Wednesday, 24. August 2016
16.12.2013
 
 

Werden die Saudis amerikanische Panzerabwehrwaffen an salafistische Söldner in Syrien liefern?

Kurt Nimmo

Sieht sich Saudi-Arabien in seiner dünnbesiedelten Wüstenmonarchie einem furchteinflößenden Feind gegenüber? Wie auch immer, vor Kurzem bestellte das Land rohrgestartete, optisch verfolgte, drahtgelenkte Panzerabwehrlenkwaffen vom Typ BGM 71 TOW 2A/2B mit Funkkommando-Lenkung (RF) sowie entsprechende Ausrüstung, Ersatzteile sowie Unterstützung bei der Unterweisung und der Logistik im Wert von fast einer Milliarde Dollar, wie einer Pressemitteilung des amerikanischen Verteidigungsministeriums zu entnehmen war.

 

Wörtlich heißt es dort:

»Das Königreich Saudi-Arabien plant den Kauf von 9650 BGM-71-2A- rohrgestarteten, optisch verfolgten, drahtgelenkten (TOW) mit Funkkommando ausgestatteten Raketen; von 4145 BGM-71-2B- rohrgestarteten, optisch verfolgten, drahtgelenkten (TOW) mit Funkkommando ausgestatteten Aero-Raketen; von 91 TOW-2A-Fly-to-Buy-Raketen; von 49 TOW-2B-Fly-to-Buy-Raketen sowie entsprechender Behälter, Teile und Ersatzteile, von Unterstützungsausrüstung, Werkzeugen und Testausrüstung, Handbüchern und technischen Beschreibungen, der Ausbildung des Bedienpersonals und von Ausbildungsausrüstung, von ingenieurtechnischen Dienstleistungen durch die Regierung und Vertragspartner sowie von technischer Unterstützung und anderen damit zusammenhängenden logistischer Unterstützung und Programmunterstützung. Der Preis beläuft sich auf 900 Millionen Dollar.

Der geplante Verkauf leistet einen Beitrag zur Außenpolitik der USA und fördert deren nationale Sicherheit, indem die Sicherheit eines wichtigen Partners gestärkt wird, der ein wichtiger Faktor für politische Stabilität im Nahmittelosten war und weiterhin sein wird.

Der geplante Verkauf wird das Ministerium der Nationalgarde die auch polizeiliche Aufgaben im Inland wahrnimmt bei seinen Verteidigungsaufgaben und seinen Missionen zur Terrorbekämpfung unterstützen. Der Verkauf wird die Fähigkeiten Saudi-Arabiens erhöhen, gegenwärtigen und zukünftigen Bedrohungen durch gepanzerte Fahrzeuge des Feindes erfolgreich zu begegnen. Saudi-Arabien wird diese verbesserten Fähigkeiten als Abschreckung gegen regionale Bedrohungen und zur Stärkung der Heimatverteidigung einsetzen. Saudi-Arabien verfügt bereits über TOW-Raketen und wird die zusätzlichen Raketen problemlos in seinen Bestand integrieren können.

Der geplante Verkauf dieser Ausrüstung und entsprechender Unterstützung wird das grundlegende militärische Gleichgewicht in der Region nicht verändern.«

Letzteres hängt natürlich davon ab, wie man den Begriff der »Region« definiert. Wenn Syrien Teil dieser Region ist, d.h. des Nahmittelostens, dürfte dieser Verkauf das »grundlegende militärische Gleichgewicht« kippen.

 

 

Neokonservative reagieren reflexartig, wenn Araber zu den Empfängern teurer Waffengeschäfte gehören. So hieß es im Magazin Foreign Policy (FP):

»›Es handelt sich hier um eine große Anzahl Raketen, darunter auch die modernsten Versionen der TOWs rohrgestartete, optisch verfolgte, drahtgelenkte Raketen‹, sagte Jeffrey White, Fellow am Washington Institute for Near East Policy (WINEP) und früherer Nachrichtendienstanalyst des Militärgeheimdienstes Defense Intelligence Agency. ›Das Problem ist nur: Wer ist die Bedrohung?‹«

Das Washington Institute for Near East Policy ist ein gemeinsamer Tummelplatz von Demokraten, bei denen Israel im Zentrum ihrer Politik steht, und noch maßloseren Neokonservativen.

