

Es wird vermutet, dass die Jundallah-Gruppe am Drogenschmuggel und an der Organisation von terroristischen Handlungen beteiligt ist. Sie wird beschuldigt, bei einem Anschlag im letzten Jahr führende Offiziere der Iranischen Revolutionären Garden getötet zu haben.

Wie Rigi im Interview weiterhin sagte, hätten ihm die CIA-Agenten auch erklärt, dass ein amerikanischer Militärangriff nur sehr schwer durchführbar sei. Deshalb planten sie die Unterstützung aller anti-iranischen Gruppen, die in der Lage wären, im Iran selbst einen Krieg zu führen und das Land zu destabilisieren.

Angeblich hat McChrystal die geheime finanzielle Unterstützung der USA für Abdolmalek Rigi, den Führer der pakistanischen Terrororganisation Jundallah preisgegeben, dies sei der wahre Grund für seine Entlassung durch Obama

Rigi ein sunnitischer Moslem, ereilte dannn das Schicksal: im Februar 2010 wurde er vom Iran gefangen genommen, als er auf dem Weg zu dem Treffen mit Holbrooke in Manas war. Rigis Flugzeug wurde am 27. Februar auf dem Flug von Dubai nach Kirgisistan von einem iranischen Flugzeug zur Landung gezwungen. Er wurde im Iran verurteilt und am 21. Juni hingerichtet. Abdolhamid Rigi, der Bruder Abdolmalek Rigis, hatte 2009 vor Reportern erklärt: »Wir haben finanzielle Unterstüzung und Waffen von den USA bekommen. Wir erhielten Befehle von ihnen«, Terroroperationen im Iran durchzuführen.

2007 hatte der Londoner Telegraph aus Washington berichtet, die USA finanzierten insgeheim militante ethnische Separatistengruppen im Iran, arbeiteten also mit praktisch terroristischen Gruppen, um deren Zorn gegen das Regime im Iran zu instrumentalisieren. Unruhen in von ethnischen Minderheiten bevölkerten iranischen Grenzgebieten mit Bomben- und Mordanschlägen gegen Soldaten und Regierungsvertreter sind im Zusammenhang mit dem geheimen CIA-Programm zu sehen. Solche Anschläge gehen auf das Konto von Kurden im Westen des Landes, Azeris im Nordwesten, der arabischen Ahwazis im Südwesten und Balutschis im Südosten. Der Anteil von Nicht-Persern an der iranischen Gesamtbevölkerung von 69 Millionen beträgt fast 40 Prozent.

Finanzielle Unterstützung für die Separatistenbewegungen kommt direkt aus dem Geheimbudget der CIA, dies sei »kein großes Geheimnis«, so ein ehemaliger hochrangiger CIA-Vertreter in Washington, der anonym mit der Zeitung The Sunday Telegraph sprach. Der Journalist Seymour Hersh, Träger des Pulitzer-Preises, berichtete ebenfalls, die Jundallah habe von den Vereinigten Staaten Unterstützung gegen die Regierung des Iran erhalten – was das US-State Department jedoch dementiert.

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