Monday, 20. May 2013
01.07.2012
 

Die Auferstehung des IPCC-Hockeystickbetrugs in Australien

Joanne Nova

Drei Jahre Zeit und 300.000 Dollar für das Schreiben eines Papiers, das gerade mal drei Wochen überlebt hat: Frau Dr. Joelle Gergis und Koautoren haben das geschafft! Die australische Klima-Publizistin Joanne Nova setzt sich mit Frau Dr. Joelle Gergis und ihrem Papier auseinander. Der Aufsatz ist es wert, abgedruckt [und übersetzt] zu werden. Er sollte von möglichst vielen Menschen gelesen werden.

Das Papier mochte wissenschaftlich unhaltbar sein, es war dennoch ein Kassenschlager. Die Schlagzeilen waren überall:

»1.000 Jahre Klimadaten bestätigen die Erwärmung von Australien«

tönte die Presseverlautbarung der University of Melbourne. Der Guardian nahm das Thema auf:

»Wissenschaftler haben entdeckt, dass Australasien die heißesten 60 Jahre in einem Jahrtausend erlebt«.

The Age und The Australian machten mit:

»Noch nie dagegewesene Erwärmung seit 1950«

 

Die Geschichte wurde auf allen Kanälen der australischen Sender ABC 24 und ABC News gebracht. Dort behauptete Frau Gergis:

 

»In den vergangenen 1.000 Jahren gab es keine wärmere Periode in Australasien, als die seit 1950.«

Auf ABC Radio National war man sich zu »95 Prozent sicher«!  Auf ABC AM hieß es:

»Die vergangenen fünf Jahrzehnte in Australien waren die wärmsten.«

Und darüber hinaus gab es Seiten zum Thema in Science Alert, Campus DailyEco NewsThe Conversation, Real Climate und Think Progress.

 

Skeptiker haben das Papier durchgesehen, und schon nach drei Wochen hat ein Team bei Climate Audit einen so schwerwiegenden Fehler entdeckt, dass die Autoren [um Frau Gergis] ankündigten, ihr Papier sei auf Eis gelegt. Es verschwand von der Webseite der American Meteorological Society. Bei Bishop Hill steht vermutlich die beste Zusammenfassung, was das alles bedeutet und wie die Sache ans Licht kam.

 

Als Steve McIntyre um alle Daten bat, erhielt er sie nicht. Frau Gergis hat eine Vergangenheit als Klima-Aktivistin – das wollte sie kürzlich verbergen. In ihrer Biografie hatte sie stolz  darauf verwiesen, dass ihre Daten von 16 Staaten angefordert worden seien: Anforderungen von Tunesien, Kuba, Brasilien – das stimmt, aber von Kanada? – Da ist etwas nicht in Ordnung. Denn offensichtlich schätzte sie die statistische Expertise des Kanadiers Steve McIntyre nicht besonders. Sie verwies ihn wegen der Daten auf die übrigen Autoren und fügte hinzu:

»So ist das in der ›Forschung‹. Wir wünschen keinen weiteren Informationsaustausch in dieser Angelegenheit.«

 


Ob auch nur eine ihrer medialen Lautsprecher das bringen wird?

 

Im Morgenprogramm des australischen Radios hat David Karoly von der neuen Studie geschwärmt, weil ihre Stärke darin liege, dass sie mehr auf Beobachtungen als auf Computermodellierung beruhe (so allmählich spricht sich herum, dass letztere keine empirische Beweiskraft hat). Er sagte, er habe »großes Vertrauen« in die Ergebnisse. (Hat er ein gleich hohes Vertrauen in die Prognosen von der zukünftigen Erwärmung?)

 

MATTHEW CARNEY: Professor Karoly sagte, die Stärke der Studie liege mehr in ihrer Abstützung auf direkte Beobachtungen als auf den Klima-Computer-Modellen.

DAVID KAROLY: In der Wissenschaft gibt es keine absolute Sicherheit, aber wir können das mit hohem Vertrauen sagen, weil wir die Analyse der Unsicherheit für die sehr ungewöhnliche Erwärmung der letzten 50 Jahre vorgenommen haben, und sie kann nicht –  mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht – mit der natürlichen Klimavariabilität allein erklärt werden.

 

(Anmerkung der Redaktion: zum klaren und deutlich erkennbaren Einfluss der natürlichen Variation lesen Sie bitte auch den Beitrag hier.)

 

Wie halten es diese Menschen mit der Wahrheit? Gefällt es denn solchen Medien, ihren Lesern oder Zuschauern den Eindruck zu vermitteln, dass diese Ergebnisse haltbar, verlässlich und fundiert seien? Und das wo doch, schon bevor das Papier zurückgezogen wurde, viele investigative Reporter einiges merkwürdig fanden.

 

 

Und überhaupt: Hat auch nur ein Journalist harte Fragen gestellt?

 

Sehen wir mal davon ab, dass das Vertrauen in die Ergebnisse der Studie auf der Verarbeitung von Daten auf tausenderlei verschiedenen Weisen beruht, und auf 27 Proxys, von denen der Großteil noch nicht einmal alle 1.000 Jahre abdeckte, auch nicht das kontinentale Australien.

