Wednesday, 24. August 2016
17.04.2015
 
 

Aus Bloggern werden im Info-Blitzkrieg Terroristen

Markus Gärtner

Legen die USA den Grundstein für eine systematische Verfolgung kritischer Autoren im Internet? Oder gesteht sich die Regierung in Washington lediglich ein, dass die eigene Propaganda nicht richtig funktioniert? Wie auch immer die Antwort lautet: Das Imperium macht sich bereit, massiv zurückzuschlagen, gegen alle, die die offizielle Deutung und Verlautbarung aktueller Politik abweichend einschätzen.

 

Darauf deutet eine Anhörung des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im US-Repräsentantenhaus an diesem Mittwoch hin. Die Webseite PrisonPlanet und der Blogger Tyler Durden auf ZeroHedge sind nur zwei, die darüber berichtet haben.

 

In der Ausschuss-Sitzung mit dem Titel »Gegen Russlands Informations-Krieg« wurde dem russischen Kanal »RT« vorgeworfen, Verschwörungstheorien systematisch zu sammeln und als Waffe gegen die USA einzusetzen.

 

Angehört wurde unter anderem die ehemalige RT-Moderatorin Liz Wahl, die den Sender im vergangenen Jahr verließ. Sie warf dem Internet vor, als Plattform für »Stimmen am Rand« und »Extremisten« zu fungieren.

 

Menschen, die die offizielle Darstellung von Entwicklungen und Ereignissen anzweifeln, bezeichnete Wahl als »Kult«. Einen Vergleich des obersten amerikanischen Rundfunk-Regulierers Andrew Lack – er hatte im Januar RT als eine Bedrohung so gefährlich wie der »Islamische Staat« bezeichnet − hält die ehemalige RT-Moderatorin für »angebracht«.

 

Im Verlauf der Anhörung im US-Kongress wurde kollektiv beklagt, dass Diskussionsforen und soziale Plattformen im Internet »die Diskussion steuern« und das Web zu einem Leuchtturm für »Desinformation, falsche Theorien und Menschen geworden ist, die lediglich versuchen, sich einen Namen zu machen«.

 

Der Ausschussvorsitzende Ed Royce hat demnach YouTube-Teilnehmer beschuldigt, »rohe Gewalt« anzuwenden, um ihre »Verschwörungstheorien zu verbreiten«.

 

Ein zweiter »Zeuge« vor diesem Ausschuss war Peter Pomerantsev vom amerikafreundlichen Legatum Institute in London, dem bekannte Mainstream-Journalisten angehören:

 

Pomerantsev behauptete, Verschwörungstheorien wären nicht mehr länger Randerscheinungen, sondern Kräfte, die politische Parteien und Figuren wie Jean-Marie Le Pen in Frankreich zum Durchbruch verhelfen.

 

Sie würden nicht nur »die globale Ordnung herausfordern«, sondern auch große Institutionen aushöhlen.

 

Alle zur Anhörung geladenen Zeugen in dieser Ausschuss-Sitzung waren scharfe Russland-Kritiker. Die ganze Veranstaltung war so einseitig, dass selbst der Republikaner Dana Rohrabacher aus Kalifornien sich wünschte, »wir hätten wenigstens einen Zeugen von der Gegenseite gehabt«, um die Veranstaltung etwas ausgewogener zu gestalten.

 

Die Anhörung in Washington ist ein eindeutiger Beweis, dass die politische Kaste mit dem von George W. Bush ausgegebenen Motto − «wer nicht für uns ist, ist gegen uns« − nicht mehr durchkommt.

 

Die monatelange Propaganda von immer neuen russischen Panzern und Invasionen in der Ukraine zum Beispiel, die auch in deutschen Mainstream-Medien ein ums andere Mal nachgebetet wurde – glaubt im Internet kaum noch jemand.

 

Die Anhörung zeigt aber auch, was Hillary Clinton, die sich am Wochenende als Kandidatin für die nächste Präsidentenwahl empfahl, schon vor zwei Jahren eingestanden hatte: Die USA sind dabei, »den Info-Krieg zu verlieren«.

 

Jetzt werden die Weichen für eine Gegenattacke gestellt. Unabhängig vom Ausgang stehen die ersten Opfer schon fest. Blogger und soziale Plattformen werden dazugehören. Kritische Autoren im Internet müssen sich warm anziehen und sich darauf einstellen, künftig wie Terroristen behandelt zu werden.

