Friday, 26. August 2016
30.09.2014
 
 

Der nächste Sargnagel für den Dollar: In Shanghai startet direkter Handel mit dem Euro

Markus Gärtner

China wird am heutigen Dienstag direkten Devisenhandel zwischen dem Yuan und dem Euro aufnehmen. Der Euro wird nach dem US-Dollar, dem Australischen- und Neuseeland-Dollar sowie dem britischen Pfund und dem Yen die sechste Währung, die in Shanghai direkt gegen die auch Renminbi (Volksgeld) genannte Währung gehandelt wird.

 

Damit wird von der Führung in Peking ein weiterer Nagel in den Sarg des Dollars geschlagen. Peking baut mit rasantem Tempo den Yuan zu einer Handels- und Reservewährung auf. Im August rangierte Chinas Währung an siebter Stelle unter den Abrechnungswährungen für den Welthandel.

Mehr als jede dritte Bank auf der Welt verwendet für Transaktionen ihrer Firmenkunden mit China den Yuan, heißt es bei der Society for Worldwide International Financial Telecommunications. »Dies ist ein ganz frischer neuer Schritt in der Internationalisierung des Yuan«, sagt Liu Dongliang, ein Analyst bei der China Merchants Bank in Shenzhen.

 

Hintergrund dieses zusätzlichen Meilensteins in der Ausbreitung des Yuan ist der rasch wachsende Handel zwischen China und der Europäischen Union. Deren Warenaustausch wuchs in den ersten acht Monaten des Jahres um zwölf Prozent auf 404 Milliarden Dollar an, meldet der chinesische Zoll. Der Handel zwischen der EU und China war damit 14 Prozent umfangreicher als Chinas Handel mit den USA.

 

Inzwischen nutzen 26 Prozent der französischen und 23 Prozent der deutschen Firmen im Chinageschäft den Yuan. Nur in Taiwan und Hong Kong sind das mehr Firmen. Nach einer Devisen-Swap-Vereinbarung mit der Chinesischen Volksbank kann die Europäische Zentralbank jederzeit bei heftigen Devisenschwankungen 350 Milliarden Yuan (rund 57 Milliarden Dollar wert) zur Stabilisierung einsetzen. Umgekehrt kann Chinas Notenbank kurzfristig auf 45 Milliarden Euro zugreifen.

 

Seit mehr als einem halben Jahrhundert regiert der US Dollar die Finanzwelt auf dem Globus. Der Greenback ist der unumstrittene Champion an den Devisenmärkten, die täglich über fünf Billionen Dollar bewegen. Mehr als 80 Prozent des weltweiten Handels werden in der US-Währung abgerechnet.

 

Doch der Yuan hat im laufenden Jahrzehnt schon 22 Konkurrenten als Abrechnungs-Währung im Welthandel überholt. Mindestens 40 Notenbanken bis hin nach Afrika und Südamerika haben begonnen, ihren Devisenreserven auch Yuan beizumischen. Deutsche Banken bieten Firmenkunden, die mit China Handel treiben, Renminbi-Konten an.

 

Zuerst Hong Kong, dann Singapur, Taiwan, London und Frankfurt – und im Juli 2014 auch die Schweiz − haben Vereinbarungen mit der chinesischen Notenbank geschlossen, um als Drehscheiben für die Aufsteiger-Währung zu fungieren. Große westliche Firmen, darunter Volkswagen, haben in Asien bereits auf Yuan lautende Anleihen ausgegeben.

 

Die wachsende Kette von Handelsplätzen − sowie Chinas Aufstieg zur neuen Supermacht im Welthandel − treiben den Siegeszug des Yuan mächtig an. 2012 war China der größte Handelspartner für 124 Länder, gegenüber 76 für die USA.

 

Einen sensationellen Meilenstein markierte Chinas Währung, als sie im Oktober 2013 zur Finanzierung von 8,7 Prozent des Welthandels verwendet wurde und damit sowohl den Yen als auch den Euro abhängte. Das war eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr.

