Sunday, 24. July 2016
11.01.2012
 
 

Gaddafis Alltag: Ein Insider packt aus

Gerhard Wisnewski

Wer war der am 20. Oktober 2011 von »Rebellen« gelynchte Muammar al-Gaddafi wirklich? War er tatsächlich ein skrupelloser »Diktator«, wie die westliche Propaganda behauptet? Oder doch ein treusorgender libyscher Revolutionsführer, wie er sich selbst gerne sah? Im Dezember 2011 packte ein echter Insider aus. In einem Interview für das serbische Fernsehen gewährte Gaddafis langjähriger Küchenchef authentische Einblicke in das Leben des Revolutionsführers.  Ein Interview, das man hierzulande natürlich nicht zu sehen bekam...

Warum ausgerechnet das serbische Fernsehen? Nun – ob man's glaubt oder nicht, aber erstens war der Koch des libyschen »Diktators« Gaddafi Serbe. Zweitens verlor auch Serbien beziehungsweise Jugoslawien seinen Staatschef Milošević durch einen NATO-Krieg und professionell angezettelte Massendemonstrationen, woraus schließlich eine ganze Revolutionsindustrie hervorging, die ihre Produkte in alle Welt »exportierte«. Von der serbischen Umsturzorganisation Otpor! wird behauptet, dass sie bereits in fast 40 Staaten aktiv geworden sei

und Rebellionen herbeigeführt habe. Auch deshalb dürfte Gaddafis Schicksal in Serbien von Interesse sein. Schließlich kam auch der serbische »Diktator« Milošević nach einem NATO-Krieg gegen sein Land ums Leben – und zwar am 11. März 2006 im Gewahrsam des so genannten Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Todesursache: »Herzinfarkt«.

 

 

As-salāmu 'aleikum, Herr Gaddafi

Fast klingt es wie kitschige Propaganda, wenn Gaddafis ehemaliger Küchenchef erzählt. Nur: warum sollte er noch Propaganda machen? Gaddafi ist tot, sein Libyen ist untergegangen, und Gaddafis Koch Miodrag Djordjevic ist längst wieder in Serbien. Der nette, freundliche Herr mit den grauen Schläfen und der Brille lächelt, wenn er über seinen früheren Arbeitgeber spricht. Kein böses Wort über Gaddafi kommt über seine Lippen. »Ich ging am 13. Januar 1990 nach Libyen«, erzählt Djordjevic in dem TV-Interview. Nach einem halben Jahr sah er den libyschen Revolutionsführer zum ersten Mal. Djordjevic war gerade in der Küche von Gaddafis Residenz und servierte das Frühstück für die Kinder, als der Hausherr den Raum betrat: »Er kam von hinten und sagte als erstes ›As-salāmu 'aleikum‹. Ich drehte mich um und bekam einen Schrecken. Dann fragte er mich auf Serbisch: ›Wie geht’s?‹. Ich war verblüfft: Wie kam es, dass er unsere Sprache beherrschte? Das war unsere erste Begegnung – sehr aufregend.«

Gaddafi sei nicht sehr anspruchsvoll gewesen, erzählt der Küchenchef. Manchmal habe er selbst mehr im Kühlschrank gehabt als der Revolutionsführer. Der aß am liebsten libysche Nationalgerichte, erzählt Djordjevic, der immer wieder Fotos von sich und Gaddafi vorzeigt: Morgens Asida, einen Getreidebrei, später am Tag M'gat'a, eine Art gehackte Spaghetti, Couscous oder Bazeen, einen leckeren Auflauf aus Lamm, Kartoffeln und Eiern. Bei Staatsbesuchen legte Gaddafi Wert auf einheimische Kost für die Besucher. Essen wegzuwerfen war ihm ein Gräuel. Eines Tages holte er eigenhändig nur oberflächlich ausgeschälte Wassermelonen wieder vom Müll. Gaddafis hölzerne Essschüssel hat Djordjevic, seit Juni 2011 wieder in Serbien, noch heute.

 

Das serbische Fernsehen interviewt Gaddafis ehemaligen Küchenchef Miodrag Djordjevic

 

 

Nichts geht über »Made in Germany«

Aller Bescheidenheit zum Trotz wurden seine Residenz und sein Haus allerdings von Deutschen in Stand gehalten: »Sie wussten alles über seine Residenz und seine Bunker. Alle seine Geräte und technischen Ausrüstungen kamen aus Deutschland.« Dass man Gaddafis Residenz ohne Sicherheitskontrollen betreten konnte, habe sein großes Vertrauen in die Menschen gezeigt. Auch das Essen sei nicht überprüft worden, bevor es auf den Teller des Revolutionsführers kam. Es wurde ihm von der Küche »direkt auf den Tisch serviert«, so Djordjevic: »Er vertraute uns vollständig«.

