Tuesday, 24. May 2016
06.01.2016
 
 

Geopolitik: Die Amerikaner drinnen, die Russen draußen, die Deutschen unten

Markus Gärtner

Die Europäer verdrängen Russland mit ihren widersinnigen Sanktionen aus ihrem wirtschaftlichen Orbit. Indem sie sich von Washington in einen neuen Kalten Krieg gegen das Land ziehen lassen, erlauben sie einen neuen Eisernen Vorhang. Der fällt genau über jenes Land, das ein Drehkreuz für das größte Entwicklungsprojekt auf diesem Planeten über viele Jahrzehnte hinweg sein wird.

 

Dass diese Vorgehensweise nicht nur geopolitisch äußerst gefährlich, sondern mit Blick auf die Zukunft unseres Landes auch geradezu hirnrissig ist, macht das neue Buch von William Engdahl überaus deutlich.

 

Russland und die neue Vernetzung Eurasiens – Wer mischt die Karten in der Geopolitik?, nennt der seit 30 Jahren mit der internationalen Analyse befasste Erfolgsautor, der seit 1984 in Deutschland lebt, sein neues Buch.

Das Werk macht uns allen klar, wie stark sich Deutschland – und weite Teile der übrigen EU – in die Rolle von Vasallen der USA begeben haben und sich damit ganze Gesellschaften, wie die Deutschen durch Angela Merkel, von einem wichtigen Teil der Zukunft abschneiden lassen.

 

Es ist höchste Zeit, die geostrategische Verankerung unseres Landes neu zu überdenken. Und wenn es ein Buch gibt, das uns dafür den nötigen Einblick verschafft, dann ist es auf jeden Fall das von William Engdahl.

 

Der Autor selbst schreibt im Klappentext unmissverständlich:

»Dieses Buch weist die rabiaten Bemühungen Washingtons nach, unter schamloser Übertretung internationalen Rechts und der UN-Charta einen Finanzkrieg und einen militärischen Stellvertreterkrieg gegen Russland zu führen und es zu dämonisieren. Es zeigt Russlands überraschende Reaktionen, die jene Krise in eine einmalige Chance verwandeln, neue Bündnisse zu schmieden und bestehende zu vertiefen.«

In seinem lesenswerten Buch wird Engdahl noch viel deutlicher, indem er einen Spruch des ersten Generalsekretärs der NATO – Baron Ismay – zitiert. Das Zitat gibt die Linie für Engdahls Analyse vor: Zweck der NATO sei es, »die Russen draußen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten zu halten«.

 

Wie das bis heute konsequent unter der Knute der USA und ihrer Lobbyorganisationen sowie Thinktanks durchgepeitscht wird, ist weithin bekannt, unter anderem wegen der vielen informativen Analysen, die Engdahl auf dieser Webseite veröffentlicht hat.

 

Doch wie sich Russland mit dem Rest des eurasischen Kontinents inklusive Indien und China als Reaktion auf den Vormarsch der NATO gen Osten und die Sanktionen vernetzt – und damit die Karten in der Geopolitik völlig neu mischt – das ist für viele Leser Neuland. Engdahl schildert diese Neuausrichtung mit ebenso erschreckenden Details wie entlarvenden Enthüllungen.

 

Diese reichen von der Annäherung Russlands und Chinas für ein neues SWIFT-Abkommen, über Russlands Energieabkommen mit China und dem Iran bis hin zu den neuesten, teils unbekannten Bestrebungen, den Dollar seiner Vormachtstellung zu berauben und damit das Privileg der USA zu zerschmettern, sich im Rest der Welt nach Belieben mit wertlosen grünen Banknoten und Anleihen verschulden zu können.

 

Neben diesem »Wirtschaftskrieg« schildert Engdahl auch die militärischen Auseinandersetzungen, in deren Rahmen die USA die NATO nach Osten expandieren, serienweise Staaten im Nahen Osten und in Afrika destabilisieren und Wladimir Putin zu einer aktiveren Rolle wie in Syrien drängen.

 

Dass Russland in diesen Auseinandersetzungen eine »enorme Verantwortung« zugeschoben wird und Washington in Europa »einen Krieg anheizt«, erläutert Engdahl ebenso überzeugend wie die neuen geopolitischen Entwicklungen, die sich daraus ergeben.

 

Eine immer engmaschigere und aktivere Diplomatie in der Energieversorgung, in der Wechselkurspolitik, im Bau von Eisenbahnverbindungen sowie beim Aufbau neuer Organisationen wie der neuen chinesischen Infrastrukturbank AIIB: Sie verschieben das Gewicht auf der Welt wirtschaftlich, militärisch und diplomatisch zu Gunsten der großen Schwellenländer auf der Eurasischen Landmasse.

 

Diese erstreckt sich von Wladiwostok über Warschau bis zu den Hafenstädten Europas am Mittelmeer und am Atlantik. Hier werden in den kommenden Jahrzehnten nicht nur die Infrastruktur für diese immense Region mit über der Hälfte der Menschheit und 60 Prozent der weltwirtschaftlichen Leistung gebaut. Hier werden auch die neuen grenzüberschreitenden Partnerschaften gebildet, die – wie Engdahl es auf dieser Webseite ständig nachweist ‒ anhaltende Entwicklung und eine friedlichere Zukunft versprechen.

 

Die USA haben sich von dieser Entwicklung nicht nur verabschiedet, sie heizen vorsätzlich mit immer neuen Krisen und Konflikten eine Destabilisierung auf der gesamten Eurasischen Landmasse an und schießen sich am Ende damit selbst ins Knie.

 

Denn immer mehr strategische Partnerschaften entstehen außerhalb des amerikanischen Orbits. Während westliche Medien Wladimir Putin als den exklusiv Bösen darstellen und ihn einseitig zur Bedrohung hochstilisieren, übt der russische Präsident einen immer engeren Schulterschluss mit China, dem Iran und anderen Ländern in Eurasien.

 

Diese Neuausrichtung verschiebt die Schwergewichte auf der Welt und entfremdet Deutschland von jenem Land, das als wirtschaftlicher und diplomatischer Partner unverzichtbar ist, wenn es der Regierung in Berlin wirklich um eine gedeihliche Zukunft für die Deutschen geht.

 

Daran muss man schon seit einiger Zeit zweifeln. Engdahls Buch hingegen lässt keinerlei Zweifel offen, wohin die Reise geht. Es geht um eine klare, aber schicksalhafte Alternative:

»Das Auftauchen dramatischer neuer alternativer Initiativen von China bis Russland bietet Europa, insbesondere der Bundesrepublik Deutschland, eine einmalige Gelegenheit, bei einem neuen wirtschaftlichen Aufschwung, der die Geschichte verändern kann, eine führende Rolle zu spielen. Die Alternative ist ebenso krass wie eindeutig: Chaos, ein unkontrollierter Flüchtlingsstrom, Terrorismus, Krieg und eine wirtschaftliche Depression wie in den 1930er Jahren, oder noch schlimmer.«

 

 

 

 

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