Wednesday, 31. August 2016
05.02.2016
 
 

USA spendieren dem Kalifat dritte Kriegszone: Terrormiliz IS metzelt sich jetzt durch Libyen

Markus Mähler

Deutschlands Medien melden einen zweifelhaften Erfolg der USA: In Syrien und dem Irak verschwinden immer mehr IS-Kämpfer. Die Dschihadisten sind aber nicht weg. Sie kämpfen jetzt bloß in Libyen. Wie konnte sich die Terrormiliz dort mit 6000 Mann ungestört einschleichen? In Washington will man es gar nicht wissen. Dafür plant das Pentagon – am Kongress vorbei – schon wieder einen neuen Militärschlag in Libyen. Der Krieg muss eben den Krieg ernähren.

 

Seit 14 Jahren führen die USA Dauerkrieg in Nahost, bomben ein Land nach dem anderen ins Chaos und destabilisieren damit inzwischen ganz Europa. Siehe unsere Flüchtlingskrise. Jetzt zeichnet sich schon wieder der nächste US-Militärschlag in Libyen ab – oder was seit 2011 davon übrig ist. Pentagon-Sprecher Peter Cook verkündete am Mittwoch, dass die US-Militärs gerade »militärische Optionen« ausloten, wie man den IS wieder aus dem Erdölparadies Libyen vertreiben kann.

 

So etwas lässt Raum für eine interessante Gegenfrage: Warum hat Washington so lange die Augen geschlossen? Das Kalifat metzelt sich nicht erst seit gestern in Divisionsstärke durch das Land. Die unbequeme Antwort lautet: Washington hat gewartet, bis sich das Bomben finanziell lohnt und ein echter Militärschlag angemessen erscheint. Doch der Reihe nach. Von Libyen ist nicht mehr viel übrig, seit Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi dort 2011 von den USA gestürzt wurde.

 

Die IS-Kämpfer sind nicht weg – sie sind nur woanders

 

Luftschläge hinterließen eine Trümmerwüste und die von US-Geheimdiensten aufgehetzten »Revolutionsbrigaden« zerfielen in unzählige Milizen und Stämme. Sie hocken auf ihrem erbeuteten Kriegsgerät, es gibt zwei verfeindete Regierungen und ein anarchistisches Eldorado für Schlepperbanden und Flüchtlinge. Die Terrormiliz IS möchte sich nun diese reife Frucht für ihr Dschihadisten-Kalifat einverleiben. Immerhin liegen dort die größten Ölvorräte Afrikas brach.

 

Es ist übrigens derselbe IS, den die USA in zwei anderen gescheiterten Nahoststaaten bereits abgeschrieben haben. Spiegel Online zitiert »einen US-Geheimdienstbericht«, der gerade in Washington der Presse vorgestellt wurde. Die Spiegel-Schlagzeile ist selbsterklärend: »IS verliert ein Fünftel seiner Kämpfer in Syrien und im Irak«. Nur noch 19 000 bis 25 000 Terror-Söldner sollen von ehemals bis zu 31 500 übrig sein. Neben Verlusten auf dem Schlachtfeld und Fahnenflucht ist auch von »internen Disziplinierungsmaßnahmen« die Rede.

 

Der IS metzelt sich schon seit August 2015 durch Libyen

 

Was die USA und der Regierungssprecher Josh Earnest im Weißen Haus nicht erwähnt haben: Es gab einen Befehl des IS-Oberkommandos, Libyen für den Islamischen Gottesstaat zu erobern. Die Terror-Söldner sind also nicht tot, desertiert oder geköpft – sie kämpfen woanders weiter. An diesem Punkt wird es interessant: Der IS durfte in Libyen ungehindert ein drittes Kriegsgebiet eröffnen. Jetzt ist das Problem da, was die USA wieder wegbomben wollen.

 

Der Weltpolizist hat einen neuen Tatort. Plötzlich werden die Zahlen der IS-Kämpfer in Libyen fieberhaft nach oben korrigiert. Anfang 2015 sollen es nach Angaben der Vereinten Nationen keine 200 gewesen sein. Ende 2015 wurden sie auf 2000 geschätzt, jetzt sprechen amerikanische Regierungsvertreter plötzlich von bis zu 6000. Könnten das etwa die 6000 Terror-Söldner sein, die im Irak und in Syrien verschwanden?

