Tuesday, 2. September 2014
30.12.2012
 
 

Washington in der Zwickmühle: die »guten« und die »bösen« Terroristen

Ismail Salami

Terrorismus ist und bleibt Terrorismus und lässt sich auch nur dann anders verstehen, wenn die Interessen einer Seite diesen Maßstab aus Missfallen gegenüber anderen verschieben. Die Aufteilung der Terroristen in Syrien durch den Westen in »gute« und »böse« Terroristen weckt Zweifel an dem behaupteten Streben nach Demokratie.

Der russische Außenminister Sergei Lawrow kritisierte die westliche Unterstützung für Terroristen in Syrien in einem Interview mit Russia Today in düsteren Worten scharf als »absolut inakzeptabel«. Lawrow erklärte, der Westen habe die Terroristen in »gut« und »böse« unterteilt und sich unterstützend hinter die ersteren gestellt. »Dies ist vollkommen unannehmbar«, erklärte der russische Minister. »Folgten wir dieser Logik, brächte uns das nicht nur in der Nahmittelostregion,

sondern auch in anderen Teilen der Welt in eine sehr gefährliche Situation, wenn unsere westlichen Partner auf einmal damit begönnen, zwischen ›bösen‹ und ›akzeptablen‹ Terroristen zu unterscheiden.«

 

Diese zwiespältige Sichtweise des Westens im Zusammenhang mit einer derart schwerwiegenden Problematik ist allerdings nicht neu. Als Washington die lange Zeit als terroristisch eingestuften iranischen Volksmudschahedin (Modschahedin-e Chalgh, MKO) von der Liste der Terrorgruppen strich, stand dies durchaus im Einklang mit dieser vom Westen verfolgten Politik, etablierte Konzepte und Begriffe neu zu bewerten.

 

Aber paradoxerweise wurden die Volksmudschahedin bereits von Washington unterstützt, als sie noch als Terrororganisation eingestuft wurden. Damals erhielten sie sogar ihre Ausbildung durch die Regierung Bush. In einem erhellenden Artikel zeigte der renommierte Journalist Seymour Hersh im April dieses Jahres, dass das amerikanische Joint Special Operations Command (JSOC) von 2005 bis mindestens 2007 in einem geheimen Stützpunkt in Nevada Mitglieder der Volksmudschahedin ausgebildet hat. Hersh zufolge wurden die MKO-Mitglieder »bis zur Amtsübernahme Präsident Obamas in Kommunikationstechnik, in Verschlüsselung, in Waffentechnik und dem taktischen Vorgehen kleiner Einheiten unterwiesen«.

 

In einem anderen Interview sagte ein früherer Vier-Sterne-General, er sei 2005 von einem Amerikaner, der an dem Ausbildungsprogramm beteiligt gewesen sei, vertraulich über die Ausbildung der MKO in Nevada informiert worden. Die Volksmudschahedin, so der General weiter, hätten die »Grundausbildung  in Kommunikation, Kryptographie, dem taktischen Vorgehen in kleinen Einheiten und Waffentechnik durchlaufen – die ganze Ausbildung dauerte sechs Monate. Sie waren in kleinen Schulen untergebracht«. Man habe ihm noch berichtet, fuhr er fort, dass die Ausbilder vom JSOC stammten, das seit 2005 eine Schlüsselrolle im weltweiten Krieg gegen Terrorismus der Regierung Bush einnahm.

 

Zur Bestürzung und zum Verdruss vieler entschied das amerikanische Außenministerium im September dann, die MKO von der Liste der Terrororganisationen zu streichen. Dazu erklärte das Ministerium, man habe sich für die Streichung der Gruppe entschieden, da die Gruppe seit vielen Jahren keine Terroranschläge mehr durchgeführt habe. Dabei verschwieg das Ministerium dreist, dass die Gruppe in den letzten Jahren für die Ausführung praktisch aller Anschläge auf Nuklearspezialisten im Iran verantwortlich war. Auch wenn die Gruppe  (aus nachvollziehbaren Gründen) niemals offiziell die Verantwortung für einen dieser Anschläge übernahm, gibt es solide Hinweise auf eine Mittäterschaft bei diesen Terrorakten.

