Thursday, 26. May 2016
04.02.2012
 
 

Der »arabische Frühling«: Was die Massenmedien uns 2011 verschwiegen haben

Laura Küchler

KOPP-Autor Andreas von Rétyi legt mit Unzensiert 2012. Was die Massenmedien Ihnen verschweigen ein Jahrbuch der ganz besonderen Art vor. Wie der Untertitel des Buches bereits verrät, bringt er Licht in die Verdunkelungsversuche der Massenmedien. Welche Fakten also konnten wir den großen Magazinen, Tages- und Wochenzeitungen und dem Fernsehprogramm im vergangenen Jahr nicht entnehmen? Jedem Monat ordnete Wissenschaftsjournalist von Rétyi zwei Themen zu, zu denen die Bürger und Bürgerinnen entweder nur einen bestimmten Teil aus der Standardpresse erfuhren – oder gar nichts. Was hatte es also wirklich mit dem heißdiskutierten »arabischen Frühling« auf sich?

Andreas von Rétyi hat Recht, wenn er schreibt, dass 2011 genauso spannend begann wie sein Vorgänger. Ein Thema, welches den Januar in den Medien geradezu beherrschte, hatte bereits am 17. Dezember 2010 seinen Ausgang genommen. Die Ereignisse dieses Tages sollten der Auslöser sein für die mittlerweile als »Arabellion« bezeichneten »Revolutionen« in der arabischen Welt. Was aber war geschehen? Wir erinnern uns: An diesem Schicksalstag machte sich ein 26 Jahre alter Gemüsehändler aus Tunesien auf den Weg zu einer Polizeipräfektur. Mohamed Bouazizi war zu allem entschlossen, hatte er sich doch bereits zuvor an genau dieser Stelle darüber beschweren wollen, dass eine Frau ihn in einer Auseinandersetzung über eine Geldbuße geohrfeigt hatte. Diese

 

Demütigung brachte für ihn das Fass zum Überlaufen. Er übergoss sich vor der Präfektur mit Benzin und zündete sich an. Mit schwersten Verbrennungen lieferte man ihn ins Krankenhaus ein. Dort verstarb er jedoch am 4. Januar 2011. Weder medizinische Hilfe noch der hohe Besuch des tunesischen Despoten Zine el-Abidine Ben Ali, der den Angehörigen aus Gründen der Schadensbegrenzung dreist einen Betrag von umgerechnet etwa 10.000 Euro bot, konnte ihn retten. Der einfache Gemüsehändler wurde zur Symbolfigur der zweiten Jasminrevolution.

 

Nur zehn Tage nach dem Tod des zum Märtyrer stilisierten Mannes musste der einst so mächtige Ben Ali aus dem Land fliehen, seine Regierung wurde aufgelöst. Was aber geschah wirklich an diesem Dezembertag? War Bouazizi wirklich ein arbeitsloser Akademiker, umfassend politisch gebildet und engagiert, der nur als Gemüsehändler arbeitete, um seine Familie durchzubringen? Aus welchem Grund verbrannte er sich, wollte er mit seiner Verzweiflungstat auf Probleme wie beispielsweise die hohe Jugendarbeitslosigkeit aufmerksam machen? So zumindest wurde es überwiegend in unseren westlichen Medien dargestellt.

 

Bei Andreas von Rétyi hingegen können wir folgendes erfahren: »Doch die Familie selbst erzählt eine völlig andere Geschichte. Dieser zufolge sorgte Mohamed Bouazizi zwar für deren Lebensunterhalt und ermöglichte sich selbst das Abitur, wenn auch kein Studium. Dass er jedoch besonders politisch gewesen sei, könne sie keineswegs bestätigen.« Weiterhin stellt die Familie die Selbsttötung Bouazizis als »einen schrecklichen Unfall« dar, ausgelöst durch einen kleinen Funken aus einem Feuerzeug. Nun, was nun wirklich geschah, werden wir nicht mehr detailliert herausfinden können, fest steht jedoch: Hier ist tatsächlich ein Funke übergesprungen. Von Rétyi nennt es eine »Initialzündung«, die »einen Flächenbrand« zur Folge hatte.

 

Dem kann nicht widersprochen werden. Denn was in diesem Dezember unsere mediale Weihnachtsruhe gefährdete, sollte das Jahr 2011 bestimmen wie kaum etwas anderes, die arabische Welt war in Brand geraten, nach und nach weiteten sich die Proteste auf Algerien, Ägypten, das Königreich Bahrain, Syrien, Libyen und viele andere Staaten der Region aus. In vielen Ländern kam es zu heftigen Demonstrationen, andere, beispielsweise Marokko und Saudi-Arabien, versuchten Reformen durchzuführen und Preise für Lebensmittel zu senken, um das Schlimmste zu verhindern.

