Wednesday, 25. May 2016
30.09.2014
 
 

Großalarm in Peking: Hong Kong könnte Flächenbrand gegen das Regime starten

Markus Gärtner

Chinas Zensoren arbeiten fieberhaft, um ein Überschwappen der eskalierenden Proteste in Hong Kong auf das chinesische Festland zu verhindern. Sollte dies geschehen, droht der Volksrepublik ein Flächenbrand, der die Kommunistische Partei aus dem Sattel werfen und die zweitgrößte Volkswirtschaft in eine tiefe Depression treiben könnte. Für die Weltwirtschaft wäre das derzeit der größte anzunehmende Unfall, abgesehen von einem Krieg des Westens mit Russland.

Seit Tagen legen zehntausende von Demonstranten die Stadt lahm. Hunderte von Buslinien wurden gestrichen. Tausende kleiner Geschäfte bis hin zur Börse und den Banken werden beeinträchtigt oder schließen. Selbst die U-Bahn wurde verrammelt. Besonders fürchtet sich die Führung in Peking vor Blogger-Berichten auf dem populären Netzwerk Weibo, dazu Instagram-Bilder und Videos auf WeChat.

Jetzt stemmen sich die Zensoren mit aller Gewalt gegen die Flut unerwünschter Nachrichten aus der rebellischen Stadt im Süden, wo Demonstranten freie Wahlen ab 2017 für ihre lokale Verwaltung fordern und eine Vorauswahl der Kandidaten durch Peking ablehnen.

 

Allein von Freitag auf Sonntag hat sich die Zahl der gesperrten Einträge auf Sina Weibo, der führenden Microblog-Plattform, verfünffacht. Das geht aus dem »Weiboscope« hervor, ein Zensur-Index, den das Journalismus- und Medienzentrum an der University of Hong Kong erstellt.

 

In den sieben Tagen bis Freitag (siehe GRAFIK) waren lediglich 32 von jeweils 10.000 Newseinträgen auf Weibo gesperrt worden. Am Samstag, als Studenten den ersten großen Protest in Hong Kong organisierten, verdreifachte sich die Zahl auf 98. Und am Sonntag, als weite Teile des Finanzdistrikts und der Geschäftsstraßen von Hong Kong zum Erliegen kamen, schoss die Zahl der gesperrten Blog-Einträge weiter auf 152 je Zehntausend nach oben.

 

Wer von den weit über 500 Millionen Nutzern jetzt mit den Stichworten »Hong Kong Polizei« nach Weibo-Einträgen sucht, oder sich nach Berichten mit dem Wort »Tränengas« umschaut, wird nicht mehr fündig.

 

Völlig gesperrt ist der Bilderdienst Instagram. Eine starke Wirkung erzielt die vor wenigen Tagen vom Supreme People´s Court ausgesprochene Drohung, kritische Blog-Einträge als kriminell zu ahnden, wenn sie mehr als 5.000-mal angeklickt oder mehr als 500-mal weitergereicht werden.

 

Auf die Meinungsführer der Plattform, von den Zensoren als »BiG Vs« bezeichnet, wird damit enormer Druck ausgeübt. Der Sino-amerikanische Finanzexperte Charles Xue Biqun mit seinen zwölf Millionen Followern ist einer dieser Meinungsführer. Xue wurde im August in Peking unter dem Vorwand verhaftet, er habe Verkehr mit Prostituierten gehabt. Anschließend wurde er im staatlichen Fernsehen mit einem angeblichen Geständnis vorgeführt.

 

Diese landesweite Kampagne gegen die »Gerüchte-Treiber« brachte Blog-Einträge und Kurznachrichten von einflussreichen Bloggern mit zweistelligen Prozentraten zum Einsturz. Im Visier haben die Zensoren vor allem die aufbegehrenden Studenten in Hong Kong, die sich in Massen den eskalierenden Protesten anschließen. Die Hälfte aller Weibo-Posts sollen weitergeleitete Meldungen der Info-Celebrities sein.

 

Medien auf dem chinesischen Festland dürfen derweil nur noch offizielle Verlautbarungen bringen. Darin werden die Demonstrationen als »illegal« bezeichnet. Das Brisante an den Demonstrationen in Hong Kong ist die Angst der chinesischen Führung vor einem Flächenbrand, falls die Proteste nicht gestoppt werden können. Daher rechnen viele in der Stadt mit einem möglichen Einschreiten der Volksbefreiungsarmee.

 

Hong Kongs Wirtschaft wird schwer in Mitleidenschaft gezogen, falls die Proteste anhalten. Die Stadt ist nach London und New York das drittgrößte Finanzzentrum weltweit. Sie ist noch immer führendes Einfallstor für Direktinvestitionen in China.

 

3.700 regionale Hauptquartiere von Übersee-Firmen residieren hier, 80 Prozent führen von Hong Kong aus das jeweilige China-Geschäft. Hong Kong ist außerdem der fünftgrößte Markt für Devisen-Transaktionen. Fast drei viertel aller Offshore-Geschäfte mit dem rasant aufsteigenden Renminbi werden hier abgewickelt. Chinas Großangriff auf den US Dollar könnte daher unter den Protesten leiden. Das ist noch eine Perspektive, die Peking nicht hinzunehmen bereit ist.

 

Außerdem ist die Stadt weiterhin einer der fünf größten Frachthäfen auf dem Planeten. Aus der Sicht der vielen deutschen Firmen, die schwer in China investiert sind, könnten die Proteste das ohnehin schwierig gewordene Investitions-Klima in China zusätzlich belasten.

