Dienstag, 6. Dezember 2016
12.03.2015
 
 

Mit »Cips« gegen Swift: BRICS forcieren Bau der neuen Weltordnung

Markus Gärtner

Die westliche Systempresse schreibt eifrig die BRICS-Gruppe mit über drei Milliarden Menschen in Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika ab. Die Leitmedien illustrieren ausführlich wirtschaftliche und politische Plagen von Peking bis Moskau, die freilich nur die Hälfte der Wahrheit darstellen: Strauchelnde Regierungen, einbrechendes Wachstum sowie öffentliche Budgets, die Fässern ohne Boden gleichen.

 

Das ist derzeit in der tonangebenden Presse das durchgängige Szenario. Es soll suggerieren, dass Nordamerika und Europa trotz verheerender Schuldenberge, Vergreisung und Reformmüdigkeit sowie einem absurd aufgeblähten und vom Kollaps bedrohten Finanzsystem immer noch relativ gut dastehen und alternativlos dominieren.

Das Ablenkungsmanöver des Mainstreams wird dadurch abgerundet, dass wir als Publikum fast nirgends lesen, wie dramatisch sich in diesen Wochen das Entstehen eines neuen politischen und wirtschaftlichen Machtblocks in Asien, Südamerika und Afrika beschleunigt.

 

Die BRICS setzen in Windeseile um, was sie seit Monaten angekündigt haben. Sie bauen eine neue globale Ordnung, die die sklerotische westliche Infrastruktur schon bald ablösen soll.

 

Doch in den etablierten Zeitungen lesen wir fast nur, dass die großen Wachstumsmärkte jetzt ebenfalls auf den Bauch gefallen sind. Nach dem Motto: Die autoritär geführten Schwellenländer können es auch nicht besser.

 

Dass Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff die Bevölkerung auf eine Krise einstimmt, lesen wir zum Beispiel in der ZEIT. Demnach sieht Rousseff das Land in der »zweiten Etappe des Kampfes gegen die schlimmste internationale Krise seit der Großen Depression«. Die Wirtschaft Brasiliens ist zuletzt kaum gewachsen, 2015 droht der Rückwärtsgang.

 

Gestrichene Steuererleichterungen bringen die Wutbürger gegen die Regierung auf. Die wiederum sieht sich in den größten Korruptionsskandal seit Jahrzehnten verwickelt, weil der führende Energiekonzern des Landes, Petrobras, mit überhöhten Rechnungen ausgequetscht wurde. In die finanzielle Zitronenpresse wurde Petrobras von Spitzenbeamten, Parteien und dem Staatsapparat gesteckt. Das Debakel reicht weit in die Regierungspartei von Rousseff hinein.

 

Bei FOCUS lesen wir, dass in China ein Staatsstreich und die Implosion des Systems drohen, dass der »ausgewiesene China-Experte« David Shambaugh, ein US-Professor in Washington, »das Ende der Kommunisten-Führung« nahen sieht.

 

Den Kollaps der KP-Führung und einen enormen Rückschlag für den seit mehr als 30 Jahren währenden Reformschub sagen uns Experten aller Art seit mindestens den 90er-Jahren vorher. Gekommen ist er bisher freilich nicht. Diesmal soll Staatspräsident Xi Jinping mit seiner aggressiven Anti-Korruptions-Kampagne und »der Unterdrückung kritischer Stimmen« den Bogen überspannt haben, was das Militär, den Sicherheitsapparat und Teile der KP gegen den Staatspräsidenten aufbringt.

 

Dass China vor wenigen Tagen das Wachstumsziel für das Bruttoinlandsprodukt auf sieben Prozent nach unten korrigierte, scheint das drohende Desaster nur noch abzurunden. Dass aber selbst fünf Prozent Wachstum nominal immer noch so viel wären wie zehn Prozent Wachstum im vergangenen Jahrzehnt, das wird nirgends erwähnt.

 

Eine Zerreißprobe und eine darauffolgende Palast-Revolte droht auch Russlands Präsident Putin, wenn wir Berichten wie in der Süddeutschen glauben. Putin muss die Gehälter von Kreml-Mitarbeitern kürzen – sein eigenes auch – und er bereitet das Volk auf schmerzhafte Einschnitte vor.

 

Vom »enormen Haushaltsdefizit« über die »schwächelnde Wirtschaft« bis hin zur Plünderung eiserner Reserven stimmt dieser Teil der Wahrheit  sogar.  Genauso wie es stimmt, was das Manager Magazin berichtet: Dass in China künftig Billionen in der Rentenkasse fehlen werden und die 1,3 Milliarden Chinesen daher länger arbeiten sollen. Kommt uns das bekannt vor? Ja. Soll es ja auch. Nach dem Motto: Dort wird ebenfalls nur mit Wasser gekocht.

