Friday, 29. July 2016
15.04.2014
 
 

Jetzt auch noch ein offener Krieg?

James H. Kunstler

Die Lage in der Ukraine hat sich im Verlauf des vergangenen Wochenendes weiter aufgeheizt und droht nach Ablauf des Ultimatums aus Kiew zu explodieren, in dem die Regierung androhte, »Antiterroreinheiten« in die Städte der Ostukraine zu schicken, wo russischstämmige Ukrainer Regierungsgebäude besetzt hatten. (Früher soll es in Europa Hexen und Teufel gegeben haben. Heute, dank unseres Vorbilds, gibt es dort »Terroristen«.) Dieser drohende Bürgerkrieg hätte mit Sicherheit schwerwiegende Folgen für die Ukraine. Dennoch stellen sich zwei offensichtliche Fragen: Ist dies erstens für irgendjemanden außerhalb der Region von Bedeutung? Und insbesondere geht es zweitens die USA irgendetwas an?

Die »Falken« am Spielfeldrand (wie bspw. die New York Times) lamentieren über die 40 000 russischen Soldaten, die sich an der Grenze zur Ostukraine positioniert haben. Ja und, das sind nur ein paar Tausend Soldaten mehr als die 33 000 amerikanischen Soldaten, die in Afghanistan, dem gegenwärtigen »Nationbuilding«-Projekt Amerikas, eingesetzt sind. Aber der allein auf Truppenzahlen beschränkte Vergleich gerät noch stärker zu unseren Ungunsten ins

Ungleichgewicht, wenn man noch die fast 3000 amerikanischen Bodentruppen hinzuaddiert, die in der früheren Sowjetrepublik Kirgisistan, und die annähernd 15 000 amerikanischen Soldaten, die in Kuwait und Bahrain stationiert sind. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich die Russen über all diese amerikanische militärische Hyperaktivität in ihrem Teil der Welt in den letzten Jahrzehnten beklagt hätten.

 

Zumindest hat jemand in der vergangenen Woche John Kerry zum Schweigen gebracht. Dieser Mann mit der eindrucksvollen Frisur (unter der man allerdings das Gehirn suchen muss) hat endlich damit aufgehört, absurde Kommentare zu der von den USA und der Europäischen Union (EU) eingesetzten Regierung abzugeben. Und Präsident Obama malt auch keine weiteren LoL-Zeichen mehr in den Sand. Ich vermute, wenn sie so weiter die Kriegstrommel rühren, könnten sie in den USA einige Unruhen auslösen. Nicht jeder ist vom Kardashian-Fernsehsender und ihren Slapsticknummern begeistert. Und die meisten Armeeveteranen, die von Militäreinsätzen in muslimischen Ländern zurückkehren (d.h. diejenigen, die bisher noch keinen Selbstmord begangen haben) haben auch keine so hohe Meinung von den dort erzielten Erfolgen.

 

Barack Obama, den ich zweimal gewählt habe, ist auf dem besten Wege, der schlimmste amerikanische Präsident zu meinen Lebzeiten – und vielleicht sogar seit den Anfängen dieser Republik – zu werden. Ich will jetzt nicht zu weit abschweifen, aber ist es nicht unglaublich dämlich, dass Obamas Justizministerium und die von ihm ernannte Führungsriege der Börsenaufsicht SEC sich erst in der vergangenen Woche für den um sich greifenden Betrug des Hochfrequenzhandels an der Wall Street zu interessieren begannen, nachdem sich der Finanzjournalist und Buchautor Michael Lewis in der bekannten Nachrichtensendung 60 Minutes dazu geäußert hatte? Als hätten sie vorher noch nichts von dieser seit Jahren andauernden »Frontrunning«-Orgie mitbekommen. Merkwürdigerweise fühlte ich mich tatsächlich weitaus sicherer, wenn Wladimir Putin Soldaten auf der mexikanischen Seite der Grenze zu den USA zusammenzöge, um die Amerikaner vor ihrer eigenen stümperhaften und zerstörerischen Regierung zu schützen.

 

Gibt es da nicht in Bezug auf die Lage in der Ukraine einige sehr offensichtliche Faktoren? Die Russen haben z.B. sicherlich ein größeres Interesse daran, dort Chaos zu verhindern, als die USA an vorläufigen Grenzfestlegungen und der Zusammenstellung der dortigen Regierung. Die meiste Zeit im 20. Jahrhundert gehörte die Ukraine im Wesentlichen zu Russland, und davor war sie Protektorat verschiedener osteuropäischer Königreiche. Zudem hat Russland große Investitionen in die Erdgaspipeline-Infrastruktur in der Ukraine getätigt, von denen auch ein erheblicher Anteil des russischen Bruttosozialprodukts abhängt; ganz zu schweigen von der sicheren Versorgung der meisten europäischen Länder Westeuropas im Winter.

 

Deshalb mein Appell an die Parteien und politischen Fraktionen in den USA (einschließlich des »progressiven« Obama-Lagers): Hört damit auf, euch begeistert für einen Schlagabtausch wegen dieses glücklosen, aber eigentlich für uns bedeutungslosen, weit entfernten Landes starkzumachen, dessen Schicksal in keiner Weise mit den Menschen in Ohio, Nebraska, Rhode Island oder irgendeinem der anderen 50 Bundesstaaten verknüpft ist! Wir haben in unserem eigenen Land genug zu tun, uns an die neuen Realitäten der sich entfaltenden turboindustriellen globalen Wirtschaft anzupassen – und ehrlich gesagt haben wir bisher noch nicht viel unternommen, um irgendeines dieser Probleme wirklich anzugehen. Unsere innenpolitische Diskussion spielt sich auf allen Ebenen auf einem kindischen und idiotischen Niveau ab.

 

Mir wäre es lieber, wenn amerikanische Soldaten WalMart schließen würden, das sich als weitaus zerstörerischer für die amerikanische Wirtschaft (und die Lebensumstände der amerikanischen Bevölkerung) als die Banditen in irgendeinem zentralasiatischen Rattenloch erwiesen hat. Und ich würde es begrüßen, wenn die USA ihr schwindendes Kapital dafür ausgeben würden, unseren Personenverkehr wieder in Ordnung zu bringen, statt die Schulden anderer in weit entfernten Ländern zu begleichen.

 

Wir stehen vor einem ähnlichen Wendepunkt in der amerikanischen Politik wie zur Zeit des Vietnamkrieges. Aber wo sind die heutigen Fulbrights und Bobby Kennedys, die den Mut haben, die amerikanische Bevölkerung aufzurütteln und zum Widerstand gegen die verrückte Politik der Regierung zu bewegen? Welche unserer gewählten Volksvertreter unter all diesen von den Koch-Brüdern gekauften Lustknaben und Wall-Street-Handlangern werden sich für realitätsbezogene Prinzipien stark machen? Wann werden die jungen Menschen dieses Landes endlich ihre Augen von ihren iPhones lösen und über ihren Tellerrand hinaus denken? Wann werden die Vereinigten Staaten endlich anfangen, sich der längst überfälligen Aufgabe zu widmen, ihre eigenen Probleme zu lösen?

 

 

 

 


 

 

 

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