 

 

 

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Leser-Kommentare (11) zu diesem Artikel

01.10.2014 | 15:18

gustav

China hat gestern, dienstag, den direkten devisenhandel zwischen dem Yuan und dem Euro an der börse in Shanghai begonnen. Dies ist ein sehr grosses risiko für den US dollar als weltleitwährung. zeigtleich gibt es sehr grosse demonstrationen in hongkong gegen die chinesiche regierung. meiner meinung nach ist das kein zufall und es erinnert mich an den umsturz in der ukraine, den monatelang versuchten umsturz in Venezuela, etc., etc.


01.10.2014 | 13:44

alma5

Ich kann dazu nur auf Noviso im Gespräch - Frank Höfer mit Christoph Hörstel über die derzeitige Geostrategie ( https://www.youtube.com/watch?v=drlPIBlEeJM ) verweisen. Gleichzeitig fällt mir ein, daß Rußland mit der VR China Verträge abgeschlossen hat, wonach der zwischenstaatliche Zahlungsverkehr beider Länder nicht mehr mit dem US-$ abgewickelt werden soll, sondern in Yuan bzw. in Rubel. Auch die Erdgas und Erdöl Leitungen, die jetzt in Sibirien gebaut werden, um damit die VR...

Ich kann dazu nur auf Noviso im Gespräch - Frank Höfer mit Christoph Hörstel über die derzeitige Geostrategie ( https://www.youtube.com/watch?v=drlPIBlEeJM ) verweisen. Gleichzeitig fällt mir ein, daß Rußland mit der VR China Verträge abgeschlossen hat, wonach der zwischenstaatliche Zahlungsverkehr beider Länder nicht mehr mit dem US-$ abgewickelt werden soll, sondern in Yuan bzw. in Rubel. Auch die Erdgas und Erdöl Leitungen, die jetzt in Sibirien gebaut werden, um damit die VR China zu beliefern, wiederum unter Ausschluß des US-$, geht in die gleiche Richtung. Denn wenn der Petro-Dollar fällt, dann sind die VSA endgültig pleite. Dann sind sie nicht mehr in der Lage, ihre Rüstung zu bezahlen und die Zeit der US-Hegemonie kann man danach nur noch in den Geschichtsbüchern bestaunen. Und genau das versucht Uncle Sam nun mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern.


01.10.2014 | 11:39

Gunnar R. Vogel

Hier wühlen mal wieder die üblichen Verdächtigen. Man sollte mal bei OTPOR und den Herren in Langley nachfragen. Und das Drehbuch kennen wir schon von so mancher "bunter Revolution" an deren Ende ein ruiniertes Land und eine von den US-Interessen kontrollierte Quislingregierung stand. Man soll schließlich aus der Geschichte lernen, gelle?!!


01.10.2014 | 10:51

Livia

Die Chinesische Führung sollte den Leuten die Wahrheit sagen: Je länger die Proteste in Hongkong anhalten, desto mehr nützt es den USA! Wenn man Moskau angreifen will und Syrien besetzen, destabilisiert man schon einmal den möglichen Verbündeten Moskaus im Inneren! Außerdem "hilft" eine Depression in China möglicherweise dem angeschlagenen Dollar wieder auf die Füße. Die Kandidaten werden vorgeprüft um Agenten amerikanischer NGOs auszusortieren; man will keine...

Die Chinesische Führung sollte den Leuten die Wahrheit sagen: Je länger die Proteste in Hongkong anhalten, desto mehr nützt es den USA! Wenn man Moskau angreifen will und Syrien besetzen, destabilisiert man schon einmal den möglichen Verbündeten Moskaus im Inneren! Außerdem "hilft" eine Depression in China möglicherweise dem angeschlagenen Dollar wieder auf die Füße. Die Kandidaten werden vorgeprüft um Agenten amerikanischer NGOs auszusortieren; man will keine Ukrainischen Verhältnisse! Kaum hat Obama angekündigt, seine NGOs mehr zu unterstützen, gehen in Honkong die Unruhen los! Wer demonstriert arbeitet für den Feind, die USA!


30.09.2014 | 23:20

Rudolf-Robert Davideit

Also Jungs vs. Madels,
ich habe Eure Beiträge vorab (aus ehemals Gutem Grund ) nicht gelesen!
Prawelno und darauf einen PUTINoff - am besten gleich den halben Liter!
In den hiesigen Läden sind "Gorbatschow" vs. "Jelzin" verschwunden! - Angebote bestimmen den Markt. Nicht Nachfrage!
Nomen is Omen.
Rudolf-Robert Davideit


30.09.2014 | 21:15

Wahrheit

Herr Markus Gärtner macht sich "Sorgen" um Chinas Interressen, nähmlich, ob die vom Westen finanzierte Farbrevolution in Hongong auf China übergreift. Die Medien in Hongkong sind überwiegend in westlicher Hand und der Kirchen. Dies ist wieder ein Versuch des Herrn Gärtner Märchen als Wahrheit verkaufen. China tut gut daran, die vom Westen kontrollierten Lügnermedien und gesponserten Aufwiegeleien gegen das chinesische Festland eindämmen zu wollen. Es nicht anders und...

Herr Markus Gärtner macht sich "Sorgen" um Chinas Interressen, nähmlich, ob die vom Westen finanzierte Farbrevolution in Hongong auf China übergreift. Die Medien in Hongkong sind überwiegend in westlicher Hand und der Kirchen. Dies ist wieder ein Versuch des Herrn Gärtner Märchen als Wahrheit verkaufen. China tut gut daran, die vom Westen kontrollierten Lügnermedien und gesponserten Aufwiegeleien gegen das chinesische Festland eindämmen zu wollen. Es nicht anders und soll nichts anderes werden als eine Kopie der blutigenUnruhen, die in der Ukraine stattgefunden haben.

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