Friday, 27. May 2016
18.12.2014
 
 

Russischer Exit: Moskau flieht aus dem Dollar

Markus Gärtner

Russland trennt sich – teils aus Panik, teils aus Kalkül – in Windeseile vom Dollar. Der Bestand an US-Staatsanleihen wurde bis zum Oktober (jüngstes verfügbares Datum) in nur zwölf Monaten um über ein Viertel reduziert (27,4 Prozent). Damit ist das Land in der Rangliste der führenden Anleihe-Gläubiger der USA vom neunten auf den 13. Platz zurückgefallen.

 

Gleichzeitig hat die Bank of Russia laut ihrer Webseite über zwölf Prozent der Devisenreserven aufgebraucht, um den kollabierenden Rubel zu stabilisieren, was bisher aber nicht gelang. Die internationalen Reserven sind nach Angaben der Notenbank jetzt auf 419 Milliarden Dollar abgeschmolzen.

Die Währung hat im laufenden Jahr gegenüber dem Dollar die Hälfte ihres Wertes verloren. Allein am Dienstag prasselte der Rubel elf Prozent nach unten. Erst eine Panik-Sitzung der Notenbank, die am Dienstag den Leitzins mitten in der Nacht von 10,5 auf 17 Prozent anhob, konnte den Rubel kurzzeitig stabilisieren.

 

Am Mittwoch ging der schwer angeschlagene Rubel bei einem Wechselkurs von 63,25 für einen Dollar aus dem Handel. Das war nur drei Prozent besser als zu dem Zeitpunkt, an dem die Notenbank den Leitzins schlagartig anhob.

 

Doch damit ist der Sturm, der über Russland hinwegfegt, längst nicht beendet: Der Cocktail aus westlichen Sanktionen, implodierenden Ölpreisen und der anstehenden Rezession hinterlässt in der Wirtschaft tiefe Bremsspuren.

 

Jetzt droht eine Systemkrise.

 

Russland, so schrieben viele Zeitungen bis vor Kurzem, sitze dank seiner Öl- und Gasexporte auf Reserven, wie sie kaum ein anderes Land nachweisen könne. Doch allein im laufenden Jahr gab die Notenbank 80 Milliarden Dollar für die Stützung des Rubels (GRAFIK) aus. Das war ein Fünftel der Reserven.

 

Jetzt steht die Zentralbank vor einem schlimmen Dilemma: Sie könnte die Zinsen weiter anheben und die Konjunktur endgültig abwürgen. Oder sie kann Kapitalkontrollen einführen. Das könnte einen Teil der Kapitalflucht stoppen. Aber die aktuelle Krise würde sich zu einer faustdicken Panik ausweiten.

 

Im schlimmsten Fall steht eine Wiederholung der Ereignisse des Jahres 1998 an. Im August vor 16 Jahren stürzte eine Währungspanik die Wirtschaft Russlands in eine tiefe Rezession, mit enormen Schockwellen für Börsen überall auf der Welt.

 

Die Bank of Russia gab Notmaßnahmen bekannt, konnte aber die Panik am Markt nicht eindämmen. Der Rubel verlor in nur drei Wochen drei Viertel seines Wertes. Die »Hüter des Rubels« hoben die Zinsen um 100 Prozent an, Russland schlitterte in den Bankrott.

 

Wenig später schoss die Inflation auf 85 Prozent nach oben und die Russen gingen auf die Straße, um gegen galoppierende Preise für ihre Nahrung zu demonstrieren.

 

Jetzt geht dieses Gespenst wieder um. Und ein Ende ist nicht in Sicht, weil die Öl-Notierungen ohne Unterlass kollabieren. In dieser Woche sind sie erstmals seit 2009 unter die Marke von 60 Dollar je Barrel gefallen. Doch der Staatshaushalt, dessen Einnahmen zur Hälfte aus dem Export von Öl stammen, wurde für das kommende Jahr mit einem Ölpreis von 100 Dollar je Barrel kalkuliert.

 

 

 

Weil der Preisverfall ein tiefes Loch im Etat verursacht, sackt der Rubel ab. Die Auslandsschulden russischer Firmen im Umfang von 700 Milliarden Dollar haben sich durch die kräftige Abwertung von jetzt 50 Prozent praktisch verdoppelt.

 

Russlands Firmen müssen aber bis Ende 2015 Schulden von 125 Milliarden Dollar im Ausland tilgen. Eine Refinanzierung mithilfe der westlichen Banken ist nicht möglich, weil sie im Rahmen der Sanktionen von den globalen Kapitalmärkten abgeschnitten wurden. Daher wenden sich immer mehr russische Firmen an den Staat, um Hilfe zu bekommen.