 

Die von uns mit einigem Abstand betrachteten Geschehnisse liefen allerdings relativ geordnet und friedlich ab, was nicht grundsätzlich zu erwarten gewesen wäre, wenn so viele Staaten gleichzeitig derartigen Protestwellen ausgesetzt sind. Auch der Autor von Unzensiert 2012 stellt die berechtigte Frage: »Wie konnte es kommen, dass hier eine Nation nach der anderen aufbegehrte und es im Großen und Ganzen zu relativ friedlichen, weitgehend unblutigen Umstürzen kam?«

 

Nun, zunächst ist die Nutzung moderner Kommunikationsplattformen wie Facebook, Twitter oder SMS zu nennen. Über Kurznachrichten und Beiträge im Internet konnten Treffpunkte vereinbart und Demonstrationen organisiert werden, der Kontakt der einzelnen Protestler wurde also auf eine virtuelle und damit schwer fassbare Ebene verlegt. Den alten Machthabern fiel es sichtlich schwer, dem entgegenzuwirken, während sich der ganze Westen gleich in Lobeshymnen auf eine Art »virtuelle Emanzipation« verlor. Denn im Internet sind alle Menschen gleich, »User« ist »User«. Ob Amerikaner, Europäer, Araber oder Chinese, jeder kann teilnehmen und seine Meinung (zumindest in der Theorie) frei mitteilen. Doch ist es wirklich so einfach? Andreas von Rétyi sieht das anders und stellt in Unzensiert 2012 einige logische Betrachtungen an, die – gelinde gesagt – ein etwas anderes Licht auf den vermeintlichen Freiheitskampf werfen:

 

»Andererseits wäre aber genau aufgrund des katalytischen Effekts jener neuen Medien wohl eher auch mit einer exponentiellen Steigerung der Unruhen zu rechnen gewesen, im Sinne einer Radikalisierung, die dann aber zum großen Teil ausblieb. Auch schien das von einigen Staatsführungen praktizierte komplette Abschalten des Internets keine spürbaren Auswirkungen, das heißt: keine Veränderungen und vor allem Abschwächungen, mit sich zu bringen. Eigentlich wäre davon auszugehen gewesen, dass die weiteren Abläufe deutlich weniger koordiniert erfolgen, durch die insgesamt entstehende Unsicherheit mangels bisher gewohnter Kommunikationswege. Die zusätzliche Verärgerung der Massen wegen eines solchen weiteren, einschneidenden Willkürakts hätte ebenfalls zumindest sichtliche Veränderungen bewirken müssen, wenn auch nicht unbedingt eine weitere Radikalisierung. Doch nichts dergleichen.«

 

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen schreibt der Autor auch über den amerikanischen Autor Webster G. Tarpley, für den feststeht, dass die Ereignisse der »Arabellion« eindeutig von der CIA gelenkt und gesteuert wurden. Seine Gedanken veröffentlichte er etwa ein halbes Jahr nach dem Ausbruch der Unruhen ebenfalls auf KOPP online, der lesenswerte Artikel ist hier zu finden. Tarpley zeigt darin an anschaulichen Beispielen, wie oft die Öffentlichkeit bereits mit rein fiktiven Geschichten ausgetrickst und manipuliert wurde, nur damit die Bürger sich beispielsweise mit Kriegsplänen der Regierungen anfreunden konnten. Alles natürlich unter nett klingenden Deckmäntelchen, begleitet von beinahe anrührend anmutenden Aussagen der großen Politik.

 

Von Rétyi zitiert unter anderem US-Präsident Barack Obama, der im Mai 2011 einen Satz sagte, der mit Sicherheit einige Gutgläubige zu Tränen rührte: »Wir haben die Chance zu zeigen, dass Amerika die Würde eines Straßenverkäufers in Tunesien höher achtet als die rohe Macht des Diktators.« Gleichzeitig stattfindende geheime Luftangriffe gegen Staaten wie Afghanistan, den Irak, Pakistan, Libyen und den Jemen achten natürlich die Würde der dort lebenden Bevölkerung, außerdem sind sie laut Obama gar keine feindseligen Handlungen, zumindest nicht, wenn es nach dem Präsidenten der USA geht. Diese Kampfhandlungen wollte er nämlich vom War Powers Act ausklammern, über den wir in Unzensiert 2012 das Folgende lesen können: »Der War Powers Act, ein Gesetz aus dem Jahr 1973, verpflichtet den US-Präsidenten dazu, vom Kongress innerhalb von 60 Tagen die Genehmigung für einen Militäreinsatz einzuholen oder aber die Truppen in einem Zeitraum von maximal 90 Tagen abzuziehen. Das Gesetz war aus den Erfahrungen des Vietnamkriegs entstanden, wird aber von US-Präsidenten geradezu gewohnheitsmäßig ignoriert, da es angeblich den präsidentiellen Verfassungsrechten zuwiderlaufe.«

 

Wir stellen also fest, dass bei den Protesten, die uns von den Mainstreammedien als Bewegungen für Freiheit und Demokratie verkauft wurden, nicht nur solch noble Gesinnungen beteiligt waren. Viele Ungereimtheiten und offensichtlich gefälschte Berichte lassen auf die Beteiligung ganz anderer Machtgebilde an dem so hochgelobten »arabischen Frühling« schließen. Über die sich unsere »Qualitätsjournalisten« jedoch weiter beharrlich ausschweigen.

