Monday, 26. September 2016
05.08.2013
 
 

US-Senator John McCain will wegen Snowden einen neuen Kalten Krieg vom Zaun brechen

Kurt Nimmo

Am Donnerstag kritisierte der republikanische Senator aus Arizona und frühere republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain Russland scharf dafür, dem Whistleblower Edward Snowden für ein Jahr befristetes Asyl zu gewähren und damit die Regierung der Vereinigten Staaten daran zu hindern, den früheren NSA-Analysten der gleichen Behandlung wie Bradley Manning unterziehen zu können.

»Die heutige Entscheidung Russlands ist eine Schande und ein bewusster Versuch, die USA in Verlegenheit zu bringen. Sie ist ein Schlag ins Gesicht aller Amerikaner. Jetzt ist es an der Zeit, unsere Beziehungen zum Russland unter Putin grundsätzlich zu überdenken. Wir haben es mit

einem Russland zu tun, das nicht das Russland ist, das wir uns vielleicht wünschen. Wir können das heutige Vorgehen Putins nicht einfach ohne ernstes Nachspiel zulassen.«

 

Wie könnten denn solche »ernsten Reaktionen« aussehen? Zusätzlich zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands will McCain die Zeit des Kalten Krieges durch den aggressiven Auf- und Ausbau eines »Raketenabwehrsystems« an den russischen Grenzen aufleben lassen. »Wir sollten uns verstärkt dafür stark machen, alle Phasen unseres Raketenabwehrsystems in Europa zum Abschluss zu bringen und schnell eine weitere Runde der NATO-Erweiterung einleiten, die auch Georgien mit einschließen sollte«, erklärte er.

 

Bereits 2011 hatten die republikanischen Senatoren Jon Kyl, James Risch, Mark Kirk und James Inhofe den damaligen Verteidigungsminister Robert Gates in einem Schreiben aufgefordert, die Regierung Obama sollte eine im Zusammenhang mit dem Raketenabwehrsystem stehende Radarstation doch lieber in Georgien und nicht in der Türkei stationieren. »Wir sind der Auffassung, die geografische Lage der Republik Georgien eignet sich ideal als Stationierungsort für ein Raketenabwehrradar gegen den Iran und bietet für den Schutz der USA vor Langstreckenraketen im Vergleich mit der Türkei deutliche Vorteile«, schrieben die Senatoren. Zumal sich das Land, wie es weiter heißt, »bereits als einer der loyalsten Verbündeten bei der NATO-Mission in Afghanistan« erwiesen habe.

 

Die Erwähnung des Irans in diesem Zusammenhang ist offensichtlich ein Ablenkungsmanöver. In verschiedenen Untersuchungen des Pentagons wird »die Fähigkeit eines in Europa eingesetzten amerikanischen Raketenabwehrsystems, die USA vor iranischen ballistischen Raketen zu schützen, infrage gestellt« schrieb Wladimir Kosin, Mitglied einer behördenübergreifenden Arbeitsgruppe aus dem Umfeld der russischen Regierung, die mit der NATO über das Problem des Raketenabwehrsystems diskutiert. »Moskau und Washington sollten sich ein für allemal verpflichten, keinen atomaren Erstschlag gegen den jeweils anderen zu führen und ihre Raketenabwehrsysteme nicht in der Nähe der Grenze des anderen aufzustellen.«

 

In seiner Erklärung ruft McCain auch dazu auf, sich in die russische Innenpolitik einzumischen und das Land dafür zu bestrafen, Michail Chodorkowski, jenen Erdöloligarchen, der, wie F. William Engdahl schrieb, »in der von westlichen Geheimdiensten gesteuerten Operation, die darauf abzielte, das, was von Russland noch als funktionierendem Staatswesen übrig geblieben war, zu zerschlagen, eine Schlüsselrolle spielte«, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt zu haben.

 

Chodorkowski war auch maßgeblich an dem Versuch »einer von den USA unterstützten Machtübernahme beteiligt, die für die russischen Parlamentswahlen geplant war. Chodorkowski sollte dabei seinen enormen Reichtum dazu einsetzen, so viele Sitze in der zukünftigen Duma zu kaufen, dass es möglich wäre, die russischen Gesetze hinsichtlich der Eigentümerschaft an Erdölvorkommen und an Pipelinesystemen zu ändern. Darüber hinaus wollte er direkt als Gegenkandidat Putins auftreten und der nächste russische Präsident werden«, schreibt Engdahl weiter.