 

Laut SWIFT, das Kommunikationssystem der Banken für Auslandszahlungen, stieg der Yuan im Dezember 2013 hinter dem Dollar zur zweitwichtigsten Handelswährung überhaupt auf. In Asien hat er bereits die Führungsrolle übernommen. Und im Devisenhandel legte der Renminbi in den drei Jahren bis 2013 um 300 Prozent auf 120 Milliarden Dollar Umschlag pro Tag zu, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich im September 2013 berichtete.

 

Europa steuert laut der HSBC übrigens den größten Teil zum rasanten Aufstieg des Renminbi als Handelswährung bei. Das ist eine Folge des boomenden Handels zwischen China und der EU. Laut SWIFT machten Transaktionen von Händlern und Firmen in London mit Vertragsparteien in Hong Kong und China Ende 2013 schon 28 Prozent des weltweiten Offshore-Verkehrs mit dem Renminbi aus. Laut der HSBC sollen bis 2015 ein Drittel von Chinas gesamtem Außenhandel und die Hälfte des Außenhandels der Volksrepublik mit Schwellenländern in Renminbi abgerechnet werden.

 

Manche Experten sagen vorher, dass es noch zwei Jahrzehnte dauern kann, bis der Yuan voll konvertibel wird und dem Dollar als Reservewährung das Wasser abgräbt. Doch dieser Angriff läuft auf Hochtouren. Das Ziel könnte viel schneller erreicht werden. Denn die jüngsten Konflikte auf der Welt – sowie die gravierende Veränderung der Weltkarte für Energie mit immer neuen Milliarden-Deals zwischen China und Russland, die in Yuan abgerechnet werden – beschleunigen die Wachablösung. Der »Redback« wird den Greenback viel schneller vom Thron stoßen.

 

Chinas Top-Banken haben vorexerziert, mit welchem Tempo so etwas gehen kann. Nach ihren Börsengängen bis 2005 sammelten sie 70 Milliarden Dollar ein und brauchten dann weniger als zehn Jahre, um vier Plätze in der Top Ten der weltgrößten Banken zu erobern. China zeigt in jüngster Zeit enorme Eile, die starke Dominanz des Dollars zu brechen. Mit US-Anleihen für knapp 1,3 Billionen Dollar ist das Land der größte ausländische Gläubiger der USA und könnte bei einem Kollaps des Greenbacks enorm viel Geld verlieren. Nicht nur das: Die Volksrepublik würde von einer weiteren deutlichen Aufstockung ihrer Devisenreserven nicht mehr zusätzlich profitieren.

 

Darauf wies im November 2013 Yi Gang hin, der zweite Mann in Chinas Notenbank. Das war aber nur der zweite deutliche Warnschuss in Richtung Dollar, den China Ende 2013 abfeuerte. Der Erste war ein schroffer Kommentar in der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Darin wurden eine »de-amerikanisierte Welt« und eine »Ablösung des Dollars als Leitwährung« offen von China gefordert.

 

Das war eine offene Kampfansage an das Dollar-Regime. Begründet wurde sie mit dem Vorwurf, die USA missbrauchten ihren Status als Supermacht und würden als Herausgeber der führenden Reservewährung auf der Welt skrupellos ihr Risiko in den Rest der Welt exportieren. Damit war nicht nur die massive Geldschöpfung der US-Notenbank gemeint, die rund um den Globus die Preise für Energie, Immobilien und Wertpapiere nach oben treibt und den Boden für die nächste Finanzkrise bereitet.

 

Es ist kein Zufall, dass nur vier Monate nach dieser prominenten Ohrfeige für den Dollar auch das Band, in dem der Wechselkurs des Renminbi täglich schwanken darf, auf zwei Prozent in beide Richtungen verdoppelt wurde. Die Schlagzahl für die Liberalisierung des Wechselkurs-Regimes wurde damit drastisch erhöht.

 

In Europa dürften sich manche noch an einen berühmten Spruch des damaligen amerikanischen Finanzministers John Connally Anfang der 70er-Jahre gegenüber Besuchern aus Europa erinnern: »Der Dollar ist unsere Währung, aber Euer Problem«, hatte der US-Politiker kaltschnäuzig gesagt. Doch inzwischen hat sich der Spieß umgedreht.