 

Dass aber die Bevölkerung in den BRICS viel jünger ist als hierzulande, dass sie immer besser ausgebildet wird, dass die Verstädterung anhält und die Mittelschicht weiterhin enorm wächst, das lesen wir derzeit selten im Mainstream-Blätterwald. Doch das sind genau jene Reserven, die die BRICS bereits mobilisieren, um dauerhaftes Dümpeln wie im Westen zu vermeiden.

 

Man muss sich die andere Hälfte der Geschichte derzeit mühsam im Blätterwald und in der Gegen-Öffentlichkeit zusammensuchen. Und das, obwohl es kein Geheimnis ist, dass der Westen und seine Dominanz derzeit mit stark erhöhter Geschwindigkeit ausgehebelt werden.

 

Am Montag hat Präsident Putin das Abkommen für die mit 100 Milliarden Dollar ausgestattete Entwicklungsbank der BRICS unterzeichnet. Sie soll Ende des Jahres ihren Betrieb aufnehmen. In vier Wochen wird erstmals das Direktorium dieser Entwicklungsbank in der russischen Stadt Ufa zusammentreten, nachdem auch Indien vor wenigen Tagen das Abkommen für die Bank – das im Juli unterzeichnet wurde − abgesegnet hat.

 

Ende Februar hat Russlands Energieminister Alexander Novak zudem angekündigt, dass der zweite gigantische Gas-Liefervertrag zwischen Russland und China demnächst unterzeichnet wird. Die neue Pipeline, die das Gas nach China transportieren wird – die »westliche Route« − wird jährlich 30 Milliarden Kubikmeter aus Sibirien nach China befördern und Russland als Gaslieferanten auf der Weltkarte zu Lasten Europas weiter nach Osten verschieben. Mit der Realisierung der westlichen Route werden Russlands Gaslieferungen nach China diejenigen nach Europa überflügeln.

 

Schon im vergangenen Jahr war der erste Mega-Gasdeal mit einem Volumen von 400 Milliarden Dollar unter Dach und Fach gebracht worden. Russland ist auch dabei, eine strategische Wende in der Öffnungspolitik für seine Energie-Wirtschaft zu vollziehen. Vor wenigen Tagen deutete das Land nach Informationen von Reuters an, zugunsten chinesischer Staatskonzerne künftig die Mehrheitskontrolle ausländischer Firmen in seinen großen Öl-und Gasvorkommen zu erlauben.

 

Putin hat sich dazu durchgerungen, nachdem westliche Sanktionen den Zufluss von Technologie aus Europa und den USA empfindlich drosseln. Das Überwinden dieser »psychologischen Barriere« begründet Russlands Vizepremier Arkadi Dworkowitsch mit dem Wunsch, die Beziehungen zu China  zu vertiefen. Zudem läuft in diesen Tagen Chinas Experiment für das eigene Interbanken-Zahlungssystem »Cips« an. Rund 20 Banken, darunter 13 chinesische, wurden für den Probelauf ausgewählt.

 

Cips, Chinas Konkurrenz-Projekt zum westlich dominierten SWIFT-Netzwerk, soll bereits im September oder Oktober angeworfen werden. Es wird der chinesischen Währung, dem Yuan, den nächsten Schub bei der Internationalisierung als Handelswährung bescheren und die laufende Attacke gegen den Dollar auf eine neue Stufe heben.

 

Laut SWIFT ist 2014 der Gebrauch des Yuan im internationalen Handel um satte 102 Prozent in die Höhe geschossen. Damit nimmt die chinesische Währung hinter dem US-Dollar, dem Euro, dem britischen Pfund und dem Yen bereits die fünfte Position ein.

 

Auch im Transportwesen wird zwischen den BRICS – vor allem zwischen China und Russland – geklotzt. Ende Januar wurde auf einer sozialen Plattform der Stadt Peking bestätigt, dass Russland und China sich auf den Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke für Schnellzüge zwischen Peking und Moskau für 242 Milliarden Dollar verständigt haben.


China und Russland haben zudem einen Ausbau ihrer militärischen Kooperation vereinbart. Das war im Dezember bei einem Besuch des russischen Verteidigungsministers Sergei Shoigu in Peking, als dieser mit Ministerpräsident Li Keqiang sprach. Hintergrund ist der Versuch der USA, im Pazifik wieder mehr Einfluss zu erlangen.

 

Fazit: Was bisher nur Pläne auf dem geopolitischen Reißbrett waren – eine neue globale Infrastruktur nach dem Design der BRICS – geht in diesen Wochen und Monaten mit steigendem Tempo zur Realisierung über, auch wenn Blätter wie die taz der Annäherung zwischen China und Russland nur »mäßigen Erfolg« bescheinigen.

 

 

 

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Leser-Kommentare (34) zu diesem Artikel

13.04.2015 | 18:05

Rudolf-Robert Davideit

Tja, für mich lesen sich die zitierten Beiträge aus den Qualitätsmedien wie Nachdrucke des Gärtnerlein! Noch Fragen?


