Saturday, 27. August 2016
15.11.2011
 
 

Bomben für Iran: der unerklärte Krieg

John Lanta

Das Trommelfeuer der Propaganda gegen den Iran erreicht weitere Höhepunkte[1] – der amerikanische Militäreinsatz auch: Drei Flugzeugträgergruppen sind in der Nähe Irans stationiert,[2] exakt die angemessene Größenordnung, um einen intensiven Bombenkrieg zu starten.

Das bringt einige dazu, von Kriegsgefahr zu sprechen, Russland äußerte bereits entsprechende Warnungen an die westlich-israelische Adresse. Tatsächlich[3] sollten wir mehrere Punkte gleichzeitig betrachten:

 

1. Die regionalstrategische Lage

Seit der erfolgreichen islamischen Revolution im Iran, die ja noch mit CIA-Unterstützung stattfand, um einer kommunistischen Machtübernahme wie in Afghanistan vorzubeugen, ist den USA einiges schiefgegangen. Khomeini erwies sich nicht als treuer Vasall und setzte die US-Botschaft außer

Gefecht und ließ in zig Bänden alle geschredderten US-Geheimdokumente veröffentlichen, die in unglaublich mühevoller Kleinarbeit wieder zusammengesetzt worden waren. Ein übler Fehlschlag für die globale US-Hegemonialpolitik, den Washington niemals vergessen will und wird – jedenfalls nicht innerhalb des jetzigen Systems. Anschließend verfolgten die USA eine lang angelegte Umzingelungsstrategie des Iran, die Bush II (George W.) mit der Besetzung Afghanistans und des Iraks sowie der noch unter Clinton begonnenen, so genannten Caspian Sea Initiative[4] perfektionieren wollte. Beachtenswert ist, dass der Redetext des US-Energieministers Pena auf der Webseite der US-Botschaft in Israel veröffentlicht ist.

Heute lässt sich klar sagen, dass dieses gesamte regionale Konzept gescheitert ist. Zusammen mit vielen anderen Staaten in der größeren Region wendet sich der Iran China zu und kann dies mit dem gesteigerten Gewicht einer Regionalmacht tun, die mit amerikanischer »Hilfe« mehr Einfluss gewonnen hat als je zuvor in den letzten 200 Jahren. Der einzig ernstzunehmende Gegner des Irans in der arabischen Welt, der Irak unter Hussein, wurde durch die USA zuvorkommenderweise ausgeschaltet. In der Menschheitsgeschichte hat sich noch keine große Macht derart selbst in die Füße geschossen. Die Anrainer des kaspischen Meeres sehnen sich nach einer umgänglicheren Großmacht – und nur die Ängste vor China stehen dessen rascherer Einfluss-Ausweitung im Wege. Ungemach droht nur aus Afghanistan, dessen Drogenbarone bereits mehr als 3.000 iranische Sicherheitskräfte getötet und in der Bevölkerung wachsende Drogensucht verursacht haben. Künftige Taliban-Herrscher stehen dem Iran aus konfessionellen Gründen ablehnend bis feindlich gegenüber. Das ist auch schon fast das einzige Positivum, das den USA aus ihrem ebenso gescheiterten Afghanistan-Abenteuer bleibt.

 

2. Regime Change – und der Weg dahin

Da erscheint es aus Sicht der US-Regierung strategisch verständlich (wenn auch aus jeder anderen Sicht politisch endgültig dumm), nach dem Scheitern der Umzingelungsstrategie nunmehr den Regierungswechsel im Iran notfalls mit Gewalt anzustreben.[5],[6] So könnten die strategischen Verluste aus dem Scheitern im Irak und in Afghanistan aus amerikanischer Sicht nachträglich zumindest teilweise geheilt werden. Hierzu ist auch die Disposition der US-Truppen zu beachten: Mit dem Abzug fast aller regulären US-Truppen aus dem Irak ging praktisch parallel eine enorme Aufstockung des Kontingents in Afghanistan einher. Jetzt steht ein Abzug aus Afghanistan an – und da wäre es offenbar enorm praktisch, diese frei werdenden Kräfte in der Region gegen den Iran einzusetzen. Denn wenn in den vergangenen beiden Jahren eine Verlegung der US-Truppen von der Westgrenze des Iran an dessen Ostgrenze stattfand, würde nunmehr tatsächlich ein echter regionaler Rückzug anstehen. Bis zur Vollendung dieses Rückzugs besteht deshalb ein Zeitfenster der größten Gefahr eines Bodenkriegs gegen den Iran.