 

Wenn es nicht gegen bunt zusammengewürfelte jemenitische Rebellen oder um die eher unwahrscheinliche Aussicht eines irakischen Angriffs geht, wie es vor der ersten amerikanischen Invasion der Fall war (man erinnere sich nur an Dhahran Billet), gibt es keinen hinreichenden Grund für den Kauf einer so großen Menge an Waffen … es sei denn, man hat Syrien im Blick. David Kenner (FP) schreibt:

»Allerdings benötigt ein Verbündeter Saudi-Arabiens dringendst Panzerabwehrwaffen: die syrischen Rebellen. In der Vergangenheit kam Riad dieser Verpflichtung gerne nach: Es kaufte früher Panzerabwehrwaffen von Kroatien und lieferte sie dann auf verborgenen Wegen an die gegen Assad kämpfenden Aufständischen. Gegenwärtig bildet das Land in Jordanien syrische Rebellen aus und versorgt sie mit Waffen. Der Londoner Terrorismus- und Aufstandsexperte Charles Lister berichtete, die Rebellen hätten mehr als 100 chinesische Panzerabwehrraketen erhalten, die über die jordanische Grenze geschmuggelt wurden – und tatsächlich ist in vielen Videos zu sehen, wie die syrischen Rebellen diese Waffen gegen Baschar al-Assads Panzer einsetzen.«

Aber Kenner erwähnt eines nicht: Diese hochmodernen Waffen sollen nicht an die ausgemusterte Freie Syrische Armee geliefert werden. Stattdessen gehen sie an fanatische Salafisten, die Art von Leuten, die Ungläubigen liebend gern den Kopf abschlagen und Journalisten entführen.

 

In den vergangenen Monaten, so berichtete die Nachrichtenagentur UPI, haben die Saudis – aus Frustration über die amerikanische Untätigkeit, das Scheitern der List mit den syrischen Chemiewaffen und die Annäherung zwischen dem Iran und den Fünf plus Eins – damit begonnen, »eine neue Allianz aus islamistischen Rebellen in Syrien unter der Führung eines prosaudischen Kriegsherrn aufzubauen, die die von den USA unterstützte Freie Syrische Armee verdrängen soll«.

 

Der Nahmittelostexperte Michael Weiss schrieb im Beiruter Internetportal Now Lebanon, Riad habe »umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um Washington in Bezug auf Syrien zu umgehen, indem es einen Kader neuer Schützlinge in Form radikaler salafistischer Rebellen aktiviert habe, die sich nun unter dem Banner einer Armee des Islam versammelten… Die Saudis haben etwa ›50 Brigaden‹ und einige Tausend Kämpfer im Rahmen einer neuen Struktur aufgestellt, die von Zahran Alloush, dem Chef der Gruppe Liwa al-Islam (›Banner des Islam‹) oder auch Jaysh al-Islam (›Armee des Islam‹), der einflussreichsten Salafisten-Brigade der neuen Einheit, angeführt wird«.

 

Wie man sich erinnern wird, schloss sich die Liwa al-Islam, die sich nun »Jaysh al-Islam« nannte, mit einem Dutzend anderer islamistischer Gruppen, darunter enttäuschte Elemente der Freien Syrischen Armee, zusammen und kritisierte die amerikanische Strategie zum Sturz Assads in einem Kommuniqué. Man lehnte die Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte und die geplante Exilregierung unter Ahmed Thomeh ab und rief alle militärischen und zivilen Kräfte auf, sich gehorsam unter dem »islamischen System«, auf der Grundlage der »Scharia als einziger Quelle des Rechts« zu vereinigen, wie Aron Lund für Syria Comment schrieb.

