Thursday, 25. August 2016
22.11.2015
 
 

Amerikas Hegemonie und Europas Platz auf dem Schachbrett

Markus Gärtner

Man lese ganz langsam und mit höchster Aufmerksamkeit die folgenden Sätze: Europa ist ein »Brückenkopf für Amerika« zur Kontrolle der Eurasischen Landmasse, die nach Osten durch Russland und China bis an den Pazifik reicht. Eine »moralische Sinnkrise schwächt Europas Lebenskraft«. Und dieser Satz: »Zu den neuen Problemen Europas, sei es die Zuwanderung, oder die wirtschaftlich-technologische Wettbewerbsfähigkeit mit Amerika oder Asien …. können nur in einem zunehmend kontinentalen Kontext bewältigt werden.«

 

Diese drei Sätze liest man in keiner führenden Mainstream-Zeitung in Deutschland. Denn im Sprachgebrauch der Propaganda unserer Leitmedien sind die Thesen nur »Verschwörungstheorien«. Ja, sie sind »rechtspopulistisch«.

 

Doch sie stammen von der grauen Eminenz unter den außenpolitischen Strategen der USA: Zbigniew Brzeziński. Er war in den 60er-Jahren Berater von Lyndon B. Johnson, später auch Sicherheitsberater von Jimmy Carter. Und er ist wichtigster geopolitischer Berater von Barack Obama.

 

Was Brzeziński sagt, hat nicht nur großes Gewicht, denn ihm lauschen die wichtigsten Ohren im US-Kongress und im Weißen Haus. Seine Analysen haben Eingang in die wichtigsten außenpolitischen Drehbücher der USA gefunden – immer wieder.

 

Daher ist es umso erstaunlicher, was Brzeziński in seinem 1997 herausgegebenen Buch The Grand Chessboard. American Primacy and its Geostrategic Imperatives geschrieben hat. Das Buch ist auf Deutsch jetzt im Kopp Verlag mit dem Titel »Die einzige Weltmacht – Amerikas Strategie der Vorherrschaft« erhältlich.

 

Kein Wunder, dass es in diesen Wochen enormes Interesse weckt. Denn es liest sich wie die verschwörerische Gebrauchsanweisung für alle größeren Entwicklungen, die wir in Europa seit dem Fall der Berliner Mauer gesehen haben:

 

Die Osterweiterung der NATO, der Stellvertreterkrieg in der Ukraine, die Aufwiegelung der Europäer durch die USA gegen Russland inklusive Sanktionen, der aktuelle Flüchtlingsstrom nach Deutschland und die Anschläge der Islamisten des IS gegen europäische Städte.

 

So, wie Schachgroßmeister viele Züge im Voraus denken, so hat Brzeziński vor fast zwei Jahrzehnten akribisch genau notiert – und damit angekündigt –, worum es den USA in Europa geht:

 

Wachsender Einfluss von Washington auf ein zunehmend zentralisiertes Europa, damit Russland und China in Schach gehalten werden können; starkes Einwirken auf den deutschen Vasallen, um den Einigungsprozess der EU nicht ins Stocken kommen zu lassen, weil »die deutsche Vorstellung von einer europäischen Ordnung nationalistischere Züge annehmen würde«; Europa nach Osten erweitern, um »für die Demokratie ein Sprungbrett« zu errichten, das »für die Sicherheit  Amerikas von unmittelbarer Relevanz ist«.


Dabei sehen die USA die Europäer als wirtschaftlich ausgezehrten Kontinent, der im Unterschied zum agilen Amerika, das weltweit mit allen Mitteln an der »Verbreitung demokratischer Prinzipien« arbeitet, »gleichgültig« und »geistig leer« wirkt.

 

Brzeziński äußerte schon vor 18 Jahren in weiser Vorausahnung die Furcht, dass dieses »kulturell lethargische Europa« von »nationalistischen Extremisten oder dogmatischen Ideologen für deren Zwecke« ausgenützt werden könnte. Hätte es damals schon den Islamischen Staat gegeben, Brzeziński hätte ihn in seiner Aufzählung garantiert nicht vergessen.

 

Die von ihm genannten Extremisten sind jetzt religiös motivierte Terroristen; die Osterweiterung von EU und NATO hat seitdem Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien erfasst; und die Ukraine hat sich der Brzeziński-Prognose folgend als Schlüsselprojekt der bisherigen Ostpolitik von USA und NATO erwiesen.

 

Ich kenne kein Buch, das so offen und schonungslos die amerikanischen Motive, die Pläne und die Einschätzungen für den Umgang mit Europa offenlegt. Wer sich immer noch fragt, wer oder was Angela Merkel bei ihrer nach außen hin völlig chaotischen, aber in Wahrheit strikten  Flüchtlingspolitik so unter Druck setzt, der muss nur die Seiten 94 bis 105 in diesem eminent entlarvenden Buch nachlesen.

 

Das gilt einschließlich der amerikanischen Urangst vor einem Scheitern dieser Pläne, ein geeintes Europa als besser kontrollierbaren Block für die Politik gegenüber den neuen geopolitischen Rivalen Russland und China aufzustellen und einzusetzen.

 

Für den Fall eines Scheiterns dieser »Bemühungen« sah Brzeziński schon im vorletzten Jahrzehnt »die Neuauflage einiger recht traditioneller Winkelzüge« vorher. Gemeint ist damit, dass Russland und Deutschland ihrem »geopolitischen Geltungsdrang freien Lauf« lassen würden, wie Brzeziński es formulierte.

 

Russland bezahlt derzeit schwer dafür, dass es sich diese Leine nicht hat umlegen lassen. Und Deutschland zahlt NOCH schwerer dafür, indem es einen Teil seines Vermögens wegwirft, um die wirtschaftlich marode Südperipherie mangels politischer Lösungen durchzufüttern und den Flüchtlingsstrom nach Westeuropa jetzt fast alleine zu stemmen, weil die meisten Nachbarn Zäune errichtet haben oder sich schlicht weigern, die vereinbarten Flüchtlingsquoten einzuhalten – oder beides.

 

Das Buch ist spannend und in einer Deutlichkeit geschrieben, die man sich aus dem Mund eines führenden deutschen Politikers schon gar nicht mehr zu erträumen wagt. Es ist prophetisch, entlarvend, skrupellos in seiner Offenheit und garantiert für die oberste Reihe im heimischen Buchregal bestimmt, ob seiner Aktualität und Weitsicht.

 

Wer je daran gezweifelt hat, dass die politische Kaste in Berlin bis hin zu den Grünen an der Leine der Atlantischen Leitmacht marschiert, der bekommt hier  von einem, der die Leine mitkonstruiert hat, die schonungslos offene Bestätigung.

 

 

 

 

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