 

McCain selbst steht im Dienst der Finanzelite, und daher ist es nur natürlich, dass er den Fall Chodorkowski dazu benutzt, Russland anzugreifen. Chodorkowski verfügt über Verbindungen zu Henry Kissinger und Lord Jacob Rothschild, und seine Stiftung Open Russia orientiert sich an der Stiftung Open Society von George Soros, die dazu diente, in den früheren Sowjetrepubliken sogenannte »farbige Revolutionen« zu initiieren und zu fördern. In Usbekistan z.B. wurde die Soros-Einrichtung geschlossen, und Tadschikistan warf der Open Society-Organisation im Land Korruption und Vetternwirtschaft vor.

 

McCain versucht aber noch aus einer anderen prominenten Persönlichkeit Russlands, Alexei Nawalny, Kapital zu schlagen. Nawalny wird in russischen Medienberichten gerne als männliches russisches Gegenstück zu der amerikanischen Rechtsanwaltsgehilfin Erin Brockovich [-Ellis] bezeichnet, die bei einem Prozess gegen die Verseuchung des Trinkwassers durch das Unternehmen PG&E eine wichtige Rolle spielte und als Beispiel für den scheinbar aussichtslosen, aber dann doch erfolgreichen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner präsentiert wird. Nawalny selbst wurde vor Kurzem von einem russischen Gericht wegen Unterschlagung zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. »Der charismatische Nawalny aber wird … oder wurde von der Washingtoner Stiftung National Endowment for Democracy (NED), die an der Destabilisierung von Regimen beteiligt ist, finanziert«, schreibt Engdahl an anderer Stelle. Nach einem Eintrag in Nawalnys eigenem Blog Live Journal wurde er zwischen 2007 und 2008 von der NED unterstützt. Bankiers aus Boston bezahlten auch die kostspieligen Reisen eines anderen Putin-Gegners, Boris Nemzow, zum Weltwirtschaftsforum in Davos, was unterstreicht, wo dessen eigentliche Loyalitäten liegen.

 

McCains Effekthascherei ist lediglich ein weiteres Kapitel der wieder auflebenden Versuche, Spannungen mit Russland hervorzurufen. Auf dem Treffen der Bilderberger 2012 stand das Thema Russland, wie zu hören war, in den Diskussionen der Elite ganz oben auf der Tagesordnung. »An der Bilderberger-Konferenz nahmen 2012 mit Anatoli Tschubais und Garri Kasparow zwei führende Putin-Gegner aus dem politischen Lager teil«, berichtete Wayne Madsen im vergangenen Juni. Weiter hieß es dort:

 

»Von der Mehrheit der Russen wird Tschubais als führende Kraft der vollständigen Privatisierung der früher sowjetischen und dann russischen Staatsunternehmen unter der Präsidentschaft Boris Jelzins und dessen Regierung von Ministerpräsident Wiktor Tschernomyrdin beschimpft. Zu den Hauptnutznießern dieser Privatisierung gehörte eine Handvoll russischer Unternehmer, die in kurzer Zeit zu milliardenschweren Oligarchen aufstiegen. Viele dieser Oligarchen befinden sich nun in russischen Gefängnissen oder zogen das Exil in Großbritannien oder Israel vor, um einer Strafverfolgung in Russland zu entgehen. Heute steht Tschubais an der Spitze des Unternehmens Rusnano, einer der führenden russischen Firmen im Bereich Nanotechnologie.

 

Auf dem Bilderberger-Konklave in Chantilly traf Tschubais mit den Räuberbaronen der Wall Street wie dem früheren Goldman-Sachs- und Citigroup-Vorstand und ehemaligem Finanzminister unter Bill Clinton, Robert E. Rubin, dem Vorstandschef von Goldman Sachs International, Peter Sutherland, dem Vorstandschef von Kohlberg Kravis Roberts & Co., Henry Kravis, und dem früheren Direktor des einflussreichen Office of Management and Budget (OMB) unter Obama und derzeitigem stellvertretenden Citigroup-Vorstandschef Peter Orszag zusammen.« (Ebenda.)

 

Und um den kaum versteckten Appell zur Erneuerung der militärischen Spannungen mit Russland und die Forderung, Putin solle gefälligst die Oligarchen freilassen, die mit der Wall Street und der Finanzelite insgeheim zusammenarbeiten, abzurunden, stimmt dann die politische Klasse in Gestalt McCains noch ein Loblied auf die russische Bevölkerung an: »Und wir sollten, und das ist vielleicht das Wichtigste, im Interesse der vielen Menschen in Russland die Stimme erheben, die in immer stärkerem Maße den Mut entwickeln, sich auf friedliche Weise für größere Freiheit, ausgeprägtere Rechenschaftspflicht und Rechtsstaatlichkeit in Russland einzusetzen.«

 

 

 

 


 

 

 

 

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