 

Die Terrorgruppe hatte sich seit Jahren immer wieder darum bemüht, von der Liste der Terrorgruppen gestrichen zu werden, und hatte dafür auch die Fürsprache zahlreicher demokratischer und republikanischer Politiker gewonnen, die sich für sie einsetzten. Anstatt für diese Lobbyarbeit Gebühren zu bezahlen, »bot die MKO Honorare in der Höhe von 10.000 Dollar bis 50.000 Dollar für jede Rede an, in der die amerikanische Regierung wegen ihrer schäbigen Behandlung der MKO angegriffen wurde. Zu denen, die diese Gelder einstrichen, gehörten auch der frühere Gouverneur von Pennsylvania, Ed Rendell, Rudy Giuliani, Alan Dershowitz  und der ehemalige FBI-Chef Louis Freeh. Die meisten behaupteten, an der einkassierten Bezahlung eigentlich nicht interessiert zu sein«, schrieb Richard Silverstein am 22. September 2012 in der britischen Tageszeitung The Guardian.

 

Die MKO waren im Bündnis mit israelischen Geheimdiensten seit Langem an einer ganzen Reihe von Sabotageakten und Terroranschlägen gegen die Islamische Republik Iran beteiligt. Im Januar 2012 erklärte der Stabschef der israelischen Streitkräfte Benny Gnatz vor einem Parlamentsausschuss: »2012 ist für den Iran ein wichtiges Jahr, denn das Land muss gleichzeitig die Fortführung des Atomprogramms und interne Veränderungen innerhalb der iranischen Führung verkraften und mit dem anhaltenden und sich verschärfenden Druck seitens der Weltgemeinschaft sowie ungewöhnlichen Ereignissen fertig werden.«

 

Knapp 24 Stunden, nachdem der israelische Stabschef vor »ungewöhnlichen Ereignissen« gewarnt hatte, wurde der iranische Nuklearwissenschaftler Mostafa Ahmadi Roshan am helllichten Tage ermordet. Es zeigte sich bald, dass es sich hier um eine gemeinsame Operation der MKO und des Mossad gehandelt hatte. Die MKO hat Berichten zufolge mehr als 12.000 Iraner, sieben amerikanische Staatsbürger und Zehntausende von Irakern ermordet. Wie auch immer, die Unterscheidung zwischen »guten« und »bösen« Terroristen ist weitaus abscheulicher als jede Form der Apartheid.

 

In Syrien scheint sich nun etwas Ähnliches zu ereignen. Washington stuft die von Katar unterstützte Schabhat an-Nusra (»Unterstützungsfront für das syrische Volk«) als Terrororganisation ein. Aber warum? Sie kämpft zusammen mit anderen militanten Kräften in Syrien, die zum größten Teil aus ausländischen Söldnern bestehen, gegen die Regierung Baschar al-Assads. Möglicherweise werden sie als Terroristen angesehen, weil sie offenkundig der politischen Rhetorik Washingtons im Zusammenhang mit Syrien widersprechen. Mit anderen Worten entscheidet Washington oder der von den USA geführte Westen darüber, wer ein Terrorist ist und wer nicht.

 

Man sollte dabei nicht vergessen, dass das berüchtigte Terrornetzwerk al-Qaida, das die Saat eines blinden Extremismus und religiöser Spaltungen in der Welt verbreitet, in den 1970er Jahren von den USA und insbesondere von der CIA mitaufgebaut und finanziell unterstützt wurde. Der frühere britische Außenminister Robin Cook beklagte, dass al-Qaida geschaffen worden sei, und erklärte: »Bin Laden war dennoch das Geschöpf einer grandiosen Fehleinschätzung westlicher Sicherheitsdienste. In den 1980er Jahren wurde er von der CIA mit Waffen und von den Saudis mit Geld unterstützt, um einen Heiligen Krieg gegen die russische Besetzung Afghanistans zu führen. Al-Qaida, was eigentlich ›die Basis‹ bedeutet, war ursprünglich die Computerdatei genannt worden, in der die Namen und andere Informationen zu den Tausenden von Mudschahedin enthalten waren, die mithilfe der CIA angeworben und ausgebildet worden waren, um die Russen zu besiegen. Unerklärlicherweise scheint es Washington niemals in den Sinn gekommen zu sein, dass die Organisation bin Ladens ihre Aufmerksamkeit nach dem Abzug der Russen auf den Westen richten könnte.«

 

Das von der CIA ins Leben gerufene Frankensteinmonster hat sich nicht geändert, sondern ist ins Monströse gewachsen. Terrorismus ist sicher einer der am meisten missverstandenen und missbrauchten Begriffe. Er wird je nach Umständen vom Westen immer wieder neu definiert, je nachdem, ob er sich für diejenigen, die ihn definieren, als schädlich oder als nützlich erweist.

 

 

 

 


 

 

 

 

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