Sunday, 26. June 2016
25.03.2015
 
 

Neue Währungsordnung mit starker chinesischer Währung

Janne Jörg Kipp

Der Euro schwächelt, der Dollar kracht – zwei der im Westen bedeutendsten Währungen zeigen, dass die Weltwirtschaft am Rande von Crash, Kollaps und Neuordnung ist. Ein weiteres Mosaikstein ist der Internationale Währungsfonds (IWF). China möchte, dass seine Währung Yuan in die Berechnung so genannter »Sonderziehungsrechte« einfließt – zu Lasten der Westwährungen.

 

Am Montag empfing Chinas Ministerpräsident Li Keqiang in Peking von den Medien in Deutschland weitgehend unbemerkt Christine Lagarde. Die Direktorin des IWF, also des Internationalen Währungsfonds, sprach in wichtiger Sache vor. Denn China möchte Teil des »Sonderziehungsrechts« (SZR) werden, das der IWF hat.

Ganz im Sinne des IWF versprach Li Keqiang die »Liberalisierung der chinesischen Landeswährung Renminbi« sowie eine Öffnung des Kapitalmarkts in China. Im Gegenzug lobte Lagarde die »wichtige Rolle der chinesischen Reform und Öffnung bei der Regulierung der Weltwirtschaft«.

 

Den USA müssten die Ohren klingeln. Denn die Sonderziehungsrechte sind selbst eine wenn auch künstliche Währung, die sogar Zahlungsmittel sein kann.

 

Diese Währung ist nicht wie die üblichen Papierwährungen am Devisenmarkt handelbar, sondern stellt eine Buchgröße auf Konten des IWF dar und wird also künstlich berechnet.

 

Damit sind die SZR sozusagen eine Reservewährung, die früher zum Beispiel der Dollar oder auch das britische Pfund dargestellt haben. Bis dato bilden der Dollar, der Yen, der Euro und das britische Pfund den Währungskorb, aus dem sich der Wechselkurs der SZR berechnet.

 

Diese Währung kann der IWF für neue Liquidität nutzen, indem er seinen Teilnehmerländern entsprechende Kredite in Buchgeld zur Verfügung stellt.

 

Die SZR müssen von den Teilnehmerländern akzeptiert werden, indem diese die eigene Währung gegenüberstellen. So können einzelne Staaten beispielsweise mit ihren SZR fremde Währungen aufkaufen und sich somit Liquidität gegenüber diesen Ländern erwerben.

 

Wenn jetzt der Yuan oder Renminbi in den Währungskorb aufgenommen wird, bedeutet dies, dass andere Teilnehmerländer die chinesische Währung kaufen könnten. Somit könnte diese eine bedeutendere Rolle an den internationalen Märkten spielen.

 

In diesem Zusammenhang seit daran erinnert, dass zuletzt Deutschland, Italien und Frankreich ankündigten, sich an der neuen Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) Chinas und Russlands zu beteiligen. Andere größere Staaten wollen ebenfalls teilnehmen und damit den Konkurrenten zur Weltbank oder Asiatischen Entwicklungsbank stärken.

 

Hintergrund dieser Bankgründung dürfte die Stärkung des »eurasischen« Wirtschaftsraums sein, an dem vor allem Russland seit geraumer Zeit kräftig baut.

 

Russland verfügt über Rohstoffe, Westeuropa zusätzlich über bestens ausgebildete Arbeitskräfte und einen gigantischen Absatzmarkt, China hingegen könnte als Werkbank für dieses Gebiet dienen. Das gesamte Gebiet beherbergt nahezu fünf Milliarden Einwohner und wäre mit weitem Abstand die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt.

 

Dass die USA kein Interesse an einem starken »eurasischen« Wirtschaftsraum haben, liegt angesichts dieser Konstellation fast auf der Hand.

 

Deshalb sträubten sich die Nordamerikaner ursprünglich gegen die AIIB, werden sich allerdings künftig ebenfalls an dieser neuen Superbank beteiligen.

 

Damit zerfällt der Dollar als weltweite Leitwährung (ohne jede Währungsdeckung) immer mehr. Schon heute schwindet die weltweite Bedeutung in geradezu atemberaubendem Tempo.

 

Der Anteil an den Währungsreserven der großen Zentralbanken soll nur noch bei gut 50 bis 60 Prozent liegen. Noch vor 15 Jahren im Jahr 2000 lag diese Quote bei 70 Prozent.

