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Dennoch deutete der amerikanische Präsident Barack Obama als Reaktion auf die Meldungen des grausamen Anschlages umgehend eine Verbindung zum Islam an und rechtfertigte den amerikanischen »Krieg gegen den Terror«. Obama äußerte sich am Freitag, als sich der neuseeländische Premierminister John Key zum Staatsbesuch im Weißen Haus aufhielt.
Obama erklärte zu den Angriffen: »Dies ermahnt uns, dass die gesamte internationale
Gemeinschaft ein Interesse daran haben muss, diese Art von Terrorismus zu verhindern, und wir müssen sowohl bei der nachrichtendienstlichen Aufklärung als auch bei der Prävention dieser Art schrecklicher Angriffe zusammenarbeiten.«
Premierminister Key fügte hinzu: »Wenn es sich hier um einen Akt des internationalen Terrorismus handelt, zeigt dies meiner Ansicht nach, dass kein Land, sei es groß oder klein, vor diesem Risiko bewahrt ist. Aus diesem Grunde beteiligt sich Neuseeland nach seinen Möglichkeiten in Afghanistan und versucht zusammen mit anderen [Ländern] wie den Vereinigten Staaten, die Welt sicherer zu machen.«
Am Freitagabend norwegischer Zeit wurde Breivik von der Polizei verhaftet, nachdem er zuvor zwei Stunden lang wahllos in einem Jugendsommerlager auf die Menschen dort geschossen und mindestens 84 Personen getötet hatte, von denen die meisten zwischen 14 und 18 Jahre alt waren. Auf der kleinen Insel Utøeya, die etwa 32 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Oslo im Tyrifjord liegt, hatten sich mehrere Hundert Teenager zum alljährlichen Sommerlager der regierenden Sozialdemokratischen Partei versammelt.
Der etwa 1,80 Meter große, blonde Beivik war schwer bewaffnet und als Polizist verkleidet. Als er auf die Insel übergesetzt hatte, winkte er die Jugendlichen heran und forderte sie auf, sich um ihn zu versammeln. Etwa zwei Stunden zuvor war eine große Autobombe in der Osloer Innenstadt explodiert. Die Explosion tötete sieben Menschen und richtete im Regierungsviertel starke Schäden an. Die Jugendlichen nahmen an, Breivik sei im Zusammenhang mit dem Anschlag in Oslo gekommen und es ginge um eine Sicherheitsüberprüfung. Er eröffnete das Feuer auf die Jugendlichen und ihre Betreuer. Erst nach zwei Stunden konnte ihn die Polizei stellen und verhaften. Chaos und Durcheinander brachen aus, als der Schütze seine Opfer durch die bewaldeten Stellen der kleinen Insel jagte und auch auf diejenigen feuerte, die versuchten, über das Wasser zu entkommen.
Breivik wird auch für das Bombenattentat in Oslo verantwortlich gemacht. Einige Tage vor dem Anschlag soll Breivik Berichten zufolge im Internet eine Nachricht mit den Worten hinterlassen haben: »Eine einzelne Person mit einer Überzeugung ist so mächtig wie Hunderttausende, die nur Interessen verfolgen.« Der Norweger soll Berichten zufolge mit rechtsextremistischen Gruppierungen in Verbindung gestanden haben. Aufgrund seiner christlich-fundamentalistischen Überzeugung habe er eine fanatische »islamfeindliche Einstellung« vertreten.
Nach bisherigem Kenntnisstand lebte er mit seiner Mutter in einem wohlhabenderen Viertel Oslos und betrieb ein kleines landwirtschaftliches Unternehmen. Im Mai hatte er sechs Tonnen Düngemittel gekauft, die dann die Grundlage für den Sprengstoff der Autobombe bildeten.
Das Persönlichkeitsprofil Breiviks, das bereits wenige Minuten nach den Anschlägen bekannt wurde, verweist auf einen norwegischen Bürger, der als Einzeltäter, als »einsamer Wolf«, seine »Mission« verfolgte, die seinem gestörten Geist und seinem Fanatismus entsprungen war.
Aber dies hielt Obama oder seinen neuseeländischen Gast nicht davon ab, sich in wilden Spekulationen und Andeutungen über islamischen Terrorismus zu ergehen. Obama soll Berichten
zufolge vor seinen Äußerungen von Geheimdienstvertretern Hintergrundinformationen erhalten haben. Trifft das zu, sind seine Äußerungen noch abscheulicher, weil sie den Versuch darstellen, aus einem schrecklichen, tragischen Ereignis propagandistischen Nutzen zu ziehen, um islamfeindliche Ängste zu schüren und Washingtons illegalen »Krieg gegen den Terror« zu rechtfertigen.
Das Ausmaß der Indoktrinierung durch eine solche irrationale Propaganda sollte beunruhigen. Es scheint, als würde nun jegliche Schrecklichkeit von Obama und anderen westlichen Führungspolitikern umgehend »islamischen Terroristen« in die Schuhe geschoben, auch wenn offensichtlich keinerlei Verbindungen zu islamischen Ländern existieren.
Hier handelt es sich um eine erstaunliche Verdrehung der Realität. Der amerikanische Präsident, der internationale Angriffskriege in bisher nie dagewesenen Höhen der Rechtlosigkeit gehoben hat und sich damit brüstete, »der moslemischen Welt mit offenen Armen entgegenzutreten«, zeigt sich gewillt, diese Kriege mit schändlichen Mitteln zu verlängern, indem er eine Tragödie in eine abfällige Verunglimpfung des Islam verkehrt.
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