 

Das ist der Grund, warum die Prämien für eine Versicherung russischer Anleihen gegen einen Ausfall steil in die Höhe geschossen sind. Die CDS (Credit Default Swaps), die das Ausfallrisiko messen, sind allein am Montag um 14 Prozent auf 556 Punkte in die Höhe geschossen.

 

An den Kapitalmärkten gehen Investoren folglich davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts in den nächsten fünf Jahren auf 28 Prozent gestiegen ist. Griechische CDS schossen auf dem Höhepunkt der Krise bis auf über 1000 Punkte in die Höhe.

 

Während die russischen Konsumenten ihr Bares mit Käufen von Elektronik, Haushaltsgeräten und Autos in Sicherheit bringen – und damit einen lokalen Shopping-Boom auslösen –, stellen die ersten Banken und Brokerhäuser für ihre Devisenkunden keine Kurse mehr und haben den Handel in der Devise angehalten.

 

Die schroffe Anhebung der Leitzinsen durch die Notenbank hat die Optionen von Wladimir Putin auf einen Schlag eingeengt. Und das nur einen Tag vor seiner jährlichen Pressekonferenz, die für heute anberaumt ist.

 

Putin steht jetzt vor dem sicherlich größten Problem seiner Amtszeit. Die Stabilität der Wirtschaft ist neben der autoritären Führung des Landes vielleicht der einzige zuverlässige Pfeiler für den Machterhalt.

 

Kommt eine scharfe Rezession – die inzwischen selbst die Notenbank vorhersagt –, dann wird es für ihn äußerst schwierig. In dieser Situation gießen die USA Öl ins Feuer und bereiten weitere Sanktionen wegen des Konflikts in der Ukraine vor.

 

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (25) zu diesem Artikel

19.12.2014 | 21:32

abraham silberschmied

US-Leitwährung US-Dollar muss besieitgt werden, damit die steuerzahlen Sklaven und Eunuchen in Deutschland (auch Ausländer) sich von dem Status der US-Kolonie BRD DE befreien.Zwei Dinge sind zu empfehlen: 1_ RU stellt auf dem Bankkonto von jedem Russen 100 000 Rubel als Guthaben bereit und druckt Rubel in Analogie der US-FED, damit BAR-Geld verfügbar ist.2_ DE transferiert alle Eure Euros in den Yuan nach China.Denkt daran, wenn alle DE ihr Geld von der BANK in BAR abholen...

US-Leitwährung US-Dollar muss besieitgt werden, damit die steuerzahlen Sklaven und Eunuchen in Deutschland (auch Ausländer) sich von dem Status der US-Kolonie BRD DE befreien.
Zwei Dinge sind zu empfehlen:
1_ RU stellt auf dem Bankkonto von jedem Russen 100 000 Rubel als Guthaben bereit und druckt Rubel in Analogie der US-FED, damit BAR-Geld verfügbar ist.
2_ DE transferiert alle Eure Euros in den Yuan nach China.
Denkt daran, wenn alle DE ihr Geld von der BANK in BAR abholen wollen, gibt es ein Problem:
100% des Buchgeldes sind nur zu 15% REAL vorhanden !!!
3_ Wer heute noch Geld auf dem Bankkonto hat, wird sich noch wundern, wenn er nur noch 100 Euro pro Tag abheben kann. Deshalb sind ja die EU-Bürokraten und Hampelmänner der US-Besatzunsmacht daran interessiert das BARGELD abzuschaffen. Hinterlistige Strategie der Banken. Sicherheit zu geben, die REAL nicht existieren. Deshalb wird ja das Papiergeld nicht durch GOLD oder andere Physische Material als Gegenwert gedeckt. Betrüger haben Hochzeit miteinander.


18.12.2014 | 23:03

wotanix

nach der Focus-Anleitung die Focusleser in Social-Networks aufspüren und "ausmisten"! Funktioniert sicher auch mit Sytemwählern usw. .....


18.12.2014 | 19:37

Conrad Löwe

Wurde Putin nicht schon oft als ein cleverer Stratege dargestellt? Was da gerade währungstechnisch abläuft, ist ja nun beileibe nichts Neues; mit niedergeprügelten Ölpreisen hat man damals schon die UdSSR in Bedrängnis gebracht, und der Artikel beschreibt ja die Vorgänge von 1998. Wenn Putin keinen ´Plan B´ hat, wäre ich wirklich sehr enttäuscht von ihm. Es war ja nun wirklich abzusehen, dass die kriminellen ´irisch-katholischen´ Gelddrucker auf...

