Saturday, 30. July 2016
01.07.2014
 
 

Et voilà: Der Dritte Weltkrieg

James H. Kunstler

Wer immer auch wirklich die Geschicke der halbmumifizierten königlichen Regierung in Saudi-Arabien lenkt, wird sich angesichts Abu Bakr al-Baghdadis und seiner ISIS-Armee psychopathischer Mörder, die sich weitgehend ungehindert in dem Gebiet ausbreiten, das man kurioserweise die »Levante« nennt, die Haare raufen. ISIS hat am gerade vergangenen Wochenende eine Orgie der Kreuzigungen in Syrien abgeschlossen. Bei seinen Opfern handelt es sich um andere islamische Militante, die nicht radikal genug waren oder sich mit den Amerikanern eingelassen hatten.

 

Kreuzigungen senden eine interessante und komplexe Botschaft an verschiedene Parteien auf diesem systemisch fraktionierten Globus aus. Es bedeutet zwar eine kleine Abkehr vom Schockstarre auslösenden Schrecken der auf Videos festgehaltenen Enthauptungen, aber es hat es immer noch in sich. Für den christlich geprägten Westen erweckt es ein zentrales kulturelles Narrativ wieder zum Leben, das seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr präsent gewesen war. Die Botschaft des ISIS lautet: Wenn ihr glaubt, die Römer waren bösartig … In der Menschheit hallen Erinnerungen lange nach.

In den vergangenen zwei Wochen hat ISIS die Welt erfolgreich in Angst und Schrecken versetzt, und einfach acht Jahre, einige Billionen Dollar und 4500 Gefechtstote im Zusammenhang mit dem Bemühen der USA, den Irak in einen willfährigen zivilen Erdöllieferanten zu verwandeln, zunichte gemacht. Und nun haben sie sogar in ihren gegenwärtigen Eroberungen ein Kalifat, eine islamische Theokratie, ausgerufen. Damit haben sie zumindest die amerikanischen Republikaner ausgestochen, die versuchten, in den USA von der West- bis zur Ostküste etwas Vergleichbares zu errichten, aber immer wieder von feindlichen, von Demokraten kontrollierten Bundesstaaten an beiden Küsten gehindert wurden.

 

Interessanterweise widmen die Medien (welch ein seltsamer Begriff) den Ursachen dessen, was da mit ISIS und den beiden anderen Staaten neben dem Irak und Syrien stattfindet, nicht die geringste Aufmerksamkeit. Ich beziehe mich da insbesondere auf Saudi-Arabien, weil die Amerikaner dieses Regime für eine unbezwingbare Bastion gegen den blutrünstigen Wahnsinn halten, der sich über die restliche muslimische Welt ausbreitet. Saudi-Arabien ist zudem der Eckpfeiler der OPEC. Saudi-Arabien genoss den Ruf, in all den sich verschärfenden Unruhen der letzten Jahrzehnte, stabil zu bleiben und wie Bossy, die Kuh verlässlich seine etwa zehn Mio. Barrel Erdöl pro Tag für den amerikanischen Markt zu fördern.

 

Vielleicht sollte ich besser sagen, Saudi-Arabien schien stabil zu sein, da die Regierung des Hauses Suad mit seinen mumifizierten Herrschern und senilen Prinzen immer mehr den Eindruck eines Potemkinschen Dorfes macht. Der 90-jährige König Abdullah soll Gerüchten zufolge an lebenserhaltende Systeme angeschlossen worden sein, sein eigentlicher Nachfolger und Bruder ist bereits tot, und gibt andere einflussreiche arabische Familienclans, die durchaus versucht sein könnten, die Gelegenheit zu nutzen und dieses Zombie-Königshaus vom Thron zu stoßen.

 

Und um die ganze Lage noch zu verschlimmern, gehören die Saudis in ihrer Rolle als wichtigste Feinde der Schia, personifiziert durch die politisierte Geistlichkeit des Iran, auch noch zu den Förderern eines Großteils des organisierten sunnitischen Terrors in der Region (und eigentlich der ganzen Welt).

 

Diese Entwicklungen vollziehen sich in der Region mit einer blitzartigen Geschwindigkeit, und man muss befürchten, dass die Unruhen von einem Spannungsgebiet auf das nächste übergreifen. Damit hätte ISIS die Möglichkeit, das saudische Königshaus im Zusammenhang mit dem gerade ausgerufenen Kalifat in schwere Verlegenheit zu bringen, denn es stellt sich die Frage: Wer hatte denn wirklich in Bezug auf dieses neue theokratische Königreich das Sagen? (Und die Antwort lautet: vielleicht nicht du, schlotterndes, mumifiziertes, amerikahöriges Saudi-Arabien.) Und wie wird sich die neue Entwicklung auf die anderen Königreiche und instabilen Länder in dieser Ecke der Welt auswirken? Z. B. auf den Libanon, der seit 30 Jahren in eine Art politischen Zerstörungswettkampf verstrickt ist.

 

Gründer der Gruppe al-Qaida im Irak (AQI), des Vorläufers der ISIS, war der Libanese Abu Musab az-Zarqawi, der vor einigen Jahren bei einem amerikanischen Luftangriff im Irak getötet wurde. Der Libanon steht seit einem Jahrzehnt unter dem maßgeblichen Einfluss der Hisbollah, die wiederum vom schiitischen Iran unterstützt wird und deshalb zu den Todfeinden des ISIS zählt. Sollte ISIS nun auch noch die Hisbollah überrollen und Beirut, die »Perle des Mittelmeeres« (oder was davon noch übrig ist), einnehmen, würde mich das nicht überraschen.

 

Und dann ist da noch Jordanien, dessen junger König Abdullah ebenfalls als USA-hörig gilt. Die aus Syrien stammenden Kreuzigungsfotos dürften ihm einiges Unbehagen verschafft haben. Und nicht zu vergessen Syrien, wo alles begann, und das dabei ist, sich in einen Trümmerstaat zu verwandeln. Und schließlich ist da nicht zuletzt noch dieser Popanz mitten im »Schwarzen« der Levante: Israel.

 

Es ist fast ein Wunder, dass es Israel bis jetzt gelungen ist, sich von dieser verheerenden Welle der Gewalt fernzuhalten. Andererseits gehören die Hisbollah und der Beschützer der Hisbollah, der Iran, der wiederum zu den Feinden des ISIS zählt, zu den Hauptgegnern Israels, und in dieser Region ist der Feind meines Feindes mein Verbündeter. Dennoch erscheint zu meinem Bedauern die Vorstellung unmöglich, dass Israel freundlichen Umgang mit den Psychopathen des ISIS pflegen könnte.

 

Denn eine Tatsache bleibt: Unter sonst gleichen Umständen ist Israel in der Lage, jeden anderen Staat oder jedes Königreich in der Region in einen Haufen Asche zu verwandeln, sollte es zum Äußersten kommen. Voilà: Weltkrieg Nummer drei.

 

 

 


 

 


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