Monday, 29. August 2016
17.09.2014
 
 

Willkommen auf dem Planeten der Notenbank-Zombies

Markus Gärtner

Die fest eingefrorenen Minizinsen der Notenbanken sind die gefährlichste Massenvernichtungswaffe, die die Finanzwelt bislang hervorgebracht hat. Anstatt sie zu beseitigen, wird ihr Arsenal derzeit rasant ausgebaut, was die nächste Finanzkrise noch viel schrecklicher machen wird.

 

Minizinsen enteignen Familien, weil die Inflation ihre Sparbücher, Geldmarkt-Fonds und Kontoeinlagen schleichend, aber effektiv aufzehrt. Die verlorene Kaufkraft bremst die Konjunktur aus, weil die Einkaufstüten leer bleiben. An den Aktien- und Anleihemärkten werden derweil mit billig geliehenem Geld die Kurse in astronomische Höhen gehievt.

 

Minizinsen senden zudem an die hoch verschuldeten Regierungen in Nordamerika, Europa und Asien das falsche Signal. Weil Kredite billig wie nie sind, wird die Verschuldung ungebremst nach oben geschraubt. In Italien wächst die Staatsverschuldung gemessen an der gesamtwirtschaftlichen Leistung um fünf Prozentpunkte pro Jahr.

 

Der Gesamtwert wird im kommenden Jahr astronomische 145 Prozent erreichen. Das ist irgendwo bei dem unsichtbaren Punkt, wo eine Rückzahlung aussichtslos wird und die Kapitalmärkte Anleihen des Landes fallen lassen wie heiße Kartoffeln. Dann schießen die Zinsen in die Höhe und das ganze Kartenhaus bricht ein.

 

Die EZB und die übrigen Notenbanken wollen es so weit nicht kommen lassen. Also werden faule Schuldpapiere aufgekauft, was das Zeug hält. Die Keller, in denen dieser finanzielle Sondermüll lagert, gleichen Vulkanen, die sich aufblähen, bis sie auseinanderfliegen und alles um sich herum zerstören.

 

Hier endet aber nicht der Schaden, den ultrabilliges Geld auf Dauer anrichtet. Hinzu kommt: Firmen, die Kapital in fragwürdige Investitionen versenken wollen und dafür keine Kredite von den Banken bekommen – selbst für gute Investitionen werden ja kaum Kredite genehmigt – geben einfach Schrott-Anleihen aus und holen sich bei ahnungslosen Sparern und Anlegern noch mehr Geld, das verloren ist, sobald die Zinsen ansteigen.

 

Dieses verheerende Karussell von Schulden und noch mehr Schulden lässt sich nur aufrecht erhalten, wenn Geld praktisch für nichts zu haben ist. Deswegen müssen die Notenbanken irgendwann die biblische Geldflut, die sie seit der Finanzkrise angefacht haben, wieder reduzieren und stoppen – zumindest solange es noch geht. Doch diesen Punkt haben wir überschritten – niemand kann mehr einen Deckel auf den brodelnden Super-Vulkan setzen.

 

Also müssen die Notenbanken verzweifelt weiter kurbeln, anschieben und bei Billigzinsen Geld vermehren. Das ist fast rund um den Globus sichtbar.

 

Während alle Welt rätselt, wann im kommenden Jahr die US-Notenbank die Zinsen erstmals wieder anheben will, passiert fast überall auf der Welt das genaue Gegenteil. Die Europäische Zentralbank hat vor einer Woche die Geldschleusen weiter geöffnet. Die People´s Bank in China schiebt jetzt wegen der sinkenden Wachstumsrate in der Volksrepublik auch wieder stärker mit Geld die Konjunktur an. In Japan denkt die Notenbank laut über eine Ausweitung ihrer exzessiven Geldpolitik nach. Schon seit Anfang 2013 ist sie dabei, die Geldmenge zu verdoppeln. Aber weder die gewünschte Inflation noch das erhoffte Wachstum stellen sich ein.

 

Das Ausbleiben einer höheren Teuerungsrate, die die bestehenden Schulden weg-inflationieren würde, stellt für die Notenbanken von Europa über Japan bis hin in die USA eine Bankrotterklärung dar. Denn auch die Euro-Zone schmust mit der Deflation. Und in den USA kamen die Fabrikpreise für Industriewaren im August zum Stillstand. Sie steigen nicht mehr. Die Firmen können für ihre Produkte keine höheren Preise durchsetzen, weil die Konsumenten zu wenig kaufen und wieder im großen Stil auf Pump leben.

 

Das heißt, dass die Massenvernichtungswaffe namens Minizins eine brisante Lebensverlängerung bekommt. Die Folge: Es werden noch mehr Ersparnisse vernichtet. Es werden noch mehr Staatsschulden gemacht. Und es werden noch mehr faule Anleihen von den Notenbanken in Frankfurt, Washington und Tokio aufgekauft.

 

Überall erschafft die Politik des ultrabilligen Geldes Zombies, die wir nie mehr loswerden und die irgendwann aus den Kellern kommen und uns in Form der nächsten Finanzkrise mit Haut und Haaren auffressen werden.

 

In den USA wird laut dem Congressional Budget Office die Zinsbelastung für den Staatshaushalt so stark zunehmen, dass Anfang des kommenden Jahrzehnts die Zinsen auf Amerikas öffentliche Schulden 48 Mal so viel Ausgaben verursachen werden wie der aktuelle Etat der NASA, und 22 Mal so viel wie das Geld, das jährlich für den Erhalt der Schnellstraßen ausgegeben wird.

