Wednesday, 28. September 2016
21.02.2012
 
 

Kriegsvorwand? Anschläge in Indien, Thailand und Georgien sollen Iran in die Schuhe geschoben werden

Finian Cunningham

Wurden die amerikanischen und israelischen Bemühungen, den Iran für den internationalen Terrorismus verantwortlich zu machen, jetzt auf die ganze Welt ausgedehnt? Eine Reihe von Bombenanschlägen auf israelische Diplomaten in Indien und Georgien wird jetzt mit Explosionen in der thailändischen Hauptstadt Bangkok in Beziehungen gebracht. Berichten zufolge sollen dort drei Iraner verhaftet worden sein.

Israel behauptet, bei den Bomben, deren Überreste man in Thailand gefunden habe, handele es sich um den gleichen Typ von Haftbomben, der auch bei den Anschlägen in Neu-Delhi und Tiflis

verwandt worden sei. Und damit sei bewiesen, dass ein iranisches Terrornetzwerk für diese Anschläge auf israelische Diplomaten verantwortlich sei.

 

»Der gescheiterte Terroranschlag  in Bangkok beweist einmal mehr, dass der Iran und seine Stellvertreter weiterhin auf Terror setzen«, erklärte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak.

 

Die thailändische Polizei bezeichnete einen der Männer, der bei den Explosionen am Dienstag in Bangkok verletzt wurde, als Iraner. Berichten zufolge soll es sich bei den beiden anderen im Zusammenhang mit den Bombenexplosionen verhafteten Männern, von denen einer in der thailändischen Hauptstadt und der andere nach seiner Flucht in Malaysia gefasst wurde, ebenfalls um Iraner handeln.

 

Bisher haben die thailändischen Behörden zu der Behauptung, die Gruppe sei Teil eines international operierenden Terrornetzwerks, keine offizielle Stellungnahme abgegeben. Wer hinter den Anschlägen in Indien und Georgien steckt, ist immer noch unbekannt. Israel behauptet dagegen, die angeblichen Mordanschläge vom Montag auf israelische Diplomaten in Neu-Delhi und Tiflis gingen auf das Konto der mit dem Iran verbündeten Hisbollah, die aus dem Libanon heraus agierte.

 

Diese israelischen Vorwürfe wiederholen die seit langem immer wieder vorgebrachten Behauptungen Washingtons und Tel Avivs, nach denen der Iran einer der wichtigsten Unterstützer des internationalen Terrors sei. Ende letzten Jahres tischten die USA dann sogar die Geschichte auf, man habe ein iranisches Mordkomplott gegen den saudi-arabischen Botschafter in Washington aufgedeckt. Dieser Anschlagsvorwurf wurde aufgrund der abstrusen Verwicklungen, an denen ein iranischer Gebrauchtwagenhändler beteiligt gewesen sein sollte, der dann einen Auftragskiller eines mexikanischen Drogenkartells in einem Restaurant in der amerikanischen Hauptstadt  für den Anschlag gedungen habe, international nicht sehr ernst genommen.

 

Diese jüngsten Ereignisse werden aber ohne Zweifel westlichen Regierungen als Vorwand dienen, den Iran wieder als »Schurkenstaat« zu präsentieren, der vor allem auch wegen seines angeblichen Atomwaffenprogramms eine Gefahr für die internationale Sicherheit darstelle. Nimmt man all dies zusammen, wird hier offenbar ein weiterer Vorwand zur Rechtfertigung der Kriegspläne der USA, der NATO und Israels gegen den Iran aufgetischt. Es heißt, Washington habe Israel bereits stillschweigend »grünes Licht« für »präemptive« Militärangriffe gegen die Islamische Republik gegeben. In diesem Zusammenhang könnten die jüngsten Anschuldigungen Israels, seine Diplomaten würden durch gezielte Anschläge seitens des Iran akut bedroht, zum unheilvollen Auslöser langgehegter Kriegspläne werden.

 

Ein genauerer Blick auf diese aufgeführten Bombenanschläge weckt allerdings Zweifel an der Stichhaltigkeit und Glaubwürdigkeit der vorgebrachten Anschuldigungen. Sie legen eher nahe, dass es sich tatsächlich um eine unter falscher Flagge inszenierte Kampagne handelt, um umgehende Angriffe auf den Iran zu rechtfertigen.

 

Zunächst einmal handelt es sich bei den Bomben, die in Thailand, Indien und Georgien zum Einsatz kamen, um Haftbomben, die mit einem Magneten etwa an den Fahrzeugen der Zielpersonen des Anschlags befestigt werden können. Bei dem Anschlag in Neu-Delhi näherte sich ein Motorradfahrer dem Fahrzeug des israelischen Diplomaten und brachte die Bombe an. In Tiflis wurde die Bombe unter dem Fahrgestell befestigt. Keiner der Diplomaten, gegen die sich angeblich die Anschläge richteten, nahm ernsthaft Schaden.