Solange die USA nicht als Wegbereiter der iranischen Vormacht kampflos die Segel streichen, sich jedoch auch nicht in einen aussichtslosen Weltkrieg verrennen wollen, bleibt ihnen nur der Kleinkrieg an allen Fronten mit Destabilisierung Teherans. (Dass die US-Luftwaffenbasis Diego Garcia im Pazifik stark umgebaut wurde, um riesige Uranbomben auf Lafetten in B-52-Bomber verladen zu können,[7] steht dazu nicht im Widerspruch.) Dieser Kleinkrieg tobt bereits seit vielen Jahren – und hat unter Bush noch einmal erheblich zugelegt, mit Fortsetzung unter Obama. Dieser Krieg betrifft auch Syrien, denn aus einer ganzen Reihe von Gründen kann derzeit keiner der beiden Staaten dem amerikanischen Druck allein widerstehen.

Zur jetzigen US-Kriegsführung gegen Iran zählen: nächtliche Kommandoaktionen,[8] Terroranschläge[9],[10],[11], gezielte Morde[12] und Destabilisierung durch bezahlte Kurdenkämpfer[13],[14],[15],[16]. Es laufen ständig Aktionen, um iranische Exilanten zur Destabilisierung einzuspannen – über deren Verwandtschaft im Iran, die dadurch zur Mitwirkung gebracht werden soll.

Das Ganze geht Hand in Hand mit wirtschaftlichen und kulturellen Planungen: Dem Iran soll durch Embargos und andere Sanktionen jegliche Entwicklung versperrt werden, das Atomprogramm ist nur ein besonders werbefreundlicher Aufhänger. Hierin unterscheidet sich die US-Politik gegenüber dem Iran nur graduell von der gegenüber Europa, dessen Fortschritt Washington ebenfalls nicht sehr am Herzen liegt, um es gelinde zu sagen. Nicht zuletzt soll im Iran möglichst viel Chaos gestiftet werden (Naomi Klein!), auch dadurch, dass man es herbeiredet, gelegentlich durch geheimdienstlich handverlesene, bei uns im Westen staatlich besoldete Exilanten.[17]

Selbstverständlich könnten die USA diese enorme Energie[18] in freundschaftliche, regionale Perspektiven investieren – doch dann müssten die industriellen Nutznießer der bisherigen Aggression geschäftlich einen oder zwei Gänge zurückschalten. Dazu ist das US-System offenbar nicht mehr in der Lage: Obama ist zu schwach, die Geschäftselite zu gierig, die Politik insgesamt zu korrupt.

Damit ist klar, dass die USA weltpolitisch nicht vor reparablen Einbußen stehen, sondern vor einem Prozess gewaltiger Verluste, der dann nicht nur die Geschäftsinteressen der derzeitigen Elite, sondern das ganze Volk insgesamt schwer treffen könnte.

Im Fußball sagen wir, eine Mannschaft habe verdient verloren. Auch die politische Geschichte kennt solche Fälle.

