Dienstag, 6. Dezember 2016
23.08.2011
 
 

»Erste Hilfe« für Finanz-Aristokratie: 1,2 Billionen Dollar für die Banken

Michael Brückner

Die Summe ist atemberaubend – und sie wirft Fragen auf: Mit 1,2 Billionen US-Dollar (ausgeschrieben: 1.200.000.000.000) griff die amerikanische Notenbank während der Finanzkrise in den Jahren 2007 bis 2009 Geschäftsbanken im In- und Ausland unter die Arme. Die U.S. Federal Reserve stieg damit vorübergehend zur Weltnotenbank auf. Brisante Details dieser massiven Hilfe vor allem für die Finanz-Aristokratie an der Wall Street wurden jetzt bekannt.

»Too big to fail«, so wurde lange Zeit die angebliche »Unsinkbarkeit« von weltweit agierenden Großbanken begründet. Sie dürfen nicht scheitern, weil die Auswirkungen für das gesamte

Finanzsystem verheerend wären. Heutzutage spricht man in diesem Zusammenhang von »systemischen Risiken«, was aber letztlich auf das gleiche hinaus läuft. Oft wurde die Frage gestellt, weshalb vor und nach der Pleite von Lehman Brothers beinahe alle in Schieflage geratenen Geldhäuser mit unglaublichen Summen gerettet wurden, ausgerechnet die gestrauchelte traditionsreiche New Yorker Investmentbank aber nicht. Eine der möglichen Erklärungen: Die globale Finanzwirtschaft wollte einmal ganz praktisch demonstrieren, was es heißt, wenn systemische Risiken eintreten. Sollte dies die Absicht gewesen sein, so hätte sie sich als Volltreffer erwiesen, denn spätestens seit Lehman traut sich keine Regierung und keine Notenbank mehr, eine Großbank einfach in die Insolvenz zu entlassen. Ähnlich wie bei der angeblichen Euro-Rettung lautet die Devise auch bei Bankenkrisen: »Wir retten, koste es, was es wolle«.

Was es unter anderem die Fed gekostet hat, darüber herrscht jetzt zumindest Klarheit. Nicht weniger als 1,2 Billionen US-Dollar an Krediten vergaben die Notenbanker um Chairman Ben Bernanke an in- und ausländische Geldinstitute. Morgan Stanley ließ sich mit über 107 Milliarden US-Dollar unter die Arme greifen, die Citigroup Inc. lieh sich knapp 100 Milliarden von der Notenbank, und die Bank of America Corp. (BAC) war mit über 91 Milliarden dabei. »Wir sprechen immerhin über die amerikanische Finanz-Aristokratie, die ohne das Geld der Fed den Bach hinunter gegangen wäre«, kommentiert Robert Litan, ein ehemaliger leitender Beamter des Justizministeriums, den Vorgang entsetzt.

Besonders pikant: Ein Jahr vor der billionenschweren Hilfe durch die Fed hatten die führenden US-Banken noch Rekordgewinne verzeichnet – nicht zuletzt dank ihrer fragwürdigen Immobilien-Engagements und der Weitergabe von Darlehenspaketen mit miserablen Bonitäten. BAC strich 2006 einen Gewinn von 21,1 Milliarden US-Dollar ein, Citigroup Inc. erwirtschaftete knapp 20 Milliarden.

Auch andere internationale Großbanken nahmen Kredite bei der Fed auf. Etwa die Hälfte der 30 größten Schuldner der amerikanischen Notenbank seien europäische Institute, meldete dieser Tage die Nachrichtenagentur Bloomberg. Darunter befinden sich einige der ersten  Adressen, wie die Royal Bank of Scotland, die belgische Dexia SA, die französische Société Générale SA und die Schweizer UBS. Zu den deutschen Darlehensnehmern gehört unter anderem die Hypo Real Estate. Mit der UBS stützte die amerikanische Fed ausgerechnet ein Institut, mit dem die US-Behörden im Clinch lagen wegen angeblicher Konten amerikanischer Steuerflüchtlinge. Was nicht zuletzt die Frage aufwirft, was von der Diskretion Schweizer Großbanken zu halten ist, wenn diese ihr wirtschaftliches Überleben in der Krise Darlehen der amerikanischen Notenbank verdanken.

Mit der Société Générale machte sich die Fed schließlich eine Bank zum Schuldner, die erst jüngst wieder im Mittelpunkt von Gerüchten über mögliche Liquiditätsengpässe und die Notwendigkeit weiterer Staatshilfen stand. In der vergangenen Woche stürzte der Aktienkurs des Bankhauses, dessen Management alle Spekulationen zurückwies, um 15 Prozent ab. Tatsache ist, dass die Société Générale bei einem Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) am schlechtesten abgeschnitten hat.

Zwar beeilen sich die Fed-Verantwortlichen, die Notkredite in Billionen-Höhe zu relativieren. Bisher habe es keine Zahlungsausfälle seitens der Schuldner gegeben, heißt es. Und: Die Zentralbank habe bislang rund 13 Milliarden US-Dollar an Zinsen und Gebühren für die Notprogramme vereinnahmt. Das ist etwas mehr als ein Prozent der Darlehenssumme. Keine überzeugende Rendite. Wie immer, wenn Banken oder Staaten mit extrem teuren Rettungspaketen vor dem Zusammenbruch bewahrt werden sollen, wird der Vorgang den erstaunten Bürgern aber als gutes Geschäft, als attraktives Investment dargestellt. Überraschen muss jedoch, mit welchen Summen die Fed in den Markt eingreift. Der Kreditblase der Geschäftsbanken folgt offenkundig eine Kreditblase der rettenden Notenbanken.

 

 


 

 

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