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Zehn Jahre sind vergangen, seit die Zwillingstürme des World Trade Center einstürzten und das Pentagon schwer getroffen wurde. Nach zwei fehlgeschlagenen Kriegen und Ausgaben in Milliardenhöhe für eine weltweite Menschenjagd, um bin Laden tot oder lebendig in die Hände zu
bekommen, hat sich Amerika jetzt zum Sieger erklärt. »Das ist wichtiger als die Mondlandung, das ist gewaltig«, rief Geraldo Rivera vom Fernsehsender Fox News aus.
»Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan«, gab sich Präsident Barack Obama staatsmännisch, als er den Tod bin Ladens verkündete. Er bezeichnete dies nicht nur als »einen guten Tag für Amerika«, sondern erklärte weiter: »Die Welt ist durch den Tod Osama bin Ladens sicherer geworden.«
Außenministerin Hillary Clinton griff zwar die Formulierung »es sei der Gerechtigkeit Genüge getan« auf, aber stimmte mit der Vision des Präsidenten von einer »sichereren Welt« nicht so ganz überein, sondern warnte, der Terror »werde mit dem Tod bin Ladens nicht aufhören. Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln«.
Wenn die Welt aber nun sicherer geworden ist, warum müssen wir dann »unsere Anstrengungen verdoppeln«? Dies sind nur zwei der widersprüchlichen Erklärungen des Weißen Hauses in den ersten Stunden nach Verkündung der brandaktuellen Neuigkeit. Viele weitere Unstimmigkeiten werden folgen. Einige sollten aufgegriffen und diskutiert werden, aber eine einfache Frage fiel in den ganztägig und sieben Tage in der Woche laufenden Nachrichtensendungen, dem politischen Abklatschen und patriotischen Triumphgetöse völlig unter den Tisch: Warum wandte sich Osama bin Laden, der zuvor als Mudschaheddin amerikanischer Verbündeter war, gegen die Vereinigten Staaten und wurde zu ihrem Staatsfeind Nr. 1?
Entschieden sich er und seine Al-Qaida-Kämpfer urplötzlich, Amerikas »Freiheit und Bürger- Rechte« zu hassen, wie es George W. Bush vermutete? Oder ist es völlig undenkbar, dass die Angriffe durch die amerikanische Außenpolitik ausgelöst wurden – mit ihrer bedingungslosen Unterstützung Israels und der damit einhergehenden Unterstützung für die gleichen Monarchen, Autokraten und Diktatoren des Nahen und Mittleren Ostens, die jetzt im Zuge einer revolutionären Welle gestürzt werden?
Ebenso vermisste man abseits des unaufhörlichen amerikanischen Jubels und Eigenlobes, abseits der flächendeckenden Zeitungsmeldungen und der sich endlos ausdehnenden Sendezeit von Radio und Fernsehen eine Diskussion der praktischen Konsequenzen des Todes von bin Laden, der eigentlich weitgehend aus dem Gedächtnis verschwunden und kein Thema mehr war, bevor er jetzt wieder in die Schlagzeilen geriet.
Osama bin Wer?
Wie bedeutungslos Bin Laden und seine Dschihad-Rhetorik in den Monaten vor seiner Ermordung geworden waren, zeigt sich daran, dass alle Aufstände, die sich im Nahen und Mittleren Osten und Nordafrika ereigneten, säkularer Natur waren und der militanten, panislamischen Vision bin Ladens ablehnend gegenüberstanden.
Um es klar zu sagen: Der Tod bin Ladens hat überhaupt keine praktischen Konsequenzen. Er trägt nichts dazu bei, dass
- Amerika die Kriege in Afghanistan und dem Irak gewinnt, die es gerade dabei ist, zu verlieren,
- die Arbeitslosigkeit abnimmt,
- die USA oder die europäischen Nationen nicht weiter in eine Rezession und Depression absinken,
- die angeschlagenen Immobilienmärkte wieder einen Aufschwung erleben oder die Krisen im Zusammenhang mit der Staatsverschuldung und dem Haushaltsdefizit gelöst werden,
- die Erdöl- und Nahrungsmittelpreise sinken,
- der Schaden durch die radioaktive Verstrahlung behoben und weitere Freisetzungen in Fukushima verhindert werden.
Allerdings ließ der Tod Osamas die dahindümpelnden Umfragewerte des Präsidenten in die Höhe schnellen und lenkte die allgemeine Aufmerksamkeit von den Dingen ab, die wirklich wichtig sind.
Am Mittwoch, dem 27. April, also nur vier Tage vor der Tötung bin Ladens, hielt ein neuer
Staatsfeind Nr. 1 die erste Pressekonferenz seiner Organisation ab. Der Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Bernanke, machte vor aller Welt klar, dass die Vereinigten Staaten weiterhin eine Politik der niedrigen Zinsen betrieben und als Folge davon die Welt weithin mit billigem und eigentlich wertlosem Geld überschwemmen würden.
