
Es gab auch einige sorgenvolle Stimmen, aber die New York Times berichtete am 25. Juni: »Nach zwei Jahren offiziellem Wirtschaftsaufschwung rollte die Wirtschaft immer noch unaufhörlich auf der Startbahn. Einige wenige Ökonomen sagen einen deutlichen Rückfall in eine Rezession voraus. […] im Allgemeinen erwarten die Analysten, dass die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt gewinnt.«
Bereits für Juni hatten die Ökonomen eine starke Verbesserung der Arbeitsmarktzahlen prognostiziert. Aber zwei Wochen später legte das Büro für Arbeitsmarktstatistik die neuesten Zahlen vor, nach denen anstelle der vorhergesagten 125.000 nur 18.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden waren. Diese zu optimistischen Schätzungen wurden von den gleichen Ökonomen vorgelegt, die auch »keinen drohenden Rückfall in die Rezession« feststellen konnten.
Ohne auch nur eine Minute zu verlieren, änderte die Times den Tenor ihrer Berichterstattung:
»Schwache Arbeitsmarkzahlen deuten auf beginnende wirtschaftliche Flaute Vorhersage eines Einstellungsanstiegs durch Ökonomen widerlegt: Arbeitslosigkeit nähert sich der 9,2-Prozent-Marke. Die Arbeitgeber haben den zweiten Monat in Folge kaum neue Arbeitsplätze geschaffen. Damit mehren sich die Hinweise, dass der Wirtschaftsaufschwung ins Stocken geraten ist. […] Auch die Regierung reduzierte den geringen Arbeitsplatzzuwachs des Vormonatsauf 25.000 neue Stellen und damit auf weniger als die Hälfte der ursprünglichen Schätzungen.«
(New York Times, 9. Juli 2011)
»Düstere Arbeitslosenzahlen erschüttern amerikanischen Aufschwung« und »Sorge wegen Arbeitsmarktsituation wächst«, lauteten die entsprechenden Schlagzeilen der Financial Times bzw. des Wall Street Journals am 9. Juli. Damit schien die Wolke des Optimismus verfolgen, die den Wertpapiermärkten noch kurz zuvor Höhenflüge beschert hatte.
»Arbeitsplätze!« – mehr noch als Auftragseingänge, das BIP, Unternehmensgewinne, Umsatz des Einzelhandels, Gebrauchsgüter … standen die Arbeitsmarktzahlen im Vordergrund. Und es gab keine Chance, die Folgen der 18.000 neuen Stellen, bei denen es sich oft um Niedriglohnjobs aus den Bereichen Gesundheitspflege und Hotel- und Gaststättengewerbe handelt, in die hoffnungsfrohe Botschaft umzumünzen, die mit der Vorhersage von 125.000 neuen Arbeitsplätze seitens der meisten Ökonomen einhergegangen war.
Es ging um die einfache Gleichung: Je mehr Leute ohne Arbeit sind, desto geringer fällt der Konsum aus. Und für die Vereinigten Staaten, in denen die Verbraucherausgaben 70 Prozent des BIP ausmachen, bedeutet das, ohne eine deutliche Steigerung der Verbraucherausgaben steht die Rezession wieder vor der Tür.
Praktisch über Nacht machte ein düsterer Arbeitsmarktbericht zwei Jahre regierungsamtlicher Propagandaarbeit unter enger Komplizenschaft der Medien zunichte. Im April 2010 hatte Vizepräsident Joseph Biden versprochen: »Wir werden zwischen 250.000 und 500.000 neue Arbeitsplätze pro Monat schaffen.« Und im August 2010 erklärte Finanzminister Timothy Geithner, die »Maßnahmen, die wir [auf dem Höhepunkt der Krise] zur Stimulierung der Wirtschaft ergriffen haben, haben den freien Fall aufgehalten, einen noch größeren Zusammenbruch verhindert und die Wirtschaft wieder auf Kurs in Richtung Aufschwung gebracht.«
Aber fast ein Jahr später und zwei Tage nach der Veröffentlichung der verheerenden Arbeitsmarktzahlen lautete die die neue, überarbeitete Vorhersage Geithners in der Fernsehsendung Meet the Press: »Meiner Ansicht nach wird es [bis zum Aufschwung] noch eine ganze Weile dauern. Und viele Menschen werden für eine geraume Zeit harte Zeiten erleben, härtere, als sie bisher in ihrem Leben bisher erdulden mussten.«
Ähnlich wie im Falle der Prahlerei Bidens, die lange vergessen ist und an die niemand mehr erinnert, griff niemand die Erklärung Geithners kritisch auf, obwohl sie eine 100-Grad-Wende gegenüber früheren Vorhersagen darstellt, die »Presstituierten« bei Meet the Press« lassen den Politiker eben vieles durchgehen.
