Wednesday, 29. June 2016
27.07.2011
 
 

Indiens Höllenritt

Michael Grandt

In den Schwellenländern baut sich eine immer gigantischere Kreditblase auf. Wenn sie platzt, wird die gesamte Weltwirtschaft ein neues Finanzdesaster erleben.

Die Öffentlichkeit schaut gerade nur auf das, was sich in Europa oder in den USA abspielt. Doch fernab jeglicher medialer Aufmerksamkeit braut sich in den Schwellenländern ein Finanzdesaster zusammen, das die ganze Welt in den Abgrund stürzen könnte.

Die Wirtschaft in den Schwellenländern boomt. Dennoch bekommt man dort immer noch Darlehen zum Nulltarif. Sogar Hobbyökonomen wissen, dass bei niedrigen Zinsen und hohen Inflationsraten

eine immer höhere Überschuldung droht. Normalerweise müssten die Notenbanken die Zügel anziehen und die Zinsen erhöhen. Doch das tun sie nicht oder nur sehr zögerlich, weil höhere Zinsen auch Spekulanten anziehen. Immer mehr Geld in das Land zu holen bedeutet aber auch eine Aufwertung der Währung, was von Notenbanken nicht gerade gewünscht wird. Und so baut sich eine immer gigantischere Kreditblase auf.

 

Hat man Ihnen etwa auch schon Kapitalanlagen in Indien angeboten? Das südasiatische Land ist DER neue Liebling internationaler Investoren. Die Wirtschaft des Landes wächst fast genau so schnell wie die Chinas. Doch die Inflation ist kaum mehr zu bremsen. Die Preissteigerungsrate für Primärartikel (Non-Food und Nahrungsmittel) beträgt bereits über elf Prozent, die Leitzinsen hingegen liegen bei acht Prozent, obwohl die Zentralbank diese seit März 2010 bereits elf (!) Mal erhöht hat. Nimmt ein Inder also einen Kredit auf, liegen die Zinsen niedriger als die Inflationsrate. Er wäre also dumm, würde er sich nicht verschulden, denn der Kredit zahlt sich so quasi von selbst.

Wenn die Zinsen niedriger sind als die Inflationsrate, spricht man von »negativen Realzinsen«. Viele Notenbanken wollen dies, denn das kurbelt den Konsum und damit die Wirtschaft an. Doch die Wirtschaft in den meisten Schwellenländern muss gar nicht mehr angekurbelt werden, aber der Zins bleibt dennoch niedrig. Das wiederum birgt aber die Gefahr, dass sich die Menschen immer mehr verschulden und damit steigen die Kreditausfallraten. Viele können nicht mit Geld umgehen und kaufen sich, was sie sehen, ohne sich große Gedanken darüber zu machen, wie ihr Darlehen einst zurückbezahlt werden wird.

Daher steht die indische Notenbank vor einer schwierigen Entscheidung: Weitere Zinserhöhungen würden das Wirtschaftswachstum und den Export drastisch einschränken. Tut man nichts, steigt die Inflation. So geht Indiens Höllenritt weiter.

Doch dessen ungeachtet lieben es Anleger aus Ost und West geradezu, immer mehr Kapital in Schuldtitel von Schwellenländern zu investieren. Das nächste Kartenhaus wird aufgebaut. Hoffen und beten wir, dass es nicht so schnell zusammenfällt.

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Quellen:

EMFIS.com

IWF

World Economic Outlook Database

Weltbank

 

 


 

 

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