 

Jetzt ist der Dollar vor allem das Problem der USA. Denn die Supermacht ist dabei, eines ihrer größten Privilegien aufs Spiel zu setzen. Mit dem Dollar als Weltleitwährung kann sich das Land seit Jahrzehnten beliebig im Rest der Welt verschulden und seinen hohen Lebensstandard mit Ersparnissen der Asiaten und Europäer finanzieren.

 

Das ist das, was Valéry Giscard d´Estaing, Frankreichs Präsident von 1974 bis 1981, einst als Amerikas »außerordentliches Privileg« bezeichnete. Dieses Privileg ist jetzt ernsthaft in Gefahr. Was für die USA auf dem Spiel steht, ist einfach zu verstehen und dramatisch: Verliert der Dollar seinen Status, verliert das Land die Möglichkeit, mit gedrucktem Geld die Schulden im Ausland zu bezahlen. Das amerikanische Motto »unsere Party, Euer Geld« hat dann ausgedient.

 

 

 

 

.

Leser-Kommentare (19) zu diesem Artikel

01.10.2014 | 15:26

Atahualpa

Sadam Hussein wollte bereits Öl gegen Euro direkt handeln.Ghadafi wollte eine afrikanische Währung auf Goldbasis einführen und als Ölwährung einsetzen.Was aus beiden geworden ist,ist bekannt. Die Frage ist ,wie die USA sich nun gegenüber China verhalten werden.Es gibt leider nur eine Möglichkeit.Krieg.


30.09.2014 | 23:41

Rudolf-Robert Davideit

Wieso vs. Warum darf man auf den Schmaren eines Abraham Silberschmied nicht mehr direkt antworten?
HOLOCAUST-Versicherung?


30.09.2014 | 20:56

Polartag

Die Typen von der City of L. müssen sich ja den Bauch halten vor Lachen, wie fein sie uns hier an der Nase in den Ring führen. Nicht nur das zwei Selbstmörder vom Dach springen und wir die Zukunftsfähigkeit des einen, an der Kondition des anderen messen, nein wir glauben tatsächlich im Rubel- oder Yuangeschäft hat die CoL via "FED" nicht die Finger drin. Ein kurzer Film genüg dazu: "Nikolai Starikov - Das...

Die Typen von der City of L. müssen sich ja den Bauch halten vor Lachen, wie fein sie uns hier an der Nase in den Ring führen. Nicht nur das zwei Selbstmörder vom Dach springen und wir die Zukunftsfähigkeit des einen, an der Kondition des anderen messen, nein wir glauben tatsächlich im Rubel- oder Yuangeschäft hat die CoL via "FED" nicht die Finger drin. Ein kurzer Film genüg dazu: "Nikolai Starikov - Das Zentralbanksystem" https://www.youtube.com/watch?v=BKYT2VsIBVQ - Wirklich hübsche Banknoten haben die vatikanischen "Square Mile"-Banker da bereits schon damals für das neue Russland in ihrer Übersee-Filiale gedruckt: http://dbelyaev.ru/swastika-on-banktonah-provisional-government-13953.html Komisch, irgendwie kenn´ ich das Wasserzeichen-Logo, fällt mir im Moment nur nicht gerade ein, wo ich das schon einmal gesehen habe. - Schon bemerkenswert, das man auch heute noch in die US-Archive einbrechen müßte um die echten damaligen Finanzverstrickungen offenlegen zu können. Andere Verstrickungen jedoch, wie bspw. die (rattigen) "Klosterrouten" liegen ja immerhin schon offen vor uns...;-)


30.09.2014 | 20:45

Rudolf-Robert Davideit

Wieder so´ne Gärtnerische Blendgranate, sprich Trostpflaster für die deutschen Zahlmeister, sprich Steuerzahler!


30.09.2014 | 18:27

abraham silberschmied

Anfrage an die SPD/CDU Bundesregierung: Warum benötigen wir das Transatlandische Handelsabkommen TTIP? Es dient nur dazu, die protektionistische Politik der USA gegen alles ANTI-Amerikansiche zu zementieren.