 

Das ist der Grund, warum die Notenbanken ihre Minizins-Politik nicht mehr beenden können – bis das ganze Kartenhaus am Ende trotzdem einstürzt und der Reset-Knopf gedrückt werden kann.

 

 

 

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Leser-Kommentare (15) zu diesem Artikel

18.09.2014 | 08:07

Selfmade-Anleger

@ Denker Banken drucken Geld? Hier liegt der GROSSE Denkfehler der Masse. Geld drucken darf nur die Zentralbank (bei uns EZB). Die Geschäftsbanken dürfen kein Geld drucken. Wäre auch viel zu aufwendig und teuer. Die Geschäftsbanken "drücken" einfach ein paar Knöpfe auf ihren PC´s und so entsteht aus dem NICHTS über Nacht neues Giralgeld. Dieses virtuelle „Geld“ existiert aber nur in den Bankcomputern und die Masse glaubt, das wären ihre Ersparnisse. Giralgeld ist kein...

@ Denker Banken drucken Geld? Hier liegt der GROSSE Denkfehler der Masse. Geld drucken darf nur die Zentralbank (bei uns EZB). Die Geschäftsbanken dürfen kein Geld drucken. Wäre auch viel zu aufwendig und teuer. Die Geschäftsbanken "drücken" einfach ein paar Knöpfe auf ihren PC´s und so entsteht aus dem NICHTS über Nacht neues Giralgeld. Dieses virtuelle „Geld“ existiert aber nur in den Bankcomputern und die Masse glaubt, das wären ihre Ersparnisse. Giralgeld ist kein Bargeld und kein gesetzliches Zahlungsmittel! Wie hier schon geschrieben wurde: „Halt du sie dumm, ich mach sie arm“ sagte ein Banker zu einem Politiker vor über 100 Jahren!


18.09.2014 | 06:04

a.h.

Hat schon mal wer nachgerechnet wieviele Milliarden Euro jetzt demnächst durch die Einführung Des neuen 10 Euro Scheines aus dem nichts entstehen ? Was das wohl für Auswirkungen auf den Eu Raum hat wie bekommt man das in Umlauf.....


17.09.2014 | 23:48

Dieter Fleiss

Kleinsparer geben das "Kleingeld" aus, Großsparer kaufen das Geld auf, horten es oder geben es gezielt aus, so werden die fleißigen, ehrlichen Sparer noch ärmer und die Großgeldsparer noch reicher! Das nennt man dann frech Finanzausgleich oder so irgendwie!


17.09.2014 | 22:45

Denker

Da sagt mal einer: Ich will nur die Währungen kontrollieren... Und alle Schleimer ducken sich. Fällt niemanden auf, daß die Geldhaufen durch Produktivität nicht gedeckt sind. Kauft euch gute Drucker und druckt euch Geld selber. Die Banken machen das auch.


17.09.2014 | 21:27

Staatspflichtbürger

Treffen sich zwei Notenbanken.
Fragt die eine: "Na wie geht´s ?"
"Ach gar nicht gut, ich habe gerade Deflation."
Darauf die erste: "Das geht ja noch, ich habe ständig Durchfall."


17.09.2014 | 20:54

Elisa

Mich wundert dabei nur noch eines: Wie bei diesem Pleitezustand der westlichen Industrienationen die USA und im Gefolge die EU sich noch Kriege leisten können, nachdem diese Staaten bereits jahrelang Ausgaben für ihren jeweils eigenen Haushalt in enormen Höhen haben, zu denen ihnen die Einnahmen bei weitem nicht reichen. Dass die Wirtschaft überhaupt noch läuft, kann einen nur zum Staunen bringen. Da wird von Polit- und Konzernseite gelogen, betrogen und geblufft, dass sich die...

Mich wundert dabei nur noch eines: Wie bei diesem Pleitezustand der westlichen Industrienationen die USA und im Gefolge die EU sich noch Kriege leisten können, nachdem diese Staaten bereits jahrelang Ausgaben für ihren jeweils eigenen Haushalt in enormen Höhen haben, zu denen ihnen die Einnahmen bei weitem nicht reichen. Dass die Wirtschaft überhaupt noch läuft, kann einen nur zum Staunen bringen. Da wird von Polit- und Konzernseite gelogen, betrogen und geblufft, dass sich die Balken biegen. Die Ökonomen machen zu dieser Entwicklung eine jämmerliche Figur, die Wenigen, die die Katastrophe kommen sehen, werden mundtot gemacht. Dass das nicht ewig läuft, kann sich jeder ausrechnen.
Es ist auch nicht verwunderlich, dass Russland und China - mit denen nun auch Indien, die Türkei und weitere Staaten politisch und wirtschaftlich zusammenarbeiten wollen - sich von der westlichen ökonomischen Kamikaze-Tour verabschieden. Die versuchen nichts anderes, als sich nicht in den wirtschaftlichen Abgrund des Westens mit hineinreissen zu lassen - ist doch verständlich. Und die US-Sanktions-Politik gegen Russland beschleunigt diese ganze Entwicklung noch merklich. Es gibt kein Entrinnen!

Finanzieller Kollaps: Die USA können sich keine Kriege mehr leisten
http://www.contra-magazin.com/2014/09/finanzieller-kollaps-die-usa-koennen-sich-keine-kriege-mehr-leisten/

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