 

Ganz klar: Die politischen und militärischen Eliten im Westen machen hier eine zusätzliche Front nach Waffenlieferungen, Cyberkrieg und wirtschaftlichen Sanktionen auf. Das hat Mitte März schon der NATO-Oberkommandierende General Philip Breedlove deutlich gemacht, als er im Konflikt mit Russland eine informelle Blitzkrieg-Strategie für das Internet forderte.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (71) zu diesem Artikel

19.04.2015 | 23:16

@ Schlawiner

Wenn Ihnen zum Auswandern das nötige Geld fehlt, so empfehle ich Ihnen die allseits bewährte Lösung, mit der sie mehrere Tausender monatlich erhalten: http://gg.gg/wf3j


19.04.2015 | 12:43

Dieter

18.04.2015 | 23:20
Basil Geoffey,
leider wurde mein letzter Beitrag nicht freigeschaltet. Versuche es später nochmal


19.04.2015 | 10:31

Basil Geoffrey

Frieden - die Masernimpfung wurde in den 1960er Jahren eingeführt, in Deutschland etwas später. Für Todeszahlen sind aus dieser Zeit. Schauen Sie sich die Statistiken an bevor Sie etwas von vergangenen Jahrhunderten erzählen. Und harmlos sind Masern eben nicht. Als Analoge: Autofahren ist harmlos, trotzdem verenden die meisten Menschen einen Sicherheitsgurt.


19.04.2015 | 07:22

edmundotto

@ben, was das nachbrabbeln von Internetunsinn angeht, genau diese Informationen sind nicht aus dem Netz und der Stil, in dem Sie sich äußern, gibt mir keinen Anreiz, diese Quellen hier darzustellen. Ich habe auch nicht die Wahrheit gefressen, die erkennt jeder für sich selbst. Die Aussage M. Thatcher betreffend bleibt für mich relevant, ebenso, was die nachrichtendienstlichen Tätigkeiten der Alliierten angeht. Auch ist der 2plus4 Vertrag kein Friedensvertrag, informieren Sie sich...

@ben, was das nachbrabbeln von Internetunsinn angeht, genau diese Informationen sind nicht aus dem Netz und der Stil, in dem Sie sich äußern, gibt mir keinen Anreiz, diese Quellen hier darzustellen. Ich habe auch nicht die Wahrheit gefressen, die erkennt jeder für sich selbst. Die Aussage M. Thatcher betreffend bleibt für mich relevant, ebenso, was die nachrichtendienstlichen Tätigkeiten der Alliierten angeht. Auch ist der 2plus4 Vertrag kein Friedensvertrag, informieren Sie sich doch ´mal über die Zusätze von Genscher und dem polnischen Außenminister. @Basil G., die größere Meinungsfreiheit besteht wohl sicherlich in den USA, nur stellt das keine große Macht mehr dar. Die Öffentlichkeit wird wie bei uns über die Medien am Gängelband geführt und hat meines Erachtens keinen großen Einfluß auf Geopolitik, Finanzpolitik oder Außenpolitik.


19.04.2015 | 00:21

Aufgewachter

Die Deutschen brauchen ein eigenes Social Network 27 Millionen von 81 Millionen Menschen in Deutschland haben ein Facebook-Konto. Keiner der 27 Millionen Facebook-User hat es jemals ein einziges Mal geschafft eine Nachricht zu teilen, um alle 27 Millionen Deutschen zu erreichen. Solange die Deutschen die IT-Plattformen ihrer Besatzer nutzen, solange werden sie zensiert und uninformiert bleiben müssen. Freie IT-Kräfte aller Deutschen vereinigt Euch, es geht um unsere Zukunft und...

Die Deutschen brauchen ein eigenes Social Network 27 Millionen von 81 Millionen Menschen in Deutschland haben ein Facebook-Konto. Keiner der 27 Millionen Facebook-User hat es jemals ein einziges Mal geschafft eine Nachricht zu teilen, um alle 27 Millionen Deutschen zu erreichen. Solange die Deutschen die IT-Plattformen ihrer Besatzer nutzen, solange werden sie zensiert und uninformiert bleiben müssen. Freie IT-Kräfte aller Deutschen vereinigt Euch, es geht um unsere Zukunft und die unserer Kinder. https://aufgewachter.wordpress.com/2015/04/16/die-deutschen-brauchen-ein-eigenes-social-network/


18.04.2015 | 23:20

Basil Geoffey

Dieter - ich kritisiere die Verherrlichung Rußlands bei gleichzeitiger Verteufelung des Westens durch die Autoren und Kommentatoren hier.

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