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Amerikanische Drohnen liefern Luftunterstützung für die kenianische Invasion durch Bodentruppen in Somalia
Die Übergangsregierung Somalias, die 2009 mit amerikanischer Unterstützung an die Macht kam, kämpft seit zwei Jahren mit wechselndem Erfolg gegen die Miliz. Die Regierung muss sich zudem gegen Vorwürfen der Korruption und der Unfähigkeit wehren und konnte bisher mit diplomatischer und militärischer Unterstützung aus Washington und mit den USA verbündeter Nachbarländer wie Äthiopien und Kenia lediglich in der Hauptstadt Mogadischu ihre Macht festigen. In Mogadischu
sind derzeit an die 8.000 Soldaten aus Uganda und Burundi stationiert, um mit dazu beizutragen, zu verhindern, dass sich die Al-Schabab-Milizen aus dem von ihnen beherrschten Hinterland in den Rest des Landes ausbreiten.
Die überraschende Militäroffensive Kenias gegen seinen östlichen Nachbarn am Horn von Afrika, die am vergangenen Sonntag begann, erfolgte nur zwei Tage, nachdem die USA tödliche Drohnenangriffe im Süden Somalias geflogen hatten. Der Fernsehsender Press TV berichtete, die meisten Todesfälle hätten sich in der Stadt Qoqani, die 80 Kilometer von der Grenze zu Kenia entfernt liegt, ereignet. Etwa 80 Menschen seien bei dem Angriff ums Leben gekommen und viele andere verwundet worden. Qoqani war das erste größere städtische Zentrum, das von den Kenianern in den ersten beiden Tagen nach Überschreiten der Grenze mit Unterstützung durch schwere Artillerie, Panzer, Hubschrauber und Kampfflugzeuge eingenommen worden war.
Derzeit rücken die kenianischen Truppen auf die Hafenstadt Kismayu vor, die etwa 200 Kilometer von der kenianischen Grenze entfernt liegt und Al Schabab als strategischer Stützpunkt dient – auch hier sind im Vorfeld amerikanische Drohnen aktiv und bekämpfen dieses nächste militärische Ziel. Schon am Montag kostete Berichten zufolge ein amerikanischer Drohnenangriff auf Kismayu 27 Menschen, darunter auch Kinder, das Leben. Andere Berichte der BBC und von Press TV melden den Absturz oder Abschuss ähnlicher unbemannter Fluggeräte. Anfang letzten Monats tötete eine amerikanische Drohne Berichten zufolge 35 Al-Schabab-Kämpfer in der Hafenstadt.
Im Juli meldeten die Washington Post und die New York Times den ersten amerikanischen Drohnenangriff in Somalia, der sich gegen zwei Al-Schabab-Kommandeure richtete. Die Regierung Obama stuft Al Schabab als Terrororganisation ein und wirft den Islamisten Verbindung zu al Qaida vor. In den vergangenen Wochen scheinen die Aktivitäten von Spionage- und Angriffsdrohnen im Einflussgebiet Al Schababs ausgeweitet worden zu sein.
Vor den Hintergrund der Invasion kenianischer Truppen nach Somalia in dieser Woche zeigt sich nun, dass amerikanische Luftunterstützung dabei eine wesentliche Rolle spielte und im Vorfeld des Einsatzes von Bodentruppen bestimmte Kampfregionen schon einmal »mürbe machte«.
Die kenianische Regierung – und der Großteil der Berichterstattung – behaupten, die Offensive ziele darauf ab, Kidnapperbanden, die in der Region im Auftrag von Al Schabab agieren sollen, zu zerschlagen. Al Schabab werden in diesem Zusammenhang zahlreiche Grenzverletzungen und Angriffe auf Touristen und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen vorgeworfen. Zwei Frauen, jeweils aus England und Frankreich, wurden vor Kurzem bei zwei Zwischenfällen in einem kenianischen Küstenurlaubsort entführt. Die Französin soll Berichten zufolge bereits in der Gefangenschaft aufgrund fehlender medizinischer Hilfe gestorben sein. Zusätzlich wurden zwei spanische
Mitarbeiter von Hilfsorganisationen aus einem Flüchtlingslager in Kenia nahe der Grenze zu Somalia entführt. Al Schabab nahestehende Quellen haben eine Verwicklung in die Angriffe auf Ausländer bestritten. Die Islamisten erklärten, Kenia benutze die angeblichen Entführungen als Vorwand für ein militärisches Eingreifen in einem souveränen Staat. In Südsomalia operieren verschiedene kriminelle Gruppen – Piraten und Entführerbanden, die durchaus für die Entführungen verantwortlich sein könnten.