Aber es gab und gibt keinen »Rückfall in eine Rezession«. Wie das Trend Research Institute bereits seit Ausbruch der Großen Rezession und der »Panik des Jahres 2008« immer wieder prognostizierte, handelte es sich bei diesem ganzen »entschlossenen Vorgehen«, wie Geithner es stolz nannte, um nichts anderes als Finanz-Antidepressiva – milliardenschwere Pflaster, Linderungsmittel, Placebos und Vertuschungen, die als TARP (»Rettungsgesetz für in Schwierigkeiten geratene Wertpapiere«), als »Gesetz für einen amerikanischen Aufschwung und Reinvestitionen«, als »Quantitative Lockerung 2« (Ausweitung der Geldmenge) etc. daherkamen. Wenn sie überhaupt etwas bewirkten, dann ein kurzes Abklingen der Großen Rezession, und das war es auch schon.
Ein Schneeballsystem auf weltweiter Ebene
Es handelt sich um eine Vertuschung, und nicht um einen Aufschwung. Aber die USA waren nicht die einzige, aber vielleicht die erste Nation, die versuchte, sich mit betrügerischen Manövern aus der Krise heraus und in einen Aufschwung hinein zu mogeln. Wie auch die die amerikanischen Rettungspakete garantierte das griechische Überlebenspaket, das noch in der vergangenen Woche als wichtiger vorläufiger Erfolg gepriesen worden war, niemals die Liquidität des griechischen Bankensystems oder dessen Überleben.
Nun geriet Italien in schwere See. Trotz seiner Position als wirtschaftlich stärkstes Land der PIIGS (eine Abkürzung für Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien) – immerhin ist Italien die drittstärkste Volkswirtschaft der Eurozone – gibt es mit einer Staatsverschuldung von 120 Prozent seines BIP viel mehr Geld aus, als es einnimmt. Auch wenn Italien jetzt über Staatsanleihen neue Schulden aufnimmt, um seine Schulden zu bedienen, und gleichzeitig eine drakonische Sparpolitik einschlägt, um den Ausgabenwillen der Regierung zu zügeln, wird dies bestenfalls nur ein kurzes Nachlassen der Finanzkrise oder aber schlimmstenfalls eine Revolution auslösen. (Siehe dazu: »Ihre Köpfe sollen rollen«, Trend Journal, Herbst 2010)
Und dann gibt es da noch China, das ebenfalls in Panik geriet, als die »Panik des Jahres 2008« ihre exportabhängige Wirtschaft in Schwierigkeiten brachte. Wie der Westen reagierte auch China mit billigen Krediten und umfangreichen Stimuluspaketen, um ein größeres Schrumpfen der Wirtschaft zu verhindern. Aber es gibt deutliche Unterschiede zwischen der Wirtschaftskrise im Westen und in China: China verfügt über umfangreiche Devisenreserven und seine Verschuldung betrifft, was Gläubiger und Schuldner angeht, nur das eigene Land; aber auch diese Schulden müssen zurückgezahlt werden.
Anders als der Westen, der Billionen an Liquidität in das System pumpte, nur um die Wirtschaft am Laufen zu halten, hat die billionenschwere Yuan-Finanzspritze in China eine ungeheure Immobilienblase erzeugt, die jederzeit platzen kann. Aber dann wäre wie im Westen auch keine Haushalts- oder Geldpolitik der Regierung verfügbar, um die zusammenbrechende Wirtschaft erneut »aufzublasen«.
Wenn die USA, Europa und China untergehen, ziehen sie den Rest der Welt mit. Von Indien bis zu Israel, von Brasilien bis zu Bangladesch, von Chile bis zu Russland wird keine Nation den wirtschaftlichen Nachbeben und werden nur wenige den politischen Konsequenzen entgehen können.
Trotz der allgemein zugänglichen wirtschaftlichen Tatsachen und der Vielzahl der Beweise für unzutreffende Prognosen und gescheiterte Regierungspolitik verbreiten die etablierten Medien weiterhin ihre Lügen. Mit ihren »angesehenen Experten« machen sich diese Presstituierten der
Welt mit ihrer allzu durchsichtigen Verdrehung der Krise zu einem »Aufschwung« zu Komplizen der Politiker und Finanziers, in dem sie diesen Deckung verschaffen.
Trendpost: Nachdem der Goldpreis vor zwei Wochen auf 1480 Dollar pro Feinunze gefallen war, liebäugelt er nun mit der Marke von 1600 Dollar pro Unze. Wir führen diesen Anstieg darauf zurück, das Umfang und Schwere des finanziellen und sozioökonomischen Zusammenbruchs, den wir seit Beginn der »Panik des Jahres 2008« prognostiziert haben, zunehmend erkannt werden. Wir halten an unserer Vorhersage eines Goldpreises von 2000 Dollar pro Feinunze fest. Je nach weiterer Entwicklung der Krise und den Antworten, die die Regierungen und die Zentralbanken darauf finden, könnte sich selbst die Marke von 2000 Dollar pro Unze nur als Zwischenstopp zu noch weiteren Höhenflügen erweisen.
Anmerkung des Herausgebers: Die Sommerausgabe des Trend Journals wird in der letzten Juliwoche erfolgen. In der Zwischenzeit (ich spreche hier als Privatperson, da das Trend Research Institute keine Anlageempfehlungen ausspricht) werde ich weiterhin Gold und Schweizer Franken kaufen. Meine Anlage in kanadischen Dollar habe ich aufgelöst.
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