
Das bringt einige dazu, von Kriegsgefahr zu sprechen, Russland äußerte bereits entsprechende Warnungen an die westlich-israelische Adresse. Tatsächlich[3] sollten wir mehrere Punkte gleichzeitig betrachten:
1. Die regionalstrategische Lage
Seit der erfolgreichen islamischen Revolution im Iran, die ja noch mit CIA-Unterstützung stattfand, um einer kommunistischen Machtübernahme wie in Afghanistan vorzubeugen, ist den USA einiges schiefgegangen. Khomeini erwies sich nicht als treuer Vasall und setzte die US-Botschaft außer
Gefecht und ließ in zig Bänden alle geschredderten US-Geheimdokumente veröffentlichen, die in unglaublich mühevoller Kleinarbeit wieder zusammengesetzt worden waren. Ein übler Fehlschlag für die globale US-Hegemonialpolitik, den Washington niemals vergessen will und wird – jedenfalls nicht innerhalb des jetzigen Systems. Anschließend verfolgten die USA eine lang angelegte Umzingelungsstrategie des Iran, die Bush II (George W.) mit der Besetzung Afghanistans und des Iraks sowie der noch unter Clinton begonnenen, so genannten Caspian Sea Initiative[4] perfektionieren wollte. Beachtenswert ist, dass der Redetext des US-Energieministers Pena auf der Webseite der US-Botschaft in Israel veröffentlicht ist.
Heute lässt sich klar sagen, dass dieses gesamte regionale Konzept gescheitert ist. Zusammen mit vielen anderen Staaten in der größeren Region wendet sich der Iran China zu und kann dies mit dem gesteigerten Gewicht einer Regionalmacht tun, die mit amerikanischer »Hilfe« mehr Einfluss gewonnen hat als je zuvor in den letzten 200 Jahren. Der einzig ernstzunehmende Gegner des Irans in der arabischen Welt, der Irak unter Hussein, wurde durch die USA zuvorkommenderweise ausgeschaltet. In der Menschheitsgeschichte hat sich noch keine große Macht derart selbst in die Füße geschossen. Die Anrainer des kaspischen Meeres sehnen sich nach einer umgänglicheren Großmacht – und nur die Ängste vor China stehen dessen rascherer Einfluss-Ausweitung im Wege. Ungemach droht nur aus Afghanistan, dessen Drogenbarone bereits mehr als 3.000 iranische Sicherheitskräfte getötet und in der Bevölkerung wachsende Drogensucht verursacht haben. Künftige Taliban-Herrscher stehen dem Iran aus konfessionellen Gründen ablehnend bis feindlich gegenüber. Das ist auch schon fast das einzige Positivum, das den USA aus ihrem ebenso gescheiterten Afghanistan-Abenteuer bleibt.
2. Regime Change – und der Weg dahin
Da erscheint es aus Sicht der US-Regierung strategisch verständlich (wenn auch aus jeder anderen Sicht politisch endgültig dumm), nach dem Scheitern der Umzingelungsstrategie nunmehr den Regierungswechsel im Iran notfalls mit Gewalt anzustreben.[5],[6] So könnten die strategischen Verluste aus dem Scheitern im Irak und in Afghanistan aus amerikanischer Sicht nachträglich
zumindest teilweise geheilt werden. Hierzu ist auch die Disposition der US-Truppen zu beachten: Mit dem Abzug fast aller regulären US-Truppen aus dem Irak ging praktisch parallel eine enorme Aufstockung des Kontingents in Afghanistan einher. Jetzt steht ein Abzug aus Afghanistan an – und da wäre es offenbar enorm praktisch, diese frei werdenden Kräfte in der Region gegen den Iran einzusetzen. Denn wenn in den vergangenen beiden Jahren eine Verlegung der US-Truppen von der Westgrenze des Iran an dessen Ostgrenze stattfand, würde nunmehr tatsächlich ein echter regionaler Rückzug anstehen. Bis zur Vollendung dieses Rückzugs besteht deshalb ein Zeitfenster der größten Gefahr eines Bodenkriegs gegen den Iran.
Solange die USA nicht als Wegbereiter der iranischen Vormacht kampflos die Segel streichen, sich jedoch auch nicht in einen aussichtslosen Weltkrieg verrennen wollen, bleibt ihnen nur der Kleinkrieg an allen Fronten mit Destabilisierung Teherans. (Dass die US-Luftwaffenbasis Diego Garcia im Pazifik stark umgebaut wurde, um riesige Uranbomben auf Lafetten in B-52-Bomber verladen zu können,[7] steht dazu nicht im Widerspruch.) Dieser Kleinkrieg tobt bereits seit vielen Jahren – und hat unter Bush noch einmal erheblich zugelegt, mit Fortsetzung unter Obama. Dieser Krieg betrifft auch Syrien, denn aus einer ganzen Reihe von Gründen kann derzeit keiner der beiden Staaten dem amerikanischen Druck allein widerstehen.
Zur jetzigen US-Kriegsführung gegen Iran zählen: nächtliche Kommandoaktionen,[8] Terroranschläge[9],[10],[11], gezielte Morde[12] und Destabilisierung durch bezahlte Kurdenkämpfer[13],[14],[15],[16]. Es laufen ständig Aktionen, um iranische Exilanten zur Destabilisierung einzuspannen – über deren Verwandtschaft im Iran, die dadurch zur Mitwirkung gebracht werden soll.
Das Ganze geht Hand in Hand mit wirtschaftlichen und kulturellen Planungen: Dem Iran soll durch
Embargos und andere Sanktionen jegliche Entwicklung versperrt werden, das Atomprogramm ist nur ein besonders werbefreundlicher Aufhänger. Hierin unterscheidet sich die US-Politik gegenüber dem Iran nur graduell von der gegenüber Europa, dessen Fortschritt Washington ebenfalls nicht sehr am Herzen liegt, um es gelinde zu sagen. Nicht zuletzt soll im Iran möglichst viel Chaos gestiftet werden (Naomi Klein!), auch dadurch, dass man es herbeiredet, gelegentlich durch geheimdienstlich handverlesene, bei uns im Westen staatlich besoldete Exilanten.[17]
Selbstverständlich könnten die USA diese enorme Energie[18] in freundschaftliche, regionale Perspektiven investieren – doch dann müssten die industriellen Nutznießer der bisherigen Aggression geschäftlich einen oder zwei Gänge zurückschalten. Dazu ist das US-System offenbar nicht mehr in der Lage: Obama ist zu schwach, die Geschäftselite zu gierig, die Politik insgesamt zu korrupt.
Damit ist klar, dass die USA weltpolitisch nicht vor reparablen Einbußen stehen, sondern vor einem Prozess gewaltiger Verluste, der dann nicht nur die Geschäftsinteressen der derzeitigen Elite, sondern das ganze Volk insgesamt schwer treffen könnte.
Im Fußball sagen wir, eine Mannschaft habe verdient verloren. Auch die politische Geschichte kennt solche Fälle.
[1] Neue Rheinische Zeitung
[2] STRATFOR
[3] The New Yorker
[4] Embassy of the United States Israel
[5] current.com; youtube
[6] Politaia
[7] herald scotland; the herald
[8] the times
[9] IRIB
[10] Süddeutsche
[11] BBC
[12] Stimme Russlands
[13] The New York Times
[14] The New York Times
[15] The New York Times
[16] The New York Times
[17] Transparency for Iran
[18] Iran Chamber Society
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