Tuesday, 28. June 2016
21.07.2014
 
 

US-Konsumenten: Durch den Fleischwolf

Markus Gärtner

Amerikas Konsumenten ächzen unter dem wachsenden Druck einer Zwangsjacke. Das enge Korsett könnte der gesamten Konjunktur die Luft abschnüren. Über die Hälfte der US-Bürger gibt mehr für Lebensmittel, Benzin, Strom und Gesundheit aus als vor einem Jahr, berichtet der Meinungsforscher Gallup nach der jüngsten Verbraucher-Umfrage.

 

Das brisante Ergebnis: Immer mehr vom verfügbaren Einkommen wird für unabwendbare Ausgaben wie Lebensmittel und Energie aufgewendet. Immer weniger davon bleibt übrig für Reisen, Essen gehen, Freizeit-Aktivität und Konsum-Elektronik.

 

Diese nicht essentiellen Ausgaben sind aber das, was eine Konjunktur anheizt, vor allem wenn nach einer Krise oder Rezession die Zahl der Jobs wieder zunimmt, die Zuversicht steigt und die Konsumfreude zurückkehrt.

 

Davon allerdings kann in der größten Volkswirtschaft der Erde keine Rede sein. Ohne eine Belebung des Konsums kann die US-Wirtschaft nicht auf die Beine kommen. Die Dümpelwirtschaft bleibt in einem Morast aus stagnierenden Einkommen, niedrig verzinsten Ersparnissen und wachsenden Schulden der privaten Haushalte hängen.

 

Gallup entlarvt in dieser Umfrage, wie viele verzerrte Statistiken und falsche Behauptungen über die US-Wirtschaft zustande kommen. So geben mit 69 Prozent der Amerikaner auf den ersten Blick sehr viele an, in diesem Sommer verreisen zu wollen.

 

Doch ein genauerer Blick offenbart: Fast jeder Dritte will nur ein oder zwei Tage unterwegs sein. Das ist im Verständnis der meisten Menschen gar kein Urlaub.

 

Der Grund für diese anhaltende Misere in den USA: Die Amerikaner werden aufgrund eskalierender Preise für die Produkte und Dienstleistungen, um die sie nicht herumkommen, regelrecht ausgepresst. Für die angenehmen Dinge bleibt immer weniger Geld übrig.

 

Dies illustriert, wie dem Land langsam aber sicher die Luft ausgeht. Die Gallup-Umfrage ist ein weiteres Streiflicht auf eine Gesellschaft, die über ihre Verhältnisse lebt und die nicht nur ihren amerikanischen Traum verloren hat, sondern auch ihren berühmten Optimismus.

 

In dieser Phase der wirtschaftlichen Ernüchterung und wachsenden gesellschaftlichen Depression fährt die Notenbank stark ihre monatlichen Käufe von Anleihen zurück und bringt eine baldige Erhöhung der Leitzinsen ins Gespräch.

 

Sollte sie daran festhalten, dürfte aus dem Korsett der Verbraucher ganz schnell ein Strick um den Hals werden. Denn höhere Zinsen werden dann zu einem Bleigewicht, das die hoch verschuldete Nation samt ihren privaten Haushalten, Firmen und Behörden nach unten reißt.

 

 

 

.

Leser-Kommentare (3) zu diesem Artikel

26.07.2014 | 23:27

GLADIO

Jawoll, richtig so, @Nordsee-Marie >>> vollkommen richtig. Habe viele Informationen darüber wie Hartz-IV Opfern u.a. (neben vielen anderen Ungerechtigkeiten gegen die Menschenwürde) der Strom gekappt wurde.


21.07.2014 | 11:42

Nordsee-Marie

" Amerikas Konsumenten ächzen unter dem Druck einer Zwangsjacke, geben mehr für Lebensmittel, Benzin, Strom und Gesundheit aus als vor einem Jahr "
Also ehrlich, mir kommen die Tränen. Was interessieren die Amis ? Schon mitgekriegt, daß es hier bei uns nicht anders ist ? Hier wurde den Leuten tatsächlich schon der Strom abgedreht, weil sie ihn nicht mehr zahlen können !


21.07.2014 | 11:03

Z. Lukavski

Wow, ich bin jeden Tag auf Kopp-online und lese fast jeden ihrer Berichte. Trotzdem ist mir erst heute aufgefallen, daß KOPP endlich eine Kommentarfunktion eingerichtet hat. Herzlichen Glückwunsch, Kompliment an die KOPP-Redakteure. Das war es, was noch gefehlt hat. Super. Danke.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

18 Signale dafür, dass sich die Weltwirtschaftskrise zu Beginn des zweiten Halbjahrs 2014 verschärft

Michael Snyder

Momentan werde ich von vielen Leuten gefragt, »wann es denn losgeht«. Am Horizont ziehen wahrlich sehr dunkle Gewitterwolken auf und jeder nur halbwegs aufmerksame Beobachter kann erkennen, wie sich die Weltwirtschaftskrise entwickelt.  mehr …

Die Wirtschaftsdepression in den USA wird dramatisch

F. William Engdahl

Das Märchen vom »wirtschaftlichen Aufschwung« in den USA wird sich schon bald in die Reihe der Mythen, Lügen und Wundergeschichten wie das von der Zahnfee einreihen. Weit entfernt von der geringsten nachhaltigen Erholung, steckt die US-Wirtschaft nach über sieben Jahren noch immer in der schlimmsten Depression (jawohl, Depression, das verbotene  mehr …

Konjunktur: USA erleben heftigsten Wirtschaftseinbruch seit 2008

Markus Gärtner

Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal 2,9 Prozent geschrumpft. Das ist eine Horrorzahl, wie wir sie sonst nur aus dem Geschichtsbuch über die Große Depression kennen – oder aus der Großen Rezession nach der Finanzkrise. Zur Erinnerung: Zuerst hatten die Statistiker der Regierung Obama ein Mini-Plus von 0,1 Prozent für das erste Quartal  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Teures Platin: Ist Ihr Auspuff noch am Auto?

Michael Brückner

Weil Platin immer teurer wird, haben Metalldiebe aus Osteuropa in Deutschland Hochkonjunktur. Sie demontieren nachts von abgestellten Autos und Kleintransportern komplette Auspuffanlagen ab.  mehr …

Das deutsche Establishment und das Dilemma von Buridans Esel

F. William Engdahl

Seit etwa einem Jahr sind die gespannten Beziehungen zwischen der Merkel-Regierung und Washington bislang nicht gekannten Prüfungen ausgesetzt, die die Mehrheit der Deutschen veranlassen, die besondere Freundschaft, die seit über 60 Jahren zwischen beiden Ländern bestand, in Zweifel zu ziehen. Währenddessen eskaliert die Regierung Obama – anstatt  mehr …

Sanktionen und Verkehrsflugzeuge

Dr. Paul Craig Roberts

Die einseitigen Sanktionen, die Präsident Obama am 16. Juli ankündigte und die russischen Rüstungs- und Energiekonzernen den Zugang zu amerikanischen Bankkrediten verweigern, belegen nur die Impotenz Washingtons. Der Rest der Welt, einschließlich der beiden größten amerikanischen Wirtschaftsvereinigungen, wendet sich von Obama ab. Die  mehr …

Ihre Haut »riecht« Sandelholzöl, das Zellproliferation und Wundheilung anregt

David Gutierrez

Die Haut verfügt über Riechrezeptoren, die auf Sandelholzöl mit besserer Wundheilung reagieren. Das ergab eine Studie von Wissenschaftlern der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Münster, die in der Zeitschrift Journal of Investigative Dermatology veröffentlicht wurde.  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.