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Noch vor wenigen Wochen wurden die kommunistischen Herrscher Chinas als Retter in der Not von den servilen europäischen Staats-Pleitiers hofiert. Mit seinen milliardenschweren Staatsfonds sei
das Reich der Mitte in der Lage, die krisengeschüttelte Eurozone zu retten, hieß es in den Mainstreammedien. Und jede zarte Hoffnung, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen könnte, wurde an den Börsen gefeiert. Retten die Chinesen den Euro? »Wird der Euro zum Eulo«, wie eine deutsche Zeitung kalauerte?
Spätestens die Entwicklung der vergangenen Wochen belegt indessen: China steht selbst vor einem Desaster. Die aktuell platzende Immobilienblase dürfte erst der Anfang sein. Und schon droht der absehbare China-Crash auch das bis vor kurzem noch boomende Indien anzustecken. Unlängst warnten wir auf KOPP Online, China könne zum Epizentrum einer neuen Weltwirtschaftskrise werden. Mittlerweile sind wir selbst überrascht von der unglaublichen Dynamik dieses sogar von offiziellen Stellen eingeräumten Wirtschaftsabschwungs. Beobachter vor Ort gehen davon aus, dass spätestens im Sommer oder Herbst 2012 das lange Zeit gefeierte Wachstumswunderland in eine schwere Krise schlittern könnte. Manche vergleichen die Situation schon mit der Rezession in Südamerika Anfang der 1980er Jahre.
Angesichts der sich beinahe täglich eintrübenden Konjunkturaussichten hier ein aktuelles China-Update:
Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua vor kurzem meldete, sank der Purchasing Managers Index (PMI) im November für das nichtverarbeitende Gewerbe auf 49,7 Punkte. Er sei damit gegenüber dem Vormonat »stark gefallen«, zitierte die Nachrichtenagentur den chinesischen Einkaufs- und Logistikverband (CFLP). Vor allem die flaue Nachfrage in der heimischen Bauindustrie habe zu diesem Rückgang geführt, sagte der CFLP-Vizepräsident. Gleichzeitig sank aber auch der Index für die chinesische Industrieproduktion im November auf 49 Punkte. Das offizielle chinesische Wirtschaftswachstum fiel von 9,7 Prozent im ersten Quartal auf 9,1 Prozent im dritten Quartal 2011. Im vergangenen Jahr hatte das Plus noch 10,4 Prozent ausgemacht. Chinas Wirtschaft sei »nicht mehr expansiv«, kommentierte der chinesische Analyst Zhan Liqun.
Derweil gibt es eindeutige Hinweise, dass die Immobilienblase bereits geplatzt ist. In der Stadt Shenzhen protestierten aufgebrachte Immobilienbesitzer gegen den Preisverfall ihrer Objekte. Noch vor wenigen Monaten hatten sie für den Erwerb einer rund 100 Quadratmeter großen Wohnung in mittlerer Lage etwa das 45-fache des Jahreseinkommens eines Durchschnittsverdieners zahlen müssen. Heute sind diese Objekte mindestens 10 Prozent günstiger zu haben. Die Experten der französischen Großbank BNP Paribas rechnen für das nächste Jahr erneut mit einem Rückgang der Immobilienpreise in China um 10 Prozent.
Der absehbare Preisverfall der Objekte könnte den wirtschaftlichen Abwärtstrend des Landes weiter beschleunigen, denn zahlreiche Unternehmen halten Immobilien in ihrer Bilanz und fürchten nun einen hohen Abschreibungsbedarf. Dass die völlig überhitzte Blase einmal platzen würde, war
abzusehen. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres machten die Immobilieninvestitionen in China rund 515 Milliarden Euro aus.
Derweil werden auch aus anderen Teilen des Landes gewalttätige Proteste angesichts kollabierender Immobilienpreise gemeldet. Die chinesischen Anleger seien naiv gewesen und hätten über Jahre hinweg nur steigende Preise erlebt. Der jetzige Preisverfall werde die Wut der Käufer noch wachsen lassen, sagt Gao Haiyn vom Institut für Urbanitätsforschung der Stadt Shenzhen.
Anzeichen für eine gefährliche Überhitzung zeigt darüber hinaus die chinesische Industrie. Nach vertraulichen Informationen, die KOPP online vorliegen, werden trotz der sich deutlich abschwächenden Konjunktur zusammen mit Großkonzernen aus Europa und den USA weiterhin gigantische Erweiterungs- und Investitionsprojekte genehmigt. Während das erste Werk noch gebaut wird, lässt man sich das übernächste bereits genehmigen. Diese Anlagen entstehen zudem in Regionen, deren Infrastruktur gar nicht dafür geeignet ist, wie etwa in Nordchina und der Inneren Mongolei. Dort ist oft sogar nicht einmal eine Kommunikation per Handy oder Festnetztelefon möglich. Ausländische Experten müssen Satelliten-Telefone mitbringen.
Alarmiert von den jüngsten Hiobsbotschaften senkte die chinesische Nationalbank erstmals seit drei Jahren die Mindestreserve-Anforderungen für die Geschäftsbanken des Landes. Die Quote wurde um 50 Basispunkte auf 20 Prozent reduziert. Das beweist: Der sich abzeichnende Wirtschafts-Crash bereitet Peking mehr Sorgen als die nach wie vor hohe Inflation.
Derweil gerät ein weiterer asiatischer Wirtschaftsmotor ins Stottern. Im dritten Quartal stieg das indische Bruttoinlandsprodukt nur noch um 6,9 Prozent gegenüber 8,4 Prozent im Vorjahresquartal.
Spätestens jetzt sollte in den europäischen und US-amerikanischen Großkonzernen ein Umdenken beginnen. Geblendet vom vermeintlich grenzenlosen Wachstum in China und Indien hatte manches Unternehmen jahrelange Stammkunden auf den Heimatmärkten vernachlässigt und seine Produkte zum großen Teil auf die Bedürfnisse asiatischer Nachfrager ausgerichtet. Konzerne, die nicht oder nicht sehr stark auf dem chinesischen Markt vertreten sind – wie etwa der französische Autobauer Peugeot – wurden lange Zeit mitleidig belächelt. Wer weiß, vielleicht war dies eine kluge und im Nachhinein weitsichtige Entscheidung.
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