 

 


 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

  • SOS Finanzamt: Wie Bürger zu »gläsernen Melkkühen« werden
  • Vorsicht: Deutsche Auslandsrentner im Visier des Fiskus
  • GEZ künftig als Orwellsche Kontrollbehörde
  • Sonnenenergie: Zeitbomben auf Hausdächern

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Geopolitisches Schachbrett: Teile, erobere und beherrsche den »neuen Nahen und Mittleren Osten«

Mahdi Darius Nazemroaya

Der Ausdruck »Arabischer Frühling« ist ein Schlagwort, das in weit entfernten Büros in Washington, London, Paris und Brüssel von Personen oder Gruppen erfunden wurde, die sehr wenig über die Araber wissen und keinesfalls über irgendwelches Expertenwissen über die Region verfügen. Was sich derzeit in den arabischen Bevölkerungen entwickelt, besitzt  mehr …

Weg mit der Demokratie: Aus dem arabischen Frühling wird ein islamistischer Winter

Udo Ulfkotte

Wie haben unsere Medien gejubelt, als überall in der arabischen Welt Revolutionen Hoffnungen auf nahende »demokratische« Reformen weckten. All jene, die vor dem Erstarken des Islamismus warnten, galten als »islamophobe« Spielverderber. Heute ist das Ergebnis absehbar. Das einzige, was nun in der arabischen Welt auf dem Vormarsch ist, ist der Hass  mehr …

Die Ermordung Gaddafis durch »Rebellen«: von vorne bis hinten eine NATO-Operation

Mike Adams

Am Donnerstag, dem 20.Oktober 2011, wurde Muammar al-Gaddafi, Revolutionsführer der libyschen arabischen Dschamahiriyya, in seiner libyschen Heimatstadt Sirte ermordet. Die genauen Umstände seines Todes sind immer noch in mysteriöses Dunkel gehüllt und die vorliegenden unterschiedlichen Berichte widersprechen sich. Aber nach einhelliger  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Verschwiegene Wahrheiten: Antworten von Zeitzeugen zur »Kollektivschuld«

Michael Brückner

Die »deutsche Schuld« – eine historische Hypothek, die auch noch künftigen Generationen aufgebürdet wird? Unter den vielen Büchern, die sich mit dem Thema »Kollektivschuld« auseinandersetzen, sticht eines hervor: Die faktenreiche Recherche von Professor Konrad Löw. In seinem umfassenden Werk Deutsche Schuld 1933 – 1945? lässt er bisher ignorierte  mehr …

Weg mit der Demokratie: Aus dem arabischen Frühling wird ein islamistischer Winter

Udo Ulfkotte

Wie haben unsere Medien gejubelt, als überall in der arabischen Welt Revolutionen Hoffnungen auf nahende »demokratische« Reformen weckten. All jene, die vor dem Erstarken des Islamismus warnten, galten als »islamophobe« Spielverderber. Heute ist das Ergebnis absehbar. Das einzige, was nun in der arabischen Welt auf dem Vormarsch ist, ist der Hass  mehr …

Geopolitisches Schachbrett: Teile, erobere und beherrsche den »neuen Nahen und Mittleren Osten«

Mahdi Darius Nazemroaya

Der Ausdruck »Arabischer Frühling« ist ein Schlagwort, das in weit entfernten Büros in Washington, London, Paris und Brüssel von Personen oder Gruppen erfunden wurde, die sehr wenig über die Araber wissen und keinesfalls über irgendwelches Expertenwissen über die Region verfügen. Was sich derzeit in den arabischen Bevölkerungen entwickelt, besitzt  mehr …

Die Ermordung Gaddafis durch »Rebellen«: von vorne bis hinten eine NATO-Operation

Mike Adams

Am Donnerstag, dem 20.Oktober 2011, wurde Muammar al-Gaddafi, Revolutionsführer der libyschen arabischen Dschamahiriyya, in seiner libyschen Heimatstadt Sirte ermordet. Die genauen Umstände seines Todes sind immer noch in mysteriöses Dunkel gehüllt und die vorliegenden unterschiedlichen Berichte widersprechen sich. Aber nach einhelliger  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.