Das Fehlen eindeutiger Beweise für eine Beteiligung von Al Schabab hat die kenianische Regierung jedenfalls nicht davon abgehalten, einseitige Schuldzuweisungen auszusprechen. Dieser Aspekt deutet zusammengenommen mit der großangelegten militärischen Offensive der kenianischen Regierung, deren Legitimität auch in der kenianischen Bevölkerung umstritten ist, darauf hin, dass es hier um mehr als nur eine grenzüberschreitende Strafaktion gegen kriminelle Entführerbanden geht. Die stillschweigende Zustimmung zur kenianischen Offensive seitens der Regierung in Mogadischu sowie die koordinierten Drohnenangriffe verweisen auf sehr viel weitreichendere Entwicklungen.
Die geostrategische Bedeutung Somalias macht dieses Land für Washington sehr interessant. Aufgrund seiner fast 1.800 Kilometer langen Küste, an der entlang die großen Erdöltransportrouten zum Indischen Ozean, dem Golf von Aden und das Rote Meer verlaufen, konkurrierten die USA seit der Unabhängigkeit Somalias von England und Italien in den 1960er Jahren mit anderen Mächten darum, sich in dem Land festzusetzen. Washington unterstützte die Diktatur Siad Barres (der sich 1969 an die Macht geputscht hatte), bis dieser 1991 durch einen Widersacher gestürzt wurde. Dies veranlasste die USA bereits ein Jahr später im Rahmen der »Operation Restore Hope« zu einem »Eingreifen aus humanitären Gründen«, was 1994 mit einem Desaster endete. Nach dem Abschuss eines amerikanischen Kampfhubschraubers vom Typ Black Hawk kam es zu Tumulten, und 19 amerikanische Soldaten wurden von somalischen SNA-Kämpfern und bewaffneten Zivilisten vor den Augen der Medien triumphierend durch die Straßen Mogadischus geschleift und getötet.
Seitdem setzt Washington auf den Einsatz von Stellvertreterkräften, um seine Interessen in dem Land, das seit Langem nicht zur Ruhe gekommen ist, durchzusetzen. Im Jahr 2006 gab Präsident Bush grünes Licht für ein militärisches Eingreifen Äthiopiens in Somalia, um dort eine sich herausbildende islamische Regierung – die Union islamischer Gerichte – zu stürzen. Dieser Gruppe war es gelungen, dem Land inmitten der Anarchie der unterschiedlichen Kriegsherren ein gewisses Maß an Stabilität zu verschaffen. Die heutige Übergangsregierung wurde drei Jahre später an die Macht gebracht, aber es ist ihr bis heute nicht gelungen, die Kontrolle im ganzen Land zu übernehmen. Vor allem der Süden des Landes wird zum Ärger und Entsetzen der USA immer noch von islamistischen Kräften beherrscht. Präsident Obama nahm sich dann nach seiner Wahl mit
Verve dieser Angelegenheit an. Im September 2009 befahl er die Ermordung des hochrangigen Al-Schabab-Kommandeurs Saleh Ali Saleh Nabhan durch amerikanische Spezialeinheiten mit Hubschrauberunterstützung.
Die derzeit in Somalia herrschende katastrophale Hungersnot eröffnet Washington nun ganze neue Möglichkeiten, seinen Stellvertreterkrieg weiterzuführen. Nach zwei Jahren der Dürre und unablässiger Kämpfe leiden vier Millionen Somalier unter schwerstem Hunger – 750.000 Menschen droht nach Berichten von Hilfsorganisationen unmittelbar der Hungertod. Die meisten unter Hunger leidenden Menschen leben im Süden Somalias, der von den Al-Schabab-Milizen kontrolliert wird. Washington hat sich demonstrativ geweigert, Hilfsgüter in die Region zu schicken, weil diese angeblich dann von den Milizen zweckentfremdet würden.
Die sich noch weiter verschärfende Hungerkatastrophe und das Aufkommen von Infektionskrankheiten und Seuchen wie Cholera, Typhus und Malaria hat die Kampfkraft Al Schababs in den letzten Wochen deutlich geschwächt, erklärte die International Crisis Group.
Dies alles legt nahe, dass Washington diese schlimmste Hungersnot am Horn von Afrika seit 60 Jahren als Hebel benutzen will, um seine strategischen und militärischen Ziele zu erreichen: die Zerschlagung einer Kämpfergruppe, die dem Streben der USA nach geopolitischer Kontrolle eines strategisch wichtigen Landes im Wege steht.
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