Tuesday, 27. September 2016
28.05.2011
 
 

»Arabischer Frühling« + europäischer Sommer = weltweiter Winter der Unzufriedenheit

Gerald Celente

Die wichtigsten Neuigkeiten der vergangenen Woche betrafen nicht den Skandal um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den [nunmehr früheren] IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Und ebenso wenig ging es um die von großem Tamtam begleitete Nahost-Rede Präsident Barack Obamas oder die verheerenden Überschwemmungen, von denen die Flussebene des Mississippi heimgesucht wurde.

Aber es gab Berichte, die die amerikanische Presse beschäftigten. Wenn sie auch alle sicherlich berichtenswert waren – und aus der normalen obsessiven Beschäftigung mit dem Anzüglichen und Gewalttätigen herausragten – ging die für die weitere Entwicklung bedeutsame Meldung fast unter oder wurde von den etablierten Medien nicht berücksichtigt.

Der schmähliche Fall von Dominique Strauss-Kahn machte seine Ambitionen, für das Amt des französischen Staatspräsidenten zu kandidieren, zunichte. Aber die Folgen bleiben wohl auf Frankreich begrenzt. Sein Rücktritt vom Amt des IWF-Direktors hätte, wenn überhaupt, nur begrenzte Konsequenzen. Ein Nachfolger (oder eine Nachfolgerin) wird schnell gefunden werden, und trotz einer möglichen Verurteilung wegen Vergewaltigung wird der IWF fortfahren, die Länder zu vergewaltigen, die gezwungen sind, die »Hilfe« des Fonds zu akzeptieren.

Was nun Obamas Rede angeht, war sie im Wesentlichen bedeutungslos; viele leere Phrasen und vage, unerfüllbare Versprechen, die keine Konsequenzen nach sich ziehen werden.

Ohne Zweifel werden die direkt betroffenen Menschen massiv unter den Zerstörungen durch die verheerenden Wetterkatastrophen zu leiden haben. Der materielle und emotionale Tribut der Zehntausenden, deren Häuser und Wohnungen sowie deren Erwerbsmöglichkeiten und damit die Existenzgrundlage zerstört wurden, kann nicht beziffert werden. Dennoch werden die Folgen am stärksten diejenigen zu spüren bekommen, die unmittelbar betroffen sind, während die Nachwirkungen die Binnenwirtschaft und in geringerem Ausmaß die Weltwirtschaft nur vorübergehend beeinflussen werden.

Trendvorhersage: Sollte das derzeitige Wettergeschehen eher die Regel als die Ausnahme werden, wären die sozioökonomischen Folgen mit Sicherheit langfristig, weitreichend und verheerend. Vor allem betroffen wären vermutlich Landwirtschaft, Schifffahrt, Meeresfrüchte, die Nahrungsmittelversorgung und die Erdölweiterverarbeitung, hinzu kämen massive Bevölkerungsverschiebungen. Aber die sich anschließende Kettenreaktion (Inflation, Verknappungen, Arbeitslosigkeit usw.) wird viele Opfer fordern, deren Zahl zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht quantifizierbar ist.

 

Das übermächtige Interesse auf der Pressekonferenz

Ungeachtet des Skandals um Strauss-Kahn, der Rede Obamas, der Tornados und Überschwemmungen wurde über die wichtigste und folgenreichste Entwicklung am wenigsten berichtet. Sah man sich die Abendnachrichten der großen amerikanischen Fernsehsender (ABC, CBS, NBC usw.) an, hätte man nichts davon mitbekommen. Und auch auf der Titelseite der New York Times, die sich selbst als meinungsbildende Zeitung preist, hätte man nichts darüber gefunden.

Die Berichterstattung, der der prominenteste Platz mit dem größten Foto eingeräumt wurde und mit der die Aufmerksamkeit der Leser auf die als Aushängeschild fungierende Sonntagsaufgabe gelenkt werden sollte, widmete sich dem, was die Times offensichtlich für die wichtigste und druckenswerteste Nachricht hält:

 

Die Gerüchteküche, Geldschinderei aus der Lust am Skandal heizt eine wachsende, rund um die Uhr tätige Geschäftemacherei an

Um den eigenen unstillbaren »Skandalhunger« zu stillen, widmete die Times an die 4000 Worte einer idiotischen, belanglosen Berichterstattung auf dem niedrigsten gemeinsamen Nenner und dem untersten Niveau der Boulevardpresse über die Wachstumsindustrie der Berichterstattung über Promigerüchte und -Skandälchen. Auf drei ganzen Seiten und illustriert mit elf bedeutungslosen und überflüssigen Fotos ging die Times so wie alle etablierten Medien vor: die Jagd nach dem Schmierigen, die dann mit der Begründung, »die Leute wollen es ja so«, gerechtfertigt wird.

