Saturday, 1. October 2016
13.08.2014
 
 

Die Schaltzentrale für den Kampf gegen Ebola steht im Pentagon

Markus Gärtner

Das heimliche Hauptquartier für den Kampf gegen Ebola steht im Pentagon. Das wird durch die Entstehung des angeblichen Wundermittels ZMapp deutlich. Mit dem experimentellen Serum wurden der amerikanische Arzt Kent Brantly und die Missionarin Nancy Writebol in Atlanta – und der inzwischen verstorbene spanische Priester Miguel Pajares – behandelt. ZMapp ist ein Produkt aus dem engmaschigen und langjährig erprobten Netzwerk von Militärlabors, Universitäten, Pharmakonzernen und Tabakindustrie. In diesem Orbit dirigiert und finanziert das US-Militär unter anderem die Vorbereitung und die Abwehrmaßnahmen für den Einsatz von Biowaffen in einem großen Krieg.

 

Die Herstellung und die Wirkungsweise von ZMapp weist auf diesen Ursprung eindeutig hin. ZMapp ist kein herkömmlicher Impfstoff, sondern ein künstlich hergestellter Immunstoff, dessen vorproduzierte Antikörper sich an das Ebola-Virus heften und dem befallenen Körper eine sofortige Abwehrreaktion erlauben. Im militärischen Einsatz an der Front kommt es auf Minuten oder wenige Stunden an.

Der zweite wichtige Unterschied zu herkömmlichen experimentellen Medikamenten (noch keines ist zugelassen, keines verspricht Erfolg) gegen Epidemien wie Ebola ist, dass im Falle ZMapp die Antikörper durch spezielle Bakterien in Tabakpflanzen eingeschleust werden, die in kurzer Zeit die Produktion größerer Mengen davon im Treibhaus erlauben.

 

Für diesen Teil der Produktion ist bei ZMapp die Kentucky BioProcessing in Owensboro zuständig, eine Tochter des Tabakriesen Reynolds American. BioProcessing wurde erst im Januar von Reynolds übernommen und hat vom Pentagon Millionen von Dollar für die Entwicklung bekommen.

 

Als Host-Pflanze dient die Tabak-Spezies Nicotiana benthamiana. Tabak ist in diesem Falle ein gutes Vehikel, weil er nicht teuer ist und in großen Mengen rasch produziert werden kann. Er kostet nur einen Bruchteil der bisher stets gezüchteten Zellkulturen. Und laut Reynolds-Sprecher David Howard »dauert es nur etwa eine Woche nach der Infizierung der Pflanze, bis die Antikörper extrahiert werden können«.

 

Zunächst schleusen Forscher von Mäusen gebildete Antikörper mit dem Virus in die Tabakpflanze. Das Virus verhält sich wie ein kleines trojanisches Pferd und transportiert das veränderte Gen in die Zellen. Tabakzellen, die mit dem Virus und dem aufgesetzten Gen infiziert werden, produzieren den benötigten Antikörper in großen Mengen. Dann werden die Tabakblätter geerntet und die Antikörper extrahiert. Der ZMapp-Antikörper heftet sich nach Verabreichung an die Ebola-Viren und deaktiviert sie.

 

Klinisch ist dieses Verfahren jedoch noch nicht getestet. Das noch unlizenzierte und bislang nur an Tieren erprobte Mittel besteht aus drei monoklonalen Antikörpern. Zwei von ihnen wurden jahrelang am nationalen mikrobiologischen Laboratorium Kanadas in Winnipeg entwickelt.

 

Das dritte stammt vom U.S. Army Medical Research Institute of Infectious Diseases, Insidern bekannt unter der Abkürzung »USAMRIID«. Dieses Armeelabor für ansteckende Krankheiten hatte im vergangenen Jahr mit einem anderen Mittel, MB-003, Versuche an Ebola-infizierten Affen durchgeführt. Die Tiere, die eine Stunde nach der kontrollierten Infizierung immunisiert wurden, überlebten ausnahmslos. Versuchstiere, die später behandelt wurden, überlebten zum großen Teil.

 

In einer Vergleichsgruppe, die von den USAMRIID-Militärwissenschaftlern nicht behandelt wurden, starben alle Tiere. Dem US-Arzt Kent Brantly wurde ZMapp erst neun Tage nach dem Auftauchen der ersten Symptome verabreicht. Ein anderes Mittel, das TKM-Ebola, das von der kanadischen Tekmira Pharmaceuticals entwickelt worden war, bekam im März von der US Food and Drug Administration (FDA) grünes Licht für eine schnellere klinische Erprobung. Das Produkt ist das Ergebnis eines 140-Millionen-Dollar-Auftrags vom Pentagon.

 

Dessen Repräsentanten treten fast immer, wenn es um Epidemien und leicht übertragbare Erreger geht, vor Ort auf, mal als zivile Experten, mal als Soldaten. USAMRIID-Vertreter sind auch in Liberia vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen und die Verbreitung des Ebola-Virus zu studieren.

 

Für das Pentagon ist das Ebola-Virus schon wegen seiner extremen Ansteckung und wegen der hohen Mortalitätsraten bis zu 90 Prozent interessant. Seine stabile Natur und die Möglichkeit, es durch Versprühen zu verbreiten, machen es zu einer potenziellen biologischen Waffe. In Westafrika sind bisher über 1000 Opfer des Ebola-Virus gestorben. Das entspricht einer Mortalitätsrate von etwa 60 Prozent.