 

Die neuen Waffen werden mit anderen Worten in die Hände von al-Qaida oder, genauer gesagt, in die Hände von Gruppen fallen, die derselben Ideologie wie al-Qaida anhängen und die gleiche Terrortaktik verfolgen.

 

Allerdings steht Saudi-Arabien vor einem Dilemma: Es darf keine Waffen, die es von den USA erhalten hat, an dritte Parteien weitergeben. »Die Saudis können diese amerikanischen Panzerabwehrraketen nicht direkt an die Rebellen weitergeben. Washington hat strikte Gesetze dagegen erlassen«, schreibt Kenner. »Empfängern amerikanischer Waffenlieferungen ist es untersagt, Waffen an eine dritte Partei ohne ausdrückliche Genehmigung der amerikanischen Regierung weiterzugeben, was im Falle Saudi-Arabiens keineswegs garantiert ist. Angesichts der gewachsenen Befürchtungen Washingtons, radikale islamistische syrische Rebellen könnten in dem Konflikt die Oberhand gewinnen, was dann am 12. Dezember zur Einstellung der nichttödlichen Unterstützung der syrischen Rebellen führte, würde eine solche Genehmigung sicherlich nicht erteilt.«

 

Bekanntlich unterstützen die USA und die Golfmonarchien verdeckt oder nicht ganz verdeckt al-Qaida in Syrien. Das frühere Al-Qaida-Mitglied Scheich Nabil Naiim berichtete darüber im Juni. Bereits im Oktober 2012 räumte niemand anderer als die New York Times ein, der Großteil der Waffen für die Rebellen gehe »an die radikalen islamischen Dschihadisten und nicht an die eher säkularen Oppositionsgruppen, die der Westen eigentlich unterstützen wolle, erklärten amerikanische Regierungsvertreter und Diplomaten aus dem Nahmittelosten«, hieß es in der Zeitung.

 

Vielleicht wird Saudi-Arabien zunächst darauf verzichten, Panzerabwehrwaffen an al-Qaida und andere radikale Salafisten-Gruppen in Syrien weiterzugeben, aber es wird ohne Zweifel Wege finden, fanatische Islamisten weiterhin zu unterstützen – mit inoffizieller Unterstützung der USA.

 

Aber angesichts der sich ständig verschlechternden Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den USA und insbesondere seit der Annäherung zwischen den USA und dem Iran könnte es dennoch letztlich zu einer Weitergabe kommen.

 

Die salafistischen Gruppen »sind diejenigen, die wissen, wie man kämpft«, erklärte Halil Karaveli, Senior Fellow am Central Asia-Caucasus Institute and Silk Road Studies Program Joint Center
gegenüber dem Sender Voice of Russia Ende 2012. »Sie haben Kampferfahrung aus Afghanistan und anderen Kampfgebieten mitgebracht, und sie sickern aus Afghanistan, dem Jemen und dem Kaukasus nach Syrien ein. Syrien wird zum Sammelplatz für Dschihadisten. Natürlich ist der Gewinn für sie auch immens hoch, wenn es ihnen gelingt, die Basis für eine neue al-Qaida mitten in der arabischen Welt und dem muslimischen Nahmittelosten zu errichten – das wäre ein großer Erfolg und ihr größter Sieg bisher für al-Qaida.«

 

Es ist allgemein bekannt, oder sollte es mindestens sein, dass die USA mithilfe pakistanischer Geheimdienste und Saudi-Arabiens die afghanischen Mudschahedin, die später zu al-Qaida und den Taliban wurden, finanzierten und ausbildeten. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass sich dieses Muster solange wiederholen wird, bis das Endziel erreicht ist: Die arabische und muslimische Welt, einschließlich insbesondere des persischen Irans, ist zu einer schwelenden und balkanisierten Ödnis geworden, die auf ewig durch immer wieder aufflackernde und geschürte sektiererische und religiöse Konflikte zerrissen wird.

 

 

 

 


 

 

 

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