Wurde Putin nicht schon oft als ein cleverer Stratege dargestellt? Was da gerade währungstechnisch abläuft, ist ja nun beileibe nichts Neues; mit niedergeprügelten Ölpreisen hat man damals schon die UdSSR in Bedrängnis gebracht, und der Artikel beschreibt ja die Vorgänge von 1998. Wenn Putin keinen ´Plan B´ hat, wäre ich wirklich sehr enttäuscht von ihm. Es war ja nun wirklich abzusehen, dass die kriminellen ´irisch-katholischen´ Gelddrucker auf ´altbewährte´ Mittel zurückgreifen würden, wenn sich ihnen ein Herr Putin in den Weg stellt ... Auch die USA könnte früher oder später betroffen sein: Wenn alle Welt auf einmal viel weniger Kack-´Dollars´ braucht um Öl zu kaufen, wohin fließen dann all die Trilliarden in den letzten Jahren neugedruckten Papierfetzen ... Inflation?? Oder alles nur ´Theater´ für die Massen ...


18.12.2014 | 15:48

Elke

Ich erinnere: Obama bekam den Friedensnobelpreis welch Farce


18.12.2014 | 12:46

Jörg Häcker

Durch die hinterhältigen Maßnahmen des schwarzen PolitClowns, der ständig am Weltfrieden zündelt, kommt eine Eskalation auf, die das Potential zu einem 3. Weltkrieg hat. Russland wird nicht in die Knie gehen. Vorübergehend werden große Schwierigkeiten auftreten. Aber über einen Zeitraum von längsten 2 Jahren wird sich das Land weitgehends unabhängig vom Westen machen können. Das Land besitzt alle Vorrausetzungen wie Bodenschätze und Raum für Ackeranbau jeglicher Art. Es ist also...

Durch die hinterhältigen Maßnahmen des schwarzen PolitClowns, der ständig am Weltfrieden zündelt, kommt eine Eskalation auf, die das Potential zu einem 3. Weltkrieg hat. Russland wird nicht in die Knie gehen. Vorübergehend werden große Schwierigkeiten auftreten. Aber über einen Zeitraum von längsten 2 Jahren wird sich das Land weitgehends unabhängig vom Westen machen können. Das Land besitzt alle Vorrausetzungen wie Bodenschätze und Raum für Ackeranbau jeglicher Art. Es ist also nur ein Zeitfaktor um sich vom Westen abkoppeln zu können. Der Zusammenschluß zu den BRIGS Staaten, macht das einmal mehr deutlich. Der Westen wäre gut beraten sich mit Sanktionen zurückzuhalten. Wir Europäer und vor allem wir Deutschen, sollten dem kriegslüsternen Halbhirn aus Washington klar machen wo unsere Grenzen sind.


18.12.2014 | 12:12

Elisa

@ Dr. Henning WitteDanke für Ihre Ausführungen zum Rubelsturz, da haben Sie wirklich einen wichtigen Punkt zur Einschätzung der Lage geliefert. Ich teile Ihre Schlussfolgerung gänzlich. Unterdessen werden die europäischen Politiker nervös, weil sie - wie betrunkene Kutschenfahrer - plötzlich eine unerwartete Erleuchtung erhalten, dass sie am laufenden Band nichts als einen riesen Mist bauen, der vor allem Europa unvorstellbar schwächt und ins Chaos reisst. Die Wirtschaftliche...

@ Dr. Henning Witte

Danke für Ihre Ausführungen zum Rubelsturz, da haben Sie wirklich einen wichtigen Punkt zur Einschätzung der Lage geliefert. Ich teile Ihre Schlussfolgerung gänzlich.

Unterdessen werden die europäischen Politiker nervös, weil sie - wie betrunkene Kutschenfahrer - plötzlich eine unerwartete Erleuchtung erhalten, dass sie am laufenden Band nichts als einen riesen Mist bauen, der vor allem Europa unvorstellbar schwächt und ins Chaos reisst.


Die Wirtschaftliche Bewertung Russlands ist Ausdruck eines Finanzkrieges. Die Attacken haben keine Chance
Weiterlesen: http://german.ruvr.ru/2014_12_17/Die-Wirtschaftliche-Bewertung-Russlands-ist-Ausdruck-eines-Finanzkrieges-Die-Attacken-haben-keine-Chance-6757/

Chaos in Russland: Wenn Putin stürzt, wird es für den Westen teuer
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/

Russland-Sanktionen & Rubel-Kurssturz: Europas Banken zittern vor Kreditausfällen
http://www.contra-magazin.com/2014/12/russland-sanktionen-rubel-kurssturz-europas-banken-zittern-vor-kreditausfaellen/

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