30.09.2014 | 17:07

Dieter D

Die Propagandakrieger von „die Welt" schreiben exakt am selben Tag, heute, wie toll doch der Dollar ist. Die Stärke des Dollars hat enorm zugenommen wegen den super Wirtschaftserfolgen. Na iss klar. http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article132751939/Supermacht-USA-demonstriert-was-der-Dollar-kann.html

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Großalarm in Peking: Hong Kong könnte Flächenbrand gegen das Regime starten

Markus Gärtner

Chinas Zensoren arbeiten fieberhaft, um ein Überschwappen der eskalierenden Proteste in Hong Kong auf das chinesische Festland zu verhindern. Sollte dies geschehen, droht der Volksrepublik ein Flächenbrand, der die Kommunistische Partei aus dem Sattel werfen und die zweitgrößte Volkswirtschaft in eine tiefe Depression treiben könnte. Für die  mehr …

Russland verhandelt mit China über neues SWIFT-Abkommen

F. William Engdahl

Russland und China, die beiden strategisch wichtigen Länder Eurasiens, sind offenbar dabei, sich endgültig aus dem Würgegriff des Dollars zu befreien. Am 10. September führten beide Seiten Gespräche über die Einrichtung eines Interbank-Clearing-Systems unabhängig vom US-kontrollierten Zahlungssystem SWIFT. Wenn es tatsächlich dazu kommt, wäre dies  mehr …

Der erste Sargnagel für den Petrodollar: Gazprom akzeptiert Yuan und Rubel als Zahlungsmittel für Erdöllieferungen

Tyler Durden

Als Russland und China im Mai dieses Jahres den seit Langem erwarteten Vertrag über umfangreiche Erdgaslieferungen unterzeichneten, waren einige enttäuscht, dass trotz der hohen symbolischen Bedeutung dieses Abkommens, das den Anfang vom Ende der weltweiten Vorherrschaft des Petrodollars markierte, weder Russland noch China erklärten, die  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

»Muslime dulden auf Dauer keine Nichtmuslime«

Detlef Kleinert

Der pensionierte ARD-Korrespondent Detlef Kleinert begann seine berufliche Laufbahn beim Bayerischen Fernsehen. Er war unter anderem Südosteuropakorrespondent der ARD. Im nachfolgenden Artikel, der auch in der Wiener Zeitung Die Presse erschien, nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er fragt sich, warum die Christenverfolgung in der islamischen  mehr …

Großalarm in Peking: Hong Kong könnte Flächenbrand gegen das Regime starten

Markus Gärtner

Chinas Zensoren arbeiten fieberhaft, um ein Überschwappen der eskalierenden Proteste in Hong Kong auf das chinesische Festland zu verhindern. Sollte dies geschehen, droht der Volksrepublik ein Flächenbrand, der die Kommunistische Partei aus dem Sattel werfen und die zweitgrößte Volkswirtschaft in eine tiefe Depression treiben könnte. Für die  mehr …

Morphing im »Terminator-Stil«: Neue Technologien mit Flüssigmetall

Andreas von Rétyi

Wie jetzt in einer wissenschaftlichen Fachpublikation veröffentlicht wurde, haben amerikanische Wissenschaftler einen wesentlichen Schritt hin zu einer Technologie getan, die weitgehend noch als Utopie gilt. Metalle werden mittels einer angelegten elektrischen Spannung dazu gezwungen, verschiedene Formen anzunehmen. Was will man damit erreichen?  mehr …

Gold: Ein guter Kapitalschutz

Redaktion

Kopp Online im Gespräch mit Dr. Bruno Bandulet, der auch auf dem Kopp-Kongress »Das geheime Wissen der Goldanleger« am 04.10.2014 in der Filderhalle in Leinfelden bei Stuttgart referieren wird. Der Grandseigneur der deutschen Edelmetallszene und Autor von Büchern wie Das geheime Wissen der Goldanleger oder Vom Goldstandard zum Euro – Eine deutsche  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.