18.03.2015 | 23:05

rotepmal

15.03.2015 | 20:13 @Zens-Ur: Ja, dann bitte, ich höre Ihnen gerne zu. Geben Sie uns die Zusammenhänge bitte preis. WIR können jede Art von "sachdienlichen Hinweisen" zu unsere Situation in der "Schlangengrube" gebrauchen, die hilfreich sind.


15.03.2015 | 20:13

Zens-Ur

Offensichtlich steht "K A" für "Keine Ahnung". Auch der vorletzte Bildungstrottel erahnt, daß biblische Berichte, Geschichte und Politik zusammenhängen könnten - sie hängen engstens zusammen! Also mein Lieber, erst grübeln, dann dübeln!


15.03.2015 | 19:35

K A

15.03.2015 | 18:58 Zens-Ur Sind wir hier in der Irrenanstalt religiöser Fanatiker, oder in einer politischen Diskussion?


15.03.2015 | 19:33

Zens-Ur

15.03.2015 | 13:13 Brigitte Müller "(siehe 3tätige Finsternis im kommenten Herbst )". §§§§§ Nachtrag: (Totale) Sonnenfinsternis am 20.03.15; Mondfinsternis ("Blutmond") am 04.04.15; 13.09.15 part. Sonnenfinsternis; 28.09.15 Mondfinsternis. Von wo aus diese Erscheinungen jeweils zu sehen sind, weiß ich nicht. Wichtiger jedoch sind die Daten. Sie fallen jeweils mit wichtigen jüdischen Feiertage zusammen (Hebräischer nicht gregorianischer Kalender). Hier können,...

15.03.2015 | 13:13 Brigitte Müller "(siehe 3tätige Finsternis im kommenten Herbst )". §§§§§ Nachtrag: (Totale) Sonnenfinsternis am 20.03.15; Mondfinsternis ("Blutmond") am 04.04.15; 13.09.15 part. Sonnenfinsternis; 28.09.15 Mondfinsternis. Von wo aus diese Erscheinungen jeweils zu sehen sind, weiß ich nicht. Wichtiger jedoch sind die Daten. Sie fallen jeweils mit wichtigen jüdischen Feiertage zusammen (Hebräischer nicht gregorianischer Kalender). Hier können, müssen aber keine relevanten Ereignisse auftreten. Nun gab´s bereits in 2014 einige solcher Phänomene. Nun gäbe es hierzu noch Relevantes zu berichten, doch es gibt eine "Angina temporis"... Nur noch so viel: Der wirkliche "Zorn Gottes" hat noch nicht allzuviel mit den genannten "Himmelszeichen" zu tun, sie können ein gewisser Vorbote für beginnende "Wehen" sein. Entweder sie u./od. wichtige jüdische Feiertage u./od. der jüdische 7-Jahres-Zyklus standen wohl in engstem Zusammenhang u.a. mit den Wallstreet-Crashs der letzten Jahre - wohl gemerkt bezogen auf den jüdischen Kalender.§§§§ FG


15.03.2015 | 18:58

Zens-Ur

15.03.2015 | 13:13 Brigitte Müller "An Zens-Ur ,Ich muss Dich korrigieren ,Jesus der Messias ist nicht für die Sünden der Menschheit gestorben sondern um die Schöpfung zu waren." §§§§§§§§§ Wirklich?? HEBRÄER 9, 27 f: Und so gewiß es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, so wird Christus, nachdem er sich einmal zum Opfer dargebracht hat, um die Sünden vieler auf sich zu nehmen,... §§§§§§§§§§§§ Empfehlenswert ist die Offenbarung, die...

15.03.2015 | 13:13 Brigitte Müller "An Zens-Ur ,Ich muss Dich korrigieren ,Jesus der Messias ist nicht für die Sünden der Menschheit gestorben sondern um die Schöpfung zu waren." §§§§§§§§§ Wirklich?? HEBRÄER 9, 27 f: Und so gewiß es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, so wird Christus, nachdem er sich einmal zum Opfer dargebracht hat, um die Sünden vieler auf sich zu nehmen,... §§§§§§§§§§§§ Empfehlenswert ist die Offenbarung, die deutich darauf hinweist, daß es in erster Linie um die in Christus Erretteten geht und erst in zweiter Linie um den Rest der Schöpfung - hier wird nichts "bewahrt", sondern völlig neu geschaffen - nach der kompletten Zerstörung. Hier haben "Die Grünen" Spuren in Deinem Cortex hinterlassen... Zudem intendiert der ganze alttestamentliche, also vorchristliche, Opferdienst die Sündenvergebung der Hebräer (s. auch den sprichwörtlichen "Sündenbock"!) und es ist eine Vorschattung (seit Kain und Abel Forderung [auch und vor allem] von blutigen Opfern), auf das einmalige (blutige) Opfer von Jeschuah. Die Zerstörung der Erde (und der Himmel) wird bereits im AT vorhergesagt und diverse Male im NT (z.B. 2. Petrus3, 10). §§§ FG

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