Kampf um das »Weiße Gold«
Michael Grandt
Rohstoffe werden immer begehrter und sowohl wirtschaftlich als auch strategisch immer wichtiger. Ausgerechnet Bolivien, das ärmste Land Südamerikas, sitzt auf einem riesigen Lithium-Schatz und könnte durch den Abbau zu ungeahntem Reichtum kommen. Doch die Regierung will sich von internationalen Multis nicht übers Ohr hauen lassen.
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Von der Weltöffentlichkeit beinahe unbemerkt vollzieht sich in Südamerika, genauer gesagt in Bolivien, ein Kampf um das »Weiße Gold«. Gemeint ist das seltene Alkalimetall namens Lithium. Dieses wird vor allem für den Bau von Lithium-Ionen-Akkumulatoren für viele elektronische und elektrische Geräte verwendet. Auch wegen seiner Energiedichte und hohen Zellspannung ist Lithium ein wertvoller Rohstoff für die Automobilproduktion.
Im bolivianischen Salzsee Salar de Uyuni sollen abbaubare Lithium-Reserven von mehr als 5,4 Millionen Tonnen mit einem Wert von über 120 Milliarden Euro pro Jahr schlummern. Mit diesem riesigen Vorkommen könnte sich Bolivien vom Armenhaus Südamerikas zum Superstar des Kontinents katapultieren. Das benötigt allerdings noch etwas Zeit. Erst ab dem Jahr 2030 könnten die Reserven verwertet werden, das schätzen jedenfalls die Experten.
Die Linksregierung »Bewegung des Sozialismus« (MAS) unter Präsident Evo Morales weiß um
ihren Schatz und macht auch keinen Hehl daraus, dass sie sich nicht übers Ohr hauen lassen möchte. Eine »partnerschaftliche Lithium-Industrialisierung auf Augenhöhe« heißt demnach auch die Devise. Vorbei sind die spanischen Kolonialzeiten, in denen man sich schamlos ausbeuten lassen musste. Jetzt bestimmen die Bolivianer selbst und die großen Industrienationen kommen angekrochen. Aber Morales darf nicht zu dick auftragen, denn auch er braucht ausländische Unterstützung, um die Lithium-Industrie in seinem Land erst richtig entwickeln zu können. Deshalb hat die Regierung in La Paz schon Absichtserklärungen zur Ausbeutung der heimischen Vorkommen mit dem Iran und Südkorea unterzeichnet, aber auch Frankreich steht ganz oben auf der Liste.
Jetzt will auch Japan mit auf den Zug springen. Hochrangige Vertreter beider Länder und Manager der Automobilindustrie führten bereits erste Gespräche. Der japanische Vize-Wirtschaftsminister Kaname Tajima sprach von Lithium als einem »strategisches Element« und unterstrich die Wichtigkeit des Rohstoffes bei der Automobilproduktion. Bolivien und Japan würden sich deshalb »annähern« und ihre Zusammenarbeit schrittweise ausweiten, etwa durch den Transfer von Humankapital und Technologie.
Der bolivianische Präsident Evo Morales wünscht sich ebenfalls eine »strategische Allianz« mit den fleißigen Asiaten und hofft auf den Aufbau einer heimischen Automobilindustrie. Sein Traum: ein »Lithium-Toyota Made in Bolivia«. Doch dafür braucht man Zeit. Zeit, die Morales nicht hat, denn seine vollmundigen Versprechungen einer Verbesserung des Wohlstandes durch den Lithium-Abbau ist im Volk wohl gehört worden und auch die Opposition drängt darauf, die Lizenzen so schnell wie möglich an internationale Multis zu verkaufen. So ist Boliviens »Weißes Gold« zugleich Fluch und Segen für die gegenwärtige Regierung, deren Schicksal wohl davon abhängen wird, inwieweit und wie schnell die Einnahmen aus dem Lithium-Abbau der heimischen Bevölkerung zugute kommen werden.
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