Gaddafis Nachwuchs wurde von 1990 bis 1996 von Djordjevics Frau Suzana betreut. Gaddafi hatte acht eigene Kinder – eines aus der ersten und sieben aus seiner zweiten Ehe. Er habe größten Wert darauf gelegt, dass seine Kinder wie alle anderen erzogen wurden und keine besonderen Schulen besuchten. Sie sollten nicht in Luxus und Arroganz aufwachsen, und er wollte nicht, dass sie bevorzugt oder als etwas Besonderes angesehen wurden. Er verbrachte viel Freizeit mit ihnen, war aber auch streng. Als Sohn Hannibal einmal nicht gut in der Schule war, bestrafte er ihn und nahm ihm den Fernseher und die Stereoanlage weg. Später brannte er eine Luxuskarosse nieder, die einer seiner Söhne gekauft hatte. Alkohol war natürlich – da gesetzlich verboten – ohnehin tabu.

 

Geld für die späteren Todfeinde

Es sei oft von Gaddafis Großzügigkeit gegenüber anderen Staaten und Staatschefs die Rede gewesen, sagt der Interviewer. Ja, Gaddafi habe sehr viel getan, antwortet  Djordjevic. Obwohl er der Koch gewesen sei, habe er viel davon mitbekommen. Am meisten habe Gaddafi Afrika geholfen: »Er gab wirklich jede Menge Geld an Afrika«. An europäische Staatschefs auch? Und ob, meint Djordjevic: Der griechische Premierminister Papandreou habe im Gegenzug für die Zusage, Touristenkomplexe in Libyen zu errichten, 20 Millionen Dollar erhalten. Nicolas Sarkozy habe Geld für seinen Wahlkampf bekommen und seine Macht demnach zu einem guten Teil Gaddafi zu verdanken. »Derselbe Sarkozy, der den Bombenkrieg gegen Gaddafi begann?«, will der TV-Reporter wissen. »Exakt«, antwortet Djordjevic. Auch der italienische Ministerpräsident Berlusconi habe zu den Geldempfängern gehört.

Wer von den hohen ausländischen Gästen Djordjevic am meisten beeindruckt habe, fragt der Interviewer. Der ägyptische Präsident (von 1981 bis 2011) Mubarak, lautet die Antwort. Außerdem der damalige palästinensische Präsident (von 1996 bis 2004) Jassir Arafat. Bei dessen Landung sei das Flugzeug im Sand stecken geblieben, und Gaddafi sei persönlich hingerannt, um nach dem Rechten zu sehen. Über die Treffen mit den europäischen Staatschefs sei er nicht wirklich glücklich gewesen. Manchen ließ er tagelang warten, zum Beispiel den französischen Staatspräsidenten (von 1995 bis 2007) Jacques Chirac. Den ließ er einfach in Tripolis sitzen und wollte ihn stattdessen in seine Heimatstadt Sirte bestellen. Gaddafi »war auf Afrika hin orientiert; er wollte es vereinen, er wollte die muslimischen Staaten zu einem vereinten und kompakten Block machen. Aber nun bleibt alles so, wie es war.«

 

Diktator oder nicht?

»Waren Sie erschüttert, als Sie von seinem Tod hörten?«, fragt der TV-Reporter. »Ja, furchtbar. Ich war total am Boden zerstört. Nach der ganzen langen Zeit  konnte ich nicht glauben, dass einem so großen Staatschef und Revolutionsführer so etwas passieren kann.« – »Gaddafi ist nicht mehr, aber ich habe sein Andenken behalten«, sagt Djordjevic und zeigt ein Medaillon mit einem Bild des ehemaligen libyschen Staatschefs. Und dann die entscheidende Frage: »Sie haben Gaddafi und seine Familie 20 Jahre lang gekannt. Können Sie mir nun die Frage beantworten, ob er ein Diktator oder ein Revolutionsführer war?« – »Er war nur der Führer der Revolution, in keiner Weise ein Diktator«, antwortet Djordjevic: »Denn ein Mann, der sich um alles sorgt, und sich von ganzem Herzen das Beste für sein Volk wünscht, kann kein Diktator sein.«

 

 


 

 

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