 

ZMapp wurde von dem Pharmaunternehmen MAPP Biopharmaceutical in San Diego zusammen mit Kentucky Bio entwickelt, und zwar im Rahmen eines Vertrages mit der Behörde für Risikoreduktion beim National Institute of Health sowie mit dem Health and Human Services Department. Die Regierung hatte also bei dem Design des »Wundermittels« – dessen Wunder noch ausstehen – die Hand am Ruder.

 

Mapp Bio, wie das ZMapp-Unternehmen abgekürzt wird, arbeitete schon früher mit Zuschüssen und Beihilfen verschiedener Bundesbehörden in den USA, darunter das National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), das Advanced Research Project des Pentagons (DARPA) und die Agentur für Risikoreduktion beim Verteidigungsministerium. DARPA wurde 1958 gestartet, um Hightech für den US-Verteidigungsbereich zu entwickeln. Zu den bekanntesten Kreationen der Agentur zählen das Internet, die Technologie des Tarnkappen-Bombers sowie das M16-Gewehr der US-Armee.

 

USAMRIID ist mit seinen extrem gut ausgestatteten Hochsicherheitslabors der Stufe 4 in Frederick, Maryland – sowie seiner langen Erfahrung mit nicht-menschlichen Primaten – ein wichtiger Treiber an der Front gegen Epidemien wie Ebola. ZMapp hat noch keine Zulassung von der Food and Drug Administration. Eine Produktion im größeren Stil kann selbst nach der Zulassung noch ein bis drei Monate dauern, schätzen Wissenschaftler wie die Ebola-Forscherin Erica Ollmann Saphire am Scripps Research Institute, eine renommierte Expertin für virale Krankheiten wie Ebola.

 

Wie erfolgreich das so genannte »Wundermittel« ZMapp sein wird, muss abgewartet werden. Angeblich geht es Kent Brantly und Nancy Writebol schon wieder besser. Doch die pflanzenbasierte Produktionsweise, auf der ZMapp aufbaut, hat bisher noch keine im großen Stil kommerziell verwertbaren Produkte hervorgebracht. 2012 genehmigte die FDA eine Arznei gegen die seltene genetische Gaucher-Krankheit für die israelische Protalix BioTherapeutics und Pfizer. Das Mittel »Elelyso«, das in Karottenzellen produziert wird, hat als einziges solches Mittel den Weg bis zum Markt geschafft.

 

Das kanadische Biopharma-Unternehmen SemBioSys Genetics, das mithilfe von Öldisteln ein experimentelles Arzneimittel gegen Diabetes entwickelte, ging 2012 vor Beendigung der klinischen Versuche pleite. Selbst Kentucky Bio, das zwischenzeitlich monoklonale Antikörper gegen HIV entwickelt hatte, musste zwei Projekte einstellen. Ein Durchbruch fehlt auch bei Medicago in Quebec, das 2013 mehrheitlich von Mitsubishi Tanabe Pharma übernommen wurde. Medicago entwickelt Grippemedizin auf Basis der Tabakpflanzen-Technologie. Kentucky Bio, das die ZMapp-Antikörper in Tabakpflanzen züchtet und erntet, hat seit 2007 die Tabak-Methode zusammen mit Mapp Bio und dem Biodesign-Institut der Arizona State University entwickelt. In das Projekt stieg später die DARPA des Pentagons ein.

 

 

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Leser-Kommentare (9) zu diesem Artikel

18.08.2014 | 16:08

Jeanette

...das fremdagressive Verhalten würde doch auch gut zu den Amokläufen der berüchtigten "Einzeltaeter" passen, die plötzlich aus dem Ruder laufen. Vielleicht wurde an denen ja schon mal rumexperimentiert ehe man es auf die breite Masse hüben wie drüben loslässt. Na Gnade uns Gott, es laufen auch so schon genügend herum.


15.08.2014 | 22:37

GLADIO

Pentagon-Direktive 3025.18: Obamas Befehl für den Bürgerkrieg – Drohnen, Panzer, Truppen auf den Straßen >>> Die Seuchenmacher bereiten schon mal alles vor >>> Denn Alexander Solschenizin sagt treffend: Ein Kriegszustand dient nur als Vorwand für Tyrannei im eigenem Land >>> anscheinend ist der Zeitpunkt gekommen


14.08.2014 | 10:56

Frank Hogendorf

"Das heimliche Hauptquartier für den Kampf gegen Ebola steht im Pentagon." Immerhin haben die Amerikaner ja auch das "Patent" auf Ebola!


14.08.2014 | 08:16

Roberto

@wilchelm Für "World War Z" ?! Lesen Sie den Kommentar von Illustris einmal genauer durch!


13.08.2014 | 22:24

merlin7570

Ich würde nicht nur alles tun was der "Ami" zu mir sagt....ich würde ganz sicher noch viel mehr tun (verschlagen grinst)


13.08.2014 | 20:31

Romanuss

Mir drängt sich der Verdacht auf, dass Ebola, wie vor 20 Jahren – AIDS- zur weltweiten Bevölkerungsreduzierung beitragen soll, so, wie es sich z.B. der „Club of Rome“ auf seine Fahnen geschrieben hat. Und dort, wo das US-Militär mitmischt, geht es sicherlich nicht um die Erhaltung westlicher demokratischer Werte. Dagegen sind Vogelgrippe und Rinderwahnsinn nur schwache Ansätze. Dumm und gefährlich nur, wenn grausame Planspiele aus dem Ruder laufen.

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