 

Daher ist das Zugeständnis und Interesse des IWF an der chinesischen Währung ein deutliches Zeichen: Die Welt steht vor einem gewaltigen Umbruch ihrer Währungsordnung und damit ihrer wirtschaftlichen Machtverhältnisse. Wann auch immer dies in den Massenmedien sichtbar wird.

 

 

 


 

 

 

 

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Leser-Kommentare (14) zu diesem Artikel

26.03.2015 | 06:17

Alter Fritz

Soviel ich weiß hat Rothschild auch Mao finanziert, also nur eine Fortsetzung der selben Strategie.


25.03.2015 | 22:20

Lacsap

Ein verbot auf waehrung und bezits auf Rohrstoffen soll man einfuhren. Wenn dass so kürzt nicht zu begreifen oder nicht vor zu stellen ist, kann ist dass ganze gerne ausgebreitet erklären.


25.03.2015 | 21:06

ben

Wer kein freundliches Gesicht hat, darf keinen Laden aufmachen. Darum lächeln die Chinesen.


25.03.2015 | 16:08

Elisa

willy_winzig

Da haben Sie wohl recht. Teile Ihre Meinung.


25.03.2015 | 15:05

willy_winzig

@Elisa um 13:14
Wenn Großbritannien in der AIB mitmachen dürfen, dann kann man auch ruhig die USA aufnehmen. Wo ist da noch der Unterschied?
Siehe hier http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/redaktion/aiib-eine-kleine-entwicklungsbank-testet-das-westliche-buendnis.html.
Und meinen Kommentar vom 18.03.2015 um 08:56


25.03.2015 | 13:14

Elisa

Der IWF ist eine hochpolitische Organisation und dient im wesentlichen den Interessen der USA. Mit dieser Organisation verschuldet die USA die Länder, macht sie abhängig, plündert sie aus und erpresst sie nach Belieben. Wer glaubt, daran ändere sich etwas, der irrt gehörig. Wenn der IWF dem mächtiger werdenden China einen Teil des »Sonderziehungsrechts« (SZR) gewähren sollte, was angesichts der rasanten Entwicklung des Yuan auf dem Markt unabwendbar sein wird, dann tut er das...

Der IWF ist eine hochpolitische Organisation und dient im wesentlichen den Interessen der USA. Mit dieser Organisation verschuldet die USA die Länder, macht sie abhängig, plündert sie aus und erpresst sie nach Belieben. Wer glaubt, daran ändere sich etwas, der irrt gehörig.

Wenn der IWF dem mächtiger werdenden China einen Teil des »Sonderziehungsrechts« (SZR) gewähren sollte, was angesichts der rasanten Entwicklung des Yuan auf dem Markt unabwendbar sein wird, dann tut er das nicht nur aus gegebener Zwangssituation (die Chinesen besitzen 3 Bio. $ Devisenreserven), sondern auch in der Absicht, die Chinesen unter Kontrolle zu halten.

Dass die Chinesen aber die Amerikaner auffordern, bei der neuen internationalen Entwicklungsbank, der AIIB der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank, mitzumachen, ist schon verwunderlich. Die USA wird dort sicherlich ihre Spione platzieren. Schliesslich wollen die Yankees wissen, was die Chinesen und Russen in der eurasischen Region finanztechnisch und damit auch politisch alles treiben. Kein Zweifel, die USA werden auch dort wieder manipulieren und lügen, was das Zeug hält. Die Chinesen wissen das doch. Sie werden ihre Gründe haben und taktisch ihre Ziele verfolgen.

Das ganze derzeitige Procedere des IWF, das ein einvernehmliches Verhandeln mit den Chinesen in der Öffentlichkeit darstellt, muss nicht zwingend als Niederlage der Amis gegenüber den Chinesen gesehen werden. Mit solch voreiligen Urteilen wäre ich vorsichtig. Diese trickreichen Feinde kennen sich gut und wissen, was der eine vom anderen hält.
Tatsache aber ist, dass die China und die gesamte eurasische Region immer stärker werden, während die Amerikaner mit dem gesamten Westen zunehmend im Schulden- und Verslummungssumpf versinken. Diese Wahrheit ringt den Westmächten Zugeständnisse gegenüber den eurasischen Regionen ab.

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