
Die USA und Europa drängen schon lange darauf, dass China seine traditionell niedrig bewertete Währung auf ein angemessenes Maß anhebt, um so den weltweiten Wettbewerb zu erleichtern. Diese Aufforderung scheint jedoch einfacher gesagt als getan, denn durch eine schnelle Dollar-Angleichung des Yuans würde das Land sich selbst empfindlich schaden.
Wie Ex-Notenbanker Yu Yongding dem Handelsblatt gegenüber äußerte, ist eine Korrektur des Yuan gegenüber dem Dollar nur langsam zu bewerkstelligen, da sich nur so negative Auswirkungen auf den chinesischen Export und auf die damit verbundenen Arbeitsplätze vermeiden lassen.
Schon längst ist in China nicht mehr alles Gold, was glänzt: Das Exportwachstum ist infolge der globalen Finanzkrise 2009 gegenüber 2008 um 34 Prozent gefallen. Und in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres betrug Chinas Handelsüberschuss 84 Milliarden Dollar, das sind 21,2 Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Der stetige Rückgang des Handelsüberschusses lässt die Regierung in Peking einmal mehr zögern, eine deutliche Aufwertung zuzulassen – nicht zuletzt auch aus Angst vor der Auswirkung auf die eigene Handelsbilanz.
Bisher hielt China den Kurs des Yuan niedrig, indem die Notenbank US-Dollar eingekauft hat. Doch Peking ist sich wohl bewusst, dass dies keine dauerhafte Lösung sein kann, da eine weitere Verschlechterung der US-Außenhandelsbilanz die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Vereinigten Staaten ihren wachsenden Schuldenberg durch eine künstlich herbeigeführte Inflation verringern könnten. Dies würde wiederum schwerwiegende Nachteile für die chinesische Wirtschaft nach sich ziehen und den gerade erst errungenen Wohlstand gefährden.
Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao sprach jetzt Klartext: Eine zu schnelle Aufwertung des Yuan würde das Wachstumsmodell zerstören, das großen Teilen der Bevölkerung aus der Armut hilft. Viele chinesische Unternehmen stünden vor dem Bankrott, Hunderttausende Arbeiter würden erwerbslos werden und müssten in ihre Dörfer zurückkehren. Ein Schreckensszenario, nicht nur für eine kommunistische Führung, auch für viele Exportnationen, die am Tropf von Chinas Wohlstand hängen. Die Vorwürfe der Amerikaner, er würde die Währung künstlich niedrig halten, konterte Jiabao mit dem Argument, die USA würden einen großen Teil der Waren aus China ja schließlich selbst und freiwillig kaufen und somit Vorteile aus den niedrigeren Preisen erzielen.
Die Verantwortlichen in Peking sehen sich dennoch genötigt, einen Mittelweg zwischen der Aufrechterhaltung der Exportwirtschaft und der Wahrung des nationalen Wohlstandes zu finden. Keine leichte Aufgabe.
Interesse an mehr Hintergrundinformationen?
Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!
Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.
In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:
- Enthüllt: USA überwachen Deutsche in Deutschland
- Präsident Sarkozy und die Pressefreiheit
- SPD-Politiker Hans Eichel – Wer haftet für seine Fehlentscheidungen?
- England: Millionen Privathaushalte stehen vor dem Ruin

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!
© 2010 Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, beim Kopp Verlag, Rottenburg
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.