 

[1] Neue Rheinische Zeitung

[2] STRATFOR

[3] The New Yorker

[4] Embassy of the United States Israel

[5] current.com; youtube

[6] Politaia

[7] herald scotland; the herald

[8] the times

[9] IRIB

[10] Süddeutsche

[11] BBC

[12] Stimme Russlands

[13] The New York Times

[14] The New York Times

[15] The New York Times

[16] The New York Times

[17] Transparency for Iran

[18] Iran Chamber Society

 

 

 


 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • Umweltschutz: Für Politiker gelten offenkundig Sonderrechte
  • Olympia 2012 und die Geheimdienste
  • Europa: Kriege, Bürgerkriege und Machtübernahmen der Militärs?
  • Verhindert Aspirin erblichen Darmkrebs?

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

USA-Tricks gegen Iran: Eine Analyse

John Lanta

Nur wenige Wochen nach dem wundersamen Attentatsversuch des Iran gegen den saudischen Botschafter in Washington, dessen Story so unglaubwürdig war, dass kein namhafter Politiker in Europa dazu Stellung nehmen wollte, erreicht uns jetzt eine Geschichte, an der man nicht so leicht vorbeikommt. Kennzeichen der Anklagen gegen den Iran wegen seines  mehr …

Massenvernichtungswaffen: Erwartet Iran gleiches Schicksal wie Irak?

Robert Parry

Die amerikanischen Medien und »unabhängige« amerikanische Rüstungsexperten hatten in fast jeder Hinsicht in Bezug auf die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak vor der amerikanischen Invasion im März 2003 falsch gelegen. Derzeit wiederholt sich dieses Schauspiel bei der Bewertung zweifelhafter Geheimdienstinformationen im Zusammenhang mit  mehr …

Droht Krieg wegen des iranischen Atomprogramms? Fakten, die Sie kennen sollten

Udo Ulfkotte

Die Islamische Republik Iran baut insgeheim eine Atombombe. Diese Nachricht aus den Reihen der Wiener Atombehörde IAEA spricht klare Worte. Der Bericht der internationalen Atom-Aufseher sorgt wieder einmal für neue Diskussionen darüber, ob und wann Israel oder andere Staaten das iranische Nuklearprogramm angreifen werden. Neben vielen  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Maya-Kalender: Erleben wir 2012 die Rückkehr der »Götter«?

Christine Weiland

2011 geht dem Ende entgegen. Das sagt uns unser Kalender, und wie in jedem Jahr werden wir am 24. Dezember seinen »Startschuss« feiern: Christi Geburt. Aber was passiert am 23. Dezember 2012?  mehr …

China: Von der Boom-Region zum Epizentrum einer neuen Wirtschaftskrise?

Michael Brückner

In China geht die Angst vor einem Mega-Crash um. Während die Europäer in Peking noch um Geld für die Pleitestaaten der Eurozone betteln, scheint sich die US-Subprime-Krise nun im Land der Mitte zu wiederholen. Eine platzende Immobilienblase, hohe Preissteigerungen, völlig undurchsichtige Kreditrisiken und eine Wirtschafts-Elite, die dem Land den  mehr …

»Braune Armee Fraktion«: Schon vor drei Monaten berichtete Kopp Exklusiv über den rechten Geheimbund

Udo Ulfkotte

Vor genau drei Monaten berichteten wir in der Druckausgabe von Kopp Exklusiv nach dem Norwegen-Massaker über ein geheimes europäisches Netzwerk. In mehreren europäischen Staaten gibt es demnach einen rechten Geheimbund, der die Massendeportation von Migranten vorbereitet und mit »Verrätern« in den Reihen der Politik brutal abrechnen will. Für all  mehr …

Droht Krieg wegen des iranischen Atomprogramms? Fakten, die Sie kennen sollten

Udo Ulfkotte

Die Islamische Republik Iran baut insgeheim eine Atombombe. Diese Nachricht aus den Reihen der Wiener Atombehörde IAEA spricht klare Worte. Der Bericht der internationalen Atom-Aufseher sorgt wieder einmal für neue Diskussionen darüber, ob und wann Israel oder andere Staaten das iranische Nuklearprogramm angreifen werden. Neben vielen  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.