 

Die gleiche Anschlagsmethode wurde allerdings mit tödlichem Ausgang bei den Morden an vier iranischen Nuklearwissenschaftlern eingesetzt, die bei unterschiedlichen Anschlägen getötet wurden. Letztes iranisches Opfer eines solchen Anschlags war der 32-jährige Mostafa Ahmadi Roschan, der im vergangenen Monat ermordet wurde, als ein Motorradfahrer eine solche Haftbombe an seinem Fahrzeug platzierte. Die iranische Regierung hat plausibel und nachvollziehbar behauptet, diese Anschlagsserie gegen iranische Wissenschaftler sei das Werk amerikanischer und israelischer Geheimdienste. Die amerikanischen und israelischen Dienste sind bewiesenermaßen dafür bekannt, dass sie sich bei derartigen Anschlägen einheimischer Personen bedienen.

Der Iran hat eine Beteiligung an den jüngsten Terroranschlägen in Indien, Georgien und Thailand sowie ebenso an dem angeblichen Mordkomplott gegen den saudischen Botschafter scharf zurückgewiesen. Diese Dementis sind glaubwürdig und einleuchtend. Was hätte der Iran durch derartige Anschläge zu gewinnen  – nichts als Schwierigkeiten und Ärger.

 

Dies gilt in besonderem Maße für Indien und Thailand. Beide Länder haben sich in den letzten Jahren zu den größten Handelspartnern Teherans entwickelt. Zusammen mit China ist Indien der größte Abnehmer iranischen Erdöls. Thailand gewinnt als iranischer Handelspartner in den Bereichen Erdöl, Bergbau, Schwerindustrie, Dienstleistungen, Technologie und Landwirtschaft immer stärker an Bedeutung.

 

Mit derartigen Anschlägen, als deren Drahtzieher der Iran jetzt beschuldigt wird, würde sich das Land nur selbst schaden, besonders da sich beide Länder geweigert haben, sich der von den USA angeführten Kampagne zur wirtschaftlichen und diplomatischen Isolierung des Iran anzuschließen.

 

Oder anders gesagt, es liegt viel stärker im amerikanischen und israelischen Interesse, die Beziehungen zwischen dem Iran und seinen asiatischen Partnern zu stören und zu schädigen. Die Auswirkungen der Bombenexplosionen könnten durchaus diesen gewünschten Effekt haben.

 

Als Beispiel sei auf den folgenden Bericht der Nachrichtenagentur Reuters verwiesen: Bisher hatte sich Indien den neuen Finanzsanktionen, die von den USA und der Europäischen Union gegen den Iran verhängt worden waren, um ihn für sein umstrittenes Atomprogramm zu bestrafen, nicht angeschlossen. Stattdessen hatte Indien sorgfältig ausgearbeitete Handels- und Tauschvereinbarungen im Zusammenhang mit der Bezahlung der Erdöleinfuhren aus dem Iran vorgelegt und verhandelt. Aber nun erklärte der Vorsitzende des Gesamtverbandes der indischen Reisexporteure, der Anschlag auf die Ehefrau eines israelischen Diplomaten in der indischen Hauptstadt am vergangenen Montag wirke sich negativ auf die Handelsbeziehungen zum Iran aus und kompliziere die Beilegung der Schwierigkeiten im Zusammenhang mit ausstehenden iranischen Zahlungen für Reisimporte in Höhe von 150 Millionen Dollar. »Der Anschlag und seine politischen Folgen haben das Klima mit Sicherheit verschlechtert. Händler, die bereits aufgrund der Zahlungsrückstände Gelder zu verlieren drohen, werden sehr vorsichtig und zurückhaltend sein, wenn es um weitere Handelsgeschäfte mit iranischen Käufern geht«, erklärte Vijay Setia gegenüber Reuters.

 

Fassen wir zusammen: Bombenspezialisten mit einschlägigen Erfahrungen und einer Vorgehensweise, wie sie bewiesenermaßen amerikanischen und israelischen Killergruppen zugeschrieben werden; Zielländer, die zu den wichtigsten iranischen Handelspartnern gehören; der erstrebte Effekt einer weiteren internationalen Isolierung des Iran und nicht zuletzt ein langgesuchter Vorwand für Israel, den Iran mit Zustimmung der USA anzugreifen.

 

Wenn Logik und Tatsachen so übereinstimmen, ist es in der Regel weise, der Vernunft zu folgen anstatt reißerischen Behauptungen nachzulaufen.

 

 


 

 

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