 

Der neue Brückenkopf des Kalifats ist bereits seit dem letzten August sehr aktiv, wenn es um das Kopfabschneiden und Kreuzigen geht. Geistliche und lokale Führer kleinerer Milizen werden in Libyen gezielt ausgeschaltet. Ein ehemaliges Mitglied des Stadtrats von Sirte berichtete im Dezember: »IS-Kämpfer streifen durch die Straßen. Sie praktizieren die Scharia. Sie kontrollieren Leute, damit diese kein Gebet versäumen. Frauen sieht man praktisch nicht mehr in der Öffentlichkeit.« Eine wichtige Ölstadt nach der anderen fiel in die Hände der Terrormiliz.

 

Libyen – Drehkreuz für Terror, illegale Migration und Waffenschmuggel

 

Inzwischen ist Libyen ein Sprungbrett für weiteren IS-Terror in den Nachbarländern. Tunesien erlebte bereits zwei Anschläge. Algerien unterhält traditionell eigene Terrorzellen – sozusagen Dschihadisten-Konkurrenz, die die Terrormiliz beseitigen möchte. Ein ägyptischer IS-Führer drohte mit Sprengung der Sphinx und in Europa häufen sich in den letzten Monaten die Attentate.

 

Libyens offizieller Außenminister Mohamed al-Dairi sagte: »Es tut uns sehr leid, dass Libyen ein Transitland geworden ist für organisiertes Verbrechen, illegale Migration und Waffenschmuggel.« Der Weltsicherheitsrat verfasste im letzten Jahr eine 24-seitige Analyse: »Das IS-Oberkommando im Irak und in Syrien betrachtet Libyen als die beste Option, um sein Kalifat weiter auszudehnen.« Aktiv werden die USA aber erst jetzt. Militärbeobachter kundschaften die Lage aus. Soldaten der Special Forces, des Luftlande-Sondereinsatzkommandos des US-Heeres, wurden bereits im Land fotografiert. Ein Libyer lud die Bilder bei Facebook hoch.

 

»No Boots on the Ground« – ein Krieg, den es offiziell nicht geben soll

 

Pentagon-Sprecher Cook räumte ein, dass »eine kleine Gruppe« von Soldaten wieder Kontakt mit den libyschen Milizen herstellt. Cook verkaufte das allerdings als harmlose Unterhaltung – »bloß, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wer die aktuellen Mitspieler sind«. Alles deutet auf einen neuen Libyen-Krieg der USA hin – und Washington bastelt gerade an einer Gaga-Definition für noch einen Krieg, den es offiziell nicht geben soll.

 

Solange keine US-Bataillone durch die Wüste fahren, ist es auch keine Intervention. Das sagte nicht irgendwer, sondern Ex-Außenministerin Hillary Clinton: »Spezialkräfte, Ausbilder, ja. Flugzeuge zum Bomben, ja. Keine Bodenstreitkräfte.« Die New York Times berichtete, dass die US-Militärs gezielte Luftschläge und Überfälle durch Spezialkräfte vorbereiten. Was sagt aber der US-Kongress dazu, dass der Krieg gegen den IS jetzt auch noch nach Libyen ausufert? Gar nichts, schreibt Trevor Timm im Guardian und fragt sich deshalb: »Schlafwandelt Amerika in einen Libyen-Krieg?« Die Debatte findet außerhalb des Parlaments statt und wird durch anonyme Militärexperten bestimmt. Die füttern Zeitungen und schüren eine neue Kriegsbegeisterung.

 

Der Krieg ernährt den Krieg

 

Im Präsidentschaftswahlkampf wird das Thema aber komplett ausgeblendet: Hillary Clinton war noch als Außenministerin gegen Obamas letzten »rechtswidrigen« Libyen-Krieg. Jetzt ist sie Präsidentschaftskandidatin der Demokraten und tritt gegen Obama an. Der neue Libyen-Krieg wäre da eine Steilvorlage, bleibt aber liegen.

 

Die gesamte US-Polit-Elite ignoriert den Dauerkrieg in Nahost. Seit 14 Jahren stürzt dieser eine ganze Region immer tiefer ins Chaos. Jetzt schweigen sich die USA auch das neueste Kapitel in Libyen als Nicht-Intervention schön. Solange »no boots on the ground« sind, wie Barack Obama es ausdrückte, ist alles in Ordnung.

 

Langsam muss man sich fragen, ob der IS beim Terror-Export nur dank freundlicher Unterstützung der USA so erfolgreich ist. Die schauen so lange zu, bis sich das Bomben rentiert. Übrigens: Der IS expandiert auch nach Afghanistan. Ein Land, das die USA bereits 2001 umpflügten. Die US-Truppen sollten dort schon längst wieder abgezogen werden, jetzt bleiben sie über Jahrzehnte. Wegen dem IS. Das US-Militär plant auch dort schon wieder neue Militärschläge. Ein Teufelskreis? Nein, der Krieg ernährt eben den Krieg.

 

 

 

 

 

 

 

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