Die Aktienmärkte reagierten umgehend auf die abzusehenden zerstörerischen Konsequenzen. Noch bevor Bernanke die Pressekonferenz beendet hatte, legten der Goldpreis um 20 Dollar pro Feinunze und der Silberpreis um zwei Dollar zu, während der Dollar gegenüber einem handelsgewichteten Währungskorb auf ein Dreijahrestief absackte. Trotz der gegenteiligen Behauptung des Vorsitzenden, der US-Dollar werde weithin abgewertet und infolgedessen würden in Dollar bewertete Rohstoffpreise weiter steigen.
Der neue Staatsfeind Nr. 1, »Osama« Ben Bernanke, benötigte kein Versteck in den Bergen oder die Zurückgezogenheit hinter den verschlossenen Türen der Fed, um am helllichten Tag einen Finanz-Terroranschlag durchzuführen, der weitreichende und anhaltende Auswirkungen für das amerikanische Volk haben könnte. Wenn der Dollar an Wert verliert, steigen die Preise für die Dinge des alltäglichen Bedarfs … mit Ausnahme der »Risiko«-Kosten.
Das bedeutet, dass die Finanziers weiter spekulieren und die Aktienmärkte ausplündern können, wobei die erzielten Gewinne nur den zehn Prozent der Amerikaner zugutekommen, denen 90 Prozent aller Aktien, Anleihen und Investmentfonds gehören. Darüber hinaus, so argumentierte die Fed, werde ein billiger Dollar den großen amerikanischen Exportunternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Aber wenn die Exporte steigen, steigen die Importpreise ebenso an und belasten die Durchschnittsverbraucher, deren Reallöhne deutlich hinter der Inflation zurückbleiben, noch stärker.
Weg mit den Bomben
Osama bin Ladens Tod führte auch dazu, dass man von dem Eingreifen der NATO und der USA aus »humanitären« Gründen in Libyen abgelenkt wurde, die zwei Tage zuvor verschiedene humanitäre Bomben auf das Anwesen des Sohnes von Muammar al-Gaddafi abgeworfen hatte, wobei dieser selbst und drei seiner Kinder ums Leben kamen.
Dieser verpfuschte Versuch, Gaddafi zu töten (der seinen Sohn besucht hatte), wurde von Russland verurteilt. Zudem warfen UN-Mitglieder den NATO-Staaten vor, über den Rahmen des Mandats des UN-Sicherheitsrates hinausgegangen zu sein und stellten die Rechtmäßigkeit der Luftangriffe in Frage. Angesichts der breiten öffentlichen Mitleidsbekundungen für die Enkel Gaddafis in aller Welt werden Zweifel am eigentlichen Ziel und der Zukunft der gesamten Mission laut.
Trendvorhersage: Mit dem Tod Osama bin Ladens wird der wiederhergestellte, erneuerte und verbesserte Terrorzug wieder Fahrt aufnehmen … und wird bis zum Wahltag 2012 immer weiter rollen. Unabhängig davon, ob es tatsächlich zu einem weiteren Terroranschlag kommt, wird Barack Obama, wie er es bereits zuvor getan hat, sich an den Regieanweisungen für George W. Bush orientieren und die amerikanische Bevölkerung in einem Zustand der Angst und Hysterie halten.
Und sollte es tatsächlich zu einem Terroranschlag gegen die USA, Frankreich oder einen anderen
NATO-Verbündeten kommen, werden die Regierungen, die Medien »prostituierten«, die Experten und die breite Öffentlichkeit diskutieren und den »feigen Akt« verurteilen und dann »schnelle Gerechtigkeit« fordern. Sie werden Bin-Laden-Anhänger, Al-Qaida-Zellen, Muammar Gaddafi, radikale Islamisten usw. verantwortlich machen, … aber niemals die Schuld bei sich suchen. Sie werden sich beharrlich weigern, anzuerkennen, dass es sich bei dem, was sie als Terror bezeichnen, eigentlich um nichts anderes als eine Art Rache handelt; eine Vergeltung für die ausländische Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder oder die Revanche für militärische Invasionen, die von den USA, Großbritannien oder anderen NATO-Verbündeten gegen eine souveräne Nation unternommen wurden.
Derweil wird der Staatsfeind Nr. 1 und Vorsitzende der Fed, »Osama« Ben Bernanke, in Washington die weitere Zerstörung des amerikanischen Dollar, der US-Wirtschaft und der Kaufkraft der amerikanischen Bevölkerung vorantreiben.
Wie wir seit Jahren prognostiziert haben, bewegt sich der Goldpreis, trotz einiger Rückschläge, immer noch auf die Marke von 2.000 Dollar pro Feinunze (und möglicherweise noch darüber hinaus) zu. Und während Ben Bernanke behauptet, die Inflation sei nur eine »vorübergehende Erscheinung«, halten wir angesichts seiner Neigung, Billionen digitaler Dollar virtuell zu drucken, die nicht einmal das Papier wert sind, auf dem sie nicht gedruckt werden, daran fest, dass die Inflation fest etabliert ist und steigt.
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