 

Die Litanei wurde immer wieder in den Medien heruntergebetet, und außer Adam Morton in The Age haben die meisten investigativen Journalisten niemals die Frage gestellt:

»Um wieviel ist es heute wärmer als vor 1.000 Jahren?«

Dann hätten sie nämlich erfahren, dass Frau Gergis gesagt hat: »um ein Zehntel Grad«(ganz schön viel, oder?) – genau gesagt: 0,09 Grad Celsius. Die Gewissheit, dass Australien vor 1.000 Jahren 0,09 Grad kühler war, stützt sich auf Beobachtungen einer Baumgruppe in Tasmanien und in Neuseeland.

 

 

Wenn wir die regionale Temperatur so genau errechnen können, warum machen wir uns dann überhaupt Gedanken über ein Netzwerk von 100 Thermometern? Wir könnten doch einfach einen Max-min-Anzeiger bei diesen Bäumen installieren und alles Übrige interpolieren, nicht wahr?

Warum überhaupt Thermometer? Wir brauchen doch eigentlich nur die Bäume? Sie sind auf ein Hundertstel Grad genau und das für einen ganzen Kontinent und für das Meer.

 

 

Wer hat so eine Studie bezahlt?

 

Die Sache hat 340.000 Dollar gekostet, es kann aber auch fast eine Million Dollar sein (das jedenfalls hat Frau Gergis 2009 vermutet. Ich kann keine offiziellen Angaben finden):

»Dem Australian Research Council’s Linkage zufolge hat das Projekt einen Gesamtwert von 950.000 Dollar und wird von Mitte 2009 bis Mitte 2012 laufen«. [Quelle: Joelle Gergis in ihrem inzwischen entfernten Webblog. Hier ist aber noch eine Sicherheitskopie: Webcite copy]

 

 

Geht es nun so in der Politik weiter?

 

Die Regierung sucht sich minderqualifizierte aktivistische Wissenschaftler und bezahlt sie dafür, dass Papiere produziert werden, die vielleicht einige Wochen der Überprüfung standhalten. Die Medien geben den Dingen gleich einen offiziellen Anstrich und bringen die Geschichte, ohne nachzuhaken. Dann bekommt die Regierung Unterstützung von »dritter Seite« für ihre Politik, anscheinend von der reinsten unparteiischen Art. Für 340.000 Dollar ist das doch ein ganz schöner Gewinn, könnte man meinen.

 

Das Original finden Sie hier.

 

Auch Fritz Vahrenholt und Andreas Lüning haben sich mit dem Papier beschäftigt.
Hier können Sie die Kritik lesen.

 

Den akademischen Lebenslauf von Dr. Joelle Gergis finden Sie hier.

 

Quelle: EIKE

 

 

Referenzen

Cook, E. R., Buckley, B. M., Palmer, J. G., Fenwick, P., Peterson, M. J., Boswijk, G. und Fowler, A. 2006. »Millennia-long tree-ring records from Tasmania and New Zealand: a basis for modelling climate variability and forcing, past, present and future. J. Quaternary Sci., Vol. 21, S 689–699. ISSN 0267-8179.  [abstract]

 

J. Gergis, R. Neukom, S.J. Phipps, A.J.E. Gallant und D.J. Karoly, »Evidence of unusual late 20th century warming from an Australasian temperature reconstruction spanning the last millennium«, Journal of Climate, 2012

 

ARC-Finanzierung: ARC Linkage Project Funding Outcomes.

[Es ist schwer, die ursprüngliche Finanzierung zu finden, diese hier beläuft sich nicht auf die 950.000 Dollar insgesamt. Sie könnte nur ein Teil der Finanzierung sein, oder eine Aufstockung oder vielleicht ist der ursprüngliche Antrag auf 950.000 Dollar nicht durchgegangen?...]

 

2606 ATMOSPHERIC SCIENCES
The University of Melbourne
LP0990151 Dr JL Gergis; Prof DJ Karoly; Prof N Nicholls; A/Prof DS Garden; Prof CS Turney; Dr AM Lorrey; Dr K Braganza; Dr RJ Allan; Miss G Skelly; Ms RJ Moran; Dr K Tan; Mr RA Neville; Dr NR Lomb

Approved Project Title Reconstructing pre-20th century rainfall, temperature and pressure for south-eastern   Australia using palaeoclimate, documentary and early weather station data.

2009 : $ 65.000
2010 : $ 117.500
2011 : $ 105.000
2012 : $ 52.500

APA(I) Award(s): 1
APDI Dr JL Gergis, Collaborating/Partner Organisation(s), Australian Bureau of Meteorology, Met Office Hadley Centre, Murray-Darling Basin Commission, Department of Sustainability and Environment, Melbourne Water , National & State Libraries Australasia, National Library of Australia, State Library of Victoria , State Library of New South Wales, Powerhouse Museum, Administering Organisation The University of Melbourne,

Summary of Linkage Projects Proposals by Primary Class Code for Funding to Commence in 2009
Updated 13 August 2009 Page 14

Project Summary
South-eastern Australia is in the grip of a severe water crisis due to the worst drought in recorded history and increasing temperatures. This landmark project brings together a team of Australia’s leading climate scientists, water managers and historians with the common goal of reconstructing south-eastern Australia’s climate history. The greatly extended record of annual rainfall and temperature variability will allow better planning for water storage and use, and improved testing of climate model simulations. Improving our understanding of the historical impacts of climate extremes on society will assist with planning for life in a hotter and drier future.

 

 


 

 

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