Vielleicht war es diese »Lust an der Lust«, die für die Unfähigkeit der »meinungsbildenden Zeitung« verantwortlich ist, den sich abzeichnenden Megatrend zu erkennen, der bereits jetzt schon die weltweite geopolitische Landschaft prägt. Allerdings muss der Times angerechnet werden, dass sie anders als die Sender und die Printmedien, die die Meldung ganz unter den Tisch fallen ließen, zumindest darüber berichtete. Über einem Artikel von weniger als 500 Worten und verbannt auf die etwas provinzielle Seite 12 prangte die Überschrift Trotz Verbots gehen die Proteste vor den spanischen Wahlen weiter.

Proteste und Demonstrationen gegen die Sparpolitik und die Rettungspakete für die Banken brachen seit einem Jahr überall in Europa immer wieder einmal aus. Aber diese spanischen Demonstrationen markieren einen wichtigen Wendepunkt. Es waren die Unruhen und die Unzufriedenheit in Europa, die uns zu der Trendprognose »Herunter mit ihren Köpfen« veranlasste, es werde zu Aufständen und zum Sturz von Regierungen kommen (Trend Journal, Herbst 2010).

Aber die Unruhen in Europa gerieten aufgrund der weitaus gewalttätigeren und sich stärker ausbreitenden Unruhen im Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika Ende 2010 und Anfang 2011 in den Hintergrund. Anders als die Europäer, die noch an die Möglichkeit glauben, durch Wahlen Einfluss nehmen zu können, stand den Arabern, die nur von Autokraten, Diktatoren und Monarchen beherrscht wurden und werden, diese Möglichkeit nicht offen. Sie wussten, dass sich ohne eine Veränderung des Systems nichts für sie ändern würde.

Im Trend Journal und auch in anderen Medien weltweit hatte ich prognostiziert, es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch die Europäer aufwachten und zur gleichen Erkenntnis kämen: Das System muss sich ändern. Und genau diese Erkenntnis unterscheidet die jüngste Runde der Proteste in Spanien von früheren im restlichen Europa: Unabhängig davon, wie viele Stimmen abgegeben werden, das Ergebnis ist im Prinzip immer das gleiche. Das ganze Geschrei, die Forderungen, die Protestmärsche und Streiks können ohne eine Regierung, die darauf positiv reagiert und sich der Sache wirklich annimmt, nichts bewerkstelligen – und dies kann nicht innerhalb des derzeitigen Systems erreicht werden, in dem es trotz aller Rhetorik  kaum wesentliche Unterschiede zwischen den großen Parteien gibt.

Trendvorhersage: Die massiven Rettungspakete für Griechenland und Irland sind bereits nachweislich gescheitert, und das Rettungspaket für Portugal wird ebenso enden: höhere Verschuldung, höhere Arbeitslosigkeit, drakonische Sparmaßnahmen, die der Bevölkerung aufgezwungen werden, und der Ausverkauf wertvoller öffentlicher Ressourcen.

Spanien, Großbritannien und Italien müssen wahrscheinlich als nächste die langfristigen Konsequenzen der »Wirtschaftspanik« des Jahres 2008, die durch die Billionen Euro, die von den Zentralbanken aufgebracht wurden, um das Finanzsystem zu retten, nur vorübergehend eingedämmt wurde, auf sich nehmen.

Die wirtschaftliche Lage der meisten europäischen Nationen wird sich weiter verschlechtern. Und je schlimmer sie wird, desto lauter und hitziger werden die Proteste ausfallen. Die etablierten politischen Parteien, die keineswegs zu angemessen Zugeständnissen bereit sind oder Macht abgeben wollen, werden immer brutaler dagegen vorgehen.

Die von der Jugend getragenen Proteste, Sitzblockaden und spontane Lager in Spanien werden der ebenfalls frustrierten und entrechteten Jugend anderer Länder als Vorbild dienen. Ohne ein Wirtschaftswunder, ein Eingreifen Gottes … oder den einsetzenden Weltuntergang (in diesem Fall ergeben sich weitere Prognosen) ist mit einer Verstärkung der Proteste während des ganzen Sommers 2011 und darüber hinaus bis ins kommende Jahr und sogar noch länger zu rechnen.

Ein Joker, der dazu führen könnte, dass die Demonstrationen versiegen, die Unzufriedenheit abnimmt und sich die Menschen [ungeachtet aller Differenzen] zusammenschließen, wären einer oder mehrere Terroranschläge in europäischen Städten. Angesichts des militärischen Vorgehens der NATO gegen Libyen erscheinen Vergeltungsangriffe als durchaus wahrscheinlich.

 


 

 

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